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Im Pendel zwischen Schwert und Feder

von Dieter H. Kollmer

Kurzfassung

◄ Die preußisch-deutsche Offiziersausbildung war seit 1806 eine sich ständig verändernde Mischung aus Theorie und Praxis; der Offiziersanwärter erlernte grundsätzlich zunächst das praktische Handwerk seiner Truppengattung auf allen militärischen Ebenen, um darauf aufbauend diese Erfahrungen mit theoretischen Kenntnissen in speziellen Offizierlehrgängen anzureichern.

Die preußischen Heeresreformer von 1808, allen voran Gerhard von Scharnhorst, haben die Bedeutung der Allgemeinbildung für den Offizier in der deutschen Offiziersausbildung verankert. Diese reformierte Offiziersausbildung im Sinne Scharnhorsts widersprach aber grundlegend den Vorstellungen des sehr stark in seine Traditionen verankerten Offizierskorps der preußischen Armee, das sich zu einem Großteil aus dem Landadel rekrutierte. Die Folge war ein Dualismus in der Ausbildung des Offiziernachwuchses zwischen einem überaus theoretischen und einem rein praktischen Ausbildungsgang. Die Folge war ein äußerst heterogenes preußisches Offizierskorps.

Im deutschen Kaiserreich 1871 bis 1918 galt Bildung als bürgerliche Errungenschaft, die adlige Offiziere mit den praktischen Belangen des Militärs für inkompatibel hielten. Die Arbeit reformorientierter Offiziere, die eine wissenschaftliche Ausbildung als wichtigen Bestandteil der Offiziersausbildung erachtet hatten, wurde so in kurzer Zeit zunichte gemacht. Die Rechnung wurde im Ersten Weltkrieg präsentiert, als Offiziere führten, die militärische Entscheidungen nicht im Hinblick auf die künftigen Entwicklungen beurteilen konnten. Auf die Komplexität eines Kriegseinsatzes im Industriezeitalter waren die meisten Offiziere nur unzureichend vorbereitet worden; Flexibilität und Führungsfantasie im Sinne von Clausewitz blieben die Ausnahme.

In der Weimarer Republik 1921-1933 wurde ein restaurativer Heeresaufbau betrieben, allerdings besaßen in der stark verkleinerten Reichswehr über 80% der Offiziersanwärter Abitur. Im krassen Gegensatz dazu wurde allerdings die politische und allgemeine Bildung der Offiziersanwärter auf ein Minimum zurückgefahren, was die Beurteilung der politischen Lage in Deutschland nicht unbedingt erleichterte.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten gingen diese sofort daran, das Offizierskorps vehement zu erweitern, wodurch Schichten Zugang zur Offizierslaufbahn erhielten, die früher als nicht "offiziersfähig" angesehen worden waren. Während des Zweiten Weltkrieges, als immer mehr nationalsozialistisches Gedankengut in die Offiziersausbildung geflossen war, zählte schließlich nur mehr der Nachweis der militärischen Bewährung als Zulassung zur Offizierslaufbahn.

Nach 1955 wollten die Politiker von vornherein verhindern, dass die Gründung der Streitkräfte der zweiten deutschen Republik, wie in der Weimarer Republik geschehen, losgelöst von den politischen Verhältnissen vollzogen wurde. Hierzu wurde das Konzept der "inneren Führung" entwickelt, das den Soldaten als Staatsbürger in Uniform sah und das Schwergewicht auf politische Aus- und Weiterbildung, Menschenführung, Wehrrecht und Disziplinarordnung legte. Ab Mitte der 60er-Jahre wurde das Abitur als Aufnahmevoraussetzung festegelegt und 1973 erfolgte die Gründung der beiden Bundeswehrakademien, deren erfolgreiche Absolvierung heute Voraussetzung für eine Führungsposition in der Bundeswehr ist.

In Zukunft wird wichtig sein, dass die Offiziersausbildung der Bundeswehr auf Grund der angeblichen "Anforderungen der Einsätze" nicht rein praxisorientiert ausgerichtet wird. Um komplexe Sachverhalte sachgerecht auswerten und bewerten zu können, bedarf es einer fach- und sachkundigen Ausbildung auf höchstem Niveau, also neben einer hervorragenden militärfachlichen auch einer umfassenden theoretischen Ausbildung und Schulung des Intellekts. Denn nur wer die Folgen seines Handelns überblicken kann, ist in der Lage, angemessene Entscheidungen zu treffen. ►


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Im Pendel zwischen Schwert und Feder

Offiziersausbildung in Deutschland zwischen humanistischer Allgemeinbildung und beruflich-fachlicher Qualifikation (1806 bis 2003)

Vereinzelte Entgleisungen im Umfeld der Bundeswehr (so z.B. die so genannte "Röder-Affäre" an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg(Fußnote 1/FN1) oder die Aussagen des Kommandeurs des Kommandos Spezialkräfte (KSK), Brigadegeneral Günzel,(FN2) zur Rede des CDU-Bundestagsabgeordneten Homann) haben in den vergangenen Jahren in der Öffentlichkeit den Eindruck erweckt, um die Allgemeinbildung und historischen Kenntnisse im Offizierskorps der deutschen Bundeswehr sei es nicht besonders gut bestellt. Dahinter steht das tiefer gehende Problem, inwieweit ein Offizier nur - gerade unter dem Vorzeichen der Auslandseinsätze - militärfachlich gleichsam kriegsnah ausgebildet werden muss, oder inwieweit bei der Ausbildung des Offiziers im Hinblick auf dessen hohe Verantwortlichkeit in Staat und Gesellschaft eine breite, vor allem historisch-politisch akzentuierte Bildung zu stehen habe. Der vorliegende Aufsatz stellt abrissartig dieses auch innerhalb des Militärs seit 200 Jahren umstrittene Problem dar und zeigt auf, wie die Bundeswehr mit dieser Herausforderung heutzutage umzugehen versucht.

Grundsätzliche Merkmale der preußisch-deutschen Offiziersausbildung

Die preußisch-deutsche Offiziersausbildung(FN3) ist seit jeher ein Konglomerat aus Praxis und Theorie. Im Gegensatz zu der reinen "Kadettenakademie-Ausbildung" anderer Nationen erlernt der preußisch-deutsche Offiziersanwärter seit Jahrhunderten zunächst das praktische Soldatenhandwerk seiner Truppengattung auf allen militärischen Ebenen (in den Rängen der Mannschaften, Unteroffiziere, Portepeeunteroffiziere), bevor diese Erfahrungen mit theoretischen Kenntnissen in speziellen Offizierslehrgängen zielgerichtet angereichert werden. Wobei das "[...] stete [...] Hin- und Herpendeln zwischen jenen beiden Polen der Wissenschaftlichkeit und der Praxis" (FN4) die entscheidende "Konstante" des permanenten Ringens um die optimale Ausbildung des Offiziersnachwuchses darstellt. Einschneidende Reformen der Offiziersausbildung wurden zumeist erst mit großer Verzögerung zum Wandel in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft verwirklicht.(FN5) Die Entwicklung der preußisch-deutschen Offiziersausbildung wird daher im Folgenden vorzugsweise an den unterschiedlichen Eingangsvoraussetzungen, ihren Schwerpunkten, Zielen und Folgen verdeutlicht.

Offiziersausbildung nach der preußischen Heeresreform von 1808

Im Frühjahr 1807(FN6) wurde General Gerhard von Scharnhorst(FN7) nach mehreren vernichtenden Niederlagen der preußischen Armee gegen die Streitkräfte Napoleons vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. unter anderem damit beauftragt, den Offiziersersatz und die Offiziersausbildung der königlich preußischen Armee zu reformieren. Die preußischen Offiziere hatten in den militärischen Auseinandersetzungen mit Napoleons Truppen erhebliche Mängel offenbart, die Scharnhorst und seine Mitstreiter u.a. auf deren schlechte Ausbildung und ungenügende geistige Flexibilität zurückführten. Scharnhorst schloss daraus, dass die analytischen Fähigkeiten und das Urteilsvermögen des Offiziers durch umfassende Bildung gestärkt werden müssten, um den Anforderungen des modernen Krieges im Zeitalter der Aufklärung gerecht werden zu können.(FN8) Demnach wurde die Reform der Offiziersausbildung zunächst einmal durch das veränderte Kriegsbild bestimmt, das die Französische Revolution sowie die ihr nachfolgenden kriegerischen Auseinandersetzungen schufen. Darüber hinaus nahmen aber auch die Ideen der Aufklärung, die einen umfassend gebildeten Menschen als idealtypisch begriff, erheblichen Einfluss auf die Neugestaltung der Offiziersausbildung im Rahmen der preußischen Heeresreform von 1808.(FN9) Um diese hohen Ziele zu verwirklichen, wurde der Schwerpunkt der Ausbildung der Offiziere in der preußischen Armee grundlegend verändert: weg von einer voluntaristischen Willensbildung des traditionellen, feudalen Offiziers, hin zu einer intellektuellen Verstandesbildung eines modernen, dynamischen Offiziers.(FN10) Das Maß an Bildung, nicht die adelige Herkunft, sollte von nun an der entscheidende Maßstab für den beruflichen Werdegang eines Offiziers sein.(FN11) Der ständige Kampf um die Stärkung der humanistischen Bildung im Rahmen der preußisch(-deutsch)en Offiziersausbildung nahm hier seinen Anfang und wird bis zum heutigen Tage bestritten.(FN12)

Der stete Wandel in der preußischen Offiziersausbildung im Laufe des 19. Jahrhunderts

Die reformierte Offiziersausbildung im Sinne Scharnhorsts widersprach grundlegend den Vorstellungen des sehr stark in seinen Traditionen verankerten Offizierskorps der preußischen Armee.(FN13) Widerstand gegen die Veränderungen formierte sich nach dem Tode Scharnhorsts 1813. Insbesondere der in weiten Teilen ungebildete Landadel(FN14) protestierte nach dem Ende der Befreiungskriege 1815 gegen die "Undankbarkeit" des Königs für die seit Jahrhunderten geleisteten treuen Dienste.(FN15) König Friedrich Wilhelm III. wollte unbedingt einen Konflikt mit seinen Landadeligen vermeiden und modifizierte in den folgenden Jahren die Ausbildung immer wieder den Forderungen des Landadels entsprechend, da dieser traditionell der Hauptträger des Offiziersersatzes war. Die Rücknahme der Reformen entsprach durchaus seiner allgemeinen Politik, die er an der Wiederherstellung der Gesellschaftsordnung vor der Französischen Revolution orientierte.(FN16) Auch bei der Bestellung der Lehrkräfte für die neuen Ausbildungseinrichtungen gab es Schwierigkeiten. Die Dozenten waren nämlich häufig Offiziere, die gleichzeitig noch ein Truppenkommando in der jeweiligen Garnison hatten. Auf Grund dieser Doppelverpflichtung sank das Niveau so weit, dass ein Lehrer der Allgemeinen Kriegsschule im Jahre 1830 zu dem Urteil kam: "Der Fehler der Schule [gemeint ist die Allgemeine Kriegsschule] war, dass sie eben keine Schule war. [...] Eigentlich konnte jeder tun und lassen, was er wollte." (FN17) Der Reformer General Hermann von Boyen nahm diese Entwicklung zum Anlass zu warnen, dass "Allgemeinbildung für den Offizier wichtig [sei], wenn er nicht in der Achtung der übrigen Stände sinken soll". (FN18) Diesen Tendenzen entgegenwirkend gab es in dieser Zeit einige Offiziere, die sich aktiv gegen das Zurückdrängen der Allgemeinbildung in der Offiziersausbildung stellten. Ziel dieser durchweg umfassend gebildeten Militärs war nicht eine "Verwissenschaftlichung" derselben, sondern vielmehr die Verwertung neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse innerhalb des militärischen Aufgabenbereiches, um mit dem technischen, politischen, sozialen und wirtschaftlichen Wandel in Staat und Gesellschaft Schritt halten zu können. Zwischen 1840 und 1872 war dies allen voran General Eduard von Peucker.(FN19) Auch auf sein Drängen erließ der neue preußische König Friedrich Wilhelm IV. 1844 eine Weisung, mit der er das bürgerliche Bildungsideal zum festen Bestandteil der Ausbildung des preußischen Offizierskorps machte.(FN20) Im Rahmen der Revolution von 1848 sollten sogar alle militärischen Bildungseinrichtungen aufgelöst und die Ausbildung der Offiziere an die neuen, technischen Universitäten des Landes verlagert werden, um das Bildungsniveau des Offiziersberufes weiter anzuheben. Diese Bestrebungen wurden aber von der Armee mit dem Hinweis auf die fehlenden praktischen Anteile abgelehnt. Die konservativen, zumeist dem Landadel angehörenden Kreise wehrten sich vehement und häufig auch erfolgreich gegen die bildungsbürgerlichen Tendenzen in der Offiziersausbildung, auch weil es ihnen aus finanziellen Gründen immer schwerer fiel, ihren Nachwuchs entsprechend vorzubilden.(FN21) Trotzdem mussten im Zuge der so genannten Roon‘schen Heeresreorganisation ab 1862 und der voranschreitenden Technisierung der Armee zahlreiche bürgerliche Bewerber für die Offizierslaufbahn zugelassen werden. Um aber die monarchietreue Gesinnung der zukünftigen bürgerlichen Offiziere sicherzustellen, wurden diese vornehmlich aus dem Großbürgertum und der höheren Beamtenschaft rekrutiert. Diese trugen dann auch keine bürgerlichen Wertvorstellungen in das Offizierskorps hinein, da sie primär daran interessiert waren, sich die mit dem Offiziersstatus gewährten Privilegien durch eine angemessene Assimilierung zu erhalten.(FN22) Ab 1871 wurde auf Initiative General von Peuckers zwar der Nachweis des Abiturs als grundsätzliche Voraussetzung für den Offiziersberuf von jedem Bewerber verlangt, dennoch wurden Ausnahmen gemacht, und zwar für die Bewerber, die zuvor eine der Kadettenanstalten durchlaufen hatten oder aber auf königlichen Beschluss die Primarreife erlassen bekamen. Sie sollten den Bedarf an Offiziersnachwuchs aus den so genannten "erwünschten Kreisen" (Söhne von Adeligen, Soldaten und höheren Beamten) sicherstellen; ein Zugeständnis vornehmlich an den ländlichen Adel, der sonst seinen Widerstand gegen diese Entwicklung noch weiter verstärkt hätte. Dieser Dualismus in der Ausbildung des Offiziersnachwuchses zwischen einem überaus theoretischen und einem rein praktischen Ausbildungsgang führte in der Folgezeit zu einem äußerst heterogenen kaiserlich-preußischen Offizierskorps.(FN23)

Offiziersausbildung im Deutschen Kaiserreich 1871-1918

Nach den erfolgreich geführten Reichseinigungskriegen (1864-1871) erhob das preußische Offizierskorps als Sieger den Anspruch auf die führende Rolle innerhalb der Gesellschaft des neu gegründeten deutschen Kaiserreichs. Diese Forderung korrespondierte aber nicht mit der wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Entwicklung in der Zeit des "Gründerbooms". Denn die im Zusammenhang mit der fortschreitenden Industrialisierung sich rapide verändernde Gesellschaft basierte vornehmlich auf den finanziellen und intellektuellen Errungenschaften des Bildungsbürgertums.(FN24) Auch die Waffen, die die Siege gegen Dänemark, Österreich und Frankreich ermöglicht hatten (u.a. das Zündnadelgewehr, gusseiserne Hinterladergeschütze), stammten aus den erfindungsreichen Waffenschmieden bürgerlicher Industrieller. Trotzdem wurde der monarchietreue preußische Offizier von der Staatsführung zum staatsbürgerlichen Leitbild erhoben und sein Mut sowie seine Opferbereitschaft glorifiziert.(FN25) Aus diesem eindeutigen Missverhältnis zwischen Anspruch und Wirklichkeit heraus geriet das Militär in eine Art selbst gewählter "anti-intellektueller Isolation". Der kritisch-differenzierte Austausch mit den führenden Gesellschaftsschichten fehlte in der Folgezeit und führte zu fatalen Fehlentwicklungen bzw. -einschätzungen bei einem großen Teil des Offizierskorps der preußischen Armee. Mithin galt "Bildung" als bürgerliche Errungenschaft, weshalb sie viele vorwiegend adelige Offiziere für inkompatibel mit den "praktischen" Belangen des Militärs hielten.(FN26) Diese irrationale "Bildungsfeindlichkeit" ging sogar soweit, dass die Ausbildung der Offiziere entgegen der allgemein gültigen, aufgeklärten Erkenntnis, dass angesichts des technischen Fortschritts Führungsaufgaben nur von einem umfassend gebildeten Fachmann angemessen wahrgenommen werden können, durchgeführt wurde.(FN27) Das Offizierskorps sank auf Grund seiner fehlenden Kompetenz für die Probleme der Zeit immer mehr zu einem kritiklosen Instrument einer antiquierten Staats- und Gesellschaftsordnung herab.(FN28) Die jahrzehntelangen Bemühungen der reformorientierten Offiziere um Eduard von Peucker, der erst als deutscher Kriegsminister (1848/49), später als preußischer "Generalinspekteur des Militär-Erziehungs- und Bildungswesens" (1854-72), seinen ganzen Einfluss für eine umfassendere wissenschaftliche Ausbildung der Offiziere geltend gemacht hatte, wurden innerhalb nur weniger Monate zunichte gemacht. Die konservativen Kräfte setzten sich durch und sollten in der Frage des Schwerpunktes der Offiziersausbildung für viele Jahrzehnte die Oberhand behalten.29) Sogar der umfassend gebildete Chef des preußischen Generalstabes, Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke der Ältere,(FN30) setzte ab 1873 angeblich auf Grund schlechter Erfahrungen mit der militärischen Leistungsfähigkeit junger Offiziere in den Reichseinigungskriegen eine zunehmend militärfachliche Unterrichtung der Offiziersanwärter durch.(FN31) Die Ausbildung in der preußischen Armee vollzog sich von nun an mehr im affektiven Lernbereich, also in der Prägung der Charakter- und Gemütsstärke, als auf der kognitiven Ebene der intensiven Wissensvermittlung. In den Armeekontingenten des Deutschen Reiches gab es keine offizielle Institution, die die höhere Bildung der interessierten und begabten Offiziere förderte. So verwundert es nicht, dass in den Aufzeichnungen älterer Offiziere, die in dieser Zeit sozialisiert wurden, deutlich zu erkennen ist, dass sie kein besonderes Interesse an umfassender Allgemeinbildung hatten. Vielmehr bestimmten der militärische Alltag, der Erhalt der persönlichen "Ehre" und die Ausprägung der eigenen "charakterlichen Eigenschaften" das Leben der meisten Offiziersanwärter und subalternen Offiziere im deutschen Kaiserreich.(FN32) Für die Karriere der meisten Offiziere waren demzufolge nicht so sehr die nachweisbare Eignung als Offizier als vielmehr die "Satisfaktionsfähigkeit", die äußere Haltung und ein fester Wille in angeblich "adeliger Tradition" die entscheidenden Kriterien.(FN33) Moltkes Neffe und späterer Nachfolger im Amt des Generalstabschefs des preußischen Heeres, General Helmuth von Moltke der Jüngere, verschärfte das Ungleichgewicht zwischen militärspezifischen Ausbildungsinhalten und allgemein bildenden Anteilen mit der Reform der Offiziersausbildung im Jahre 1907 weiter.(FN34) So wurde u.a. mit einer von ihm lancierten Kabinettsorder die Behandlung sozialpolitischer Fragen im Offiziersunterricht glattweg untersagt.(FN35) Die Haltung Kaiser Wilhelms II. unterstützte diese Entwicklung, sah er doch in der Armee die "Erziehungsschule der Nation", die treue Untertanen für den monarchischen Staat formen sollte.(FN36) Dementsprechend orientierte sich auch die Offiziersaus- und -weiterbildung nicht ausreichend am militärtechnischen Fortschritt und den daraus resultierenden taktischen Neuerungen. Diese dramatische Fehlentwicklung hatte für die deutsche Armee während des Ersten Weltkrieges verhängnisvolle Folgen.

Ein falscher Ehrbegriff ("Heldentod"(FN37)), die unzureichende Kenntnis über die Möglichkeiten der modernen Technik und das Verharren in den taktischen Grundsätzen der Kriegführung des 19. Jahrhunderts(FN38) führten zu Beginn des Ersten Weltkrieges zu extrem hohen Verlusten unter den subalternen Offizieren des deutschen Feldheeres.(FN39) Auf die gleichen Ursachen waren die maßgeblichen Fehler der deutschen Generalität während des Krieges zurückzuführen. Kaum einer der hohen Entscheidungsträger besaß die Befähigung, die Reichweite und Folgen der von ihm getroffenen militärischen Entscheidungen im Hinblick auf die künftigen Entwicklungen beurteilen zu können. Die Offiziersausbildung im Kaiserreich hatte in dieser Hinsicht versagt. Auf die Komplexität eines Kriegseinsatzes im Industriezeitalter waren die meisten Offiziere nur unzureichend vorbereitet worden. Flexibilität und Führungsphantasie im Sinne von Clausewitz blieben die Ausnahme. Dieses Versäumnis kam die deutsche Nation teuer zu stehen.

Offiziersausbildung in der Weimarer Republik 1921-1933

Die Erkenntnisse aus dem Ersten Weltkrieg hätten in den Streitkräften der ersten deutschen Republik(FN40) zu grundlegenden Veränderungen in der Offiziersausbildung führen müssen. Gleichwohl sahen die Bestimmungen des Versailler Vertrages eine rein militärfachliche, waffentechnisch-handwerkliche Ausbildung für die zukünftigen Offiziere der neuen deutschen Streitkräfte vor.(FN41) Dies kam den Partikularinteressen der führenden Militärs im Deutschen Reich entgegen. Im Rahmen der emotionsgeladenen Auseinandersetzungen um die Hauptschuld an der militärischen Niederlage wurde der eigentliche Verlierer des Krieges - das deutsche Militär - seiner Verantwortung enthoben ("Dolchstoßlegende"). Viel mehr noch wurde denjenigen, die dem Militär eine Teilschuld zusprechen wollten, Defätismus vorgeworfen. Im Selbstbild des Offizierskorps hatte man alles richtig gemacht. Der Nimbus der Armee blieb erhalten. Demzufolge konnte die Reichswehr auch in der Ausbildung des Offiziersnachwuchses so weitermachen, wie die Verantwortlichen es aus der Armee des Kaiserreiches gewohnt waren.(FN42) Der Chef der Heeresleitung, General Hans von Seeckt,(FN43) betrieb unter diesen Umständen einen restaurativen Aufbau der Reichswehr.(FN44) Konsequenterweise griff er auf das kaiserliche Erziehungskonzept zurück: "Charakter geht über Leistung" war für ihn die Prämisse in der Ausbildung der Truppenoffiziere.(FN45) Trotz dieses eher an der Praxis des Offiziersberufes orientierten Ausbildungsansatzes wurden die Eingangsvoraussetzungen für die Offiziersbewerber gegenüber der kaiserlichen Armee angehoben. Die Gründe hierfür waren die Auflösung der Kadettenanstalten, die es den einst "erwünschten Kreisen" ermöglicht hatten, ohne Abitur Zugang zur Offizierslaufbahn zu erhalten, und die große Bewerberzahl für die wenigen Offiziersdienstposten im 100.000-Mann-Heer.(FN46) Dies hatte natürlich Auswirkungen auf die Vorbildung der zugelassenen Bewerber: Fast alle Offiziersanwärter, die in der Zeit der Weimarer Republik in die Reichswehr aufgenommen wurden, hatten zuvor zumindest das Abitur abgelegt.(FN47) Auf diese Vorausbildung aufbauend erreichte die militärspezifische Ausbildung in der Reichswehr einen sehr hohen Stand.(FN48) Im krassen Gegensatz dazu wurde die politische und allgemeine Bildung der Offiziersanwärter in der Weimarer Republik auf ein Minimum zurückgefahren.(FN49) Für die politische Aus- und Weiterbildung ihres Offizierskorps waren die Bataillons- und Regimentskommandeure zuständig. Die Intensität wie auch die Qualität hingen somit vom Interesse des Verantwortlichen vor Ort ab.(FN50) Sehr häufig entstand dadurch ein sehr eingeengtes politisches Weltbild. Dies wurde bewusst so gesteuert: von Seeckt verfolgte nämlich das Ziel, die Armee aus dem allgemeinen politischen Tagesgeschehen vollkommen herauszuhalten, damit sie nicht wie in den Anfangsjahren der Weimarer Republik von einer politischen Richtung gegen die andere eingesetzt werden konnte. Unglücklicherweise hatte dies auch zur Folge, dass viele, insbesondere subalterne Offiziere Anfang der 30er-Jahre nicht in der Lage waren, die politische Entwicklung im Deutschen Reich richtig nachzuvollziehen und einzuschätzen.

Die Zersetzung des traditionellen, preußischen Offizierskorps in der Zeit des Dritten Reiches

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde das "unpolitische" Offizierskorps der Reichswehr von den gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen vollkommen überrollt.(FN51) Zunächst hatte die Reichswehrführung die "Wiederwehrhaftmachung des Reiches" enthusiastisch begrüßt, musste dann aber schon sehr bald feststellen, dass der Aufbau eines angemessenen Offizierskorps der neuen, rund zehnfach so großen Streitkräfte nicht allein mit den Angehörigen der herkömmlichen "offizierfähigen Schichten" verwirklicht werden konnte.(FN52) Die daraufhin durchgeführte Integration der ehemaligen Polizei-, Reserve- und Unteroffiziere im Rahmen der Streitkräftevermehrung ab 1935 in das Offizierskorps der Wehrmacht und der Ausbau des Offizierskorps von 4.000 Reichswehroffizieren auf 24.000 Wehrmachtsoffiziere bis 1939 schuf eine äußerst heterogene soziale Gruppe. Ein einheitliches Ausbildungsniveau war infolgedessen nicht mehr vorhanden. Das Gleiche galt für die Sozialisation und das Selbstverständnis als deutscher Offizier, zumal die traditionelle Offizierswahl durch das Offizierskorps endgültig abgeschafft wurde. Schritt für Schritt wurde das alte preußische Offizierskorps von den Nationalsozialisten langsam, aber systematisch aufgebrochen.(FN53) Die von der "nationalsozialistischen Bewegung" angestrebte Integration der Wehrmacht in das Volk brachte auch eine grundlegende Änderung der Ausbildung der Offiziere mit sich. Die Anzahl derjenigen, die als Eingangsvoraussetzung das Abitur nachweisen konnten, sank bis 1939 um fast 30% gegenüber den Zahlen in der Weimarer Republik.(FN54) Dementsprechend konnte die Wehrmacht das Bildungsniveau der Offiziere der Reichswehr nicht halten. Viel mehr noch: Ein studierter Offizier galt im Dritten Reich oftmals als Widerspruch in sich. Dies ging soweit, dass Truppenoffizieren das Führen eines akademischen Grades offiziell verboten war.(FN55) Entwicklungen wie diese entsprachen durchaus dem Interesse der nationalsozialistischen Machthaber, den "Tüchtigen" in die entscheidenden Funktionen der Gesellschaft zu bringen, ohne Standes- und Bildungsdünkel. Verantwortungsfreude, überlegenes Können, unermüdliche Fürsorge, Charakter und Leistung wurden zu den entscheidenden Auswahlkriterien für den zukünftigen Offizier der Wehrmacht.(FN56) Darüber hinaus wurde nationalsozialistisches Gedankengut sukzessive in die Offiziersausbildung eingesteuert. Inwieweit diese Entwicklung zu veränderten Verhaltensmustern unter den jungen Offizieren geführt hat, lässt sich heute nicht mehr eindeutig nachvollziehen.(FN57) Es ist jedoch unzweifelhaft, dass die Ideologie des Nationalsozialismus sowie die hohen Verluste im Verlauf des Zweiten Weltkrieges die Struktur traditioneller Auswahlkriterien und Erziehungsmechanismen des Offizierskorps der deutschen Streitkräfte grundlegend verändert haben. Die für alle gesellschaftlichen Bereiche anvisierte hohe soziale Mobilität konnte somit auf Grund des großen Bedarfs gerade bei jungen, aufstrebenden militärischen Führungskräften verwirklicht werden.(FN58) Während des Zweiten Weltkrieges versuchten die Verantwortlichen in der Wehrmacht die so genannte "Auslese der Besten" zu betreiben. Dabei wurden "die Eigenschaften des Charakters und des Herzens über die des Verstandes" gestellt.(FN59) Hitler persönlich forderte 1943 sogar, dass nur noch willensstarke, einsatzbereite und krisenfeste Männer Offiziere werden dürften. Entscheidendes Kriterium von diesem Zeitpunkt an war der "Nachweis der militärischen Bewährung", die die Offiziersbewerber aus der Sicht der damals Verantwortlichen dazu befähigte, "ohne die sonst geforderte wissenschaftliche Vorbildung vollgültige Offiziere zu werden" (FN60). Die Ausbildung wurde daraufhin nur noch praxisbezogen vornehmlich von fronterfahrenen Offizieren durchgeführt.(FN61) Aus der ständisch-orientierten, wertfundierten, politisch-sozialen Elite war auf Grund der nationalsozialistischen Ideologie und der hohen Verluste während des Krieges eine reine Funktionselite geworden.(FN62) Auch aus diesem Grund verlor die einst vergleichsweise homogene Gruppe die kollegiale Kontrolle der "Normenwahrung" des eigenen Ehrenkodex. Die Folge war eine differenzierte Perzeption innerhalb dieser wichtigen gesellschaftlichen Großgruppe bezüglich der Ereignisse während des Krieges, des Attentates vom 20. Juli 1944 und der Auseinandersetzungen auf dem Weg zu neuen Streitkräften in einem demokratischen Gemeinwesen.

Der Aufbau der Bundeswehr im Zeichen der "Inneren Führung"

Als die Bundeswehr am 12. November 1955 durch die Übergabe der Ernennungsurkunden an die ersten 101 Freiwilligen begründet wurde, hatten die Gründungsväter bereits mit der Wahl des Gründungstages ein deutliches Zeichen gesetzt. Der 200. Geburtstag Gerhard von Scharnhorsts sollte einen vollkommenen Neuanfang symbolisieren.(FN63) Die Politiker wollten von vornherein verhindern, dass die Gründung der Streitkräfte der zweiten deutschen Republik, wie in der Weimarer Republik geschehen, losgelöst von den politischen Verhältnissen vollzogen wurde. Hierzu wurde ein Konzept entwickelt, mit der die persönliche Verantwortung jedes militärischen Führers für die eigene allgemeine und politische Weiterbildung sowie die seiner Untergebenen verpflichtend festgelegt wurde. Aber nicht nur politische Aus- und Weiterbildung machten die so genannte "Innere Führung" aus, sondern auch militärspezifische Pädagogik (="Menschenführung"), historische Bildung, Wehrrecht sowie Beschwerde- und Disziplinarordnung wurden Bestandteile dieses neuen inneren Gefüges der jungen Bundeswehr. Das vollkommen neue Konzept sollte die Integration der Streitkräfte in die zu diesem Zeitpunkt bereits gefestigten demokratischen Strukturen der Bundesrepublik Deutschland erleichtern.(FN64) Unermüdlicher Vordenker der "Inneren Führung" war der ehemalige Major der Wehrmacht Wolf Graf von Baudissin.(FN65) Er setzte sich persönlich und äußerst vehement für eine neue Rolle der Streitkräfte und somit auch des Offizierskorps in der demokratischen Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland ein. Um die Bedeutung dieser einschneidenden Veränderung besonders herauszustellen, wurde bereits im ersten Jahr der Bundeswehr das "Zentrum Innere Führung" als Schulungszentrum und Forschungsanstalt für dieses wichtige, stets kritisch betrachtete Konzept begründet.(FN66) Dass dieser Schritt dringend notwendig war, zeigten die lange anhaltenden Diskussionen über die Offiziersausbildung in der Aufbauphase der Bundeswehr. In der Wehrmacht sozialisierte Offiziere neigten zu der Auffassung, dass es sich bei der Armee um eine "Kampf-, Schicksals- und Notgemeinschaft" handle und sich die Offiziersausbildung folglich daran zu orientieren habe.(FN67) Insbesondere im ersten Jahrzehnt der Bundeswehr wurde die militärisch-handwerkliche Qualifikation des Offiziers von der Vielzahl kriegsgedienter Vorgesetzter gefördert. Allgemeinbildung wurde wohl geschätzt, trotzdem galt sie für den aus ihrer Sicht praxisorientierten Soldatenberuf als eher unbedeutend, manchem gar hinderlich.(FN68) Begriffe wie Disziplin und Gehorsam standen in diesen Jahren auch im Rahmen der Heranbildung des Offiziersnachwuchses noch im Vordergrund.(FN69) Langwierige Auseinandersetzungen zwischen "Praktikern" und "Theoretikern" waren die Folge. Diese Probleme konnten erst mit dem Generationswechsel von der Kriegs- zur Nachkriegsgeneration gelöst werden.(FN70) Das revolutionäre Konzept der "Inneren Führung" etablierte sich dabei über die Jahre hinweg. Heutzutage ist sie die nicht mehr wegzudenkende Leitlinie des stabilen inneren Gefüges der deutschen Streitkräfte und ein Vorbild für die Veränderung der Führungskultur in europäischen Streitkräften.(FN71) Selbstverständlich ist sie auch eine elementare Grundlage für die Ausbildung des deutschen Offiziersnachwuchses.(FN72)

Die Entwicklung der Offiziersausbildung in der Bundeswehr während des Kalten Krieges

Die ersten Offiziersanwärter der Bundeswehr erhielten auf Grund der angestrebten hohen Aufbaugeschwindigkeit (vorgesehen waren zunächst rund 600.000 Mann in fünf Jahren) nur eine sehr kurze Ausbildung. Viele von ihnen wurden bereits nach 14 Monaten zum Leutnant befördert.(FN73) Folglich konnten sie nicht angemessen zum Offizier der Bundeswehr ausgebildet werden und mussten somit viele für ihren Beruf wichtige Sachverhalte im Laufe der Dienstjahre autodidaktisch erlernen. Zusätzlich erschwerend kamen unzureichende Bildungsvoraussetzungen der Bewerber hinzu. Nur 68% der Offiziersanwärter hatten auf Grund der Nachwehen des Zweiten Weltkrieges das Abitur abgelegt.(FN74) Der hohe Personalbedarf in den ersten Jahren beeinflusste also die Qualität der Ausbildung. Diese war in der ersten Dekade der Bundeswehr - auch bedingt durch die große Anzahl kriegserfahrener Ausbilder - zumeist militär-handwerklich ausgerichtet. Verstärkt wurde dies zudem dadurch, dass in diesen Jahren die Ausbildung des Offiziersnachwuchses häufig auf Grund fehlender offizieller Konzeptionen auf der Basis persönlicher Erfahrungen aus der Wehrmachtszeit durchgeführt wurde. (FN75) Dies änderte sich dann aber ab Mitte der 60er-Jahre, als sich die Einsicht durchsetzte, dass es an der Zeit sei, die Ausbildung der Offiziere dem gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Fortschritt anzupassen. Dazu wurde zunächst das Abitur als zwingende Voraussetzung für einen Offiziersanwärter der Bundeswehr festgelegt: Über 97% der seit 1965 eingestellten Offiziere konnten das Abitur nachweisen.(FN76) Die Inhalte der Ausbildung wurden im Rahmen eines "Drei-Stufen-Planes" zwischen 1965 und 1971 den jeweils angenommenen sozialen und geistigen Entwicklungsstufen der Offiziere angepasst. Schwerpunkt dieser Konzeption war eine "zweckmäßige Mischung aus theoretischen und praktischen, allgemeinbildenden und militärhandwerklich-technokratischen Anteilen" (FN77).

Die Waage hatte sich in der Auseinandersetzung zwischen "Praktikern" und "Theoretikern" nach der längsten Friedensphase, die Deutschland im 20. Jahrhundert erlebt hat, wieder einmal zu Gunsten der "Theoretiker" geneigt.(FN78) Diese Entwicklung war hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass sich das Bild des Offiziersberufes im zweiten Jahrzehnt des Kalten Krieges entscheidend wandelte. So entsprachen die Anforderungen immer mehr denen ziviler Führungskräfte. Auch der Erkenntnis folgend, dass ein Offizier nur dann den umfassenden geistigen Anforderungen seines Berufes gerecht werden kann, wenn er auf hohem Niveau ausgebildet wurde,(FN79) traf das Bundesministerium der Verteidigung mit der Forderung nach der allgemeinen Hochschulreife und einem Hochschulstudium im Jahr 1970 die bestmögliche Bildungsauslese für seine Offiziere. Hierzu wurden am 1. Oktober 1973 die beiden Universitäten der Bundeswehr in Hamburg und München gegründet.

Fast alle zukünftigen Offiziere der Bundeswehr, die mindestens zwölf Jahre Dienst in den Streitkräften leisten möchten, müssen seitdem ein Hochschulstudium bestreiten. Das Studium wird nach den Gesetzen der Kulturhoheit der jeweiligen Länder durchgeführt und das Examen nach den dort geltenden Prüfungsordnungen abgelegt.(FN80) Das hauptsächliche Ziel dieser Vorgehensweise ist es, die Ausbildung der eigenen Führungskräfte dem allgemein verbindlichen Niveau automatisch anzupassen, um somit von der gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Weiterentwicklung nicht abgekoppelt zu werden. Zudem erhält der Offizier eine zivilberuflich verwendbare, hochwertige Ausbildung, die ihm bei einem möglichen Ausscheiden aus den Streitkräften den Übergang in einen zivilen Beruf erleichtert.(FN81) Der Fächerkanon entspricht dabei dem einer mittelgroßen, zivilen deutschen Universität. Der studierende Offizier der Bundeswehr kann seinen eigenen Studienschwerpunkt von Wirtschaftsingenieurswesen, Volkswirtschafts- und Betriebswirtschaftslehre über Bauingenieurwesen, Elektrotechnik, Maschinenbau, Informatik und Luft- und Raumfahrttechnik bis hin zu Geschichte, Staatswissenschaften, Pädagogik und Sportwissenschaften selbst wählen.

Von dem 1972 festgelegten Maximalziel, dass jeder Stabsoffizier der Bundeswehr ein abgeschlossenes Hochschulstudium haben soll, musste jedoch sehr bald wieder abgerückt werden: Jahr für Jahr erreichen nur ungefähr zwei Drittel der studierenden Offiziere auf Grund der hohen Anforderungen des zeitlich straffen Studiums und einer korrespondierenden Durchfallquote einen Hochschulabschluss. Dessen ungeachtet erhöht eine solide, abgeschlossene akademische Ausbildung die Aufstiegschancen in der Bundeswehr mittlerweile ungemein. Dies wird besonders deutlich anhand der Tatsache, dass der prozentuale Anteil an Abiturienten bzw. Vollakademikern kongruent mit der Höhe innerhalb der Hierarchie ansteigt.(FN82) Für höherwertige Lehrgänge stellt das akademische Vorwissen eine wichtige Grundlage dar, auf der aufgebaut werden kann, ohne wertvolle Zeit dafür zu benötigen, noch nicht vorhandenes grundsätzliches Wissen aufholen zu müssen. Die Universitäten der Bundeswehr haben sich auch auf diesem Wege über die Jahre hinweg als integraler Bestandteil der Offiziersausbildung etabliert und sind heutzutage nicht mehr wegzudenken.(FN83) Nach dem Ende des Kalten Krieges scheint sich in den vergangenen Jahren die Waage aber wieder mehr in Richtung der "Praktiker" zu neigen. Nicht erst in Folge der ersten Auslandseinsätze der Bundeswehr, die selbstverständlich in großem Maße die praktische Seite des Offiziersberufes fordern, mehren sich wieder die Stimmen derjenigen, die eine wesentlich stärker praxisorientierte Ausbildung des Offiziersnachwuchses fordern.(FN84) Eine Forderung, die vor dem Hintergrund einer immer komplexer werdenden Umwelt nur schwer nachvollziehbar ist. Der Offizier der Bundeswehr soll Erzieher, Ausbilder und Führer zugleich sein. Um diesen zweifelsohne hohen Anforderungen gegenüber dem ihm unterstellten Bereich gerecht werden zu können, muss er in der Lage sein, komplexe Sachverhalte verstehen und im Sinne der übergeordneten Führung umsetzen zu können. Da die wenigsten Menschen dies von Geburt an können, muss es systematisch erlernt werden. Auch insofern ist das Studium an einer Hochschule die sehr gute Vorbereitung für eine Führungsaufgabe in den Streitkräften einer hoch industrialisierten Dienstleistungsgesellschaft, in der ein Offizier seiner Führungsverantwortung nur gerecht wird, wenn er die Folgen seines Handelns voll und ganz übersehen kann. Hierzu muss er die komplexen Zusammenhänge seines Aufgabenbereiches und die Einbindung desselben in das Gesamtgefüge verstehen resp. die Bedeutung darin richtig einschätzen können. Wohin es führt, wenn die Masse der Offiziere dazu nicht fähig ist, haben wir Deutsche in der Geschichte des 20. Jahrhunderts zweimal erfahren müssen.

Exkurs: Offiziersausbildung im deutschen Heer zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Die jungen Menschen, die in Deutschland heutzutage Offiziere werden möchten, kommen zum überwiegenden Teil aus Beamten- und Angestelltenfamilien. Sie haben fast durchwegs das Abitur abgelegt und somit Universitätsreife erlangt.(FN85) Noch nie in der deutschen Geschichte waren die allgemeinen Voraussetzungen für die Ausbildung von Offiziersanwärtern so gut wie in den vergangenen zwanzig Jahren. Trotzdem ist es in der so genannten Spaßgesellschaft an der Wende zwischen dem 20. und 21. Jahrhundert eine große Herausforderung, den jungen Menschen, die Offiziere werden möchten, zu verdeutlichen, welchen Nutzen ihr Dienst für die Gesellschaft hat, in der sie aufgewachsen sind.

Die traditionellen Lehrinhalte bilden weiterhin einen wichtigen Teil der Ausbildung zum Offizier des Heeres in der deutschen Bundeswehr.(FN86) Natürlich erhält der Offiziersanwärter zunächst eine umfassende militärpraktische Ausbildung in der Truppe und an den jeweiligen Truppenschulen. Die theoretische Ausbildung an der Offizierschule des Heeres in Dresden hat im Schwerpunkt das Fach "Taktik". In diesem Ausbildungsgebiet wird zunächst die Landesverteidigung im "Gefecht der verbundenen Waffen" mit besonderer Berücksichtigung von "Joint und Combined"(FN87) intensiv aufbereitet. Hierdurch sollen den Absolventen die Einsatzgrundsätze der Bundeswehr und ein gemeinsamer Wortschatz vermittelt werden.

Das Fach "Wehrrecht" unterweist die jungen Bundesbürger und ihre ausländischen Austauschkadetten in den rechtlichen Grundlagen unseres Rechtsstaates im Allgemeinen und den Bestimmungen für das Militär im Besonderen und soll die Lehrgangsteilnehmer in Zukunft dazu befähigen, als Disziplinarvorgesetzte eingesetzt werden zu können.

In der "Politischen Bildung" soll der Offiziersanwärter den Wertekanon des freiheitlich-demokratischen Rechtsstaates verinnerlichen, denn er ist die Quintessenz der Gesellschaft, die er als Offizier im Ernstfall verteidigen soll. Dies ist insbesondere deshalb wichtig, da leider immer wieder festzustellen ist, dass die jungen Menschen dies im Rahmen ihrer Schulausbildung nicht oder nur unzureichend erläutert bekommen.(FN88) Das Gleiche gilt für die historische Vorbildung der jungen Offiziersanwärter, die im Rahmen ihrer gymnasialen Ausbildung in einigen Bundesländern das Fach Geschichte bereits nach dem neunten Schuljahr abwählen können. Folglich können im Fachbereich "Militärgeschichte" in der Offiziersausbildung zunächst nur Grundlagen der europäischen Geschichte von 1648 bis zur Wiedervereinigung gelegt werden, auf denen in weiteren Ausbildungsschritten an den Bundeswehruniversitäten und auf höherwertigen Lehrgängen aufgebaut wird. In diesem Zusammenhang wird auch Traditionsverständnis im Sinne des Wegweisers für die Traditionspflege im Heer von 1999(FN89) vermittelt und die Verantwortung des (preußisch)- deutschen Militärs für besondere Entwicklungen in den bedeutendsten Perioden der deutschen Geschichte näher beleuchtet.

Vor dem Hintergrund der neuen Bedrohungsszenarien sollen darüber hinaus zusätzliche Kompetenzen aufgebaut werden. Der "Krieg" ist in Folge des Zusammenbruchs des Warschauer Paktes und des damit einhergehenden Wegfalls der Konfrontation von nur zwei Lagern den Regeln der Globalisierung unterworfen worden.(FN90) Der Auftrag der Soldaten der Bundeswehr war und ist stets klar durch ein politisches Mandat umrissen und an die geltende nationale und internationale Rechtslage gebunden. Freund und Feind sind hingegen nicht immer klar voneinander zu unterscheiden. Einheitliche Vorgaben für ein konkretes Verhaltensmuster gibt es folglich nicht mehr. Damit die zukünftigen Offiziere der Bundeswehr ihrer Verantwortung gerecht werden können, vor Ort, auf sich allein gestellt die der Situation jeweils angemessene Entscheidung zu treffen, werden sie die für die deutsche Gesellschaft allgemein gültigen Grundüberzeugungen als ein festes ethisches und wertorientiertes Fundament gelehrt.

Die Einsätze im Kosovo und in Afghanistan haben gezeigt, dass der Offizier sehr schnell in die Situation kommen kann, auch unfreiwillig kommunalpolitische Entscheidungen treffen zu müssen, da er häufig die höchste anwesende Instanz darstellt. In der Bundesrepublik wurde bisher immer Wert darauf gelegt, dass sich der Soldat bei der Wahrnehmung seiner Pflichten unparteiisch verhält und ohne politisches Kalkül handelt. Folglich wurden in der Offiziersausbildung auf der Basis der gemachten Erfahrungen einige Schulungsabschnitte hinzugefügt. Das Denken und Handeln in größeren Zusammenhängen über den eigentlichen militärischen Aufgabenbereich hinaus ist dabei Grundvoraussetzung. Hierzu wird der Offiziersanwärter in seiner Ausbildung an der Offizierschule des Heeres in Dresden bereits in Seminaren auf seine zukünftigen Aufgaben im Rahmen des "erweiterten Aufgabenspektrums" (EAS) und von Peace Support Operations (PSO) umfassend vorbereitet.

Die Einsätze im "erweiterten Aufgabenspektrum" und die Peace Support Operations haben aber auch zu Einschränkungen in der Ausbildung des Offiziersnachwuchses geführt. So sind inzwischen Klagen laut geworden, dass durch die berechtigten Anliegen der Einheiten im Einsatz die Aufgaben in Deutschland nicht mehr angemessen erfüllbar sind; schlimmer noch, dass Teile der Offiziersausbildung trotz größter Anstrengungen nicht mehr geleistet werden können, weil der Verteidigungshaushalt und der Stellenplan nicht genügend Personal für die Erfüllung dieser substanziellen Aufgaben hergeben.(FN91) Dies ist eine bedenkliche Entwicklung, die nur durch eine klare politische Entscheidung gestoppt werden kann. Entweder ist man bereit, mehr Ausbilder für die Offiziersausbildung, also mehr Planstellen und höhere Kosten zu tragen, oder aber die Entscheidungsträger geben auf Grund der prekären Haushaltslage weniger Geld für die Erfüllung der Aufgaben der Bundeswehr im "erweiterten Aufgabenspektrum" und die Peace Support Operations aus. Der Prozess der Anpassung an die neuen sicherheits- und weltpolitischen Verhältnisse hat in der Bundeswehr erst angefangen. Er wird auch noch sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, Möglichkeiten und Anforderungen dieser neuen Situation in Übereinstimmung zu bringen.(FN92)

Zusammenfassung

Die preußisch-deutsche Offiziersausbildung ist seit 1806 eine sich ständig verändernde Mischung aus Theorie und Praxis. So erlernt der deutsche Offiziersanwärter seit jeher grundsätzlich zunächst das praktische Soldatenhandwerk seiner Truppengattung auf allen militärischen Ebenen, um darauf aufbauend diese Erfahrungen mit theoretischen Kenntnissen in speziellen Offizierslehrgängen anzureichern. Trotzdem führte langfristig, wie der Sozialwissenschaftler Detlef Bald feststellt, "das Hin und Her zwischen Praktikern und Theoretikern, zwischen Charakter und wissenschaftlicher Bildung, [...] zur wiederholten Vernachlässigung einer über reine berufsbezogene Fachkenntnis hinausreichenden Bildung im Sinne von Weltaufgeschlossenheit, Problembewusstsein und Umweltverpflichtung mit Einsicht in historisch-politische, wirtschaftliche und soziale Zusammenhänge". (FN93) Dies lag sicherlich auch daran, dass Kriege immer wieder dazu geführt haben, dass die militärische Führung den Eindruck gewann, nur durch die Vermittlung der harten Realität der Kriegserfahrungen dem jungen Mann das angemessene Handwerkszeug für seine Führungsaufgaben einprägen zu können. In längeren Friedensphasen hingegen wuchs in weiten Teilen des fortschrittlich gesinnten Offizierskorps immer wieder das Bedürfnis, auf der Basis des erworbenen praktischen Könnens das theoretische Wissen zu vergrößern. Dieser Wunsch war natürlich immer eng damit verbunden, den technischen, ökonomischen und sozialen Entwicklungen der deutschen Gesellschaft Rechnung zu tragen. Diese Pendelbewegung ist ein steter Prozess, der durch sehr unterschiedliche Faktoren beeinflusst wurde und auch in Zukunft beeinflusst werden wird.

Die preußischen Heeresreformer von 1808, allen voran Gerhard von Scharnhorst und Herrmann von Boyen, haben die Bedeutung der Allgemeinbildung für den Offizier in der deutschen Offiziersausbildung verankert. In den vergangenen zwei Jahrhunderten hat die Bedeutung der umfassenden Bildung des Offiziers in deutschen Streitkräften stetig zugenommen. Im Laufe der Zeit hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass nur der gebildete Offizier in der Lage ist, die Folgen seines Handelns zu überblicken und somit seinem Auftrag gerecht zu werden.(FN94) Die Auseinandersetzung um den Wert der Allgemeinbildung in der Offiziersausbildung hat sich parallel mit der Emanzipation des Bürgertums vom Adel in Deutschland entwickelt. Auch hier hat die Allgemeinbildung eine herausragende Rolle gespielt. Die Kosten für eine umfassende Schulbildung und ein Universitätsstudium wurden zum Hebel, den das wohlhabende Bürgertum gegen die politisch und gesellschaftlich vorherrschenden Adeligen einsetzte. In der sich immer schneller verändernden Welt war es zwangsläufig notwendig, die traditionellen Bildungsvorstellungen weiterzuentwickeln.

Das deutsche Militär tat sich sehr lange schwer damit, die durch adelige Traditionen geprägte Auswahl und Ausbildung des eigenen Offiziersnachwuchses grundlegend zu verändern. Erst die fatale Entwicklung im Dritten Reich und während des Zweiten Weltkrieges brach das ständisch-geschlossene Offizierskorps preußischer Prägung auf und verwandelte den Offiziersberuf zu einem funktionalen Berufsstand in einer modernen Industriegesellschaft.(FN95) Diese grundlegende Veränderung war für die Entwicklung der Bundeswehr in den ersten Jahren ihres Bestehens von großer Bedeutung. Die Ausbildung der Offiziersanwärter wurde an den Vorgaben der demokratischen Gesellschaft ausgerichtet und nicht an denen des Offizierskorps, wie noch in der Weimarer Republik geschehen. Zwar gab es anfänglich noch erhebliche Reibungsverluste auf Grund der Ansprüche und Methoden der Kriegsteilnehmer. Dies änderte sich aber mit dem Wandel des Kriegsszenarios hin zum Atomkrieg und dem Generationswechsel zur Nachkriegsgeneration. Mit der Entscheidung, das Hochschulstudium für jeden Bundeswehroffizier als einen Teil seiner Ausbildung zu verankern, hat die Bundeswehr einen qualitativen Quantensprung vollzogen, der in dem Maße offensichtlich wird, in dem Vollakademiker in entscheidende Funktionen in den Streitkräften vorrücken.

Aber das Pendel wird auch in Zukunft nicht still stehen. Die Ausbildung ist den derzeitigen Anforderungen des "erweiterten Aufgabenspektrums" und den Peace Support Operations angepasst worden und wird zukünftig auch neuen Herausforderungen immer wieder angemessen angepasst werden. Wichtig wird dabei sein, dass die Offiziersausbildung der Bundeswehr auf Grund der angeblichen "Anforderungen der Einsätze" nicht rein praxisorientiert ausgerichtet wird. Im Zeitalter von Computern und Internet ist die Bedeutung der Arbeitsteilung auch und gerade im Militär erheblich angestiegen.

Die Aufgabe des Offiziers war und ist es, Entscheidungen zu treffen und/oder sie vorzubereiten, in Kenntnis einer Vielzahl von Sachverhalten. Um diese sachgerecht auswerten und bewerten zu können, bedarf es einer fach- und sachkundigen Ausbildung auf höchstem Niveau, also neben einer hervorragenden militärfachlichen auch einer umfassenden theoretischen Ausbildung und Schulung des Intellekts. Denn nur wer die Folgen seines Handelns überblicken kann, ist in der Lage, angemessene Entscheidungen zu treffen. Die Geschichte hat uns mehrfach gezeigt, dass insbesondere dann, wenn diese Tatsache vernachlässigt wurde, es zu Fehleinschätzungen und -entscheidungen kam, die entsetzliche Folgen insbesondere für den unterstellten Bereich hatten. Im Zweifelsfall entscheidet der Offizier nämlich über Leben und Tod.

ANMERKUNGEN:

(Fußnote 1/FN1) Siehe hierzu: Deutscher Bundestag: Beschlussempfehlung und Bericht des Verteidigungsausschusses als 1. Untersuchungsausschuss gem. Art. 45a Abs. 2 GG. Drucksache 13/11005. Bonn 1998.

(FN2) Siehe hierzu u.a.: Struck entlässt "verwirrten" General. In: FAZ, 4.11.2003.

(FN3) Der Ausdruck "preußisch-deutsche Offiziersausbildung" begrenzt die Geschichte der Offiziersausbildung in den deutschen Teilstaaten zwischen 1806 und 1918 nur auf das preußische System. Es bildete die Grundlage für die Entwicklung der deutschen Offiziersausbildung nach 1918. Grundsätzliche Rückschlüsse auf das berufliche Selbstverständnis der Offiziere der Bundeswehr von heute können daraus jedoch nicht gezogen werden.

(FN4) Bald, Detlef: Der deutsche Offizier. Sozial- und Bildungsgeschichte des deutschen Offizierkorps im 20. Jahrhundert. München 1982, S.101.

(FN5) Kutz, Martin: Reform und Restauration der Offizierausbildung der Bundeswehr. Strukturen und Konzeptionen der Offizierausbildung im Widerstreit militärischer und politischer Interessen. Baden-Baden 1982, S.13.

(FN6) Eine umfangreiche Auseinandersetzung mit diesem Thema ist nachzulesen bei: Hartmann, Uwe: Erziehung von Erwachsenen als Problem pädagogischer Theorie und Praxis. Eine historisch-systematische Analyse des pädagogischen Feldes "Bundeswehr" mit dem Ziel einer pädagogischen Explikation des Erziehungsbegriffes im Hinblick auf erwachsenenpädagogisches Handeln. Frankfurt a.M. 1994, S.146ff.

(FN7) Zur Person Gerhard Johann David von Scharnhorst siehe: Hornung, Klaus: Scharnhorst. Soldat - Reformer - Staatsmann. Die Biographie. München 1997; Schieder, Theodor: Gerhard Johann von Scharnhorst. In: Scharnhorst. Ausgewählte Schriften und Briefe (= Schriftenreihe Innere Führung. Beiheft 3/85). Bonn 1985, S.5-20.

(FN8) General Scharnhorst an Professor Stützer. Königsberg, 4. Dezember 1809. In: Die Bildung des Offiziers. Dokumente aus vier Jahrhunderten. Ausgewählt von Jürgen Bertram (= Schriftenreihe Innere Führung. Reihe Bildung, Heft 5). Bonn 1969, S.166ff.

(FN9) Scharnhorst, Johann Gerhard: An die Freunde des Militair-Studiums. In: Bildung des Offiziers (Anm. 8), S.169-173.

(FN10) Hierzu siehe u. a.: Bildung des Offiziers (Anm. 8), S.55f.; Demeter, Karl: Das Deutsche Offizierkorps in Gesellschaft und Staat 1650-1945. Frankfurt a.M. 2. Aufl. 1962, S.76ff.; Hackl, Othmar: Die Höhere Ausbildung von Offizieren deutscher Heere im 19. und 20. Jahrhundert. Ein Überblick. In: MARS 1/1995, S.199f.

(FN11) Zur Gesamtkonzeption der Reform der Offiziersausbildung unter Scharnhorst siehe: Hoppe, Marie-Nicolette: Scharnhorsts Gedanken zur Reform der Offizierausbildung. Bonn 1990.

(FN12) Hierzu siehe die Thesen von: Trull, Christian: Ausbildung, Führung und Erziehung unseres Nachwuchses. In: Der Panzergrenadier 11/2002, S.9.

(FN13) Demeter: Offizierkorps (Anm. 10), S.76.

(FN14) Es ist nur scheinbar ein Widerspruch, dass die meisten preußischen Heeresreformer Adelige waren. Von Gneisenau, von Boyen und von Peucker waren auf Grund ihrer herausragenden Leistungen für den preußischen Staat im Laufe ihrer militärischen Laufbahn in den Adelsstand erhoben worden. Von Scharnhorst und von Clausewitz wuchsen als junge Adelige im Umfeld von Universitätsstädten auf und wurden somit nicht mit dem Problem des Landadels konfrontiert, die eigenen Kinder den Anforderungen des Militärs entsprechend angemessen auszubilden.

(FN15) Zum Widerstand gegen die Reformen der Offiziersausbildung nach 1815 siehe u.a.: Demeter: Offizierkorps (Anm. 10), S.78f.; Hackl: Ausbildung (Anm. 10), S.200f., Hartmann: Erziehung (Anm. 6), S.179ff.

(FN16) Hartmann: Erziehung (Anm. 6), S.203f.

(FN17) Brandt, Heinrich von: Das wissenschaftliche Niveau der Allgemeinen Kriegsschule um 1830. In: Bildung des Offiziers (Anm. 8), S.200.

(FN18) Bildung des Offiziers (Anm. 8), S.65.

(FN19) Brechenmacher, Thomas: Eduard von Peucker. In: Bald, Detlef/Hartmann, Uwe/Rosen, Claus von (Hrsg.): Klassiker der Pädagogik im Militär. Baden-Baden 1999, S.107-130.

(FN20) Hier und im Folgenden: Demeter: Offizierkorps (Anm. 10), S.78f.

(FN21) Kutz: Reform (Anm. 5), S.17.

(FN22) Hier und im Folgenden: Hartmann: Erziehung (Anm. 6), S.205f.

(FN23) Demeter: Offizierkorps (Anm. 10), S.85.

(FN24) Hierzu siehe: Erker, Paul: Dampflok, Daimler, Dax. Die deutsche Wirtschaft im 19. und 20. Jahrhundert. Stuttgart 2001, S.82ff.

(FN25) Hartmann: Erziehung (Anm. 6), S.203.

(FN26) Bildung des Offiziers (Anm. 8), S.61f.; Bald: Offizier (Anm. 4), S.102.

(FN27) Ostertag, Heiger: Bildung, Ausbildung und Erziehung des Offizierkorps im deutschen Kaiserreich zwischen 1871 und 1918. Eliteideal, Anspruch und Wirklichkeit. Frankfurt a.M. 1990, S.305f.

(FN28) Bildung des Offiziers (Anm. 8), S.85.

(FN29) Bald: Militärreformer (Anm. 19), S.21ff.

(FN30) Stahl, Friedrich-Christian: Helmuth von Moltke. In: Bald/Hartmann/ von Rosen (Hrsg.): Klassiker der Pädagogik im Militär. Baden-Baden 1999, S.131-147.

(FN31) Hier und im Folgenden: Bildung des Offiziers (Anm. 8), S.72ff.

(FN32) Ostertag: Bildung (Anm. 27), S.308f.

(FN33) Bald: Offizier (Anm. 4), S.105. Zur Kritik an diesen Verhaltensmustern in der deutschen Gesellschaft siehe auch : Mann, Heinrich: Der Untertan. Berlin 1918.

(FN34) Hackl: Ausbildung (Anm. 10), S.203.

(FN35) Nittner, Ernst: Bildung und Offizier. In: Ders.: Kontinuität und Wandel. Gedanken zur Erziehung und Bildung in der Bundeswehr. Neubiberg 1980, S.95.

(FN36) Demeter: Offizierkorps (Anm. 10), S.88; Hartmann: Erziehung (Anm. 6), S.207.

(FN37) Zu den Konsequenzen der Verinnerlichung dieses Ehrbegriffes auch unter deutschen Intellektuellen siehe beispielhaft: Flex, Walter: Der Wanderer zwischen den Welten. Berlin 1916.

(FN38) Herausragendes Beispiel hierfür ist das verzweifelte Festhalten des Großen Generalstabes am "Schlieffen-Plan" von 1905, der die angeblich einzige Erfolg versprechende Lösung für den erwarteten Zweifrontenkrieg war. Der Plan war auf der Grundlage der Erfahrungen General Graf von Schlieffens im Deutschen Krieg 1866 über ein Jahrzehnt hinweg entwickelt worden. Dabei haben sich die umfassenden Veränderungen der Waffen- und Führungsmitteltechnik nur marginal niedergeschlagen.

(FN39) Hier und im Folgenden: Hartmann: Erziehung (Anm. 6), S.209f; Ostertag: Bildung (Anm. 27), S.309f.

(FN40) Am 23. März 1921 wurde aus der "Vorläufigen Reichswehr" durch das Reichswehrgesetz die "Reichswehr" der Weimarer Republik. Siehe hierzu: Gordon, Harold J.: Die Reichswehr und die Weimarer Republik. Frankfurt 1959.

(FN41) Hackl: Ausbildung (Anm. 10), S.204.

(FN42) Ostertag: Bildung (Anm. 27), S.312f.

(FN43) Zur Person Hans von Seeckts (1866-1936) siehe: Meier-Welcker, Hans: Seeckt. Frankfurt am Main 1967.

(FN44) Klein, Friedhelm: Der Beruf des Offiziers. Seine Entwicklung und historische Einordnung. In: De officio. Zu den ethischen Herausforderungen des Offizierberufs. Herausgegeben vom Evangelischen Kirchenamt der Bundeswehr. Bonn 1985, S.19.

(FN45) Bald: Offizier (Anm. 4), S.107.

(FN46) Demeter: Offizierkorps (Anm. 10), S.103.

(FN47) Bald: Offizier (Anm. 4), S.115.

(FN48) Demeter: Offizierkorps (Anm. 10), S.106.

(FN49) Klein: Beruf (Anm. 42), S.19.

(FN50) Hier und im Folgenden: Bildung des Offiziers (Anm. 8), S.88ff.

(FN51) Klein: Beruf (Anm. 42), S.19f.

(FN52) Kroener, Bernhard R.: Strukturelle Veränderungen in der militärischen Gesellschaft des Dritten Reiches. In: Prinz, Michael/Zitelmann, Rainer: Nationalsozialismus und Modernisierung, Darmstadt 1991, S.280. Kroener wirft in seinem Beitrag sehr interessante Aspekte über die Entwicklung des Offizierskorps im Dritten Reich und die daraus resultierenden Folgen für die Bundeswehr auf.

(FN53) Siehe hierzu: Hartmann: Erziehung (Anm. 6), S.225f.

(FN54) Kroener: Veränderungen (Anm. 50), S.291.

(FN55) Bald: Offizier (Anm. 4), S.108ff.

(FN56) Klein: Beruf (Anm. 42), S.19.

(FN57) Hartmann: Erziehung (Anm. 6), S.228ff.

(FN58) Kroener: Veränderungen (Anm. 50), S.282f.

(FN59) Hier und im Folgenden: Bald: Offizier (Anm. 4), S.108ff.

(FN60) Ebenda S.109.

(FN61) Hackl: Ausbildung (Anm. 10),S.206.

(FN62) Hier und im Folgenden : Kroener: Veränderungen (Anm. 50), S.283.

(FN63) Többicke, Peter: Das Ringen um die Innere Führung. Zu den Anfängen Westdeutscher Sicherheitspolitik 1950-1957. In: Information für die Truppe Nr. 1/2003 (47. Jg.), S.70-72.

(FN64) Genaueres zur Konzeption der Integration eines Militärapparates in die Strukturen der jungen deutschen Demokratie: Kutz, Martin: Reform als Weg aus der Katastrophe. In: Linnenkamp, Hilmar/Lutz, Dieter S. (Hrsg.): Innere Führung. Zum Gedenken an Wolf Graf von Baudissin. Baden-Baden 1995, S.71-94.

(FN65) Zur Person Wolf Graf von Baudissin siehe: Hartmann, Uwe/Richter, Frank/Rosen, Claus von: Wolf von Baudissin. In: Bald/Hartmann/von Rosen (Hrsg.): Klassiker der Pädagogik im Militär. Baden-Baden 1999, S.210-227. Seine wichtigsten Monografien zu diesem Thema sind ohne Zweifel: "Soldat für den Frieden" - Entwürfe für eine zeitgemäße Bundeswehr. München 1969 und "Nie wieder Sieg!" Programmatische Schriften 1951-1981. München 1982.

(FN66) Genaueres über die Entstehungsgeschichte des "Zentrums Innere Führung" siehe: Hundt, Ulrich: Zur Wirkungsgeschichte des Baudissin‘schen Konzeptes der Inneren Führung in der Bundeswehr: Das Beispiel Zentrum Innere Führung. In: Linnenkamp/Lutz: Innere Führung S.55-70.

(FN67) Kroener: Veränderungen (Anm. 50), S.295; Többicke: Ringen (Anm. 61), S.71.

(FN68) Bald: Offizier (Anm. 4), S. 34; Kutz: Reform (Anm. 5), S.41f.

(FN69) BA-MA, BW 2/856, Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Tgb. Nr. 25/57, 15. Juni 1957.

(FN70) Nittner: Bildung (Anm. 34), S.96.

(FN71) Prüfert, Andreas: Europäische Innere Führung? Zur Entwicklung einer gemeinsamen militärischen Führungskonzeption. In: Information für die Truppe H. 1/2003 (47. Jg.), S.26.

(FN72) Zur Bedeutung der Inneren Führung heutzutage siehe: Opitz, Eckhardt (Hrsg.): 50 Jahre Innere Führung. Von Himmerod (Eifel) nach Pristina (Kosovo). Geschichte, Probleme und Perspektiven einer Führungsphilosophie. Bremen 2001.

(FN73) Kutz: Reform (Anm. 5), S.53.

(FN74) Bald: Offizier (Anm. 4), S.108ff.

(FN75) Kutz: Reform (Anm. 5), S.55f.

(FN76) Bald: Offizier (Anm. 4), S.117ff.

(FN77) Kutz: Reform (Anm. 5), S.88f.

(FN78) Hier und im Folgenden: Bald: Offizier (Anm. 4), S.117.

(FN79) Ohne Zweifel ist das Studium auch ein großes Attraktivitätsprogramm für den Offiziersberuf geworden, da sich die Bundeswehr so den Zugang zu jungen Menschen erschlossen hat, die sie nur mit dem klassischen Berufsbild des Offiziers nicht erreicht hat. Klein, Paul/Lippert, Ekkehard: Die Bedeutung und Ziele der akademischen Anteile in der Offiziersausbildung. In: Soldat - ein Berufsbild im Wandel. Herausgegeben im Auftrag des Deutschen Bundeswehr Verbandes. Band 2: Offiziere. Bonn 1993, S.15ff.

(FN80) Zum Ausbildungsablauf und den Zielen der akademischen Anteile der Offiziersausbildung siehe: Klein/Lippert: Offizierausbildung., S.191-200.

(FN81) Regelmäßig erhobene Statistiken belegen, dass rund 90% aller Absolventen der Universitäten der Bundeswehr sofort nach ihrem Ausscheiden aus der Bundeswehr eine angemessene zivilberufliche Anstellung finden. Siehe hierzu u.a.: Morick, Holger/Knuschke, Hardy: Vom Offizier zum Manager. Ergebnisse einer Karriereanalyse. In: Information für die Truppe. H. 2/2002 (46. Jg.), S.40-45.

(FN82) Siehe hierzu: Bald: Offizier (Anm. 4), Tabellen S.130f.

(FN83) Klein/ Lippert: Akademische Anteile (Anm. 77), S.198.

(FN84) Trull: Ausbildung (Anm. 12), S.9. Interessanterweise geht die israelische Armee zur Zeit genau den umgekehrten Weg. Die sich im ständigen Einsatz befindlichen Streitkräfte werden ihre stark praxisorientierte Offiziersausbildung zukünftig intensiv mit akademischen Inhalten anreichern.

(FN85) Trull: Ausbildung (Anm. 12), Tabelle S.9.

(FN86) Zur Offiziersausbildung im bundesdeutschen Heer siehe: Uhde, Peter E.: Schlaglicht. Ausbildungsalltag an der OSH Dresden. In: Information für die Truppe H. 4/1999 (43. Jg.), S.11-18.

(FN87) Im Einsatz mit allen Teilstreitkräften und im Verbund mit internationalen Partnern.

(FN88) Trull: Ausbildung (Anm. 12), S.12.

(FN89) Bundesministerium für die Verteidigung, Inspekteur des Heeres: Wegweiser für die Traditionspflege im Heer. Bonn, 1. Dezember 1999.

(FN90) Die Entwicklung des Krieges im 20. Jahrhundert wird sehr gut nachvollzogen bei: Münkler, Herfried: Über den Krieg. Stationen der Kriegsgeschichte im Spiegel ihrer theoretischen Reflexion. Weilerswist 2002.

(FN91) Trull: Ausbildung (Anm. 12), S.10.

(FN92) Siehe hierzu auch: Bischof, Gerd Jürgen: Schneller, höher, weiter... aber wohin? In: Information für die Truppe 1/2003 (47. Jg.), S.3.

(FN93) Bald: Offizier (Anm. 4), S.111.

(FN94) Nittner: Bildung (Anm. 34), S.107.

(FN95) Siehe hierzu auch: Kroener: Veränderungen (Anm. 50), S.296.

Dr. Dieter H. Kollmer

Geb. 1964 in der Hansestadt Hamburg; Major; 1981/82 Austauschjahr in den USA; 1984 Eintritt in die Bundeswehr als Offiziersanwärter; 1984-1989 Ausbildung und Verwendung in der Fernmeldetruppe des Heeres in Feldafing, Hannover, Neumünster und Buxtehude; 1989-1998 Studium der Neueren und Neuesten Geschichte sowie der Volkswirtschaftslehre in Freiburg im Breisgau, Basel und Dresden; 1998 Promotion über die Beschaffung von Rüstungsgütern in der Aufbauphase der Bundeswehr an der Universität Freiburg; 1998-2000 Kompaniechef südlich von Berlin; 1999 Auszeichnung für die beste Politische Bildung in den ostdeutschen Bundesländern; seit 2000 Dozent für Militärgeschichte an der Offizierschule des Heeres in Dresden; 2000-2003 Delegationsoffizier zur Königlichen Militärakademie der Niederlande in Breda und Mitglied der Baltic Sea Military AcademyConference. Zur Zeit: Co-Autor der wissenschaftlichen Projekte des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes anläßlich des 50. Jahrestages der Gründung der Bundeswehr.



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