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Das Quick Investigation Team

Die Bildung eines Quick Investigation Teams ist eine der Innovationen der Übung European Advance 2010. Diese vielseitige Teileinheit sichert Fakten und Beweise nach Kampfhandlungen, Anschlägen oder anderen wichtigen Ereignissen in einem militärischen Einsatz.

Das Panzerbataillon 14 wurde bei der EURAD 10 durch die 4. Panzer¬grenadierbrigade mit der Bildung eines Quick Investigation Teams (QIT) beauftragt. Die Hauptaufgabe des QIT bestand darin, nach Kampfhandlungen, Anschlägen oder anderen als relevant eingestuften Ereignissen in einem militärischen Einsatz noch am "Tatort" Fakten zu sammeln, Beweise sicherzustellen und eine Folgebetreuung für verschiedene Personengruppen, wie Gefangene, Verletzte und Zivilisten, einzuleiten.

Die gewonnenen Informationen helfen dabei das Verhalten sowie angewandte Gefechtstechniken und Taktiken auszuwerten, um so die eigene Einsatztaktik und Schutzmaßnahmen laufend verbessern zu können. Bei einem Kampf gegen einen irregulären Gegner ermöglicht eine fundierte Dokumentation und Beweisführung, die Hintermänner auszuforschen und so nicht nur die Einzeltäter, sondern das gesamte Netzwerk bekämpfen zu können.

Um alle Aufgaben entsprechend lösen zu können, benötigt das QIT ein breit gefächertes Spektrum an Spezialisten, die in dieser Teileinheit zusammengefasst und koordiniert werden. Diese sind:

  • ein Sicherungszug, der den Tatort nach außen hin abschirmt, um den eingesetzten Teilen ein ruhiges Arbeiten und den Zutritt nur für berechtigte Teile zu ermöglichen. Eine weitere Aufgabe dieses Zuges ist die Verkehrsregelung des Folgeverkehrs sowie die Bewachung von Gefangenen. Diese Teile müssen über Crowd and Riot Control (CRC)-Fähigkeiten verfügen, um auch bei Demonstrationen handlungsfähig zu bleiben.
  • eine Ermittlungsgruppe der Militärpolizei sowie ein Rechtsberater zum Aufarbeiten und Sicherstellen von Beweisen sowie zur Aufnahme von Niederschriften und Aussagen, um Geschehnisse rekonstruieren bzw. mit Beweisen vor Gericht belegen zu können;
  • ein Psychologe sowie ein Notarzt für die Betreuung von Soldaten und Zivilisten;
  • eine Bergegruppe, eine ABC-Abwehrgruppe sowie ein EOD-Team für das "mechanische" Aufarbeiten, z. B. Räumen der Sperre, Suche nach gefährlichen Kampfstoffen oder Minen etc.

Einsatz in vier Phasen

Takeover (Übernahme des Raumes)

In dieser Phase nimmt der Kommandant der QIT-Teile mit einem Vorkommando Verbindung mit dem vor Ort befindlichen Kommandanten auf und lässt sich in die Lage einweisen. Hierbei findet eine Erstbefragung der abzulösenden Teile durch das Kampfmittel- beseitigungs(Explosive Ordnance Disposal/EOD)-Team statt, um eine Gefährdung durch mögliche improvisierte Sprengfallen (Improvised Explosive Devices/IEDs) oder Minen beurteilen zu können und um Informationen über erkannte Bedrohungen zu sammeln. Die Lagebeurteilung des EOD-Teams über benötigte Sicherheitsabstände ist wesentlich, da sich hieraus Sammel- und Arbeitsräume sowie der Abstand der äußeren Sicherung ergeben.

Nach einer Beurteilung der Lage durch den Kommandanten des QIT wird die äußere Sicherung eingesetzt und werden fremde Teile herausgelöst. Wichtig ist, dass ab diesem Zeitpunkt niemand mehr zum Tatort vordringen kann und der Zugang nur mehr für die in der nächsten Phase benötigten Teile frei ist.

Clearing (Räumen)

Die restlichen Teile des QIT können jetzt in einen Warteraum nachgezogen werden, wo durch den Kommandanten eine Befehlsausgabe und eine Einweisung in die Gegebenheiten vor Ort erfolgt.

Bevor sich eigene Teile uneingeschränkt bewegen können, muss der gesamte Raum auf IEDs, Minen, gefährliche Stoffe etc. abgesucht werden, um eine mögliche Bedrohung ausschließen zu können. Nach Absprache mit der Militärpolizei erfolgt eine Erstdokumentation des Tatortes durch das EOD-Team, da sich durch dessen nachfolgende Arbeit (Räumen, Sprengen von IEDs, etc.) der Zustand des Tatortes verändern kann.

Zeitgleich werden Gefangene von der abrückenden Truppe übergeben, von der Militärpolizei durchsucht und erkennungsdienstlich behandelt. Dies beinhaltet das Festhalten von Personalien und Identifikationsmerkmalen (Fingerabdrücke, DNA-Abstriche) sowie eine Erstbefragung.

Investigation and Documentation (Ermittlung und Dokumentation)

In dieser Phase werden sämtliche Beweise durch die Spezialisten der Militärpolizei am Tatort gesammelt und dokumentiert. Nicht benötigte Teile des QIT verbleiben inzwischen im Warteraum.

Approval (Freigabe des Raumes)

Nach der Ermittlungsarbeit der Militärpolizei erfolgen in dieser Phase die mechanischen Aufräumarbeiten sowie der Abtransport der Gefangenen. Danach wird der Tatort wieder für andere Truppenteile oder Zivilisten freigegeben.

Die positiven Erfahrungen während der EURAD 10 könnten der erste Schritt für die vollständige Implementierung solcher QIT in künftigen Auslandseinsätzen sein.


Autor: Oberleutnant Mag. (FH) Roland Nagl, Jahrgang 1983. Theresianische Militärakademie, Ausmusterung als Panzeroffizier im Jahr 2006. Danach Verwendung als stellvertretender Kompaniekommandant im Panzerbataillon 14. Auslandseinsatz in der Funktion stellvertretender Kompaniekommandant Infanteriekompanie KFOR/AUCON18. Von 2008 bis 2010 Kommandant der 2. Panzerkompanie/PzB14. Seit 2010 Kommandant der Stabskompanie/PzB14.

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