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Unter den Blauhelmen - Die serbische Armee im Friedenseinsatz

Seit dem Jahr 2002 beteiligen sich Angehörige des serbischen Verteidigungsministeriums und des serbischen Heeres an sieben Friedensoperationen weltweit. Dabei wird an eine lange Tradition der ehemaligen Jugoslawischen Volksarmee angeknüpft.

Ein Sanitätsteam des serbischen Verteidigungsministeriums und des serbischen Heeres war von Juni 2009 bis 2010 in der Friedensmission MINURCAT (United Nations Mission in the Central African Republic and Chad) eingesetzt. Zuerst wurden zwei Rotationen beim norwegischen Kontingent absolviert, die dritte Rotation erfolgte dann selbstständig im Krankenhaus der Vereinten Nationen.

Zusätzlich zur mittlerweile beendeten Mission im Tschad beteiligen sich Angehörige des serbischen Heeres in vier weiteren Missionen unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen in der Demokratischen Republik Kongo, an der Elfenbeinküste, in Liberia und auf Zypern.

Vor kurzem wurden fünf Soldaten mit dem spanischen Kontingent in die Friedensmission in den Libanon entsandt. Sie sind als Stabsoffiziere und Offiziere für zivil-militärische Zusammenarbeit tätig. Gleichzeitig sollen sie als Vorhut die Lage und die Erfordernisse für eine Erweiterung des serbischen Kontingentes vor Ort erkunden. In Absprache mit dem spanischen Partner soll dann bei der nächsten Rotation die Anzahl der serbischen Teilnehmer erhöht werden.

Kongos Weite

Der serbische militärische Sanitätsdienst verfügt über bedeutende Kapazitäten, die bei diversen Operationen weltweit eingesetzt werden können. Die bisherigen Erfahrungen aus dem Kongo und dem Tschad beweisen eine hohe Fachkompetenz sowie gute operative Fähigkeiten des medizinischen Teams in der Zusammenarbeit mit Kameraden aus anderen Ländern.

Seit März 2003 beteiligen sich Angehörige der serbischen Streitkräfte in der UN-Friedensmission MONUSCO (United Nations Organization Stabilization Mission in the Democratic Republic of the Congo), die im November 1999 begonnen hatte, im Flugrettungsbereich. Das Team besteht aus zwei Ärzten, zwei Krankenpflegern und seit 2010 zusätzlich aus einem Stabsoffizier und einem Stabsunteroffizier. Der Rotationszeitraum beträgt sechs Monate. Derzeit befindet sich das 15. Team im Einsatzraum.

Kürzlich kehrten Oberst Dr. Dorde Mancic, ein erfahrener Anästhesist vom Heeresspital in Nisch und Major Dr. Bozidar Jakovljevic von der Militärmedizinischen Akademie in Belgrad, von der Mission im Kongo nach Hause zurück. "Professionalität, Humanität und Aufopferungsbereitschaft zeichnen unseren Einsatz in dieser Mission aus. Wir repräsentieren das Heer Serbiens und zeigen es von seiner besten Seite", so Oberst Mancic.

Das Team zeichnet sich durch hohe Fachkompetenz und Geschwindigkeit bei der Erfüllung sehr komplizierter Aufträge aus. Die Dynamik ist groß, die Aufträge wechseln sich wie auf dem Fließband ab. Das vorrangige Ziel ist die Aufnahme der Patienten und deren Transport ins Krankenhaus. Auf dem Transport, in der Regel auf dem Luftweg, wird der Zustand der Patienten ständig überwacht. Zu diesem Zweck stehen dafür adaptierte Hubschrauber und Flugzeuge zur Verfügung.

Das Krankenhaus in der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, Kinshasa, ist ein Krankenhaus mit role 3 Kapazitäten. Komplizierte Eingriffe und Operationen, die hier nicht durchgeführt werden können, werden in Pretoria vorgenommen. Die Patienten müssen dann in vier Flugstunden nach Südafrika gebracht werden. Die verwundeten Missionsangehörigen haben das Recht, frei zu wählen, wo sie versorgt werden wollen. So hatte das serbische medizinische Team bei Patienten, die sich für eine Behandlung im Heimatland entschlossen hatten, besonders lange Transportwege zu bewältigen.

Im Herzen Afrikas

Auf die humanitäre Krise im Tschad, in der Zentralafrikanischen Republik und in Darfur reagierte zuerst die Afrikanische Union und entsandte eine Friedenstruppe in der Stärke von etwa 7 000 Soldaten. Die Vereinten Nationen begannen ihre Friedensmission 2007. Das Ziel war, einer halben Million Menschen, die in den letzten Jahren vertrieben wurden oder in die UNHCR-Lager im östlichen und südlichen Tschad geflüchtet sind, die unbedingt notwendige humanitäre Hilfe zu leisten. 2008 wurde diese Mission durch die Europäische Union im Rahmen von EUFOR/TCHAD/RCA übernommen. Von Juni 2009, nach Übernahme der Mission durch die Vereinten Nationen war bis zum Ende der Mission MINURCAT ein Sanitätsteam der serbischen Streitkräfte im norwegischen Kontingent eingesetzt. Im ersten Team waren sechs Ärzte und Krankenpfleger, im zweiten Team, von Oktober 2009 bis Mai 2010, waren es 21 Mann (17 Mann Sanitätspersonal und vier Stabsoffiziere). Bis Ende 2010 waren dort sieben Militärärzte, ein Stabsoffizier und sechs Krankenpfleger stationiert.

Das Krankenhaus der Friedensmission befand sich in Abéché, der Hauptstadt der östlichen Region Kuadai, rund 800 Kilometer von der Hauptstadt des Tschad, N’ Djamena, entfernt. Es bestand aus Containern und Zelten.

Kommandant des serbischen Teams war Oberst Dr. Slavisa Ciric, der Leiter des Militärkrankenhauses in Nisch.

Die Teilnahme an der Mission erfolgte auf freiwilliger Basis, dennoch war die Auswahl des Personals nicht einfach. Die Bedingungen für die Teilnahme waren sehr selektiv, beginnend von der Überprüfung der Englischkenntnisse, über die psychologische Testung, die Feststellung der gesundheitlichen Eignung, bis hin zu den erforderlichen Impfungen gemäß den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation. Der erste Teil der Vorbereitung fand im "Zentrum für die Vorbereitung der Friedensmissionen" in Belgrad statt, dann folgten sechswöchige Abschlussvorbereitungen in Norwegen.

Die Vorbereitungen im norwegischen Camp Sesvolmen umfassten das gesamte Training für diesen Missionstyp, von der Jägerausbildung, über intensive Schießübungen, zahlreiche Vorträge und Kurse zu relevanten Themen, bis hin zur praktischen Krankenhausarbeit. Eines der wichtigsten Ziele war das gegenseitige kennenlernen und einspielen der norwegischen und serbischen Teilnehmer für den Einsatz im Tschad.

Das Krankenhaus der Friedensmission in Abéché bot medizinische Hilfe für die Missionsangehörigen und die lokale Bevölkerung an. Sie umfasste sowohl fachmedizinische als auch chirurgische Dienstleistungen. Zum Auftrag gehörte

  • die Sicherstellung der sekundären medizinischen Versorgung für die UN-Angehörigen,
  • die Notfallversorgung Verwundeter bei hohen Flüssigkeits- und Blutverlusten,
  • die erforderlichen lebensrettenden chirurgischen Sofortmaßnahmen,
  • die Rettung von abgetrennten Gliedmaßen von Verwundeten,
  • die zahnärztliche Grundversorgung sowie
  • der erforderliche Patiententransport zur nächsthöheren medizinischen Versorgungsebene.

Das Krankenhaus wurde Anfang der 1970er Jahre mit finanziellen Mitteln aus Deutschland errichtet. Das Gebäude ist funktionell, jedoch sind die Wasser-, Strom-, Verbrauchsmaterial- und die Medikamentenversorgung unregelmäßig, unsicher und hauptsächlich von der humanitären Unterstützung verschiedener Organisationen abhängig.

Ein noch größeres Problem ist der Ärztemangel und der Mangel an Krankenhauspersonal. Es fehlen Ärzte aller Fachrichtungen. Die Investitionen in das Gesundheitswesen sind gering. Das vorhandene Röntgengerät ist wegen fehlender Ersatzteile und mangels an Strom nicht einsatzbereit. Das Labor kann nur die Grundanalysen erledigen. Es gibt keine gesicherte Essensversorgung für die Patienten. Eine Reihe von unbedingt notwendigen Medikamenten ist überhaupt nicht vorhanden.

Unter solchen Verhältnissen war es für die Ärzte aus Serbien eine besondere Herausforderung, der Bevölkerung die bestmögliche medizinische Betreuung zu gewähren. Neben den üblichen Krankheiten, mit denen die Ärzte hier konfrontiert sind, gibt es zahlreiche Infektionskrankheiten, die in Europa nicht auftreten, wie schwere Formen der Malaria, des Typhus und andere Erkrankungen des Verdauungstraktes. Sehr hoch ist die Zahl der HIV-Erkrankten. Leider bleiben davon auch Kleinkinder nicht verschont.

Im Dienst des Friedens

Serbien war ab 2002 an sieben Einsätzen beteiligt, seit es die Teilnahme an Friedensmissionen wieder aufgenommen hat.

Der erste Einsatz erfolgte von 2002 bis 2005 in Osttimor in der multinationalen Operation UNMISET (United Nations Mission of Support in East Timor) mit fünf Militärbeobachtern. 2003 und 2004 folgten die Teilnahmen an Friedensmissionen in Burundi, im Kongo, in Liberia, an der Elfenbeinküste und von 2009 bis 2010 im Tschad.

An der Mission ONUB (United Nations Operation in Burundi), die 2006 beendet wurde, haben drei Militärbeobachter teilgenommen.

Das Schwergewicht der Militärbeobachter in der Friedensmission in Liberia (UNMIL) ist das Patrouillieren, die Unterbindung des Schwarzhandels und die Implementierung des Friedensprozesses. Die Rotation erfolgt jährlich. Neben den Heeresangehörigen beteiligt sich an dieser Mission auch Polizeipersonal.

Bei der Friedensmission an der Elfenbeinküste (UNOCI) wechseln sich drei Militärbeobachter ab. Das Schwergewicht ihrer Tätigkeit liegt auf der Verhinderung des Schwarzhandels und auf der Durchführung von Patrouillen.

Seit 2010 beteiligt sich das serbische Heer an der Friedensmission UNFICYP auf Zypern. Das Team zählt sieben Offiziere und Unteroffiziere und eine Berufssoldatin. Sie sind im ungarisch-slowakischen Kontingent eingesetzt.

Die Vorbereitungen für eine weitere UN-Mission, den Einsatz im Libanon im Rahmen des spanischen Kontingents, sind abgeschlossen. Die Aufträge der serbischen Soldaten werden dann das Eingreifen zwischen den Konfliktparteien, das Beobachten und Melden von Waffenstillstandsverletzungen sowie die Hilfeleistung für die zivile Bevölkerung zur Normalisierung ihrer Lebensumstände, sein.

Serbien plant die Beteiligung an Militäroperationen der Europäischen Union als Beitrag zur Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik der EU, um seinen Weg in die EU zu beschleunigen. Zunächst sollen Militärbeobachter entsandt werden. Nach deren Implementierung soll die Teilnahme verstärkt werden.

Vorbereitungen auf Gefechtseinsätze

Im Oktober 2009 verabschiedete der Nationalrat der Republik Serbien das Auslandsentsendegesetz für multinationale Operationen. Gemäß den Bestimmungen dieses Gesetzes ist die Entsendung von Angehörigen des serbischen Heeres und anderer Verteidigungskräfte zu multinationalen Operationen möglich, wenn der Einsatz im Einklang mit der Verfassung Serbiens sowie dem internationalen Recht erfolgt und im nationalen Sicherheits- und Verteidigungsinteresse liegt.

Derzeit läuft die Vorbereitung einer motorisierten Infanteriekompanie für den Einsatz in einer multinationalen Operation mit drei Rotationen. Die Ergebnisse sind Erfolg versprechend. Es handelt sich dabei um die Herstellung des Interoperabilitätsniveaus, das bei gemeinsamen Übungen diverser Staaten verbessert wird. Dabei wird auch die Einsatzbereitschaft der Truppe überprüft. Nach erfolgreicher Absolvierung der Einzel- und Gruppenausbildung erhalten die Soldaten und die Teileinheiten das Zertifikat für die Teilnahme an multinationalen Operationen.

Laut Generalleutnant Ljubisa Dikovic, Kommandant der Landstreitkräfte, und zuständig für die Realisierung der Partnerschaftsziele, ist die Ausstattung der Truppen mit Waffen und zeitgemäßer Fernmeldeausrüstung dem vorgesehenen Standard entsprechend abgeschlossen. Mit der Zuweisung moderner Ausrüstung an die Truppe wird die Interoperabilität mit anderen Streitkräften im multinationalen Umfeld verbessert. Es folgt noch die Beschaffung besserer Mannes- und Schutzausrüstung, moderner Gelände- und Transportfahrzeuge sowie opto-elektronischer Mittel.

Im Jahr 2010 war die internationale militärische Zusammenarbeit im Heer sehr gut und intensiv. Gemeinsam mit den Angehörigen der Nationalgarde von Ohio wurde eine Ausbildung auf dem Übungsplatz "Jug" durchgeführt, dem modernsten auf dem Balkan. Die Spezialeinsatzkräfte wurden gemeinsam mit jenen Griechenlands, Italiens und der Türkei ausgebildet. Ebenso fanden einige gemeinsame Übungen mit den Streitkräften Rumäniens, der USA, Ungarns, Österreichs, Bulgariens und Makedoniens statt.

Diese Übungen haben sehr viel zum Verständnis der Rolle und Position des serbischen Heeres in einer modernen Gesellschaft beigetragen. Das bedeutet auch, Mitverantwortung für den Frieden und die Bewahrung der ungeteilten Sicherheit auf der Welt zu tragen. Dies erfordert den Einsatz militärischer Kräfte nicht mehr nur an den Grenzen des eigenen Landes, sondern dort, wo der Friede gefährdet ist.

Auf einen Blick

Die Teilnahme an Friedensmissionen ist ein wichtiger außenpolitischer Faktor, der das internationale Ansehen Serbiens hebt. Bereits die Jugoslawische Volksarmee (JVA) der ehemaligen Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien beteiligte sich an einer Reihe von Friedensmissionen der populären Blauhelme.

Die erste derartige Mission war von 1956 bis 1967 auf dem Sinai (UNEFI), zwischen den Konfliktparteien Israel und Ägypten, wo sich die damalige JVA mit dem größten Kontingent beteiligte. In 22 Rotationen nahmen 14 265 Soldaten teil, was 22 Prozent der Gesamtstärke dieser Mission ausmachte. Zu dieser Zeit hatte die JVA 1963 und 1964 auch Kräfte in der Mission im Jemen (UNYOM) stationiert.

Die JVA stellte ihre Fähigkeiten in zahlreichen UN-Missionen unter Beweis, wie in der Iran-Irakkrise (UNIMOG). Von 1988 bis 1991 waren jugoslawische Militärbeobachter dort, die Mission leitete damals der serbische Generalmajor Slavko Jovic.

In der gleichen Zeit, von 1989 bis 1990, befand sich eine größere Anzahl von Militärbeobachtern im Rahmen der Friedensmission UNTAG zur Beruhigung des Konflikts in Namibia. Die letzte JVA-Mission war von 1989 bis 1991 mit Militärbeobachtern in Angola (UNAVEM).

Für die neue Epoche kann zusammenfassend noch einmal festgehalten werden: Erst 2002 wurde die Teilnahme serbischer Friedenssoldaten an internationalen Operationen wieder aufgenommen. Seit dieser Zeit ist bzw. war Serbien an sieben Operationen weltweit beteiligt (Osttimor, Burundi, Demokratische Republik Kongo, Liberia, Elfenbeinküste, Tschad - mittlerweile beendet, und Zypern).

Der Einsatz serbischer Friedenssoldaten in der Mission im Libanon ist so gut wie fix. Über die Teilnahme des serbischen Heeres an EU-Missionen wird intensiv beraten.


Autor: Mag. Radenko Mutavdzic, Journalist bei verschiedenen serbischen Radio- und Fernsehsendern sowie Printmedien seit 1980. Ab 2002 in diversen Funktionen bei der militärischen Fachzeitschrift "Odbrana" ("Verteidigung"), seit 2010 deren Chefredakteur. 2008 Gewinner des EMPA-Award.

Dieser Beitrag wurde von Oberst dhmfD Dr. Johann Pecnik, Sprachinstitut des Bundesheeres, aus dem Serbischen übersetzt.

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