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Feldmarschallleutnant Guido Novak von Arienti

TRUPPENDIENST eröffnet mit diesem Beitrag eine Reihe über österreichische Feldherren, von denen die österreichischen Kadersoldaten mehr wissen sollten, als bloß den Namen. Einer dieser Feldherren ist der Namenspate des Ausmusterungsjahrganges 2010 der Wiener Neustädter Militärakademie, Guido Novak von Arienti. Dieser verdiente sich in den Kämpfen um die "blutige Kote" 383 bei Plava (1915) den Militär-Maria-Theresien-Orden, nahm als Divisionskommandant an mehreren Isonzoschlachten teil und war der letzte Kommandant der Theresianischen Militärakademie vor dem Ende der Monarchie.

Reichenau an der Rax (Niederösterreich), 17. August 1917: Nach der Verleihung der Militär-Maria-Theresien-Orden blicken auf der Terrasse der Villa Wartholz 24 Offiziere und Kaiser Karl I. in die Kamera. Unter den Ausgezeichneten befindet sich auch ein Feldmarschallleutnant von kleiner Statur, der sich an der Italienischen Front ausgezeichnet hat. Anders als die meisten anderen blickt er nicht stolz in die Kamera, sondern wirkt schüchtern, zurückhaltend und in der letzten Reihe stehend überhaupt nicht wie ein Kriegsheld: Guido Novak von Arienti, der siegreiche Verteidiger von Plava und Zagora im heutigen Slowenien.

Ein Kind seiner Zeit

Der Lebenslauf Guido Novaks war für die Zeit der Monarchie typisch, wenn auch teilweise tragisch. Der Sohn des Marinebeamten Artur Novak und der italienischen Architektentochter Guiseppa Novak, geborene Arienti, erblickte in Mailand am 21. Januar 1859, dem Jahr der Niederlage Österreichs bei Solferino, das Licht der Welt. Geadelt wurde er erst 1910 und verwendete danach den Mädchennamen seiner Mutter als Teil seines Adelsprädikates (Novak von Arienti).

Der frühe Tod seines Vaters zwang die Mutter, zu Guidos Großvater Johann Novak nach Mißlitz bei Brünn (Mähren, heute Miroslav, Tschechische Republik) zu übersiedeln. Guidos Großvater versah dort Dienst als k. k. Oberamtmann (juristisch gebildeter Leiter eines Oberamts, einer höheren Verwaltungsbehörde, grob vergleichbar mit einem Landrat im heutigen Deutschland). Wie so viele vor ihm wurde der kleine Guido vermutlich aus der finanziellen Not heraus mit sechs Jahren in die Militärerziehung geschickt und verbrachte als Zögling in verschiedenen Erziehungshäusern (Prerau, Kuttenberg, Güns) eine harte, entbehrungsreiche Jugend. Ab 1874 wechselte Novak an die Kadettenschule - zuerst in Budapest dann in Karthaus (bei Brünn).

Dienst im Osten und im Süden der Monarchie

Am 18. August 1878 (dem Geburtstag des Kaisers) musterte Guido Novak als Kadett-Offiziers-Stellvertreter zum Galizischen Infanterieregiment Nr. 80 nach Lemberg in Galizien aus. Hier versah er über 20 Jahre lang seinen Dienst. Die einzigen Unterbrechungen seines Dienstes waren der Konflikt in Bosnien 1878, Manöver oder kurze Dienstzuteilungen zu Ausbildungsgängen in anderen Garnisonsorten. In Galizien lernte Oberleutnant Novak die Offizierstochter Olga Leopoldine Langner kennen, die ihm 1887 einen Sohn gebar. Novak war es aber erst im nächsten Jahr möglich, die hohe Heiratskaution aufzubringen und die Mutter seines Sohnes zu ehelichen. Doch der Beziehung war kein Glück beschieden, die junge Frau verstarb 1892 in Lemberg. Novaks zweite Ehe mit Martha Franziska Hirsch - ebenfalls einer Offizierstochter -, geschlossen 1897 in Brody, verlief glücklicher. Ab 1899 beschleunigte sich Novaks bisher eher zäh verlaufende Karriere. In diesem Jahre erfolgte seine Ernennung zum "Hilfslehrer für Taktik, Heeresorganisation und Schießwesen" an der Korps-Offiziers-Schule des XI. Korps.

Nach 23 Jahren Dienst in Galizien wurde Novak 1901 zum Major ernannt und nach Welschtirol (heute Trentino, Italien) versetzt, um dort im 2. Regiment der Tiroler Kaiserjäger als Kommandant der Sperre in Riva am Gardasee (heute Riva del Garda) zu fungieren. Doch schon zwei Jahre darauf, 1903, verließ Novak mit seiner Familie wieder den Gardasee, um das Feldjägerbataillon Nr. 8 in Tarvis (heute Tarvisio, Italien) und ab 1908 in Kötschach zu führen, dessen Kommandant er bis 1910 blieb.

Vier Jahre vor Kriegsbeginn schien er am Höhepunkt seiner Karriere zu sein: zum Oberst befördert wurde Novak Kommandant des 1. Tiroler Kaiserjägerregiments in Innsbruck. Im gleichen Jahr erhob Kaiser Franz Joseph I. Oberst Novak mit dem Prädikat "von Arienti" in den Adelsstand. Ein Offizierskamerad schrieb damals über ihn: "Der Vater seines Regiments und jedes Einzelnen, persönlich anspruchslos, in seinen Lebensansprüchen die Bedürfnislosigkeit selbst und von höchstem Idealismus beseelt diente er seinem allerhöchsten Kriegsherrn. Impulsiv, stets heiter, selbst beim Tadeln nie verletzend. Seine stete Hilfsbereitschaft jedermann gegenüber war sein Hauptzug." Novak legte bei den Kaiserjägern viel Wert auf die Hochgebirgsausbildung. Bereits 1912 veranlasste er im zukünftigen Kriegsgebiet rund um das Adamello-Massiv gemeinsame Übungen der Kaiserjäger und der Gebirgsartillerie und 1913 nahm er auf Einladung der Eidgenössischen Armee an einem Schweizer Gebirgsmanöver am Gotthard teil.

Im Ersten Weltkrieg

Oberst Guido Novak von Arienti verblieb bei den Kaiserjägern bis zum April 1914. In diesem Monat wurde er zur 1. Gebirgsbrigade nach Mostar in Bosnien-Herzegowina versetzt und erlebte in der Stadt an der Neretva den Kriegsbeginn. Befördert zum Generalmajor bewährte er sich in den Kämpfen in Westserbien. Beim Führen in der vordersten Linie traf Novak am 9. September 1914 eine serbische Schrapnellkugel am Kopf und er musste sich im Garnisonsspital Wien einer schweren Operation unterziehen.

Kaum genesen, übernahm Novak Ende Mai 1915 wieder die Führung der 1. Gebirgsbrigade, die nach dem Kriegseintritt des Königreichs Italien einen Abschnitt nördlich von Görz am Isonzo gegen die italienische Armee zu verteidigen hatte. Im Juni 1915 erfolgten hier schwere Abwehrkämpfe bei Plava, im Besonderen um die Höhe 383. Diese sollte von den österreichischen Soldaten bald nur mehr die "blutige Kote" genannt werden. Hier mobilisierte der Generalmajor, als der Kampf auf des Messers Schneide stand, durch persönliches Führen an vorderster Front die letzten Kräfte seiner 1. Gebirgsbrigade - und der vom italienischen König Viktor Emanuel III. befohlene Angriff scheiterte trotz vierfacher Übermacht. In den acht Tagen dauernden Kämpfen auf dem etwa einen Quadratkilometer großen Schlachtfeld hatte die 1. Gebirgsbrigade 3 000 Tote, Verwundete und Vermisste zu beklagen. Die italienischen Angreifer verloren 93 Offiziere und 2 000 Mann.

Aufgrund des Erfolges bei Plava (heute Plave, Slowenien) und weil Generalmajor Novak sich entschlossen hatte, die Höhe 383 zu behaupten, obwohl es ihm freigestellt worden war, auf eine rückwärtige Linie zurückzugehen, wurde er vorerst mit dem Militärverdienstkreuz 2. Klasse und 1917 mit dem Militär-Maria-Theresien-Orden ausgezeichnet. Der vorgesetzte Divisionär schrieb über Novak und seine Truppen, dass diese in den Kämpfen unüberbietbare Höchstleistungen erzielt hätten. Am 15. Juni wurde Novak durch ein Infanteriegeschoß verwundet, weil er von seiner Gewohnheit, an vorderster Front zu führen, nicht abließ.

Während der 3. Isonzoschlacht, im Oktober 1915 lag das Schwergewicht des italienischen Angriffes im Raum Paljevo - Zagora, wo die Brigade die zahlenmäßig siebenfach überlegenen Italiener abwehren musste. Besonders um das kleine Dorf Zagora gab es erbitterte Kämpfe. Dabei legte das italienische Artilleriefeuer das Dorf in Schutt und Asche.

Nach weiteren Angriffen und Artillerieschlägen schien am 2. November ein weiteres Durchhalten der stark gelichteten Verteidiger unmöglich. Doch der Generalmajor führte seine letzte Reserve - ein halbes Marschbataillon - persönlich in die Schlacht. Beim Abstieg zum Dorf Zagora traf Novak ein Gewehrschuss aus nächster Distanz in den linken Unterarm. Dennoch verließ der Generalmajor den Kampfraum erst zwei Tage später, als die Kämpfe zu Gunsten seiner Truppen entschieden waren. Er kannte, wie sein späterer Korpskommandant Freiherr von Stöger-Steiner über ihn berichtete, "für sich keine Schonung".

Für den Erfolg bei Zagora und für sein tapferes Verhalten wurde Generalmajor von Novak der Orden der Eisernen Krone 2. Klasse mit Kriegsdekoration verliehen. Seine Soldaten hatten im Jahr 1916 "ihrem General" nahe der Stelle, wo er verwundet worden war, ein Denkmal errichtet und den Platz "Generalmajor von Novak Platz" benannt. Dieses Denkmal befindet sich unterhalb des Hügels Kuk und oberhalb des Dorfes Zagomila. Hier, unweit des einstigen Brigadekommandos, das sich in Kavernen am Fuße des Berges befand, lief der Nachschub aus dem Dorf Britof (heute Grgar, Slowenien) kommend zur Front. Auf diesem Platz erfolgte auch die Verladung des Nachschubs auf Tragtiere, die den schwierigen und gefährlichen Fußweg nach Zagora beschreiten mussten.

Den schwer verletzten Arm noch in der Schlinge kehrte Novak am 20. Dezember 1915 als Kommandant der k. u. k. 50. Infanteriedivision in einen Abschnitt nahe Tolmein an die Front zurück. Im Februar 1916 wechselte er in das Kommando der k. u. k. 62. Infanteriedivision, um in seinem alten Abschnitt bei Plava, von dem er hervorragende Ortskenntnis besaß, die Abwehr zu übernehmen. Hier nahm er 1916/17 an sieben Isonzoschlachten teil.

Ritter des Militär-Maria-Theresien-Ordens …

Im Juni 1917 verlegte die k. u. k. 62. Infanteriedivision auf den rumänischen Kriegsschauplatz. Ihr Kommandant jedoch verließ einen Monat später die Front, um das Kommando der "Theresianischen Militärakademie" in Wiener Neustadt zu übernehmen.

Am 17. August 1917, dem Geburtstag Kaiser Karls I., erfolgte vor der Villa Wartholz in Reichenau an der Rax (Niederösterreich) die Promotion von 24 Ordensrittern des Militär-Maria-Theresien-Ordens.

Für Guido Novak von Arienti war die eigenhändige Ordensverleihung durch den jungen Kaiser, die Beförderung zum Feldmarschallleutnant verbunden mit der Bestellung zum Kommandanten der Militärakademie in Wiener Neustadt sicher der Höhepunkt seiner Karriere.

… und Kommandant der Militärakademie

Schon am nächsten Tag trat Novak seinen Dienst in Wiener Neustadt an und löste damit den zum General der Infanterie ernannten Feldmarschallleutnant Anton Bellmond Edler von Adlerhorst als Akademiekommandanten ab.

Novak von Arienti standen in der "Alma Mater Theresiana" schwierige Aufgaben bevor. Trotz des Krieges musste die Ausbildung der Fähnriche weitergehen, wobei dafür kaum genug Zeit zur Verfügung stand, von anderen kriegsbedingten Kürzungen ganz zu schweigen. Die Reihen der Offiziere waren stark gelichtet, denn gerade das Offizierskorps hatte in dem bereits seit drei Jahren tobenden Weltkrieg große Verluste erlitten, die so gut es ging durch Reserveoffiziere ausgeglichen werden mussten. Ob Novak selbst unterrichtete, ist nicht bekannt - in seiner Zeit als Offizier in Lemberg hatte er laut seiner Qualifikationsliste jedenfalls an einer Korpsschule gelehrt.

In das zweite und letzte Jahr von Novaks Amtsführung in Wiener Neustadt fallen auch das Kriegsende und der Zusammenbruch Österreich-Ungarns. Nach der fehlgeschlagenen Offensive an der Piave hielten die kaiserlichen Streitkräfte den alliierten Gegenangriffen nur mehr mit Mühe stand. Auch im Inneren des Kaiserreiches zeigten sich immer mehr Auflösungserscheinungen. Die Versorgungslage am Lebensmittel- und Brennstoffsektor verschlimmerte sich drastisch, Hungerstreiks brachen aus, die Bruchlinien an den Nationalitätengrenzen traten immer deutlicher hervor und der Ruf nach einem Ende der Kämpfe wurde immer lauter. Die verzweifelten und viel zu spät angekündigten Reformversuche Kaiser Karls fruchteten nichts mehr - im Gegenteil, sie beschleunigten sogar den Zerfall, der im November 1918 durch das Ende des Ersten Weltkrieges eintrat.

Guido Novak von Arienti erlebte den Untergang des alten Österreichs zwar mit, doch akzeptieren konnte und wollte er diesen nicht. Getreu dem Motto "Treu bis in den Tod", weigerte er sich, die Abschaffung der Monarchie, die Abdankung des Kaisers und den Zerfall des Staates Österreich-Ungarn anzuerkennen.

"Herr Novak-Arienti"

Anfang 1919 pensionierte das neue Staatsamt für Heerwesen alle Militärs der V. Rangklasse und aller höheren, die dreißig Jahre effektiv gedient hatten. Auch Feldmarschallleutnant Guido Novak von Arienti wurde somit mit 59 Jahren in Pension geschickt - und damit Zivilist. Er übersiedelte aus seiner Dienstwohnung in Wiener Neustadt in eine Wohnung in der Belghofergasse in Wien.

Guido (in der Republik nur mehr) Novak-Arienti litt aufgrund seiner schweren Kriegsverletzungen unter starken gesundheitlichen Problemen. Dennoch war er unter anderem als Mitbegründer des Vereins "Alt-Neustadt" unablässig für ehemalige Frontkameraden tätig. Auch hatte Novak-Arienti zahlreiche ehrenamtliche Funktionen in Kameradschaftsverbänden und im Ordenskapitel des Militär-Maria-Theresien-Ordens inne. Ob Novak-Arienti an den Versuchen Kaiser Karls, wenigstens in Ungarn wieder auf den Thron zu gelangen, Anteil hatte, ist umstritten. Bei der Nationalratswahl trat der ehemalige Feldmarschallleutnant als Spitzenkandidat einer monarchistischen Partei an, konnte jedoch kein Mandat erringen. Die Vizepräsidentschaft des "Reichsbundes der Österreicher" übte er nur mehr sehr eingeschränkt aus.

Am 15. August 1927 verstarb Guido Novak-Arienti in Wien. Sein Grab am Hietzinger Friedhof in Wien ist heute noch erhalten.


Autor: Mag. Martin Prieschl, Jahrgang 1976. 2004 Wehrdienst im Panzergrenadierbataillon 13, Angehöriger des Milizbataillons Oberösterreich. Studium der Rechtswissenschaft und Geschichte an der Universität Salzburg. Abschluss in Geschichte 2003 mit Auszeichnung; Auszeichnung des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst für die besten Studierenden 2003/2004; Ausbildung zum Archivar am Institut für Österreichische Geschichtsforschung und der Fachhochschule Potsdam (Archiv, Bibliothekswesen, Dokumentation); Dissertation an der Universität Wien. Nach dem Studium neben zahlreichen Publikationen u. a. Tätigkeiten im Verlagswesen; Hospitant im Kriegsarchiv; im Haus-, Hof- und Staatsarchiv und im Parlamentsarchiv sowie Koordinator und Mitgestalter der Ausstellung "Liberale Politik in Österreich" (Parlament, 2006). Seit März 2007 Archivbeauftragter der Evangelischen Kirche AB und HB sowie Archivar der Diözesen Niederösterreich und Salzburg-Tirol. Seit 2009 Geschäftsführer der Firma Archivtechnik & Systeme.

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