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Lessons not learned...

von Rupert Wenger

Kurzfassung

◄ Der Russisch-Japanische Krieg 1904/05 nahm in punkto Waffentechnik, Taktik und Operationsführung die meisten signifikanten Eigenarten des Ersten Weltkriegs vorweg, doch zogen die zahlreichen Analysten, die diesen Krieg auf beiden Seiten der Front genau beobachteten, nicht die notwendigen Schlussfolgerungen. Speziell im Kampf um die Festung Port Arthur zeigten sich die meisten Parallelen zum Stellungs- und Abnützungskrieg des Ersten Weltkriegs.

Der Russisch-Japanische Krieg zeigte nachdrücklich, dass Raum und Zeitbedarf für die Schlachten des Krieges im Wachsen begriffen waren, die Wirkung des Elements Feuer durch die Einführung des Mehrlade- und Maschinengewehrs dramatisch gestiegen war und der Soldat und sein Waffensystem auf dem Gefechtsfeld sich möglichst gedeckt zu halten hatten. Das Element des Angriffs - Nahkampf mit der blanken Waffe - verlor an Bedeutung; die Artillerie kämpfte nicht mehr aus offenen Stellungen im direkten Richtverfahren, sondern aus verdeckten im indirekten, wobei Dauer und Intensität der Artillerievorbereitung rapide zunahmen.

Bei der Belagerung von Port Arthur operierten beide Seiten angelehnt; Umfassungen auf taktischer Ebene waren auf besonders exponierte Stellungen und Lücken im Verteidigungspositiv beschränkt. Alle vier japanischen Offensiven gegen die Festung wurden frontal geführt und scheiterten insofern, als niemals der Durchbruch durch das russische Verteidigungsdispositiv zur Gänze geschafft wurde. Allerdings war der vierten Offensive insofern ein Teilerfolg beschieden, als durch die vorübergehende Eroberung der russischen Vorpostenstellung auf dem Hohen Berg die Voraussetzung für die Vernichtung des russischen Pazifischen Geschwaders geschaffen wurden. Dieses wurde von überlegenen japanischen Kräften in der Seeschlacht von Tsushima vernichtend geschlagen, obwohl Moskau nach ersten Verlusten 1904 das Baltische Geschwader als Verstärkung in den Fernen Osten verlegt hatte.

Aus dem Russisch-Japanischen Krieg hätten sich die Bedeutung frontaler Offensiven für einen europäischen Kriegsschauplatz ebenso herauslesen lassen können wie der Geschwindigkeitsüberhang des Verteidigers, was zur Erstarrung der Fronten und Abnützungsschlachten führte. Die Defensive hatte sich der Offensive überlegen erwiesen. Allerdings waren die Beobachter des Krieges im Fernen Osten mit einer solchen Analyse überfordert; es hätte eines hoch in der militärischen Hierarchie angesiedelten Analyseelements bedurft, das die gesamten Ergebnisse konsequent in Doktrin und Waffenentwicklung hätte umsetzen können. ►


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Lessons not learned...

Der Russisch-Japanische Krieg als Beispiel eines zu wenig analysierten Konfliktes

Ein Krieg beginnt in der Regel an der Stelle der Entwicklung, an dem der letzte endete. Die Ausnahme zu diesem Axiom bildete der Erste Weltkrieg, der zu Beginn exakt dasselbe Bild bot wie der Beginn seines Vorgängers, des Russisch-Japanischen Krieges. Die meisten signifikanten Eigenarten des Ersten Weltkrieges sind aus heutiger Sicht bereits im Russisch-Japanischen Krieg erkennbar. Dies führt zur Frage, warum die Erfahrungen dieses Krieges kaum Eingang in Waffentechnik, Taktik und Operationsführung der damaligen Streitkräfte gefunden haben, obwohl er der von militärischer Seite intensivst beobachtete der neueren Geschichte war. Die runde Zahl inzwischen vergangener Jahre rückt diesen Konflikt und die Frage, warum er nicht mehr Auswirkungen auf die Streitkräfte seiner Zeit hatte, wieder ins Blickfeld. So manche Argumentation in der Diskussion um die Erfahrungen aus dem Irakkrieg erinnert in fataler Weise an die vor 100 Jahren vorgebrachte. Daher soll in weiterer Folge untersucht werden, wie Kriegserfahrungen zweckmäßig analysiert und in den Prozess der Streitkräfteplanung umgesetzt werden könnten.

Der Krieg der Landstreitkräfte wird hier nur am Beispiel des Kampfes um die Festung Port Arthur analysiert,(Fußnote 1/FN1) weil sich hier die meisten Parallelen zum Stellungs- und Abnützungskrieg des Ersten Weltkrieges zeigen. Für den zeitgenössischen Beobachter stellte sich die Bedeutung des Kampfes um die Festung naturgemäß nicht so offen dar wie dem nachgeborenen. Trotzdem haben zeitgenössische Beobachter auch aus den großen Schlachten im Inneren der Mandschurei dieselben zukunftsweisenden Schlüsse gezogen, obwohl die den Operationen zugrunde liegenden Mechanismen dort nicht so klar erkennbar waren wie im Falle von Port Arthur.

Erfahrungen auf dem Gebiet der Versorgung sollen hier nicht, waffentechnische nur im Hinblick auf ihre Auswirkung auf Taktik und Operationsführung erörtert werden.

Ausgangssituation und Kriegsziele

Russland und Japan dehnten ihren Einflussbereich in Ostasien ab den letzen Dekaden des 19. Jahrhunderts auf Kosten des chinesischen Kaiserreiches und Koreas ständig weiter aus. Dies musste zwangsläufig zu einer absehbar gewaltsamen Abgrenzung der Einflusssphären führen. Unmittelbarer Kriegsauslöser war die Pacht von Holzverarbeitungsrechten durch eine russische Gesellschaft von Korea in dessen Grenzgebiet, unter Beteiligung höchster russischer Regierungskreise. Japan, das Korea als sein Einflussgebiet sah und dafür durchaus bereit war, die Mandschurei als russisches Einflussgebiet zu respektieren, hatte zu reagieren. Nach fruchtlosen Verhandlungen eröffnete es den Krieg am 8.2.1904 mit einem überraschenden Angriff seiner Seestreitkräfte gegen das russische Pazifische Geschwader vor Port Arthur ohne vorangegangene Kriegserklärung.

Zielsetzung der japanischen Streitkräfte war es, die koreanische Halbinsel militärisch zu sichern und die russischen Streitkräfte so weit wie möglich von ihr abzudrängen. Die Kontrolle über Teile der Mandschurei, die Japan im japanisch-chinesischen Krieg 1894-1895 erkämpfte, dann aber auf Druck der europäischen Mächte und der USA wiederum abgeben musste, würde die Folge, nicht jedoch das primäre Ziel des Krieges sein. Für den Einsatz der japanischen Landstreitkräfte auf dem asiatischen Kontinent musste die Seeherrschaft im Gelben oder Japanischen Meer gewonnen und gehalten werden.

Russland war v.a. bestrebt, seinen Einfluss über die Mandschurei zu sichern und wenn möglich auf weitere Teile Chinas und Koreas auszudehnen. Die "Kriegsziele" wurden bei Kriegsbeginn von Verteidigungsminister Generalleutnant Alexej Nikolajewitsch Kuropatkin(FN2) dem Zaren zur Genehmigung vorgelegt.

Demnach sollten - vorerst defensiv die Zeit erkämpft werden, genügend starke Kräfte aus Europa in die Mandschurei zu verlegen, - im Anschluss die japanischen Streitkräfte vom Kontinent vertrieben, - die Seeherrschaft erkämpft, - in Japan russische Kräfte angelandet, - der Tenno gefangen genommen und - der erwartete Volksaufstand niedergeschlagen werden.

Die hinter dieser Ablaufplanung stehenden strategischen Ziele wurden offensichtlich nicht definiert. Es ist keine Absicht erkennbar, Japan auf Dauer zu besetzen und zur russischen Kolonie zu machen. Nach allen Stellungnahmen der russischen Führung ist anzunehmen, dass das damals aus westlicher Sicht unterentwickelte Land für die Herausforderung einer Großmacht "bestraft" hätte werden sollen.

Die japanischen Operationen sind daher als offensive Abwehroperationen, die russischen als vorerst defensive mit der Zielsetzung einer späteren Offensive zu sehen.

Raum, Kräfte, Zeit

Beide Konfliktparteien hatten zur Durchsetzung ihrer militärstrategischen Zielsetzung ihre Landstreitkräfte über das Gelbe oder Japanische Meer zu führen und die Versorgung über das Meer sicherzustellen. Dazu war die Seeherrschaft im entsprechenden Raum zu gewinnen und zu behaupten. Nordkorea mit seiner langen Küste am Japanischen Meer bot kaum Verkehrslinien ins Landesinnere. Im Norden behinderte im Winter Eis den Schiffsverkehr. Daher verlegten beide Konfliktparteien ihr Schwergewicht auf die Nutzung des Gelben Meeres. Russland konzentrierte seine Seestreitkräfte in Port Arthur im Gelben Meer, beließ jedoch Teile in Wladiwostok im Japanischen Meer.

Dieses ist nur über die Tsushima-, die Tsugaru- oder die La Perouse-Straße erreichbar. Alle drei führen zwischen japanischen Inseln durch oder an ihnen vorbei und waren von japanischen Seestreitkräften leicht zu kontrollieren. Jeder Verkehr zwischen den beiden Meeren musste über die japanisch dominierte Straße von Tsushima laufen. Die Insel selbst war japanisch, im Nahbereich der Straße lagen die Marinestützpunkte Sasebo, Kure und Maizuru. Die japanischen Seestreitkräfte genossen daher den Vorteil der inneren Linie.

Bei Kriegsbeginn verfügten die Seestreitkräfte über moderne in der Schlacht einsetzbare Schiffe: Das Stärkeverhältnis der Seestreitkräfte im Fernen Osten war vorerst ausgeglichen. Japan verfügte über keinerlei Reserven und keine Neubaukapazität von Schiffen über Kreuzergröße, während Russland umfangreiche Reserven zur Wirkung bringen konnte. Japan durfte sich also keine Verluste v.a. an Großkampfschiffen leisten und musste die russische Flotte im Fernen Osten ausschalten, bevor noch die russischen Reserven das Stärkeverhältnis völlig zu seinen Ungunsten verschieben konnten.

Der engere Kriegsschauplatz der beiden Landstreitkräfte ist mit der heutigen Provinz Liaoling im Süden der Mandschurei begrenzt. Der von den Kämpfen betroffene Teil der Provinz kann mit einem auf seiner Spitze stehenden rechtwinkeligen Dreieck beschrieben werden. Die Spitze bildet dabei die Halbinsel Kwantung. Die Basis misst rund 500 km, die Höhe 350 km. Die Halbinsel Kwantung ist an der engsten Stelle fünf, im Durchschnitt rund 20 km breit. Die Osthälfte des Dreiecks ist gebirgig, die Westhälfte weitgehend eben und wird vom Liao Ho durchzogen.

Die japanischen Kräfte hatten über die Hypotenuse des Dreiecks aus zu operieren und ihre Operationen dann in Richtung Spitze und Basis des Dreiecks voranzutreiben. Eine Seelandung im Bereich der Spitze des Dreiecks erschien im unmittelbaren Wirkungsbereich des in Port Arthur liegenden Pazifischen Geschwaders der russischen Seestreitkräfte außer Diskussion.

Der Kriegsschauplatz war von Japan rund 1.000 km, vom russischen Kerngebiet rund 7.000 km entfernt. Die Konzentration von Kräften musste bei den Japanern über See, bei den Russen über eine wenig leistungsfähige eingleisige Eisenbahn erfolgen. Im Kriegsfall im Fernen Osten war diese durch die Landstreitkräfte völlig ausgelastet. Die Versorgung der Flotte im Fernen Osten musste im Kriegsfall über See um die halbe Erde und im letzten Teil durch japanisch dominierte Gewässer erfolgen. Aus Europa zugeführte russische Seestreitkräfte hatten ihre Versorgungsgüter selbst mitzuführen.

Die personelle Stärke der Landstreitkräfte war wegen des Transportproblems also beschränkt. Im Falle Japans waren die personellen und finanziellen Ressourcen zum damaligen Zeitpunkt gering.(FN3) Aus diesen Gründen überstieg die Stärke der in den Operationen einsetzbaren Kräfte der Konfliktparteien am Kriegsschauplatz zu keinem Zeitpunkt je 350.000 Mann. Nach zeitgenössischen Normen konnte man von einer Dichte von rund zwei Mann je laufendem Meter Frontlinie ausgehen. Beide Konfliktparteien waren damit nicht in der Lage, auf der nach Norden führenden Operationslinie den gesamten Raum mit Kräften zu sättigen, operierten also während des ganzen Feldzuges mit offenen Flanken. Ihre durch laufende Zuführung von Kräften steigende Stärke wurde durch die kontinuierliche Erweiterung des Raumes kompensiert. Im Gegensatz dazu wurde der Raum bei der Operation gegen Port Arthur kontinuierlich enger. Beide Konfliktparteien füllten ihn mit ihren Kräften lückenlos aus. Eine Operationsführung über die Flanken war also ausgeschlossen, eine Umgehung über die See wegen der Präsenz des russischen Geschwaders zu riskant. Folgerichtig wurden ausnahmslos alle Schlachten in der Mandschurei von den japanischen Streitkräften durch Manöver gegen Flanken und Rücken der russischen Kräfte gewonnen, während alle vier Schlachten vor Port Arthur frontal geführt werden mussten. Im Hinblick auf die Stärken beider Parteien hat dieser Konflikt also noch mehr Ähnlichkeit mit den Kabinettkriegen vergangener Jahrhunderte als mit dem Ersten Weltkrieg, in dem erstmals, bedingt durch die allgemeine Wehrpflicht, Millionenheere aufeinander trafen. Mit ihnen war, wenn man von der Anfangsphase absieht, eine Abdeckung des gesamten Raumes beiderseits der jeweiligen Staatsgrenze möglich, womit Manöver über die Flanken auf operativer Ebene weitgehend ausgeschlossen waren.

Beide Konfliktparteien benötigten wegen der geringen Kapazität der Transportwege vorerst Zeit für die Konzentration ihrer Kräfte. Auf japanischer Seite gelangte man jedoch wesentlich rascher zum Abschluss des Aufmarsches der verfügbaren Kräfte. Ab diesem Zeitpunkt hatten die japanischen Streitkräfte die Entscheidung so rasch wie möglich zu suchen, weil die russischen im Laufe der Zeit fast unbegrenzte Ressourcen zur Wirkung bringen konnten.

Auf dem Kriegsschauplatz war das Eisenbahnnetz schwach ausgebaut. Die Stichbahn von der Transsibirischen Bahn nach Süden mit Ende in Port Arthur war die einzige brauchbare Eisenbahnlinie. Sie konnte von den russischen Streitkräften für Verschiebungen von Kräften entlang der Operationslinien in Abhängigkeit von der Lage, von den Japanern erst nach Umspurung auf das schmälere japanische Gleissystem ebenfalls entlang der Operationslinien genutzt werden. Das Straßennetz war dünn und in so schlechtem Zustand, dass es für Verschiebung und Versorgung der Kräfte nur bedingt nutzbar war. Kraftfahrzeuge gab es in militärisch relevanter Menge und Transportkapazität noch nicht. Die Operationen mussten also im Nahbereich der Eisenbahnlinien geführt werden. Dies stellt den einzigen signifikanten Unterschied zum europäischen Kriegsschauplatz dar.

Ablauf

Das Klima in der Mandschurei während der Operationen unterschied sich nicht wesentlich vom Klima in Mitteleuropa.

Japanische Torpedoboote griffen in der Nacht zum 9.2.1904 das in Port Arthur liegende russische Pazifische Geschwader ohne vorangegangene Kriegserklärung an und beschädigten zwei russische Linienschiffe und einen Kreuzer schwer. Gleichzeitig wurden im Zuge der Truppenanlandung der japanischen 1. Armee im koreanischen Hafen Chemulpo(FN4) zwei zufällig dort befindliche russische Kreuzer angegriffen und versenkt. Der Überfall ohne Kriegserklärung wurde von allen westlichen Mächten akzeptiert und insgeheim sogar bewundert. 37 Jahre später, als eine westliche Macht vom gleichen japanischen Vorgehen selbst betroffen war, sollte sich die Einstellung zu dieser Vorgangsweise grundlegend ändern.

Mit dieser Aktion war die quantitative Überlegenheit der japanischen Flotte temporär sichergestellt und das russische Geschwader auf Dauer in die Defensive gedrängt. Ein kurzes Aufflackern von Offensivgeist mit der Ernennung von Vizeadmiral Stepan Ossipowitsch Makarow zum Kommandanten des Pazifischen Geschwaders endete mit dem Untergang des russischen Flaggschiffes und dem Tod des Admirals am 13.4.1904. Die japanischen Seestreitkräfte hatten das Geschwader auf ein in der vorangegangenen Nacht gelegtes Minenfeld gelockt. Das Flaggschiff wurde durch eine Sekundärexplosion in seinen Munitionskammern zerrissen, ein weiteres Linienschiff durch eine andere Mine schwer beschädigt. Der Verlust von zwei japanischen Linienschiffen am 15.5.1904 auf russischen Minen und damit der Verlust eines Drittels der Linienschiffe traf die japanische Flotte schwer, änderte aber das Stärkeverhältnis vorerst nicht grundsätzlich.

Nach der Landung der japanischen 2. Armee auf der Halbinsel Kwantung bei Pikou am 6.5.1904 schnitten ihre Kräfte am 12.5. die russischen Verbindungen zwischen Port Arthur und den russischen Hauptkräften in der Mandschurei ab. Am 25.5. griff die Armee russische Stellungen an der engsten Stelle der Halbinsel Kwantung im Raum Nanshan an und zwang die russische 4. Ostsibirische Infanteriedivision zum Rückzug in Richtung Port Arthur. Die russischen Kräfte verzögerten entlang der Bewegungslinien, sodass die inzwischen angelandete 3. Armee unter General Maruseke Nogi, die mit der Einnahme von Port Arthur beauftragt war, erst Ende Juli 1904 vor den Gefechtsvorposten der Festung stand.

Bereits zur Zeit der Kommandoführung durch Makarow wurden im russischen Admiralstab Überlegungen zur Bildung eines 2. Pazifischen Geschwaders in der Ostsee und seine Entsendung in den Fernen Osten angestellt. Diese wurden allerdings erst am 2.5.1904 mit der Ernennung von Vizeadmiral Sinowij Petrowitsch Rojestwenski zum Kommandanten konkretisiert. Ab diesem Zeitpunkt änderte sich die Lage für das 1. Pazifische Geschwader grundlegend. Während bisher die Fertigstellung der Reparaturen an den Linienschiffen bei gleichzeitig möglichst nachhaltiger Behinderung japanischer Landungsversuche abzuwarten und dann die Entscheidungsschlacht um die Seeherrschaft im Gelben Meer zu suchen war, hatte nun das Geschwader bis zum Eintreffen der Verstärkungen aus der Ostsee eine Entscheidungsschlacht zu vermeiden. Wenn sie durch den drohenden Fall der Festung zu Lande jedoch unvermeidlich war, so musste sie zeitlich möglichst nahe zum Eintreffen des zweiten Geschwaders mit dem Ziel, die japanische Flotte so weit wie möglich zu schwächen, durchgefochten werden. Die Fahrt des zweiten Geschwaders musste dann so beschleunigt werden, dass der japanischen Flotte keine Zeit zur Reparatur ihrer Gefechtsschäden blieb. Nur so war es möglich, die beiden Geschwader koordiniert gegen die japanische Flotte zur Wirkung zu bringen. Eine Unterstützung der Festung durch personelle und materielle Abgaben musste in der militärstrategischen Zielsetzung der Erringung der Seeherrschaft ihre Grenze finden.

Trotzdem drängte die russische Führung den nunmehrigen Kommandanten des 1. Pazifischen Geschwaders, Konteradmiral Willhelm Witthöft, zum Auslaufen und zum Durchbruch nach Wladiwostok im Japanischen Meer, was unweigerlich zur Schlacht mit der japanischen Flotte unter Admiral Heihachiro Togo führen und den Verzicht auf die Seeherrschaft im Gelben Meer bedeuten musste. Witthöft gehorchte und verließ mit der Masse des Geschwaders am 10.8.1904 den Hafen mit Ziel Wladiwostok. In den Mittagsstunden trafen beide Flotten aufeinander. In der ersten, rund einstündigen Phase der Schlacht war die Entfernung zwischen den beiden Linienschiffdivisionen wegen der durch Maschinenschäden erzwungenen Herabsetzung der Marschgeschwindigkeit des russischen Geschwaders für ein wirkungsvolles Feuer zu groß.(FN5) In der zweiten, von 16.45 bis 18.00 Uhr dauernden Phase liefen die beiden Flotten auf annähernd parallelem Kurs im ständigen Feuerkampf. Gegen 18.00 Uhr traf eine japanische Granate den Kommandostand des russischen Flaggschiffes, tötete den Admiral und ließ das Schiff steuerunfähig im Kreis laufen. Die Führung des Geschwaders konnte wegen einer abgeschossenen Signalstänge auf dem Schiff des nächstältesten Kommandanten nicht ordnungsgemäß übergeben werden, wodurch die russischen Schiffe ihre Gefechtsform völlig verloren. Die Masse des Geschwaders ging nach Port Arthur zurück, Teile versuchten durchzubrechen, erreichten jedoch nur neutrale Häfen, wo sie desarmiert wurden. Nächtliche Angriffe japanischer Torpedoboote gegen die abdampfenden russischen Kräfte brachten trotz guter Bedingungen kein Ergebnis. Nach Einlaufen des russischen Geschwaders war seine Stärke um ein weiteres Linienschiff, drei Kreuzer und sechs Zerstörer reduziert. Ab diesem Zeitpunkt zeigte es kaum noch Aktivität und gab die Masse seiner Mannschaft und leichten Artillerie an die Festung ab.

Zum Zeitpunkt des Eintreffens der japanischen 3. Armee vor Port Arthur waren die Fortifikationsarbeiten der Festung noch längst nicht abgeschlossen. Über weite Strecken ersetzten Feldstellungen die noch nicht ausgebauten Forts. Die Festung wurde von der 7. Ostsibirischen Infanteriedivision verteidigt, der die einfließenden Kräfte der 4. Division unterstellt wurden. Das Stärkeverhältnis zum Angreifer betrug zu diesem Zeitpunkt rund 1:2.

Auf Grund der bisherigen Erfahrungen in den Gefechten mit den russischen Kräften und völlig unzureichender Aufklärungsergebnisse über Stärke und Ausbauzustand der Festung entschloss sich die 3. Armee zu einem allgemeinen Sturmangriff gegen die Ostfront der Festung unter Führung eines Scheinangriffes gegen die Gefechtsvorposten der Westfront. Dieser erste Versuch scheiterte zwischen 19.8. und 24.8.1904 unter Verlust von 4.400 Toten und 9.900 Verwundeten. Teilerfolge bei den Vorpostenkämpfen im Westen und ein geringfügiger Einbruch in die erste Verteidigungslinie der Festung im Nordosten blieben weitgehend bedeutungslos. Die japanische Infanterie war nach einem Tag Trommelfeuer in dichten Schwarmlinien über deckungsloses Gelände gegen die russischen Stellungen gestürmt und hatte im russischen Feuer rund divisionsstarke Kräfte verloren.

Nach diesem Misserfolg beschloss Nogi, die Festung systematisch zu belagern, was nach damaliger Diktion die Annäherung der Infanteriekräfte schmal und tief gegliedert und geschützt durch Gelände und auszubauende Laufgräben bis auf Sturmausgangsentfernung und den Einsatz starker Pionierkräfte gegen die permanenten Befestigungsanlagen bedeutete.

Zum selben Zeitpunkt hatte die russische Mandschurei-Armee die Schlacht von Liaoyan verloren und war in den Raum Mukden zurückgeworfen worden.

Von 19.9. bis 23.9.1904 griff die mit einer weiteren Division verstärkte 3. Armee die russischen Vorpostenstellungen im Norden und Nordwesten der Festung an. Die Zielsetzung für den Angriff im Westen war durch die Forderung der Flotte bestimmt. Die Bedeutung des Hohen Berges,(FN6) der den gesamten Hafen beherrscht, war der japanischen Führung zu diesem Zeitpunkt bereits bekannt.(FN7) Die Inbesitznahme des Berges musste das Pazifische Geschwader entweder in seinem geschwächten Zustand in See und damit zur Entscheidungsschlacht mit den überlegenen japanischen Seestreitkräften um die Seeherrschaft zwingen oder es der Vernichtung durch die Artillerie der japanischen Landstreitkräfte aussetzen, wie dies im Dezember 1904 auch geschah. Die Angriffe waren mit der Einnahme von drei der vier Ziele teilweise erfolgreich. Das wichtigste Ziel, der Hohe Berg, konnte genommen, nicht aber gehalten werden. Die japanischen Erfolge lassen sich teils auf die Möglichkeit, russische exponierte Stellungen über die Flanken anzugreifen, teils auf den längeren Atem bei den Reserven zurückführen. Abnutzung wurde zum bestimmenden Element für den Ausgang von Gefechten. Die Japaner bezahlten diesen geringfügigen Erfolg gegen die Gefechtsvorposten mit rund 4.000 Toten. Die Zahl der Verwundeten ist nicht bekannt.

Von 5.10. bis 17.10.1904 versuchte die russische Mandschurei-Armee in der Schlacht am Schaho, die Verbindung zu den in Port Arthur eingeschlossenen Kräften angriffsweise herzustellen, scheiterte jedoch unter bedeutenden Verlusten. Damit war das Ende der Festung nur mehr eine Frage der Zeit.

Am 15.10.1904 verließ das 2. Pazifische Geschwader seine Heimathäfen, um als Verstärkung zum 1. Pazifischen Geschwader zu stoßen. Zusammen mit diesem hätten die russischen Seestreitkräfte eine Überlegenheit von 2:1 erreicht, was die japanische Seeherrschaft ernstlich in Frage stellen hätte können. Für die japanischen Seestreitkräfte wurde die Vernichtung des 1. Pazifischen Geschwaders zu einem Zeitpunkt, der eine Überholung und Ausbesserung der eigenen schwimmenden Einheiten vor dem Eintreffen des 2. Pazifischen Geschwaders möglich machte, zur unbedingten Notwendigkeit.(FN8) Ab diesem Zeitpunkt musste der Vernichtung der russischen Schiffe in Port Arthur absolute Priorität gegenüber dem Freimachen der 3. Armee für den Einsatz in der Mandschurei eingeräumt werden, nachdem zu erwarten war, dass die Operationen dort im bevorstehenden Winter eingeschränkt und verlangsamt werden würden. Der japanischen 3. Armee wurde der Befehl für einen sofortigen Angriff auf die Festung erteilt, obwohl die Vorbereitungen dafür noch nicht abgeschlossen waren. Trotz der eindeutigen Zielsetzung griff die 3. Armee vom 26.10. bis 31.10.1904 wiederum mit Schwergewicht die erste Verteidigungslinie im Nordosten der Festung an.

Der Angriff scheiterte völlig und kostete den Angreifer rund 3.000 Tote. Die japanischen Annäherungsgräben waren zu Angriffsbeginn noch zwischen 100 und 230 Meter von den ersten russischen Stellungen entfernt. Die Überwindung dieser Entfernung im Sturm gegen die russischen Maschinen- und Mehrladegewehre stellte sich trotz massiven japanischen Artilleriefeuers als unmöglich heraus. Die Japaner hatten während der Angriffe rund 150.000 Granaten verschossen.

Die japanische 3. Armee wurde Anfang November durch die 7. Division verstärkt, die Verluste der anderen Divisionen wurden aus der Reserve ausgeglichen. Mit diesen Kräften sollte der Angriff gegen die Festung am 26.11.1904 erneuert werden. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Annäherungsgräben und Minenschächte an den Außenwänden der anzugreifenden permanenten Forts fertiggestellt. Die Angriffe der 11., 9. und von Teilen der 1. japanischen Division gegen den Nordostabschnitt der ersten russischen Verteidigungslinie am 26.11. scheiterten jedoch neuerlich im russischen Feuer. Die japanischen Verluste betrugen rund 12.000 Tote und Verwundete. Ab dem 27.11.1904 wurde das Schwergewicht der Angriffe gegen den Hohen Berg verlegt. Teile der 1. Division, der 1. Reservebrigade und die gesamte 7. Division griffen von 27.11. bis 5.12. ununterbrochen den Berg an. Auf russischer Seite wurden sämtliche verfügbaren Reserven einschließlich Kräften aus nicht angegriffenen Stellungen, Besatzungen der Kriegsschiffe und nicht vollständig genesener Verwundeter aus den Lazaretten eingesetzt. Im Nahbereich des Doppelgipfels des Berges starben in diesem Zeitraum rund 10.000 japanische und 5.000 russische Soldaten.

Der Berg selbst glich nach dem ununterbrochenen Artilleriefeuer einer Trichterwüste. Am 5.12. nahmen die japanischen Kräfte den Gipfel, nachdem die russischen Reserven völlig erschöpft waren. In den nächsten Tagen wurde ein Beobachtungsstand der Artillerie auf dem Gipfel eingerichtet und das russische 1. Pazifische Geschwader mit schwerer Artillerie zusammengeschossen. Die Einnahme des Hohen Berges stellte den Kulminationspunkt der Operation gegen Port Arthur dar. Ihr folgte in der zweiten Dezemberhälfte die Sprengung und Einnahme von drei Forts im Nordosten der Festung. Am 1.1.1905 wurde mit der Einnahme des Großen Adlernestes die erste russische Verteidigungslinie endgültig durchstoßen. Obwohl noch zwei weitere Verteidigungslinien vorbereitet, rund 24.000 Soldaten einsatzbereit(FN9) und Munition und Verpflegung für die Fortsetzung der Verteidigung über rund ein Monat vorhanden waren, entschloss sich der Kommandant des befestigten Rayons, Generalleutnant Anatoli Michailowitsch Stössel, ohne Rücksprache mit dem Kommandanten der Festung und dem Verteidigungsrat zur Kapitulation, die am 2.1.1905 wirksam wurde.

Die japanische 3. Armee verlegte nach der Kapitulation der Festung auf den nördlichen Kriegsschauplatz, wo sie zwischen dem 27.2. und 7.3.1905 die Schlacht von Mukden durch eine großräumige Umfassung der rechten Flanke der russischen Mandschurei-Armee zu Gunsten der japanischen Kräfte entschied. Die russische Mandschurei-Armee wurde weit nach Norden zurückgeworfen und damit die japanische militärstrategische Zielsetzung umgesetzt.

Das 2. Pazifische Geschwader erreichte im Jänner 1905 Madagaskar. Zu diesem Zeitpunkt begann die Überholung der japanischen Schiffe nach der Vernichtung des 1. Pazifischen Geschwaders. Ab Madagaskar begann sich der Marsch des 2. Pazifischen Geschwaders wegen erheblicher Führungsfehler des russischen Admiralstabes zu verzögern. Schlussendlich wurde aus längst veralteten Schiffen, deren Mitnahme Rojestwenski kategorisch verweigert hatte, in der Ostsee ein drittes Geschwader zusammengestellt und dem zweiten Geschwader nachgeschickt. Dies hatte eine weitere Verzögerung des Marsches des 2. Pazifischen Geschwaders und nach Vereinigung die Reduktion seiner Gefechtsgeschwindigkeit auf zehn Knoten zur Folge. Die Schiffe des dritten Geschwaders brachten wegen der geringen Reichweite und Feuerfolge ihrer Geschütze keine Verbesserung des Kampfwertes, sondern reduzierten ihn noch durch ihre geringere Marschgeschwindigkeit. Die Entsendung dieses Geschwaders war die Folge einer Kampagne in den russischen Medien.

Als das vereinigte Geschwader den Weitermarsch von der vietnamesischen Küste in Richtung Wladiwostok am 14.5.1905 antreten konnte, war die japanische Flotte fertig instand gesetzt, technisch verbessert und intensiv für die bevorstehende Schlacht ausgebildet. Beide Flottenbefehlshaber wussten, dass die einzig mögliche Passage in das Japanische Meer auf Grund der geringen Reichweite der russischen Schiffe die Straße von Tsushima war. Rojestwenski versuchte unter dem Schutz des zu dieser Jahreszeit häufigen Nebels unentdeckt durch die Enge zu laufen. Auf Grund der Erfahrungen der Seeschlacht am 10.8.1904, bei der sich die Panzerung der Linienschiffe der Feuerkraft der Schiffsartillerie überlegen gezeigt hatte, konnte er annehmen, dass selbst bei einem Zusammentreffen mit der japanischen Flotte diese nicht imstande sein würde, den Durchbruch der Masse seiner Schiffe nach Wladiwostok zu verhindern. Einen Sieg in der bevorstehenden Schlacht und damit die Gewinnung der Seeherrschaft hielt er realistischerweise für aussichtslos.(FN10) Folgerichtig war sein einziger taktischer Befehl für die bevorstehende Schlacht der Kurs auf Wladiwostok. In den Vormittagsstunden des 27.5.1905 lief das vereinigte russische Geschwader in die Tsushima-Straße ein und wurde von der japanischen Vorpostenkette erkannt. Die japanische Flotte lief aus ihrem Stützpunkt im Süden Koreas aus und sichtete das russische Geschwader in den Mittagsstunden. Das Stärkeverhältnis war quantitativ ungefähr gleich, die japanischen Kräfte hatten jedoch eine um 50% höhere Gefechtsgeschwindigkeit, rund 100% bessere Treffergebnisse,(FN11) erheblich bessere Munitionswirkung, bessere Verbindungsmittel(FN12) und waren im Gegensatz zu den Russen in der Lage, fehlerfrei zu manövrieren. Ihr Kampfwert lag daher weit über dem russischen.

Admiral Togo eröffnete die Schlacht mit einem riskanten Manöver, das ihn auf Parallelkurs zum russischen Geschwader brachte. Mit seiner überlegenen Geschwindigkeit begann er auf die Spitze des russischen Geschwaders zu drücken. Seine Kräfte konzentrierten ihr Feuer auf die Führungsschiffe der ersten beiden Linienschiffsdivisionen. Das russische Geschwader war dadurch gezwungen, seinen Kurs immer weiter nach Osten und Süden zu verlegen. Beide Geschwader liefen daher während der ersten Phase der Schlacht auf annähernd konzentrischen Kreisbögen. Innerhalb rund einer Stunde Feuerkampfes wurde ein russisches Linienschiff durch Geschützfeuer versenkt, das Flaggschiff von Rojestwenski außer Gefecht gesetzt sowie der Admiral verwundet und führungsunfähig. Die russische Feuerleitung(FN13) war durch die japanische Waffenwirkung völlig zusammengebrochen, das russische Feuer blieb für den weiteren Schlachtverlauf weitgehend unwirksam.

In der folgenden zweiten Phase verschlechterte sich die Sicht so weit, dass es nur noch zu einzelnen zufälligen kurzen Begegnungen und Feuerwechseln kam. Das nunmehrige russische Spitzenschiff versuchte in der Folge hauptsächlich, dem japanischen Feuer auszuweichen. Die genauen Kurse der beiden Geschwader sind nicht mehr sicher nachvollziehbar.

Gegen 18.00 Uhr hatte sich das russische Geschwader neu formiert und den Kurs auf Wladiwostok wieder aufgenommen. Das japanische nahm erneut Fühlung auf und lief hart ostwärts auf parallelem Kurs. Es kam zu einem weiteren rund einstündigen Austausch von Geschützfeuer auf annähernd parallelen Kursen, in dessen Verlauf zwei der besten russischen Linienschiffe durch Geschützfeuer versenkt, zwei ältere, ein Panzerkreuzer und ein Küstenpanzerschiff, durch Treffer unter der Wasserlinie so weit beschädigt wurden, dass sie die Gefechtsform nicht mehr halten konnten. Außerdem wurde das Flaggschiff von Rojestwenski durch japanische Zerstörer versenkt. Der Admiral selbst war bereits vorher schwer verwundet auf einen russischen Zerstörer überführt worden.

Bei Einbruch der Nacht brach Togo das Gefecht mit der Schlachtflotte ab und setzte seine Torpedoboote und Zerstörer zum Angriff an. Diese versenkten im Laufe der Nacht die beiden älteren russischen Linienschiffe, den Panzerkreuzer und einen weiteren Kreuzer, die alle dem mit hoher Geschwindigkeit abdampfenden russischen Geschwader nicht mehr folgen konnten.

In den Vormittagsstunden des 28.5. traf das japanische Geschwader erneut auf die Reste des russischen Linienschiffgeschwaders, das sich jedoch sofort ergab, weil nach russischen Angaben keine Geschütze mehr einsatzbereit waren, die auf die von den Japanern gewählte Gefechtsentfernung wirken hätten können. Im Verlauf der Suche nach versprengten russischen Kräften wurden weitere russische Schiffe durch Geschützfeuer versenkt. Einige liefen in einen neutralen Hafen und wurden interniert, der Zerstörer mit dem verwundeten Admiral ergab sich den Japanern. Zwei Zerstörer und ein leichter Kreuzer gelangten nach Wladiwostok. Die japanischen Totalverluste betrugen drei Torpedoboote.

Nachdem von den in Wladiwostok stationierten drei Panzerkreuzern und einem Kreuzer im Verlauf des Krieges durch Gefechtseinwirkung bereits ein Panzerkreuzer gesunken und ein weiterer außer Gefecht gesetzt war, verblieben den Russen keine Seestreitkräfte mehr im Fernen Osten, die noch auf den Kriegsverlauf einwirken hätten können. Folgerichtig wurde in Friedensverhandlungen eingetreten. Die Japaner besetzten noch in einer amphibischen Operation die Insel Sachalin und beendeten die Kampfhandlungen ebenfalls, weil ihre finanziellen Mittel erschöpft waren.

Auswertung durch zeitgenössische Beobachter und Streitkräfte

Für die Auswertung der Erfahrungen des Landkrieges seien hier stellvertretend die Auswertungen der britischen und der k.u.k. Streitkräfte dargestellt, weil einerseits die hohe Anzahl britischer Beobachter(FN14) den Schluss nahe legt, die Briten seien an den Erfahrungen besonders interessiert gewesen und hätten sie daher intensiver ausgewertet als andere Streitkräfte, und andererseits die spezifischen österreichischen Verhältnisse ebenfalls untersucht werden sollen.

Die britischen Beobachter legten bereits während des Krieges die ersten Berichte vor. Die Beobachter auf japanischer Seite produzierten allein 239 Berichte. Sie deckten das gesamte Spektrum von Waffen/Ausrüstung über Taktik, Operationsführung, Versorgung, Ausbildung bis hin zum Wehrsystem ab und beinhalteten Zahlen, Daten und Fakten sowie Ableitungen aus der jeweiligen Sicht des Beobachters.

Die Berichte wurden vorerst einem eng begrenzten Personenkreis im Original zugänglich gemacht. Sie wurden von der japanischen Seite der Front 1906 von Oberstleutnant James Aylmer Lowthorpe Haldane zusammengestellt und veröffentlicht, wobei dieser die Berichte nach dem Gesichtspunkt der Bestätigung der eigenen Berichte filterte und darüber hinaus persönliche Aversionen in die Auswahl derselben einfließen ließ.(FN15) Völlig ungeklärt war von Anfang an, ob und wer die entsprechenden Schlussfolgerungen zu ziehen, also eine Analyse anzufertigen hatte. Die Weitergabe im Original deutet darauf hin, dass keine zentrale Analyse beabsichtigt war und von den Beobachtern selbst und vom Leser erwartet wurde. Andererseits beklagte der Leiter der Foreign Intelligence Section des Kriegsministeriums, Oberst William Robert Robertson, die Berichte seien persönliche Ansichten der Autoren und enthielten zu wenige Fakten.(FN16) Eine für die Umsetzung der Erfahrungen verbindliche Analyse fand jedenfalls nicht statt. Damit fehlte die Grundlage für eine verbindliche Änderung der Doktrin. Für die britischen Landstreitkräfte gab es daher auch nur eine rudimentäre Umsetzung der Kriegserfahrungen.

Die österreichischen Beobachter legten schriftliche Berichte vor, die zwar wegen der geringeren Zahl der Beobachter(FN17) eine etwas geringere Breite als die britischen hatten, jedoch qualitativ mindestens auf derselben Höhe waren. Auch sie beinhalteten neben Fakten eigene Ableitungen. Wie sehr diese von persönlicher Vorprägung beeinflusst waren, sei am Beispiel der Beurteilung der künftigen Rolle der Kavallerie dargestellt. Der k.u.k. Oberleutnant Erwin Freiherr von Franz, ein Offizier des Dragonerregimentes 6, leitete aus den Fakten der hohen Beschussempfindlichkeit und der daraus resultierenden geringen Leistungsfähigkeit der Kavallerie ab, ihre Stärke sei zu erhöhen und ihre Ausbildung zu verbessern.(FN18) Generalmajor Sir Ian Hamilton, ein bekannter unbedingter Neuerer, erklärte die Kavallerie aus denselben Gründen als veraltet und völlig unbrauchbar.(FN19) Oberstleutnant Maximilian Csicserics von Bascany, ein österreichischer Beobachter, wurde vom k.u.k. Generalstabschef Franz Conrad von Hötzendorf 1907 mit der Zusammenfassung der Beobachterberichte beauftragt. Ob damit auch eine Analyse gefordert war, bleibt offen. Nach seinen eigenen Angaben wagte Csicserics es nicht, dem damals in ganz Europa und auch bei Conrad dominierenden unbedingten Offensivgeist zu widersprechen. So wurden die Ergebnisse erstmals im vorauseilenden Gehorsam im Sinne der vorherrschenden Meinung gefiltert(FN20) und dann Conrad mündlich vorgetragen. Dieser zeigte nach Aussagen von Csicserics nur geringes Interesse, genehmigte jedoch deren Veröffentlichung zumindest in Teilen, was naturgemäß eine weitere Filterung zur Folge hatte. Conrad hatte Angaben von Csicserics zufolge selbst als Taktiklehrer noch jegliche Auflockerung am Gefechtsfeld wegen der erwarteten Verringerung der Stoßkraft abgelehnt.(FN21) Die Veröffentlichungen wurden zwar breit diskutiert, fanden jedoch keinen Eingang in die offizielle Doktrin. Das Exerzierreglement von 1911 zeigte jedenfalls kaum Neuerungen, die auf die Beobachterberichte zurückgeführt werden können. Die Mehrzahl der militärischen Führer lehnte jede selbstständige Übernahme von Kriegserfahrungen durch die Truppe ab. Der Chef des Generalstabes verbot Übungen mit dem Übungsthema "Angriff gegen Feind in ausgebauten Stellungen" und beharrte auf dem ausschließlichen Üben des Begegnungsgefechtes, obwohl es im Russisch-Japanischen Krieg nach Angaben von Csicserics zu keinem derartigen Gefecht gekommen war(FN22) und alle Angriffe gegen den Feind in ausgebauten Stellungen geführt werden mussten.

So ergibt sich das Bild, dass sowohl die britischen als auch die österreichischen Beobachter hervorragende Fakten einberichteten, ihre rudimentären Analysen jedoch zu sehr vom persönlichen Erleben und vom jeweiligen Kriegsbild des Beobachters geprägt waren und dann noch durch sie selbst und die Kompilatoren dem vorherrschenden Zeitgeist angepasst wurden. Die Verteilung der Erfahrungsberichte im Original ermöglichte es dem jeweiligen Leser, nochmals selektiv auszuwählen, was er für übernehmenswert hielt. Aussagen, die sich nicht mit der persönlichen Auffassung des Lesers deckten, wurden meist mit der Begründung, der Kriegsschauplatz Mandschurei sei mit einem möglichen europäischen nicht vergleichbar, abgelehnt, ohne die unterschiedlichen Parameter der Kriegsschauplätze zu hinterfragen.

Aus heutiger Sicht kann festgestellt werden, dass die meisten Berichte erstaunlich präzise Voraussagen in einzelnen Details enthielten. Eine Synthese aller verfügbaren Quellen hätte ein abgerundetes Bild bringen und die vorhandenen Widersprüche klären können, wurde offensichtlich aber kaum vorgenommen.(FN23) In beiden Ländern wurden ausschließlich die Berichte der eigenen Beobachter verwertet. Eine Synthese wäre jedoch die Grundlage einer umfassenden Analyse und Abstraktion gewesen. Eine Analyse durch eine befugte und befähigte Stelle mit Autorisierung durch die oberste Führung hätte alleine die Grundlage für eine planvolle Umsetzung der Erfahrungen auf allen Ebenen bilden können. Der Schritt von der persönlichen Meinung der Autoren und Leser zur offiziellen Doktrin und deren Umsetzung wurde nirgends vor dem Ersten Weltkrieg vollzogen. Dies dürfte den Hauptgrund für die Nichtumsetzung der Erfahrungen bilden.

Die Zahl der ausländischen Beobachter im Seekrieg war im Vergleich zum Landkrieg sehr beschränkt. Die Marineattachés der meisten Länder blieben in der jeweiligen Hauptstadt, vier ausländische Marinebeobachter befanden sich temporär im Hafen Port Arthur, nur zwei britischen Beobachtern war die Teilnahme an den Gefechten an Bord japanischer Kriegsschiffe erlaubt. So blieben Quantität und Qualität der Berichte so niedrig, dass sie für eine gesicherte Analyse nicht ausreichten. Die Berichte zeigen dieselben Merkmale selektiven Wahrnehmungsvermögens wie die der Beobachter des Landkrieges und erfuhren auch weitgehend dasselbe Schicksal. Daher soll hier die Auswertung und Umsetzung der Erfahrungen der beiden Konfliktparteien während des Krieges untersucht werden.

Ssemenow beschreibt beispielhaft die Behandlung von Kriegserfahrungen durch die russischen marinetechnischen Dienststellen.(FN24) Die Führung des 1. Pazifischen Geschwaders hatte nach dem Untergang des Linienschiffes Petropavlowsk durch einen Minentreffer gemeldet, dass es auf dem Schiff nach dem Minentreffer zu einer weiteren ungleich stärkeren Explosion offensichtlich in den Munitionskammern des Vorschiffes gekommen wäre, die den sofortigen Untergang des Schiffes bewirkt hätte. Das Technische Komitee in St. Petersburg bestritt kategorisch die Möglichkeit der Auslösung einer Sekundärexplosion in den Munitionskammern durch eine Mine, weil diese in den Spezifikationen des Schiffes beim Bau berücksichtigt und ausgeschaltet worden war. Eine fehlerhafte Lagerung der Munition wurde unterstellt. Weitere Maßnahmen zur Verbesserung des Unterwasserschutzes erfolgten nicht.

Aus der japanischen Flotte wurde ein ähnlich gelagerter Fall gemeldet. In der Schlacht im Gelben Meer fielen drei japanische 30,5 cm-Geschütze durch Rohrkrepierer aus. Bei der Beschießung von Landzielen zeigte sich andererseits ein erheblicher Anteil von Blindgängern mit derselben Munition.(FN25) Die japanischen marinetechnischen Dienststellen, die für die Beschaffung und Abnahme und möglicherweise auch für die Entwicklung der Munition verantwortlich waren, bestritten Fehler im Zünder und machten Überhitzung der Rohre und damit Bedienungsfehler für die Rohrkrepierer verantwortlich.(FN26) Wehrtechnische Dienststellen, die für die Einführung technischer Kampfmittel verantwortlich zeichnen, neigen naturgemäß dazu, auftretende Fehler vorerst der Bedienung, also der Truppe, zuzuordnen und Eigenverschulden zu verschleiern. Von diesem Mechanismus können auch Offiziere der Gegenwart Zeugnis ablegen. Während es dem russischen Technischen Komitee gelang, die Angelegenheit im Sande verlaufen zu lassen, wurden in Japan offensichtlich auf Druck der Führung der Seestreitkräfte die Zünder der 30,5 cm-Granaten innerhalb von neun Monaten so geändert, dass es in der Schlacht von Tsushima weder Rohrkrepierer noch Blindgänger in einem erkennbaren Ausmaß gab.(FN27) Beide Konfliktparteien konnten in der Schlacht im Gelben Meer die unzureichenden Treffergebnisse und die mangelnde Wirkung ihrer Artillerie feststellen. Immerhin waren beide Geschwader mehrere Stunden im Gefecht gestanden, ohne dass ein Linienschiff kampfunfähig geschossen oder gar versenkt worden wäre.(FN28) Die Zahl der Treffer vom Kaliber 15,2 cm aufwärts in der Schlacht im Gelben Meer lag auf den russischen Linienschiffen zwischen sechs und 16, das am wenigsten beschädigte Linienschiff des 2. Pazifischen Geschwaders in der Schlacht von Tsushima wies 44 Treffer auf. Der Verbrauch an Munition hielt sich in beiden Schlachten in etwa die Waage. Diese Steigerung japanischer Treffergebnisse beruhte zum Teil auf geringeren Gefechtsentfernungen in der ersten Phase der Schlacht von Tsushima, aber auch auf einer Verbesserung der Ausbildung des artilleristischen Personals, der Zielmittel und mit Schwergewicht vermutlich auf einer entscheidenden Verbesserung der Feuerleitung.(FN29) Die japanischen Seestreitkräfte arbeiteten seit den späten 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts an der Entwicklung des nach seinem Erfinder benannten Sprengstoffes Shimose, von Granaten mit höherem Sprengstoffanteil und von Bodenzündern für panzerbrechende Granaten. Shimose wurde bereits bei Kriegsbeginn eingesetzt, war jedenfalls nach den ersten Gefechten auf russischer Seite bekannt. Sowohl AP-(FN30) als auch HE-Granaten(FN31) mit dünnerem Stahlmantel und größerem Sprengstoffanteil, letztere Furoshiki-Granaten genannt, wurden entwickelt. Die HE-Granaten wurden aus gezogenem Stahl gefertigt, was im Vergleich zu den russischen gusseisernen Granaten einen erheblich größeren Sprengstoffanteil möglich machte. Bei den AP-Granaten wurde der Sprengstoffanteil im Vergleich zum Geschossgewicht auf 10% gesteigert,(FN32) während der der russischen lediglich 2-3% ausmachte. Dies bedeutete allerdings eine Steigerung der Waffenwirkung auf Kosten der Durchschlagsleistung.

Der unter dem Namen Ijuin entwickelte Bodenzünder für AP-Granaten sollte die Sprengladung im Gegensatz zu den damals üblichen Vorstellungen nicht nach Durchschlag der Panzerung im Inneren des Schiffes zur Explosion bringen, sondern im Moment des Durchschlages. Ziel war also nicht die Vernichtung lebenswichtiger Teile im Schiff, sondern das Aufreißen der Panzerung und damit die Beschädigung der Wasserintegrität des Schiffes.

Der Zeitpunkt der Einführung der neuen 30,5 cm-Granaten und des Ijuin-Zünders ist mangels zugänglicher japanischer Quellen nicht genau zu eruieren. Sowohl Ssemenow als auch der britische Beobachter Kapitän William Christopher Pakenham, die beide an beiden Schlachten bei der jeweils gegnerischen Partei teilgenommen hatten, sprechen jedoch von einer unvergleichlich höheren japanischen Munitionswirkung in der Schlacht von Tsushima. Der Vergleich der Schäden an russischen Linienschiffen, die jeweils eine Schlacht überlebt hatten, spricht ebenfalls eine deutliche Sprache, obwohl die genaue Zahl der Treffer nur für das eine Schiff festzustellen ist.

Ssemenow hebt die Verlässlichkeit japanischer Zünder im Gegensatz zu russischen in der Schlacht von Tsushima und ihre Auslösung während des Durchschlagvorganges besonders hervor. Tatsächlich wurden zwei russische Linienschiffe durch Treffer an der gepanzerten Wasserlinie versenkt. Bei einem davon beobachteten Augenzeugen die Absprengung einer gesamten Panzerplatte. Drei Linienschiffe, ein Panzerkreuzer und ein Küstenpanzerschiff wurden durch trefferbedingte Wassereinbrüche so weit in ihrer Marschgeschwindigkeit reduziert, dass sie die Gefechtsform nicht mehr halten und einzeln in der Nacht zum 28.5.1904 durch japanische Zerstörer und Torpedoboote versenkt werden konnten. Die geschlossen fahrenden Reste des Geschwaders erlitten keinerlei Schäden durch die nächtlichen Torpedoangriffe. Ein Linienschiff wurde während der Tagschlacht durch einen Treffer in die Munitionskammern zur Explosion und damit zum Sinken gebracht. Es ist jedoch nicht klar, ob die Explosion direkt durch einen Treffer oder durch einen Brand im Vorschiff ausgelöst wurde. In der Schlacht im Gelben Meer konnte trotz des etwa gleich hohen japanischen Munitionseinsatzes(FN33) kein Linienschiff versenkt oder durch Wassereinbrüche zum Verlassen der Gefechtsform gezwungen werden.

Es kann also davon ausgegangen werden, dass es den japanischen Seestreitkräften gelungen ist, innerhalb von nur neun Monaten die Überlegenheit der Panzerung gegenüber der Feuerkraft durch ein Bündel von Maßnahmen umzudrehen und damit der russischen Operationsplanung völlig die Grundlagen zu entziehen. Pakenham nennt als Grund des desaströsen Ausgangs der Schlacht für das russische Geschwader "Gun and Gunner" der Japaner.(FN34) Die überlegene taktische Führung und der Geschwindigkeitsüberhang der Japaner hatten die Ausnutzung ihrer Feuerkraft erst möglich gemacht. Die dynamische Umsetzung der Kriegserfahrungen hatte sich der statischen Auswertung überlegen gezeigt.

Versuch einer Synthese und Analyse für den Krieg der Landstreitkräfte

In den meisten Berichten der ausländischen Beobachter und der beiden Konfliktparteien finden sich folgende übereinstimmende Erkenntnisse: - Raum und Zeitbedarf für die Schlachten des Krieges wachsen stark an.(FN35) - Die Wirkung des Elementes Feuer ist durch die Einführung des Mehrlade- und Maschinengewehres sowie der Schnellfeuergeschütze(FN36) dramatisch gestiegen.(FN37) - Der Soldat und sein Waffensystem hatten sich am Gefechtsfeld möglichst gedeckt zu bewegen und unsichtbar zu bleiben. Uniformen mit Tarnwirkung waren geboten.(FN38) Die Auflockerung der Kräfte stieg mit zunehmendem Kriegsverlauf.(FN39) Die Leere des Gefechtsfeldes fiel Beobachtern im Gegensatz zum bisherigen Bild geschlossener enger Formationen besonders auf.(FN40) - Das Element des Angriffs - Nahkampf mit der blanken Waffe - nach Aufprall geschlossener Formationen des Angreifers tritt nur mehr in Ausnahmefällen in Erscheinung.(FN41) An seine Stelle tritt der Nahkampf durch rasch zusammengefasste eingebrochene Teile angreifender Kräfte mit Handfeuerwaffen, neu eingeführten Handgranaten und Minenwerfern im Stellungssystem des Verteidigers.(FN42) - Die Artillerie kämpft nicht mehr aus offenen Stellungen im direkten Richtverfahren, sondern vorwiegend aus verdeckten im indirekten.(FN43) Artillerie in offenen Feuerstellungen wird rasch niedergekämpft.(FN44) - Dauer und Intensität des Artillerievorbereitungsfeuers steigen rapid an.(FN45) - Frontalangriffe führen nur mehr in Ausnahmefällen zum Erfolg.(FN46) Keines dieser Fakten weist einen erkennbaren Zusammenhang mit den im Kapitel Kraft, Raum, Zeit beschriebenen Randbedingungen der Mandschurei auf. Ihre Mehrfachnennung in den Berichten lässt Glaubwürdigkeit und Bedeutung als so hoch erscheinen, dass eine weiterführende Analyse angebracht erscheint.

Bei der Belagerung von Port Arthur wurde, wie bereits dargestellt, beiderseits angelehnt operiert. Umfassungen auf taktischer Ebene waren auf besonders exponierte Stellungen und Lücken im Verteidigungsdispositiv beschränkt. Alle vier Offensiven gegen die Festung mussten frontal geführt werden und scheiterten insofern, als die Zielsetzung eines Durchbruchs durch das russische Verteidigungsdispositiv als Voraussetzung für den Fall der Festung niemals erreicht werden konnte. Bei der vierten konnte zumindest das Teilziel des Nehmens einer russischen Vorpostenstellung als Voraussetzung für die Vernichtung des 1. Pazifischen Geschwaders umgesetzt werden.

Von 96 japanischen Angriffsgefechten wurden nur 22% gegen permanente Befestigungen geführt, 78% gegen Feldbefestigungen. Um die Auswertung verallgemeinern zu können, wurden die Gefechte um permanente Befestigungen im Folgenden nicht berücksichtigt. Ebenso wurden gewaltsame Aufklärungsversuche und Scheinangriffe an der Peripherie nicht in die Analyse einbezogen.

Von den 113 analysierten Gefechten verliefen nur 35% insoweit erfolgreich, als zumindest das erste Angriffsziel vom Angreifer genommen werden konnte. Zu einem erfolgreichen Vordringen über das erste Angriffsziel hinaus kam es nie. Die Gründe für den Angriffserfolg liegen zu - 19% bei der Ausnutzung offener Flanken durch den Angreifer, - 48% beim Mangel an Reserven beim Verteidiger, - 11% bei der Ausnutzung des Überraschungsmomentes durch den Angreifer, und - 22% waren nicht klar bestimmbar.

Als Misserfolg werden Angriffe gewertet, die entweder vor dem Erreichen der gegnerischen Stellung liegen blieben oder bei denen ein Einbruch zwar erzwungen werden konnte, dieser jedoch vom Verteidiger durch Feuer oder Gegenangriffe/-stöße bereinigt werden konnte. Als Gründe für das Liegenbleiben des Angriffes wurden im ersten Falle Feuer und Sperren des Verteidigers sowie Führungsfehler auf Seiten des Angreifers, im zweiten der längere Atem bei den Reserven des Verteidigers oder ebenfalls Führungsfehler beim Angreifer erkannt. Die Auswertung ergibt folgende Quantifizierung: - 71% der gescheiterten Angriffe blieben im Feuer des Verteidigers bereits im Vorfeld liegen, obwohl die japanische Artillerie wegen ihres verdeckten Einsatzes und des Mangels an Munition auf russischer Seite die Feuerüberlegenheit stets erzielen konnte und die russischen verteidigenden Kräfte durch massives Trommelfeuer vor dem Angriff der Infanterie stark abgenutzt wurden. Russische verteidigende Einheiten waren meist zum Zeitpunkt des japanischen Infanterieangriffes auf Teileinheitsstärke reduziert, die Kampfstellungen völlig zerstört.

- 20% scheiterten am erfolgreichen Einsatz der Reserven des Verteidigers nach Einbruch in die vordersten gegnerischen Stellungen, - 4% blieben vor Sperren liegen, die nicht überwunden werden konnten, und - 5% scheiterten durch Führungsfehler auf Seiten des Angreifers.

Damit wird die dominierende Wirkung des Feuers einwandfrei erkennbar. Man versuchte seitens der japanischen Streitkräfte, dieser Herausforderung durch Änderungen der Taktik und durch technische Mittel zu begegnen. Für den Einsatz von Panzerschutz am Gefechtsfeld, die gezielte Bekämpfung der MGs durch direkt schießende, an Reichweite überlegene und/oder beschusssichere Waffensysteme und alternativen Bekämpfungsmitteln gegen Infanterie in gedeckten Stellungen(FN47) waren die technischen Voraussetzungen jedoch noch nicht gegeben. Die technische Entwicklung hätte jedenfalls in die aufgezeigte Richtung vorangetrieben werden müssen, was jedoch nirgends vor dem Ersten Weltkrieg geschah. Dies wird auch in Österreich am Beispiel des Burstyn-Panzers augenfällig. So blieb nur der Versuch einer Lösung auf taktischer Ebene.

Vorerst versuchte man mit der Massierung des Artilleriefeuers den Verteidiger zu erschüttern. Die Annäherung der Infanterie bis auf Sturmausgangsstellung wurde sprungweise von Deckung zu Deckung teils auf Ebene Einzelsoldat, teils auf Ebene Teileinheit unter Feuerunterstützung durch die Artillerie und durch Teile der Angriffskräfte selbst versucht.(FN48) Die Erfolge blieben minimal. So wurde als Lösung im Raum Port Arthur ab der zweiten Offensive einerseits massives Artillerievorbereitungsfeuer und andererseits die Annäherung bis auf Handgranatenwurfweite in schmalen und tiefen Formationen, geschützt durch natürliche und künstliche Deckungen, zur Anwendung gebracht. Die letzten 30-50 Meter mussten weiterhin gestürmt werden, was meist zu Verlusten führte, die im günstigsten Fall einen Einbruch, nicht jedoch das Halten des Einbruchsraumes erlaubten. Ein Sturm über größere Entfernung war praktisch aussichtslos. Parallelen zu den oben angeführten Lösungsansätzen sind in der deutschen Stoßtrupptaktik des Ersten Weltkrieges und in den Angriffsverfahren israelischer Panzerkräfte nach der Erfahrung der Feuerüberlegenheit des Verteidigers durch den massiven Einsatz von Panzerabwehrlenkwaffen im Jom Kippur-Krieg 1973 zu finden. Eine einigermaßen befriedigende Lösung brachte erst die Einführung des Tanks im Ersten Weltkrieg und im zweiten Fall die der modernen Verbundpanzerung.

Andere Lösungsversuche waren das Vorgehen japanischer Infanterie in geschlossenen Formationen bis in das eigene Artilleriefeuer hinein oder die Ausnutzung der Nacht oder schlechter Sicht für die Annäherung. Alle diese Versuche brachten nur unzureichende Teilerfolge.

Alle oben angeführten Verfahren führten zu einer entscheidenden Verlangsamung der Bewegungen unter Feindfeuer. Sie ermöglichten dem Verteidiger, Reserven notfalls auch über größere Entfernungen und/oder aus weniger bedrohten Abschnitten heranzuführen. Der Artillerie des Angreifers wuchs als neue Aufgabe neben der Unterstützung der angreifenden Infanterie die Abriegelung des Gefechtsfeldes in der Tiefe zu. Die Beweglichkeit des Verteidigers begann trotzdem die des Angreifers zu übersteigen. In Verbindung mit der Dominanz des Feuers demonstriert dies die Überlegenheit der Verteidigung unter diesen Randbedingungen.

Ein japanischer Analytiker stellte bereits 1906 fest, dass die neu eingeführten Waffen bis zu diesem Zeitpunkt zu einer signifikanten Auflockerung der Kräfte geführt hatten.(FN49) Gleichzeitig war die personelle Stärke der Streitkräfte nach Einführung der Wehrpflicht dramatisch angestiegen. Eine Hochrechnung dieser Tendenz auf den europäischen Kriegsschauplatz unterblieb jedoch.(FN50) Bei einer Dichte von zwei Soldaten je Meter Frontlinie(FN51) einschließlich der Reserven musste bei einer Mobilmachungsstärke von zwischen 1,3 und 3,2 Mio. Mann je Krieg führendem Staat die vollständige Abdeckung der möglichen Fronten mit Kräften möglich sein, wenn man noch dazu berücksichtigt, dass die angegebene Dichte für die Schlacht und nicht für weniger bedrohte Abschnitte galt. Damit würden Angriffe über die Flanken auf operativer Ebene nur mehr in Ausnahmefällen möglich sein. Für den japanischen Analytiker stellte sich diese Problematik allerdings nicht, da die japanischen Streitkräfte über beschränkte personelle Ressourcen verfügten und der Kriegsschauplatz auf dem asiatischen Kontinent ganz andere Dimensionen bot.

Auf dem europäischen Kriegsschauplatz würden also frontale Offensiven die Regel bilden. Erschwerend kommt hinzu, dass das dichte Eisenbahnnetz und die zunehmende Einführung von Kraftfahrzeugen einem Verteidiger einen noch größeren Geschwindigkeitsüberhang über den Angreifer, der im Gefecht weit unter der Geschwindigkeit eines Fußgängers zurückblieb, bieten würde. Dies musste zwangsweise zur Erstarrung der Fronten und zu Abnutzungsgefechten und -schlachten führen, in denen der erfolgreich blieb, der den längeren Atem bei seinen Reserven hatte und der mehr Verluste zu akzeptieren bereit und in der Lage war. Die Defensive würde sich der Offensive eindeutig überlegen zeigen. Der Eröffnungsfeldzug gegen Russland 1914, der als offensive Abwehroperationen angelegt war, wäre unter Berücksichtigung dieser Erfahrungen wohl zu überdenken gewesen.

Die Problemstellung für die Projektion der Kriegserfahrungen auf den aus damaliger Sicht zukünftigen Kriegsschauplatz Europa war also nicht eindimensional auf die Feuerkraft in der Abwehr beschränkt. Es mussten auch die signifikante Verringerung der Beweglichkeit im Angriff gesehen und die Besonderheiten des Raumes und der Kräfte in Europa beurteilt werden. Dies überstieg wohl bei weitem die Kapazität der Beobachtungsoffiziere vor Ort.

Die britischen Streitkräfte führten den Begriff Doktrin ein und definierten ihn wie folgt: "Doctrine is a framework of principles, practices and procedures, understanding of which provides a basis for action. It covers the grand strategic, military strategic, operational and tactical levels of military planning. Doctrine has its foundation in history; the study, analysis and interpretation of experience.” (FN52)

Folgerungen

Dieser Definition folgend kann die Analyse der Kriegserfahrungen nicht den Beobachtern vor Ort oder dem Leser einzelner Berichte überlassen werden. Es muss dazu ein zentrales Element der Analyse von Kriegs- und Manövererfahrungen installiert werden. Dieses Element muss in der militärischen Hierarchie so hoch oben angesiedelt sein, dass es bürokratische Hindernisse aus dem Weg zu räumen und Partikularinteressen, wie die dargestellten der wehrtechnischen Dienste, zu übersteuern in der Lage ist. Seine Analyse hat verbindlich für die Ausarbeitung der Doktrin durch die dafür vorgesehenen Organisationen und Planungsgrundlage für die Rüstungsbeschaffung zu sein. Sein Arbeitsbereich sollte das gesamte Spektrum von Mannesausrüstung/Bewaffnung bis hin zum Wehrsystem abdecken. Es hat die Einholung der notwendigen Informationen wie zum Beispiel durch Auftragserteilung an die Nachrichtendienste, Entsendung von Verbindungsorganen und Beobachtern, Einholung von Erfahrungsberichten nach Manövern und Übungen sowie die Förderung von Verbesserungsvorschlägen durch alle Ebenen der militärischen Hierarchie im Friedensbetrieb aktiv zu betreiben. Ein entsprechender Informationsfluss ohne Filterung zwischen dem Absender der Information und der analysierenden Stelle ist sicherzustellen. Ein Anreiz zur Mitarbeit aller Hierarchieebenen muss geschaffen werden.

Im dargestellten Fall hatten die Erfahrungen aus dem Russisch-Japanischen Krieg offensichtlich keinerlei Einfluss auf die Doktrin und kaum auf die Waffentechnik(FN53) der europäischen Mächte. Man ging mit der Doktrin des 19. Jahrhunderts in den Ersten Weltkrieg und hatte einen hohen Preis dafür zu bezahlen. Die für die Informationsgewinnung eingesetzten Mittel waren verloren, weil die Information nicht wirklich analysiert und die Ergebnisse konsequent in Doktrin und Waffenentwicklung umgesetzt wurden.

ANMERKUNGEN:

(FN1) Heute Lü Shun, japanisch Ryojun.

(FN2) In der Folge zum Kommandanten der Streitkräfte in der Mandschurei ernannt.

(FN3) Japan hatte im Jahr 1904 33 Mio. Einwohner und unterhielt Landstreitkräfte von 270.000 Mann, die durch ausgebildete Reserven auf 530.000 Mann gebracht werden konnten.

(FN4) Heute Inchon.

(FN5) Ssemenow, Wladimir: Rassplata. Kriegstagebuch über die Blockade von Port Arthur und die Ausreise der Flotte unter Rojestwenski. Mittler und Sohn, Berlin 1908. Ssemenow, Erster Offizier des Kreuzers Diana, schreibt, das russische Geschwader sei zum Zeitpunkt der japanischen Feuereröffnung nur 4,5 Knoten gelaufen.

(FN6) Auch: Höhe 203.

(FN7) Corbett, Julian S.: Maritime operations in the Russo-Japanese war, Greenwich 1914, Bd 2, S.45.

(FN8) Der japanische Marinestab erwartete die Ankunft des Baltischen Geschwaders für Ende Jänner 1905. Die für die Überholung der Flotte benötigte Zeit wurde mit rund zwei Monaten veranschlagt. Als letzter Termin für den Abzug der Flotte und damit das Ende der Blockade gegen die Festung wurde der 1. Dezember bestimmt.

(FN9) Der Chef des Stabes des Rayons, Obst Reuss, kündigte bei den Kapitulationsverhandlungen 9.000 einsatzbereite Soldaten zur Übergabe an. Nach der Kapitulation erschienen 24.000 Soldaten an den Sammelpunkten und marschierten in Kriegsgefangenschaft. Die russische Führung dürfte also keine ausreichende Kontrolle über ihre eigenen Kräfte gehabt haben.

(FN10) Rojestwenski hatte dies aus Madagaskar nach St. Petersburg telegrafiert und um die Enthebung von seinem Kommando gebeten. Der Zar verweigerte sie, die Befehle für den Weitermarsch blieben aufrecht.

(FN11) Japanische Analysen nach der Schlacht ergaben für die Artillerie des japanischen Geschwaders 3,2% Treffer, für die russische Artillerie 1,5%. In der Schlacht im Gelben Meer waren die Treffergebnisse der beiden Parteien nach Angaben englischer Beobachter noch durchaus ausgeglichen. Die Flottenbefehle von Rojestwenski nach den Scharfschießübungen im Zuge des Anmarsches zeigen, dass die russische Führung sich voll der unbefriedigenden Treffergebnisse bewusst war. Eine Verbesserung der Ausbildung war aus Munitionsmangel nicht möglich.

(FN12) Alle japanischen Schiffe bis zu den Zerstörern hatten Funkgeräte und ausgebildetes und erfahrenes Fernmeldepersonal. Die russischen Funkgeräte befanden sich nur auf größeren Einheiten und waren so unzuverlässig, dass Rojestwenski ihren Gebrauch für die Schlacht verboten hatte.

(FN13) Auf den russischen Schiffen wurden Erhöhungs- und Seitenwinkel zum Ziel zentral errechnet und mit elektrischen Indikatoren an die Geschütztürme übermittelt. Bei Ausfall der Feuerleitung waren die Türme weitgehend hilflos.

(FN14) Auf japanischer Seite insgesamt 29, auf russischer mindestens fünf Beobachter.

(FN15) The Russo-Japanese War, Reports from Officers Attached to the Japanese Forces in the Field, London 1905, Einleitung, Bristol 2000.

(FN16) Ebenda.

(FN17) Österreich-Ungarn entsandte je zwei Kriegsattachés zu den beiden Konfliktparteien. Die Marineattachés blieben in den jeweiligen Hauptstädten.

(FN18) Franz, Olt Erwin Frhr. von: Bericht an den Chef des Generalstabes Nr. 71, Kriegsarchiv Wien.

(FN19) The Russo-Japanese War: Reports from Officers Attached to the Japanese Forces in the Field, Band I, London 1906, S.323.

(FN20) Auch Franz wagte es nicht, offen gegen die Lehrmeinung aufzutreten. In Bericht 71 erklärt er die vorherrschende Meinung über den Kampf der Infanterie und daraus abgeleitet das Exerzierreglement für die Infanterie 1903 als vollkommen zutreffend, um in den nächsten Zeilen vorsichtig auf fundamentale Widersprüche zu den Kriegserfahrungen hinzuweisen.

(FN21) Obstlt Csicserics Nachlass, Kriegsarchiv Wien.

(FN22) Ebenda.

(FN23) Nach dem österreichischen Militärattaché in Tokio, Adalbert Dani von Gyarmata, kommandierte die japanische Führung von jeder Armee einen Generalstabsoffizier an die Kriegsschule, um die eigenen Erfahrungen zusammenzuführen, weil die Erfahrungsberichte der Truppe äußerst widersprüchlich waren. Ob dabei auch andere Quellen beigezogen wurden, ist nicht bekannt. Dies scheint nach der Quellenlage der einzige Versuch einer Synthese und Analyse gewesen zu sein. In: Streffleurs Militärische Zeitschrift, Dezemberheft 1906, Wien.

(FN24) Ssemenow: Rassplata, S.285.

(FN25) McCully, Newton A.: The McCully-Report: The Russo-Japanese War, 1904-05; S.174.

(FN26) The Russo-Japanese War 1904-1905, Reports from naval attachés. Nashville 2003, S.171.

(FN27) Ssemenow: Tsushima, S.25, Rassplata S. 213.

(FN28) In beiden Schlachten gab es je zwei ca. eine Stunde dauernde Phasen intensiven Feuerkampfes. In der Schlacht im Gelben Meer betrug die Gefechtsentfernung in der 1. Phase 10.000-7.500m, in der 2. Phase 8.000-6.000m. In der Schlacht von Tsushima begann die 1. Phase bei 8.000m, die Minimalentfernung betrug 4.600m. Die 2. Phase wurde zwischen 6.400 und 8.000m ausgetragen.

(FN29) Auf den japanischen Schiffen erhielten die Geschütztürme nur die Entfernung von den Entfernungsmessern übermittelt. Der Visierwinkel wurde im Turm ermittelt und eingestellt. Zwischen den beiden Schlachten wurde für jedes Geschütz der individuelle Abgangsfehlerwinkel ermittelt. Die Geschütze wurden also wie moderne Panzerkanonen angeschossen. Dies erhöhte die Trefferwahrscheinlichkeit erheblich. Außerdem waren die Türme bei Ausfall des Feuerleitsystems in der Lage, mit geschätzter Entfernung behelfsmäßig weiterzuschießen.

(FN30) Armor Piercing = panzerbrechende Granaten, in den Seestreitkräften dieser Zeit immer mit einer kleineren Sprengladung versehen.

(FN31) High Explosive = Sprenggranaten.

(FN32) Dies würde bei einem Gewicht der 30,5 cm-Granate von 386 kg eine Sprengladung von rund 38 kg für die AP ergeben. Die russische AP M-1895 hatte zum Vergleich 5,3 kg Sprengladung. Die Furoshiki-HE soll die vierfache Sprengstoffmenge der japanischen AP, d.h. rund 150 kg, aufgewiesen haben gegenüber nur 12,4 kg der russischen HE.

(FN33) In beiden Schlachten verschossen die japanischen Kriegschiffe am ersten Tag 50-60% ihrer schweren Munition. Nach einem von einem jungen japanischen Offizier ausgearbeiteten Stufenplan für die Entscheidungsschlacht war nach dem ersten Tag artilleristischen Feuerkampfes, gefolgt von einer Nacht Torpedoangriffe durch Zerstörer und Torpedoboote, die endgültige Vernichtung des russischen Geschwaders durch Artilleriefeuer am folgenden Tag vorgesehen. Die japanischen schweren Kräfte brachen also in beiden Schlachten das Gefecht am ersten Tag nach Verbrauch von rund 50% der Munition ab. Die japanischen Treffergebnisse waren jedoch, wie oben dargestellt, in der Schlacht von Tsushima wesentlich besser.

(FN34) Reports from naval attachés, S. 386.

(FN35) Csicserics: Die Schlacht, S.22;61.

(FN36) Zu Beginn des Russisch-Japanischen Krieges war die Mehrzahl der Artilleriegeschütze noch ohne Rohrrücklauf- und Vorholeinrichtungen. Sie liefen beim Schuss samt ihrer Lafette zurück und mussten danach neu gerichtet werden. Lediglich ein Teil der Feldartillerie war bereits mit Rohrrücklaufgeschützen ausgerüstet, die nach dem Schuss nicht mehr nachgerichtet werden mussten, daher Schnellfeuergeschütze genannt wurden.

(FN37) Alle ausgewerteten Quellen.

(FN38) Franz: Bericht an den Chef des Generalstabes Nr. 45, Kriegsarchiv Wien.

(FN39) Obstlt Yoda, Modern tendencies in strategy and tactics as shown in campaigns in the far east. Officers Club Journal No. 352, December 1906, Publiziert im Journal of the Royal United Service Institute Volume LI; Franz: Bericht an den Chef des Generalstabes Nr 71, Kriegsarchiv Wien.

(FN40) Csicserics: Nachlass, Kriegsarchiv Wien.

(FN41) Degtjarew, A.: Notes upon company and battalion tactics and the employment of artillery in battle based on the experiences of the russo-japanese war of 1904-05. www.russojapanesewar.com, Mjr Dani in Streffleurs Militärischer Zeitschrift, Dezember 1906, Wien.

(FN42) Franz: Bericht an den Chef des Generalstabes Nr. 67, Kriegsarchiv Wien.

(FN43) Franz: Bericht an den Chef des Generalstabes Nr. 45, Mjr Dani: Meldung an Chef des Evidenzbüros vom 30.12.1904, beide Kriegsarchiv Wien; Kapitän A. Degtjarew ebenda.

(FN44) Csicserics: Unser neues Feldgeschütz. Wien 1907, S.26.

(FN45) Franz: Bericht an den Chef des Generalstabes Nr. 71, Kriegsarchiv Wien.

(FN46) Yoda, Degtjarew, Dani, a.a.O.

(FN47) Im Zuge des Kampfes innerhalb des russischen Forts II setzten die angreifenden japanischen Kräfte vorerst Rauch, später auch giftige Gase ein, um die russischen Kräfte aus ihren Stellungen zurück zu treiben. Die Versuche blieben erfolglos, weil die Einsatzmittel noch unzureichend waren.

(FN48) Franz führt aus, dass diese Art der Annäherung von den Beobachtern allgemein "Burentaktik" genannt wurde. Dies dürfte wohl auf die britischen Beobachter zurückgehen. Im Burenkrieg führten dieselben Voraussetzungen bereits zu ähnlichen Lösungsansätzen. Umso unverständlicher ist die fortgesetzte Ignorierung dieser Erfahrungen. Conrad begründet sie mit der etwas geringschätzigen Klassifizierung beider Kriege als Kolonialkriege.

(FN49) Yoda, a.a.O.; Franz: Bericht an den Chef des Generalstabes Nr. 71.

50) Csicserics gibt zu, er habe nicht damit gerechnet, dass sich die Fronten bis auf die gesamte Länge der gegenseitigen Grenzen ausdehnen würden, obwohl eine Hochrechnung auf die Mobilmachungsstärke der wichtigsten Streitkräfte dies als Ergebnis zeitigen musste.

(FN51) Yoda rechnet zwei Mann je Meter, Csicserics gibt als Norm in Österreich zwei Mann je Schritt an.

(FN52) Royal Navy: British maritime doctrine 1995.

(FN53) Die meisten europäischen Mächte führten nach dem Russisch-Japanischen Krieg Schnellfeuergeschütze zumindest für die Feldartillerie ein. Handgranate und Minenwerfer wurden serienmäßig erst im Ersten Weltkrieg entwickelt und eingeführt. Die technische Lösung für das Problem der Dominanz der Feuerkraft und der geringen Beweglichkeit im Angriff wurde ebenfalls erst während des Krieges und auf Grund der Erfahrungen aus ihm angegangen und mit Einführung des Tanks gelöst.

Rupert Wenger

Geb. 1944 in Velden am Wörthersee; Obst i.R.; 1963 Ablegung der Matura am Bundesgymnasium Klagenfurt; 1963 eingerückt zum Ausbildungsregiment 10 Graz; 1964-1967 Militärakademie Wr. Neustadt; 1967 Ausmusterung als Leutnant zum Panzerbataillon 33 Zwölfaxing; 1969 -1979 Kompaniekommandant im Panzerbataillon 4 Graz (später Jagdpanzerbataillon 4); 1979-1987 S3 und S4 im Jagdpanzerbataillon 4 Graz; 1987-1993 Kommandant Panzerbataillon 33 Zwölfaxing; 1993-1994 Referent an der Landesverteidigungsakademie Wien; 1994-2003 Analytiker im Heeresnachrichtenamt; 2003 Pensionierung.



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Maritime Operationslinien.
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Maritime Operationslinien.

Stärkeverhältnis der Seestreitkräfte bei Kriegsbeginn.
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Stärkeverhältnis der Seestreitkräfte bei Kriegsbeginn.

Kriegsschauplatz Mandschurei mit Operationslinien.
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Kriegsschauplatz Mandschurei mit Operationslinien.

Phase 1.
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Phase 1.

Phase 2.
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Phase 2.

Gescheiterte japanische Offensive gegen Port Arthur.
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Gescheiterte japanische Offensive gegen Port Arthur.

Phase 3.
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Phase 3.

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