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Interview mit Frau Wachtmeister Grillitsch - Teilnehmerin am "Wettlauf zum Südpol"

"Man bekommt nichts, ohne auch etwas zu leisten."

Sabrina Grillitsch ist seit elf Jahren beim Militär. Sie absolvierte die Unteroffiziersausbildung und, als erste Frau, den Jagdkommandogrundkurs. Beeindruckend ist auch ihre bisherige Auslandseinsatzbilanz: Sie war bereits insgesamt ein Jahr im Kosovo und am Golan. Zurzeit versieht sie Dienst beim Jägerbataillon 18 in St. Michael. Der "Wettlauf zum Südpol" vor fast vier Monaten mit ihren Begleitern Hermann Maier, Tom Walek und Alex Serdjukow war bisher ihre größte Herausforderung.

TRUPPENDIENST (TD): Sie sind mit drei Männern zum Südpol marschiert. Warum macht man das?

Grillitsch: Die Motivation liegt darin, dass man endlich einmal die Antarktis sieht, einen Kontinent wo man so nie hinkommt. Es ist für den Ottonormalverbraucher einfach zu teuer. Natürlich spielt auch als Faktor mit, bei einen Wettkampf gegen den großen Bruder Deutschland dabei sein zu dürfen.

TD: Sie haben sich gegen hunderte von Frauen durchgesetzt. Ist Ihnen die militärische Ausbildung hilfreich gewesen?

Grillitsch: Meine Stärken waren und sind die alpine Erfahrung, die ich durch meine militärische Ausbildung mitgebracht habe. Auch beim Umgang mit Männern habe ich keine Probleme, da berufsbedingt der militärische Alltag männerdominiert ist. Generell habe ich gemerkt, dass ich besser vorbereitet war. Bewerberinnen haben zum Beispiel kein zweites Paar Schuhe und auch keine Reservewäsche mitgehabt oder nicht gewusst, was sie in den Rucksack einpacken sollen. Da war bei manchen Frauen überhaupt kein Plan da, obwohl sicher viele sportlicher als ich waren. Auch das Frieren war für viele ein neues Erlebnis, das einigen einfach nicht gefallen hat. So haben sehr viele aufgegeben.

TD: Sie haben auf dem Weg zum Südpol täglich weite Strecken zurückgelegt. Wie haben Sie sich gesund und fit gehalten?

Grillitsch: "Fit" ist ein guter Ausdruck. Der Marsch unter den eisigen Temperaturen ist eigentlich ein Raubbau am Körper. Während eines Wettkampfes kann man sich nicht fit halten, das macht man während des restlichen Jahres. Hier stellt sich heraus, was wer wirklich aushält. Und das sollte man vorher auch wissen. Meine Ausbildungen, insbesondere der Jagdkommandogrundkurs, haben mir hier sehr geholfen, meine Grenzen kennenzulernen.

TD: Hat es kritische Situationen gegeben?

Grillitsch: Nein, man muss aufhören bevor man nicht mehr kann. Wenn der kritische Punkt der Grenze der Leis¬tungsfähigkeit überschritten wird, ist es zu spät. Eine Erholung ist dann bei den paar Stunden Schlaf nicht mehr möglich. Das heißt, jeder von unserem Marschteam hat in der Früh sagen müssen, ob ein gewisses Marschtempo möglich ist oder nicht.

TD: Was hat Sie motiviert nicht aufzugeben? Haben Sie oft Ihren inneren Schweinehund besiegen müssen?

Grillitsch: Gegen den inneren Schweinehund kämpft man ständig, vor allem bei Müdigkeit. Aber an eine Aufgabe habe ich keinen einzige Sekunde gedacht. Es war eine super Stimmung bei uns im Team. Jeder wollte einfach nur ins Ziel kommen, oder ja nicht von den deutschen Konkurrenten überholt werden, ohne dass man sagen kann, wir hätten alles gegeben. Wenn man vermutet, dass man vorne ist, beisst man auch ganz anders.

TD: Wie erlebten Sie den Konkurrenzkampf mit dem deutschen Team?

Grillitsch: Dadurch, dass wir nicht gewusst haben, wo das andere Team ist, haben wir versucht das beste zu geben. Treibende Kraft war dabei der Hermann. Vor allem in der Früh vor dem Aufstehen habe ich Tom ein paar Mal gesagt, dass jetzt ein bisschen länger liegen bleiben fein wäre. Da habe ich es schon genossen, dass Hermann immer als erster auf war und bereits Wasser für alle gekocht hat. In punkto Disziplin kann man sich von ihm einiges abschauen. Ein schlechtes Gewissen habe ich deshalb aber nicht gehabt (lächelt).

TD: Was wünschten Sie sich während Ihrer Tour am meisten?

Grillitsch: Schlafen - der Schlafentzug war enorm!

TD: Wie sah ein typischer Tourtag aus?

Grillitsch: Ca. 35 km marschieren, so schnell wie möglich. Alle zwei Stunden fünf bis zehn Minuten Pause. Dann eineinhalb bis zwei Stunden Wasser kochen, essen und im Anschluss schlafen. Nach sechs bis acht Stunden Pause wieder Wasserkochen, essen und das Spiel geht von vorne los. Durch die Überlastung war der Hunger nicht so groß - ich musste mich zwingen zu essen und viel zu trinken. Einmal war die Marschstrecke 75 km und zum Ziel 65 km in einem Stück - da tut´s dann schon weh und es wird grausam.

TD: Wie war das Verhältnis zu Ihren zwei prominenten Teamkollegen?

Grillitsch: Wir haben viel miteinander gequatscht und "Schmäh geführt". Tom hat dabei die meisten Späße gemacht. Die Hauptfrage, die wir uns gegenseitig oft gestellt haben war, was man glaubt wo die Deutschen gerade sind und was sie gerade machen.

TD: Wie sind Sie mit Konflikten im Team umgegangen?

Grillitsch: Es gab keine wirklichen Streitereien im Team. Die sind sehr energieaufwändig und wenn man streiten will, wird das im Zelt erledigt, und da ist man mit Essen und Schlafen beschäftigt. Es hätte mich auch nicht interessiert zu streiten.

TD: Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie am Ziel waren?

Grillitsch: Zuerst habe ich nicht geglaubt, dass ich da bin. Die nächsten Gedanken waren dann, woher ich etwas zu essen bekomme und wo ich mich hinlegen kann. Große emotionale Gefühlsausbrüche hat es von meiner Seite nicht gegeben. Außerdem habe ich mich mit anderen Leuten unterhalten, was so los ist, denn die letzten Wochen habe ich nur meine Teamkameraden zum Plaudern gehabt.

TD: Haben Sie sich schnell wieder akklimatisiert?

Grillitsch: Es hat eine Woche gedauert, um mich wieder an den normalen Tagesrhythmus zu gewöhnen. Mein Körper war beleidigt, dass er so geschunden wurde. Eine große Tafel Schokolade habe ich wie nichts verputzt. Der Körper hat es richtig gefordert. Jetzt wäre das natürlich undenkbar.

TD: Sie haben in einem früheren Interview gesagt, dass Sie sich gerne quälen. Wie ist das zu verstehen?

Grillitsch: Es macht mir nichts aus, mich während eines Wettkampfes zu fordern, auch wenn ich wenig zu essen und zu trinken bekomme bzw. wenn ich friere. Irgendwie quält man sich da durch. Das gehört dazu und man bekommt auch etwas zurück - ein tolles Erlebnis, oder wie in diesem Fall die Reise in die Antarktis. Beim Bundesheer ist das nichts anderes. Jede Ausbildung ist mit einem gewissen Aufwand an Energie verbunden - man bekommt nichts, ohne auch etwas zu leisten.

TD: Wie reagieren Ihre Freunde und Bekannten auf Ihre Popularität? Gibt es Probleme?

Grillitsch: Probleme gibt es keine. Sie finden es witzig, wenn ich verlegen oder schüchtern auf Fragen zu meiner Tour reagiere. Ich hab nur wegen meinem Freund ein bisschen Angst gehabt, dass es für ihn ein Problem werden könnte. Das ist aber nicht passiert. Ich merke jedoch, dass auf facebook auf einmal sehr viele Leute mit mir befreundet sein wollen. Menschen, die mich vom Fernsehen her kennen, sprechen mich auch auf der Straße an, was bis jetzt immer positiv für mich war. Eine der am meisten gestellten Fragen an mich war, ob der Hermann wirklich so ist, wie man ihn von seinen Auftritten kennt.

TD: Was nehmen Sie persönlich aus dieser Erfahrung mit?

Grillitsch: Ich glaube, dass ich mich von Kleinigkeiten nicht mehr so leicht aus der Reserve locken lasse. Ich bin gelassener geworden. Ich habe bis heute viel beim Bundesheer erlebt, vor allem durch meine Auslandseinsätze. Ich habe gelernt, Dinge zu schätzen, die manche Zivilisten aufgrund der fehlenden Erfahrung, nicht schätzen. Man braucht nur einen Blick in den Nahen Osten oder nach Afrika zu werfen - wir können uns gratulieren, dass es uns sehr gut geht.

Das Interview führte Hauptmann Michael Barthou.


Sabrina Grillitsch: Jahrgang 1983; 2000 eingerückt zum Jägerbataillon 24 nach Absam; bis 2003 Unteroffiziersausbildung und Verwendung als Gruppenkommandant; Absolvierung des 34. Jagdkommandogrundkurses, dienstverwendet an der Jägerschule Saalfelden und bei der Tragtierstaffel Hochfilzen, bis dato: Gruppenkommandant bei der 2. Jägerkompanie/Jägerbataillon 18 in St. Michael; Auslandseinsätze: 2006 - 2007 Jägergruppenkommandant im Kosovo (6 Monate), 2009 - 2010 beim UNDOF/AUSBATT auf den Golanhöhen.

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