Bundesheer Bundesheer Hoheitszeichen

Instagram
flickr
YouTube
facebook-button
Bundesheer auf Twitter

Duellsimulatoren neu eingeführt

Mechanisierte und Infanterieverbände sind nunmehr mit modernem Ausbildungsgerät ausgestattet, womit eine zeitgemäße und effiziente Ausbildung flexibel sichergestellt wird.

Die Duellsimulatoren sind Ausbildungsgeräte, welche auf der Waffe oder dem Kampffahrzeug aufgebaut werden und die unter Verwendung von Laser die Wirkung der eigenen Waffe auf eine andere Waffe oder ein anderes Kampffahrzeug und umgekehrt darstellen. Das System ermöglicht die Darstellung der Waffenwirkung, um ein gefechtsmäßiges Verhalten herbeizuführen.

Ausstattung

Durch die Abteilung Waffensysteme und Munition des Amtes für Rüstung und Wehrtechnik wurden bisher dreiundsechzig Duellsimulatoren für das Waffensystem Kampfpanzer Leopard und siebenundsiebzig Sätze für Jagdpanzer Kürassier eingeführt.
Im Jahr 2004 wurden vierunddreißig Duellsimulatoren für die Panzerabwehrlenkwaffe 2000 ("Bill") eingeführt, ebenso das erste Lieferlos des Duellsimulators für die Infanterie. Das zweite Lieferlos wird im Jahr 2005 geliefert. Nach Abschluss dieser Lieferung können siebenundvierzig Jäger-, Panzergrenadier- und Aufklärungszüge, sowie neun Scharfschützengruppen und acht Panzerabwehrlenkwaffenzüge mit Duellsimulatoren ausgestattet werden.
Mit Jahresbeginn 2005 stehen noch zusätzlich vierundvierzig Duellsimulatoren für den Schützenpanzer Ulan und zweiundsechzig Duellsimulatoren für das Panzerabwehrrohr 66/79 zur Verfügung.
In den nächsten Jahren werden die Systeme weiter ausgebaut. Derzeit ist eine Ausstattung für alle am Gefecht unmittelbar beteiligten Fahrzeuge sowie die Zusatzausrüstung für den Kampf im verbauten Gebiet geplant.

Nutzen

Sämtliche Duellsimulatoren sind kompatibel und ermöglichen somit ein Üben auf Gegenseitigkeit. Mit Einführung der Simulatoren für die Hauptwaffensysteme können erstmalig Verbandsübungen der Jäger- und Panzergrenadierbrigaden durchgeführt werden, bei denen die Züge der Kampfkompanien vollständig mit Duellsimulatoren ausgestattet sind.
Die Besatzungen müssen alle Abläufe am Kampffahrzeug oder an der Waffe originalgetreu durchführen, das gefechtsmäßige Verhalten aller Soldaten wird durch die realitätsnahe Darstellung der Waffenwirkungen nahezu "erzwungen". Dadurch ist in einer relativ kurzen Zeit ein hoher Ausbildungseffekt zu erzielen, welcher bisher kaum zu erreichen war. Alle Auswirkungen auf dem Gefechtsfeld, welche diese Waffen und Systeme hervorrufen, werden dargestellt und müssen nicht mehr fiktiv über Schiedsrichterentscheidungen diktiert werden.
Der Übungsablauf selbst ist viel mehr als bisher vom tatsächlichen Können und Geschick der einzelnen Elemente, Teileinheiten und Einheiten abhängig.

Insgesamt bewirken die Simulatoren einen Quantensprung in der Einzel-, Team- und Verbandsausbildung. Bei der Gefechtsausbildung erfolgt die
* Einzelausbildung der Soldaten
- mit der computerunterstützten Ausbildung und
- mit dem Schießsimulator;
* Teamausbildung im Organisationselement
- mit dem Gefechtssimulator zur Schulung des Kommandantenverhaltens auf der Ebene Gruppe bis Zug und
- mit dem Duellsimulator zur Schulung des Gefechtsverhaltens auf der Ebene Gruppe bis zum Verband;
* Verbandsausbildung
- mit dem Führungssimulator an der Theresianischen Militärakademie und der Landesverteidigungsakademie zur Schulung von Stäben ab Ebene kleiner Verband.
Mit den Simulatoren kann die Einsatzvorbereitung realitätsnah erfolgen und in relativ kurzer Zeit ein hohes Ausbildungsniveau erreicht werden.

Funktionsweise

Das schießende System simuliert das Geschoss und überträgt die Daten zum Ziel. Es berücksichtigt dabei alle ballistischen Parameter. Das Ziel wird über die Position und den Treffpunkt des Projektils, die Munitionsart sowie die Identität des Schießenden informiert. Über eine eingebaute Speicherkarte werden sämtliche Vorgänge und die aktuelle Position aufgezeichnet.
Das Zielsystem wertet die Wirkung aus. Hier wird bestimmt, wo das Projektil tatsächlich einschlägt, die Waffenwirkung wird errechnet und dargestellt. Je nach Munition und Trefferlage kann eine Vielzahl von Zuständen simuliert werden, das heißt vom Treffer ohne Wirkung über Teilausfälle von Systemen bis zum Totalausfall.

Anwendung

Die Simulatoren müssen vor jedem Gebrauch programmiert werden. Der Ausbildungsleiter kann zwischen den verschiedenen Betriebsarten "Ausbildung" und "Duell" wählen.
Der Ausbildungsmodus dient der Richtschützen- und Kommandantenausbildung wie zum Beispiel bei der Ausbildung am Zielfeld. Die derzeit in Beschaffung stehenden Panzerklappscheiben sowie die Gefechtsdrehscheiben für die Infanterie können dazu mit einer Passivkomponente ausgestattet werden, welche auf den Beschuss entsprechend reagiert.
Der Duellmodus wird bei Ausbildungen und Übungen auf Gegenseitigkeit verwendet. Auf Grund der realitätsnahen Abläufe und Tätigkeiten der Besatzungen und Bedienungen ist damit innerhalb von kurzer Zeit ein hoher Ausbildungsstand erreichbar. Dieser Modus stellt die ideale Verbindung zwischen Gefechtsausbildung und Scharfschießen her und eröffnet eine bisher nicht zugängliche Dimension der Ausbildung. Ebenso können sehr realistisch Gefechtstechniken und andere Parameter wie zum Beispiel Kampfkraftgegenüberstellungen auf ihre Wirksamkeit überprüft werden.

Ausbildungsmodus

Der Ausbildungsmodus wird primär für die Einzelausbildung der Besatzung und Bedienung verwendet. Diese Betriebsart entspricht einem Schießsimulator am Originalgerät. Die Soldaten müssen die Abläufe wie zum Beispiel Richtarbeit und Abfeuerungsabläufe in der Ausführung originalgetreu einhalten. Die Besatzung und der Auswerter erhalten Informationen über Trefferlage und können somit die Richtarbeit überprüfen. Der Ausbildung der Besatzung und Bedienung im Feuerkampf kann somit effizient gestaltet und objektiv ausgewertet werden.

Duellmodus

Der Duellmodus findet vor allem in der Verbandsausbildung Verwendung. Bei der Programmierung werden alle relevanten Fahrzeug- oder Systemdaten vor Ausbildungs- oder Übungsbeginn definiert. So lässt der Simulator zum Beispiel nur das Verschießen der am Fahrzeug oder bei der Waffe verfügbaren Munition zu.

Auswertung

Die vom Simulator aufgezeichneten Daten werden in sogenannten Auswerteeinheiten eingelesen. Da jedes System über eine eindeutige Zuordnung ("ID") verfügt, ist eine Auswertung jedes einzelnen Vorganges bei jedem System möglich.
Im Ausbildungsmodus nimmt das System vor allem auf die Trefferlagen Rücksicht (Ablage vom Haltepunkt), welche mittels Grafik und numerisch dargestellt werden. Da alle Daten gespeichert werden, sind Handhabungsfehler wie zum Beispiel die Wahl der falschen Munitionssorte oder falsche Entfernungseinstellungen in kurzer Zeit erkennbar und darstellbar. Die Ergebnisse können gespeichert und ausgedruckt werden, dadurch ist eine lückenlose Dokumentation der Ausbildung möglich.
Im Duellmodus stellt das System Gefechts- oder Übungsabschnitte nach und wertet sie aus. Auf der Karte werden die Positionen der Fahrzeuge dargestellt, alle Ereignisse können eindeutig zugeordnet und ausgewertet werden wie zum Beispiel wer wen zu welchem Zeitpunkt aus welcher Stellung bekämpft hat oder welche Bewegungen durchgeführt wurde. Jedes einzelne Ereignis ist detailliert analysierbar. Trefferlage, Waffenwirkung und gewählte Munition können lückenlos nachvollzogen, Fehlbedienungen dadurch leicht erkannt und dokumentiert werden.

Zusammenfassung

Mit der Einführung der Duellsimulatoren erhalten die Kampfverbände des österreichischen Bundesheeres ein wertvolles Ausbildungsmittel. In der Anwendung begleiten die Duellsimulatoren die Soldaten bei jeder Tätigkeit an ihrem Waffensystem und werden sozusagen die zweite "Braut des Soldaten". Dies wird auch Auswirkungen auf unsere Gefechtstechniken, Vorschriften und Ausbildungsgänge haben. Dem österreichischen Soldaten ist zum ersten Mal ein Mittel in die Hand gegeben, mit dem er im Verband realitätsnah und intensiv ausgebildet werden kann. Damit erreicht er einen hohen Ausbildungsstand, der für die Erfüllung aller Aufgaben im In- und Ausland unabdingbar ist.

Mjr Wolfgang Habitzl, ARWT/WSM

Eigentümer und Herausgeber: Bundesministerium für Landesverteidigung | Roßauer Lände 1, 1090 Wien
Impressum | Kontakt | Datenschutz | Barrierefreiheit