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FMLt Alfred Jansa (1884-1963)

Feldmarschallleutnant Alfred Jansa begann seine Karriere in der k.u.k. Armee und war Chef des Generalstabes im Bundesheer der Ersten Republik. In der Zwischenkriegszeit stand er loyal zum Ständestaat und plante dessen Verteidigung gegen einen Angriff des Deutschen Reiches. Den Nationalsozialismus lehnte er strikt ab.

Das Österreichische Bundesheer litt in der Zwischenkriegszeit neben einer chronischen Unterfinanzierung - dadurch verbunden mit einer nur langsamen Modernisierung und geringen, überalterten Personalständen - auch am Parteienkampf um die Armee. Dennoch begann eine zuerst versteckte Wiederaufrüstung des kleinen Bundesheeres, um gegen die paramilitärischen Verbände im Land vorgehen zu können, aber auch um gegen den aggressiven Nachbarn, das Deutsche Reich, gewappnet zu sein.

Unter den Offizieren - die meisten noch an den Schulen und Akademien der Monarchie ausgebildet - herrschte zwar eine Ablehnung gegenüber dem 1918 gegründeten Staat, doch kann an einer weitgehenden Loyalität des Offizierskorps gegenüber der autoritären Regierung trotz der versuchten Unterminierung durch Nationalsozialisten nicht gezweifelt werden. Nach den dem Bürgerkriegsjahr 1934 folgenden Säuberungen innerhalb des Heeres fanden sich auf den wichtigsten Kommandoposten zumeist regierungstreue Offiziere. An der Spitze des Bundesheeres standen der zum Ständestaat bedingungslos loyale Staatssekretär für Heerwesen, General Wilhelm Zehner, und seit 1936 als Chef des Generalstabes Feldmarschallleutnant Alfred Jansa. Während Zehner sein Engagement für den autoritären Ständestaat und ein unabhängiges Österreich mit dem Leben bezahlte (u. a. dokumentiert im ORF-Film "Ein General gegen Hitler - Wilhelm Zehner", 2007), wurde Jansa nach dem Anschluss gezwungen, das Gebiet der "Ostmark" zu verlassen. Im Gegensatz zu Zehner überlebte er die Zeit des Nationalsozialismus.

Ein Soldatenkind: Von der Kadettenschule in die Kriegsschule

Alfred Jansa wurde am 16. Juli 1884 als Sohn eines Gendarmerieoffiziers in Stanislau in Galizien (heute Ìwano-Frankìws‘k, Ukraine) geboren. Er absolvierte wie so viele Offizierssöhne eine Kadettenschule (Wien-Breitensee) und musterte 1902 zum Infanterieregiment Nr. 72 nach Pressburg aus. Sechs Jahre später schaffte Jansa den Sprung in die Generalstabsausbildung an der Kriegsschule in Wien. Nach Abschluss dieser prestige- und karriereträchtigen Ausbildung diente er als Hauptmann unter dem Armeeinspektor und Landeschef von Bosnien und Herzegowina, Feldzeugmeister Oskar Potiorek, in der 9. Gebirgsbrigade in Sarajewo. Dort erlebte er, nach dem Attentat auf den Thronfolger in der bosnischen Hauptstadt, den Beginn des Ersten Weltkrieges.

Nach Kriegsbeginn diente Jansa bei verschiedensten Stäben, u. a. beim Kommando der 6. Armee, bei der 5. Armee an der Südwestfront, beim Armeeoberkommando sowie als Verbindungsoffizier zur bulgarischen und zur deutschen Armee. In seiner letzten Verwendung in den kaiserlichen Streitkräften war er Generalstabschef der 10. Kavalleriedivision in Südtirol. Die Zeit um das Kriegsende erlebte er in Wien und Budapest. Wie bei vielen anderen saß auch bei Alfred Jansa der Schock über den Zusammenbruch der Armee und die Disziplinlosigkeit von Offizieren und Soldaten tief.

Offizier im neuen Bundesheer

Jansa trat nach Kriegsende nicht wie viele andere Offiziere der neuen "Volkswehr" bei, die er als "halbkommunistisch" betrachtete. Er besuchte einen Abendkurs an der Handelsakademie und trat im Februar 1919 in die Briefzensurstelle des Finanzministeriums in Salzburg ein. Dann kam er zur "Heimkehrerzerstreuungsstelle" in Gnigl, einem Stadtteil von Salzburg, und arbeitete schließlich als Bauarbeiter. Nebenbei besuchte er die Gewerbeschule in der Salzachstadt mit dem Ziel Baumeister zu werden.

Fast wie eine Erlösung schien es Jansa als das Staatsamt für Heerwesen ihn im August 1920 zum - vorerst nur provisorischen - Stabschef der 3. Brigade in St. Pölten ernannte (Dienstgrad Oberstbrigadier). Diese Stelle hatte er bis ins Jahr 1929 inne, danach führte er als Generalmajor ab 1. Juni 1930 die 3. Brigade. 1932 wechselte Jansa in die I. Abteilung des Bundesministeriums für Heerwesen, die wegen der strengen Vorgaben des Staatsvertrags von St. Germain für das Bundesheer versteckt als "Generalstab" amtierte, der eigentlich verboten war. Seine Teilnahme an der "Genfer Abrüstungskonferenz" 1933, die das einsetzende Wettrüsten begrenzen sollte, brachte ihn mit wichtigen militärischen Führern der ehemaligen Verbündeten im Ersten Weltkrieg in Kontakt, u. a. dem späteren Oberbefehlshaber der Wehrmacht und Reichskriegsminister Werner von Blomberg, dem er mit Misstrauen gegenüberstand: "[…] Bei der beängstigenden, für die Westmächte bedrohlichen Entwicklung des Nationalsozialismus in Deutschland erschien mir eine hörige Bindung an die deutsche Delegation für die Durchsetzung unserer Wünsche ungut. […] Da ich nun reichlich Zeit hatte, nahm ich mir auch Hitlers Buch «Mein Kampf» vor, das ich schon in St. Pölten in der Hand gehabt hatte. Ich war neuerdings entsetzt über dessen Haß gegen unser Kaiserhaus, die Einschätzung Wiens und der österreichischen Bevölkerung. Die Lektüre dieses Buches vertiefte meine schon in St. Pölten bestandene scharfe Ablehnung des Nazitums zu dessen schärfster Verurteilung […]" (Memoiren von Alfred Jansa). Die Konferenz in Genf scheiterte schließlich.

Nach seiner Rückkehr schickte der österreichische Heeresminister Carl Vaugoin Generalmajor Jansa als Militärattaché nach Berlin. In der Hauptstadt des Deutschen Reiches festigte sich seine strikte Ablehnung des Nationalsozialismus. Hier konnte Jansa auch die Wiederaufrüstung des Deutschen Reiches miterleben. Diese beunruhigte ihn sehr, er sah darin auch zu Recht eine Gefährdung Österreichs.

Leiter der Sektion III und Generalstabschef

1935 kehrte Jansa nach Österreich zurück und übernahm am 1. April 1936 die Leitung der Sektion III im Bundesministerium für Heerwesen, wo er die Aufgaben eines Generalstabschefs wahrnahm. Jansa versuchte nun das Bundesheer auszubauen, um Österreich gegenüber Hitler-Deutschland abwehrfähig zu machen. Der neue Generalstabschef lehnte sich dabei stark an das faschistische Italien an, das er als eine Art Gegenpol zum Deutschen Reich ansah - eine fatale Fehleinschätzung! Der chronische Geldmangel Österreichs ermöglichte nur eine - im Vergleich zu Deutschland - bescheidene Aufrüstung. Jansa gab sich hier nicht der Illusion hin, dass Österreich eine reelle Chance im Kampf gegen den Gegner hätte, von dem er frühestens 1939 einen Angriff erwartete. Vielmehr wollte der Generalstabschef im Kriegsfall eine Abwehrlinie an der Traun einrichten und bis zu einem Eingreifen anderer Staaten - hier dachte er bis 1936 primär an Italien - hinhaltend kämpfen ("Jansa-Plan").

Die an sich geheim gehaltenen Pläne blieben jedoch dem Deutschen Reich nicht verborgen. Im Februar 1938 zitierte Hitler Kanzler Schuschnigg auf den Berghof und nötigte ihm das "Berchtesgadener Abkommen" ab, das letztlich das Ende eines eigenständigen österreichischen Staates bedeutete. Gleichzeitig wollte der deutsche Reichskanzler auch Feldmarschallleutnant Jansa durch Generalmajor Franz Böhme ersetzt haben. Jansa erfuhr davon und reichte am 17. Februar 1938 seinen Rücktritt ein. Ein wichtiger Gegner Hitlers hatte nun die militärische Bühne verlassen …

Zwangsumsiedlung nach Erfurt

Nach dem Anschluss 1938 geriet Alfred Jansa ins Visier der neuen Herrscher. Vermutlich durch die Fürsprache des italienischen Diktators Mussolini landete der Feldmarschallleutnant nicht wie etwa sein Offizierskamerad Johann Georg Franz Friedländer im KZ, sondern musste nur das Gebiet des ehemaligen Österreich verlassen und ins "Altreich", nach Erfurt, übersiedeln. Er erhielt nur mehr zwei Drittel seiner Offizierspension. Hier schlug er sich als Versicherungsmakler durch, ab 1943 arbeitete er in einem Vertrieb für Autoteile. Erst 1946 kehrte Alfred Jansa ins wiedererstandene Österreich zurück. 1947 nahm er an Gesprächen über ein zukünftiges Bundesheer teil, dessen Wiederaufstellung damals aber noch in weiter Ferne lag. Jansa starb am 20. Dezember 1963 in Wien.

Das Österreichische Bundesheer ehrte Feldmarschallleutnant Alfred Jansa, der vermutlich mehr als viele andere das Land gegen Hitler verteidigen wollte, u. a. durch die Benennung der Kaserne des Panzergrenadierbataillons 35 in Großmittel in "Jansa-Kaserne".


Autor: Mag. Martin Prieschl, Jahrgang 1976. 2004 Wehrdienst im Panzergrenadierbataillon 13, Angehöriger des Milizbataillons Oberösterreich. Studium der Rechtswissenschaft und Geschichte an der Universität Salzburg. Abschluss in Geschichte 2003 mit Auszeichnung; Auszeichnung des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst für die besten Studierenden 2003/2004; Ausbildung zum Archivar am Institut für Österreichische Geschichtsforschung und der Fachhochschule Potsdam (Archiv, Bibliothekswesen, Dokumentation); Dissertation an der Universität Wien. Nach dem Studium neben zahlreichen Publikationen u. a. Tätigkeiten im Verlagswesen; Hospitant im Kriegsarchiv; im Haus-, Hof- und Staatsarchiv und im Parlamentsarchiv sowie als Koordinator und Mitgestalter der Ausstellung "Liberale Politik in Österreich" (Parlament, 2006). Seit März 2007 Archivbeauftragter der Evangelischen Kirche A und HB sowie Archivar der Diözesen Niederösterreich und Salzburg-Tirol. Seit 2009 Geschäftsführer der Firma Archivtechnik&Systeme.

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