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Sanitätsdienst am Balkan

Bericht über die Sanitätsversorgung durch Wehrpflichtige aus dem Präsenz- und Milizstand im Rahmen der multinationalen Beobachtermission am Balkan.

Im Rahmen der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft während der zweiten Jahreshälfte 1998 war Österreich auch mit der Leitung der European Community Monitor Mission (ECMM) in Ex-Jugoslawien betraut. Diese multinationale Mission hat die Aufgabe, politische, wirtschaftliche und Belange der Menschenrechte schwergewichtsmäßig in Bosnien-Herzegowina zu beobachten und entsprechende Berichte an diverse Dienststellen der EU in Brüssel zu übersenden.
Dazu sind ca. 330 Monitore(Beobachter) aus 17 Nationen im Einsatzraum. Während der österreichischen Präsidentschaft waren auch bis zu 60 Österreicher, einige davon in hohen Leitungsfunktionen im Dienst der internationalen Staatengemeinschaft. Head of Mission, also Leiter der Mission war von Juli bis Dezember 1998 ein österreichischer Botschafter des Bundesministeriums für auswärtige Angelegenheiten.
Auch der Posten des Medical Advisors (vergleichbar mit Force Medical Officer) und des Medical Assistant (SanUO) waren von österreichischem Sanitätspersonal, aus dem Präsenz- und Milizstand des Bundesheeres besetzt.
Wir hatten die Aufgabe, Personal von ECMM, egal welcher Nationalität, sanitätsdienstlich zu betreuen sowie den Leiter der Mission und seinen Stab in medizinischen Fragen zu beraten.
Die Monitore sowohl ziviler als auch militärischer Herkunft sind in Teams zu zweit oder dritt sowie in Coordination Centers und Regional Centers in Kroatien, Bosnien-Herzegowina, der Bundesrepublik Jugoslawien, Mazedonien und Albanien disloziert, was hohe Ansprüche an die Versorgung stellt.

Medizinische Einsatzvorbereitung

Die zu entsendenden Österreicher wurden vor ihrer Abreise auf gesundheitliche Eignung untersucht und entsprechend geimpft, um auf die alltäglichen Strapazen bestmöglich vorbereitet zu sein.
Die österreichische Prozedur, die bei internationalen Vergleichen im Spitzenfeld liegt und üblicherweise vor der Entsendung von Personal in den Auslandseinsatz im Heeresspital durchgeführt wird, umfaßt neben einer klinischen Untersuchung die Zusammenschau verschiedener fachärztlicher Befunde damit chronische Erkrankungen ausgeschlossen und aktuell erkannt werden. Das Ziel dabei ist, für die Entsendung geeignete, gesunde und leistungsfähige Personen auszuwählen. Zusätzlich wurden die ECMM Teilnehmer vor der Abreise in den Einsatzraum gegen Diphtherie, Tetanus, Poliomyelitis, Meningokokkenmeningitis, FSME, Hepatitis B, Hepatitis A , Typhus und Cholera geimpft, bzw. wurde vorbestehender Impfschutz überprüft und allenfalls aufgefrischt.

Medical Office und Sanitätsdienst vor Ort

In einer allmählich herangewachsenen und schlußendlich gut ausgestatteten allgemeinmedizinischen Praxis im Hauptquartier in Sarajevo konnten wir viele unserer Patienten selbst behandeln. Außerhalb der Normdienstzeiten waren wir per Mobiltelephon erreichbar und so mancher der nächtlichen Hausbesuche, bei denen sich die Medical Assistants als bestausgebildet erwiesen, zeigte die mobile Einsatzbereitschaft unseres Medical Teams.
Die bereits vorbestehenden Kontakte zu lokalen Spitälern und Fachärzten wurden weiter vertieft und insbesondere das nahegelegene Feldlazarett des deutschen Kontingentes von SFOR in Raijlovac leistete bei Bedarf entsprechende fachärztliche Hilfe.
Mit den Kameraden von AUSLOG/SFOR in Visoko pflegten wir freundschaftliche Kontakte und tauschten Erfahrungen aus. Auch Procedures zur medizinisch erforderlichen Evakuierung von Patienten (MEDEVAC) wurden mit SFOR und anderen internationalen Kräften abgestimmt, um im Anlaßfall die bestmögliche Versorgung oder den Heimtransport zu gewährleisten.

Herausforderung

Der Internationale Beobachtereinsatz im Kosovo war eine sanitätsdienstliche Herausforderung.
Bereits Anfang des Sommers erhielten wir den Auftrag, die Sanitätslage im Kosovo zu studieren und anschließend Beobachter-Teams für einen Aufenthalt in der südserbischen Krisenregion vorzubereiten. Nach Kontaktnahme mit den österreichischen Botschaften in Belgrad und Skopje machte ich mich daran, auch die Weltgesundheitsorganisation und andere Informationsträger einzubinden und schließlich reiste ich selbst nach Pristina, um mir einen Überblick zu verschaffen, wie unsere Beobachter am besten zu versorgen wären.
Besonders mit Infektionskrankheiten und Verletzungen war zu rechnen und erschwerend wirkte die herrschende Krisensituation, weil kaum lokal nutzbare medizinische Infrastruktur zu Verfügung stand. Außerdem sah die operationelle Planung von ECMM nicht vor, eine weiterreichende Sanitätsversorgung anzuordnen.
Mit einem ganzen Landrover voll Medikamenten und medizinischer Ausrüstung fuhr ich via Belgrad in den Kosovo. Alle Fahrzeuge wurden mit großzügigen Autoapoteken ausgestattet und alle Teams erhielten Hausapoteken und Verbandkästen mit Handlungsanweisungen über den Gebrauch der Sanitätsgüter, die wir den Monitoren zu Verfügung stellten.
In der Folge konnten wir ein Netz von fachlichen Kontakten und medizinischen Ansprechpartnern etablieren, welches als absolute Minimalanforderung bei derartigen Einsätzen erforderlich ist.
Die später in den Kosovo eingeflossene Verifikationsmission der OSZE bediente sich unserer Basisarbeit und konnte auf die durch uns erstellten Sanitätseinsatzpläne aufbauen. Durch Kontakte mit internationalen Hilfsorganisationen erreichten manche humanitäre Aktionen rechtzeitig die Hilfsbedürftigen.

Abschließend muss festgestellt werden, dass derartige Einsätze für Sanitätspersonal ein hohes Maß an fachlicher Qualifikation, Eigeninitiative und Leistungsbereitschaft erfordern. Besonders im Dienst fernab von etablierten Einrichtungen sind nicht nur gute Fremdsprachenkennnisse und Toleranz sondern, auch eine gute Portion Humor gefragt.

ObstltA Dr. Georg Rosenmayr, SanW

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