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Der Unteroffizier als "Rückgrat" im Bündnis von Streitkräften

Ein professionell ausgebildeter Führer mit hoher Kompetenz, Integrität, Verantwortungsbewusstsein und Berater des Einheitskommandanten! So sehen die beiden NATO-Generäle, Admiral Stavridis und General Abrial den Unteroffizier in inter- und multinationaler Verwendung.

Die obersten Befehlshaber der beiden strategischen NATO-Kommanden ACO (Allied Command Operations) und ACT (Allied Command Transformation) verabschiedeten Mitte Oktober 2010 eine bilaterale Unteroffiziersstrategie (Non-Commissioned Officer Bi-lateral Strategic Command Strategy) mit Empfehlungen und Leitbildern für die Etablierung, Ausbildung und internationale Vernetzung von Unteroffizieren aller Ränge.

Das Dokument illustriert zum Ersten Mal die NATO und NATO/PfP-weiten Erwägungen zum Nutzen und der Position von Unteroffizieren als "Rückgrat" im Bündnis von Streitkräften.Die beiden Kommandeure richten sich damit an die primären und sichtbaren unmittelbaren Führer der Soldaten. Demnach erfüllt der UO wesentliche Aufgaben in der Durchführung von militärischen Missionen und in der Ausbildung des Personals für diese Missionen. Die beiden Kommandeure unterstreichen dabei, dass ein Missionserfolg nur über die effektive Nutzung des Unteroffizierkorps (NCO-Corps) zu erreichen ist.

Ziel dieses Dokumentes ist es Synergien zwischen den verschiedenen NCO-Corps zu schaffen und die überwiegenden Gemeinsamkeiten zu unterstreichen. Dass die jeweiligen Kommandounteroffiziere sollen dieses Strategiepapier als Richtwert für das Erarbeiten von UO-Leitbildern verwenden können und über einen Ideenaustausch ein solides Netzwerk etablieren.

Um diese Bestrebungen zu unterstützen sollten nationale Ausbildungsprogramme mit internationalen komplimentiert werden. Admiral Stavridis und General Abrial sprechen von einer großen Verantwortung gegenüber den Unteroffizieren, diese auf eine professionelle Art auszubilden und zu fördern sowie das notwendige Werkzeug für die Auftragserfüllung bereit zu stellen. Den Anstoß dafür sehen sie in dieser NCO-Strategie. Dort wo es Kommandounteroffizieren an Befugnissen fehlt, ihre Rolle nicht formalisiert ist oder die Position überhaupt fehlt, existiert eine signifikante Lücke in der Professionalisierung eines Unteroffizierkorps, da an diesen Stellen die Bedürfnisse der Unteroffiziere nicht vertreten werden. Neben den bereits angeführten Grund¬gedanken, werden in dieser NCO-Strategie auch konkrete Erwartungen und Qualitätsansprüche an Unteroffiziere (OR-4 bis OR-9) im internationalen Umfeld formuliert:

OR-4 & 5 (Wm/OWm)

Dies ist der Führungslevel mit dem größten Einfluss auf die untergeordneten Reihen. Zuständig für die Ordnung, Disziplin, Ausbildung sowie dem persönlichen Erscheinungsbild und dem Wohl der ihnen untergeordneten Soldaten. Der UO praktiziert Führung durch Vorbild und demonstriert persönliche Einhaltung von Standards zur Durchsetzung dieser.

OR-6 (StWm)

Dies ist der erste Rang in den Senior-NCO Reihen. Dem OR-6 werden üblicherweise Positionen zugewiesen, die erhöhte Aufsichtspflicht und administrative Leistungen erfordern. Der OR-6 ist verantwortlich für mehr Untergebene und mehr Ausstattung. Er bedient sich seiner größeren Erfahrung und Führungsqualität, um seine Einflusssphäre unter allen Umständen zu nutzen.

OR-8 (OStv)

Der UO dieses Führungslevels verwendet seine verbesserte Führungsfähigkeit und breitere Erfahrung, um Planungs- und Managementaufgaben für eine gemeinsame Auftragserfüllung einzubringen. Er berät den Einheitskommandanten, unterweist und fördert Untergebene und koordiniert bzw. überwacht die Ausbildung. Des Weiteren kontrolliert er die Effizienz der Einheit und hält Standards aufrecht.

OR-9 (Vzlt)

Der meist erfahrene Unteroffizier innerhalb der NATO NCO-Struktur.

Dieser nutzt eine größere Kapazität an angereicherten Führungsqualitäten sowie seine breitere Erfahrung, zur Implementierung und Umsetzung von Planungs- und Managementaufgaben, um eine gemeinsame Auftragserfüllung zu gewährleisten. Der OR-9 berät das Stabspersonal, unterweist und fördert Untergebene und koordiniert bzw. überwacht die Ausbildung. Des Weiteren kontrolliert er die Effizienz der Einheit und hält Standards aufrecht. Der OR-9 dient als Vorbild für Unteroffiziere aller Ränge.

Es ist zu erwarten, dass dieses Dokument hinkünftig einen globalen Einfluss auf das Bild und die Rolle des Unteroffiziers nehmen wird. Eine Vielzahl der weltweit militärischen Operationen sind NATO/PfP-geführte Missionen. Die NATO hat, als Organisation, hohen sicherheitspolitischen und strukturellen Einfluss auf andere Staaten, Staatengemeinschaften und Organisationen. Folglich wird hiermit nicht nur das Bild eines Unteroffiziers der NATO und Partner Nationen geschärft, sondern langfristig wahrscheinlich auch jenes des Unteroffiziers der Europäischen Union (EU) und weiters auch Österreichs.

Ein signifikantes Beispiel ist etwa der laufenden Diskurs über die Wehrpflicht - hier wird die Notwendigkeit eines fundierten UO-Leitbildes sowie eines starken Netzwerkers in der Funktion der KdoUOs und deren strukturelle Integration deutlich spürbar. Denn, im Bereich des Herrn Bundesministers oder des Chef des Generalstabs fehlt diese, international übliche Position des KdoUOs leider noch. Folglich werden in der öffentlichen Ausseinandersetzung mit diesem Thema, die Positionen und Sorgen des Unteroffizierkorps kaum geäußert und in den Diskurs eingebracht. Gerade bei derart großen Transformations- bzw. Reformbemühungen, müsste die Einbindung des Unteroffizierkorps in allen Ebenen Ziel und Foraussetzung sein.

Dieses Dokument demonstriert das Vertrauen von General Abrial und Admiral Stavridis in das internationale Unteroffizierkorps. Dieses Vertrauen spricht Bände für die Notwendigkeit und für die angelaufene positive Entwicklung einer "Erstarkung" des Unteroffiziers in den Reihen der Streitkräfte.


Autor: Oberstabswachmeister Thomas Schell, Jahrgang 1977. 1997 bis 2004 Fliegerregiment 2, 2004 Einsatz im Kosovo, 2005 bis 2007 Abteilung Militärpolitik, 2007 Verifikationsabteilung - im Bereich Sicherheits Sektor Reform (SSR), dzt. im NATO-Hauptquartier in Belgien (Attaché-UO bei der MVB). Laufendes Studium der Politikwissenschaft sowie Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien.

Eigentümer und Herausgeber: Bundesministerium für Landesverteidigung | Roßauer Lände 1, 1090 Wien
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