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Psychologie des Einsatzes - Die NATO-Arbeitsgruppe

Individuelle psychologische Fitness

Psychologische Fitness ist die mentale Bereitschaft, sich den Herausforderungen eines Einsatzes zu stellen - in einem humanitären Einsatz, in einem friedensschaffenden Einsatz, in einem Kampfeinsatz oder in einer Kombination dieser drei. Es erfordert mentale Ausdauer ("Hardiness"), Belastbarkeit ("Resilience") und Zähigkeit sich den Härten von Missionen zu stellen, die sich von Langeweile bis Bedrohung erstrecken.

Der Leitfaden der NATO-Arbeitsgruppe ist ein Werkzeug für Kommandanten zur Bewältigung einer Reihe psychisch anspruchsvoller Herausforderungen, die während eines Einsatzes gemacht werden können und das Potenzial in sich bergen, das Leistungsvermögen von Einzelnen oder der Gruppe zu verringern.

Das Erleben von Stress und der Umgang damit sind sehr individuell. Wir alle wissen, dass sich zwei Menschen in derselben kritischen (bedrohlichen, lebensbedrohenden) Situation befinden können und darauf völlig unterschiedlich reagieren. Im Extremfall ist es für den einen eine interessante Herausforderung, die ihn zusätzlich motiviert, während der andere an den Folgen seines extrem negativen Stresserlebens (Hilflosigkeit, Angst) erkrankt.

Alle Extremsportarten sind dafür ein gutes Beispiel.

Fallschirmspringen, Bungee-Jumping, Parcouring, etc. können bei dem einen Euphorie auslösen und beim anderen nackte Angst.

Die potenziell belastenden Faktoren der Situation - in unserem Fall des Auslandseinsatzes - werden durch die Faktoren der Person der so genannten individuellen psychologischen Fitness ergänzt. Diese umfasst sowohl ihre Persönlichkeit als auch ihre Erfahrung (Einstellungen, Training, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Wissen).

Kommandanten beurteilen die individuelle psychologische Fitness ihrer Soldaten. Sie schaffen Voraussetzungen für die Entwicklung dieser individuellen psychologischen Fitness in ihrer Truppe und sie erhalten diese förderlichen Bedingungen während des gesamten Einsatzes.

Individuelle psychologische Fitness umfasst ein Bündel von wissenschaftlich fundierten psychologischen Theorien und Konzepten:

  • Hardiness (Susan Kobasa, 1979);
  • Sense of Coherence (Aaron Antonovsky, 1979);
  • Resilience (Emmy Werner, 1982).

Mit Hardiness, Sense of Coherence und Resilience sind vor allem drei bestimmte Einstellungen und Überzeugungen von Personen (Kindern und Erwachsenen) gemeint, die inhaltlich mit den Faktoren Kontrolle, Sinn und Herausforderung zu tun haben.

Kontrolle

Die Überzeugung, dass ich jene Dinge, die mir geschehen, selbst beeinflussen kann und damit die Überzeugung, dass ich alles bewältigen kann. Dazu gehören die Fähigkeit zur Selbstkontrolle und die Akzeptanz der Verantwortung eigener Entscheidungen sowie deren Konsequenzen (Attribuierung: internale Kontrollüberzeugung).

Sinn

Die Überzeugung, dass die Ziele, die ich verfolge, sinnvoll sind bedeuten ein identifizieren mit meinen Zielen und den Zielen meiner Gruppe und meiner Organisation. Ich bin dadurch motiviert und engagiert. Die Überzeugung, dass alles im Leben einen Sinn hat, ermöglicht es mir, allem, was ich tue, Bedeutung und Wert zu geben. Damit bin ich bereit, Verpflichtungen einzugehen und halte es für wichtig, Verpflichtungen einzuhalten.

Herausforderung

Mit der Überzeugung, dass jede Krise eine Gelegenheit oder Chance bietet, interpretiere ich kritische Ereignisse als Herausforderungen und nicht als Katastrophen. Damit lohnt es sich für mich, alles was geschieht, anzupacken, zu lösen und zu bewältigen. Voraussetzung dafür ist, im eigenen Denken flexibel zu sein, Situationen aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten zu können und damit zu verschiedenen Problemlösungen zu kommen.

Personen, die diese Einstellungen und Überzeugungen haben, scheinen weniger anfällig für psychische Belastungen zu sein als Personen, die diese Einstellungen und Überzeugungen (Glaubenssätze) nicht haben und deshalb besonders leicht durch äußere Einflüsse seelisch verletzt und sogar psychisch krank werden können. Diese psychische Verletzlichkeit wird als Vulnerabilität bezeichnet. Bei Auslandseinsätzen in ehemaligen Kriegsgebieten oder Krisenregionen können Soldaten auf bestimmte Gruppen von Personen treffen, die aufgrund ihrer Vulnerabilität besonderen Schutz brauchen. Das ist in den Standardized Generic Training Modules for United Nations Peacekeeping wie folgt festgehalten: "Populations in post-conflict enviroments (especially women and children) are particulary vulnerable to sexual exploitation and abuse.

Persönlichkeit und individuelle psychologische Fitness

Eines der bekanntesten psychologischen Persönlichkeitskonzepte ist das der so genannten "Big Five".

Persönlichkeit wird mit fünf Merkmalen beschrieben, die sich jeweils zwischen zwei einander gegenüberliegenden Ausprägungen erstrecken:

  • Extraversion (extravertiert - introvertiert);
  • Neurotizismus (emotional stabil - emotional labil); Verträglichkeit (verträglich altruistisch - aggressiv egozentrisch);
  • Offenheit für Erfahrungen (offen, experimentierfreudig - konservativ, konventionell);
  • Gewissenhaftigkeit (gewissenhaft - nachlässig).

Der Psychologe Jeffrey Gray bezeichnet drei dieser Eigenschaften als vorteilhaft, wenn es darum geht, besonders kritische Situationen zu bewältigen - wenn es darum geht, in Todesgefahr zu überleben. Menschen, denen das eher gelingt als anderen, sind seiner Meinung nach emotional stabil, extravertiert und eher egozentrisch aggressiv.

Salutogenese

Ebenso wie es bestimmte Einflussfaktoren gibt, die zu Erkrankungen führen (Pathogenese) gibt es nach Aaron Antonovsky auch bestimmte Einflussfaktoren, die zu (psychischer und körperlicher) Gesundheit führen (Salutogenese). Psychische Gesundheit und psychologische Fitness sind also kein Zustand, sondern ein Prozess, für den es förderliche aber auch hinderliche Bedingungen gibt. Salutogenese-Faktoren fließen in die Empfehlungen für Kommandanten mit ein.

Coping

Coping beschreibt die Art und Weise, wie verschiedene Menschen mit Stress-Situationen umgehen und steht in einem engen Zusammenhang mit dem Transaktionalen Stressmodell von Richard Lazarus (1974). In diesem Modell entsteht Stress weniger durch die Ereignisse selbst als vielmehr dadurch, wie verschiedene Menschen diese Ereignisse bewerten. Jeder Mensch entwickelt im Laufe seines Lebens "seine" individuellen Coping-Strategien, also seine persönliche Art, mit Stress umzugehen. Manche Coping-Strategien sind günstig (adaptiv, funktional), andere sind eher ungünstig (maladaptiv, dysfunktional).

Soldaten mit funktionalen Stressbewältigungsstrategien versuchen die Ursachen für Stress zu reduzieren. Sie denken positiv, nehmen es mit Humor.

Soldaten mit dysfunktionalen Stressbewältigungsstrategien verleugnen den Stress, sie trinken Alkohol oder nehmen Drogen, um den Stress zu ertragen und machen sich selbst Vorwürfe.

Soldaten mit sozialer Unterstützung mobilisieren andere, um Hilfe zu erhalten. Sie werden von Freunden und Kameraden unterstützt, finden Trost bei Freunden, Kameraden und ihrer Familie (nach Charles S. Carver, 1989).

Dem Coping als (mehr oder weniger) bewusster Bewältigungsstrategie werden die eher unbewusst ablaufenden Abwehrmechanismen gegenübergestellt. Das Konzept unserer Abwehrmechanismen stammt aus der Psychoanalyse. Beispiele solcher Abwehrmechanismen sind Verdrängung, Regression, Verleugnung, Vermeidung, Verneinung, Identifikation mit dem Aggressor, Rationalisierung, Somatisierung und Autoaggression. Unsere Abwehrmechanismen sind gewissermaßen die bestmögliche innere Konfliktlösung, die uns in einer für uns außergewöhnlich belastenden Situation zur Verfügung steht - sie tragen aber meist wenig zur eigentlichen Problembewältigung bei.


Empfehlungen für den Kommandanten

Zur Beurteilung der psychologischen Fitness dienen folgende Maßnahmen.

1. Lagebeurteilung

Der Kommandant beurteilt die Psycho-Lage also die psychologische Fitness seiner Truppe. Dazu hat er verschiedene Möglichkeiten, z. B. die:

  • Informelle Befragung:

    Bei den alltäglichen Gesprächen mit seinen Offizieren, Unteroffizieren, Chargen, Soldaten erfährt der Kommandant, wie es um Moral, Disziplin, Stimmung und Motivation seiner Truppe bestellt ist. Je besser die Qualität seiner Beziehungen ist, umso mehr erfährt er auch.

  • Formelle Befragung:

    In besonderen Situationen - nach besonderen Vorfällen - kann der Einsatz eines Fragebogens dem Kommandanten relativ schnell eine umfassende Information zur Psycho-Lage seiner Truppe liefern. Gestaltung, Vorgabe, Auswertung und Aufbereitung übernimmt der Truppen-Psychologe.

  • Fokusgruppe:

    Der Kommandant kann sich auch einer Fokusgruppe bedienen, um ständig über die Psycho-Lage seiner Truppe informiert zu sein. Die Fokusgruppe ist ein repräsentativer Querschnitt der Truppe.

    Ein Soldatenrat kann diese Funktion einer Fokusgruppe auf eher informelle Weise übernehmen und dem Kommandanten darüber hinaus als Kommunikations-Nahtstelle zur Truppe dienen. Beim Tschad-Einsatz im Herbst 2009 richtete der Kommandant einen solchen Soldatenrat ein und nahm auch selbst daran teil. Nach vielen Gesprächen mit Kameraden und auf Grund der Rückmeldungen nach dem Einsatz hat sich das als sehr positiv auf die Psycho-Lage der Truppe ausgewirkt.

Problemindikatoren:

Nicht jede Stimmungsschwankung in der Truppe bedeutet Handlungsbedarf für den Kommandanten. Mit dem "normalen Alltagsstress" des Einsatzes werden gut ausgebildete Soldaten selbst und mit gegenseitiger Kameradenhilfe fertig.

Hinweise auf kritische Verschlechterungen der Psycho-Lage innerhalb der Truppe sind:

  • Traumatischer Stress: Als Folge besonderer Vorfälle (Minenunfall, Schussvorfall, Todesfall, Selbstmord, schwere Verletzung) kann es bei den direkt und indirekt Betroffenen zu immer wiederkehrenden und unerwünschten negativen Gedanken (so als ob sie die Situation wieder erleben würden) kommen. Die Betroffenen sind dadurch so sehr abgelenkt, dass sie nicht mehr in der Lage sind, ihren Pflichten nachzukommen - traumatisierte Personen müssen vom Vertrauensgrundsatz ausgenommen werden.
  • Depression: In jeder Mission gibt es Phasen mit schlechter Stimmung, schlechter Laune und Niedergeschlagenheit. Im Normalfall geht das ebenso vorbei wie Hochstimmung und Euphorie. Situationsunangemessene und lang andauernde (über Wochen) Trauer, Angst oder Agonie (Agonia - Qual, Kampf - bezeichnet einen länger andauernden Todeskampf mit allmählichem Erlöschen der Nerventätigkeit) sind allerdings Indikatoren für eine kritische Psycho-Lage.
  • Zorn und Reizbarkeitsprobleme: Zornausbrüche und überhöhte Reizbarkeit sind immer Indikatoren einer kritischen Psycho-Lage. Hier ist schnelles Reagieren der Kommandanten durch lösungsorientiertes Ansprechen der Situation (Mediation) oder durch das Setzen klarer Konsequenzen notwendig. Jedes Zuwarten in der Hoffnung, die Probleme würden sich von selbst lösen, verschlimmert die Situation. Beschimpfungen, offene Aggression und Handgreiflichkeiten sind Anzeichen für eskalierende Konfliktsituationen. Auf diesen Eskalations-Stufen braucht es zur Konfliktlösung einen unbeteiligten Dritten.
  • Schlafprobleme: Einschlaf- und Durchschlaf-Probleme sind ein Indikator einer kritischen Psycho-Lage und die Folge einer Problematik, die der Kommandant beurteilen und lösen muss. Da Übermüdung speziell in Stresssituationen unmittelbar zu Fehlverhalten führt, stellen Schlafstörungen ein ernstzunehmendes Problem dar.
  • Beziehungsprobleme: Beziehungsprobleme - in erster Linie mit den Ehe- und Lebenspartnern zu Hause - sind nach einer Untersuchung des Heerespsychologischen Dienstes des Heerespersonalamtes, die häufigste Ursache für vorzeitige Repatriierungen aus einem Auslandseinsatz. Beziehungsprobleme führen aufgrund der großen Distanz und den damit verbundenen Handlungseinschränkungen unweigerlich in einen Zustand der Hilflosigkeit - dem Gegenteil von Kontrolle.

    Ein hilfloser Soldat wird zu einer Gefahr für sich selbst und für seine Kameraden. Schwerwiegende Beziehungsprobleme können nur persönlich und vor Ort gelöst werden - betroffene Soldaten müssen ihren Einsatz unterbrechen oder abbrechen und nach Hause fahren.

    Der Kommandant kann Beziehungsprobleme seiner Soldaten nicht lösen - aber er kann Bedingungen schaffen, damit die Betroffenen ihre Beziehungsprobleme möglichst schnell selbst lösen. ("Es gehört zur Würde eines erwachsenen Menschen, seine persönlichen Beziehungsproblem selbst zu lösen", sagte der Psychotherapeut und Begründer der Familienaufstellungen Bert Hellinger.)

  • Unterbeschäftigung/ungleiche Belastung: Langeweile und subjektiv empfundene Ungerechtigkeit können sehr schnell zu hohem Stress und damit zu unüberlegten Handlungen führen. Wenn der Kommandant eine gute Beziehung zu seinen Soldaten hat, werden sie mit ihm darüber reden. Er kann dann wahrscheinlich nicht alle Leerläufe und alle ungleichen Arbeitsverteilungen abstellen - aber er kann sie sinnvoll begründen und damit die Anliegen seiner Soldatinnen und Soldaten ernst nehmen.
  • Alkohol- und Drogen-Missbrauch: Übertriebener Alkoholgenuss ist nahezu immer die Folge - also eine Reaktion - auf eine außergewöhnliche Stresssituation. Verbote, Drohungen und Bestrafungen können notwendig sein, lösen das Problem aber nicht nachhaltig. Eine positive Psycho-Lage - gute Stimmung, Moral, Motivation und Disziplin - ist die beste Voraussetzung für einen angemessenen Umgang mit Alkohol.

Der Kommandant beobachtet mit seiner Einschätzung nicht nur die momentane Psycho-Lage seiner Truppe, sondern auch ihre Entwicklung und Veränderung. Um zu entscheiden, ob und wann er einen Truppen-Psychologen hinzuzieht, kann er folgende Fragen stellen:

  • Ist das Problem mit der Zeit häufiger aufgetreten oder intensiver geworden?
  • Beeinträchtigt das Problem die Fähigkeiten der Einheit oder die des Einzelnen in der Auftragserfüllung?
  • Ist der Einzelne eine Gefahr für sich oder andere?
  • Hat der Einzelne um psychologische Betreuung gebeten?

Wenn der Kommandant eine oder mehrere dieser Fragen mit "ja" beantwortet, sollte er seinen Truppen-Psychologen hinzuziehen und gegebenenfalls eine fachpsychologische Stellungnahme vor Ort oder eine psychologische Befundung in der Heimat einfordern.

2. Auftrag

Militärische Führer beurteilen, schaffen und erhalten die psychologische Fitness vor, während und nach dem Einsatz. Dabei arbeiten sie mit psychologisch geschultem Personal zusammen.

3. Durchführung

  • Realistisches Training:

    Nur was wir automatisiert (internalisiert) gelernt haben, beherrschen wir auch unter Stress. Drill-Lernen ist die Methode, Fertigkeiten so zu lernen, dass sie auch unter Stress funktionieren.

  • Gute Kommunikation:

    Wo Wissen endet, beginnt Fantasie - Entscheidungen auf Basis von (kollektiven) Fantasien führen unweigerlich zu Eskalationen. Zeitgerechtes Kommunizieren relevanter Information die gesamte Befehlskette hinauf und hinunter schafft Wissen und reduziert Stress. Transparenz ist hier der Schlüssel zum Erfolg.

  • Realistische Vorhersagen:

    Entwicklungen realistisch vorhersehen zu können, schafft Sicherheit und Kontrolle und reduziert Stress und Hilflosigkeit. Je realistischer ein Kommandant Lageentwicklungen beurteilt, umso mehr Kontrolle über die Situation wird ihm zugeschrieben und umso mehr Vertrauen genießt er bei seiner Mannschaft. Dann wird auch die eine oder andere unerwartete Änderung akzeptiert.

  • Gerechtes System:

    Klare, sinnvolle Regeln und angemessene Belohnung und Bestrafung schaffen Sicherheit und fördern Kooperation. Am Beginn einer Mission schaffen unmittelbare und für alle nachvollziehbare Konsequenzen bei außergewöhnlich positivem und außergewöhnlich negativem Verhalten gegenseitiges Vertrauen. Bei einem eingespielten Team ist es besser, nicht immer sofort und rigoros einzugreifen, sondern vielleicht auch einmal nachsichtig zu sein und auf die "Selbstregulierung" innerhalb des Teams zu vertrauen.

  • Unterstützung des Zusammenhaltes:

    Am Beginn des guten Zusammenhaltes innerhalb der Einheit steht Ähnlichkeit (Gemeinsamkeit). Ähnlichkeit schafft Sympathie, Sympathie schafft Vertrauen, Vertrauen schafft Zusammenhalt. Soldaten fördern ihre gegenseitige Ähnlichkeit durch gemeinsame Rituale (Grillabend) und gemeinsame Symbole (Patch, T-Shirt). Der Kommandant kann diesen Zusammenhalt fördern und unterstützen.

  • Würdigung erbrachter Opfer:

    Soldaten setzen sich dann in außergewöhnlichem Maß für ihre Kameraden ein, wenn sie darauf vertrauen, dass diese das umgekehrt auch machen würden. Eine angemessene Würdigung außergewöhnlicher Leistungen durch den Kommandanten stärkt den Zusammenhalt der Einheit (Märtyrer, die Opfer erbringen, ohne dafür einen Ausgleich zu erwarten, führen in der Einheit eher zu Irritation als zu Kooperation).

  • Betonung der Sinnhaftigkeit:

    Unsere Handlungen als Soldaten in einem Auslandseinsatz erscheinen uns dann sinnvoll, wenn wir damit unsere höchsten Werte realisieren. Diese höchsten Werte sind nicht für alle Menschen gleich.

Die meisten Menschen finden sich jedoch in einer dieser vier Werte-Kategorien wieder:

  • Macht durch Kontrolle;
  • Sicherheit durch Recht und Ordnung;
  • Freiheit durch Kreativität und Innovation;
  • Zugehörigkeit durch Toleranz und Respekt.

In Peace Support Operations werden alle diese Werte realisiert. Wenn der Kommandant diese Werte immer wieder betont, erreicht er damit seine gesamte Einheit.

4. Psychologische Unterstützung

Der Betreuungs-Psychologe im Auslandseinsatz ist gleichermaßen Berater seines Kommandanten als auch (psychologischer Fitness-) Trainer und Coach seiner Kameraden. Ein Schwerpunkt seiner Aufgabe ist die notfallpsychologische Betreuung der Betroffenen nach besonderen Vorfällen (Critical Incidents) und in diesem Zusammenhang die Vorbereitung und Einbindung der Peers (psychologische Ersthelfer) vor Ort.

Die wirkungsvollste Maßnahme des Kommandanten und seines Truppenpsychologen zur Aufrechterhaltung der individuellen psychologischen Fitness ihrer Einheit ist, selbst psychologisch fit, oder wie es die UNO von allen Peacekeepern fordert, ein Vorbild für Moral, Disziplin und Stimmung zu sein.

Frei nach einem amerikanischen Pilgergebet, das Friedrich Christoph Oetinger zugeschrieben wird, ist individuelle psychologische Fitness … "… die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die man nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die man ändern kann und die Weisheit, das Eine vom Anderen zu unterscheiden".

(wird fortgesetzt)


Autor: Oberst dhmfD Mag. Dr. Günter J. Engel, Jahrgang 1963, Psychologe, Psychotherapeut, Unternehmensberater, Betreuungspsychologe für Auslandseinsätze im Zentrum Einsatzvorbereitung. 2007/2008 Mediendirektor (Chief Production and Development Center) in der Combined Joined Psychological Operation Task Force (CJPOTF) in Afghanistan (ISAF). 2009 Kontingentspsychologe bei AUCON 2 MINURCAT.

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