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Die Integrationswirkung des Militärdienstes

Nicht erst seit dem Erscheinen des Buches "Deutschland schafft sich ab" von Thilo Sarrazin, das auch in Österreich die Bestsellerlisten hinaufkletterte, wird das Thema "Integration" in den Medien und in der Öffentlichkeit heftig und kontrovers diskutiert. Vor allem die Boulevardpresse greift des öfteren die Themen Integration und Migration auf. Jedoch werden dort diese zwei getrennt zu betrachtenden Bereiche vermischt wiedergegeben, und es treffen sich hier radikale Ansichten aller Farben. Doch auch ernsthafte Wissenschaftler versuchen sich an der Thematik.

Wie zeigt sich diese nicht zu leugnende Problematik in einer Institution wie dem Militär? In einer Projektarbeit wurden Daten aus Deutschland, der Schweiz und Österreich erhoben.

Der deutsche Kollege Ch. Ph. Langer berichtet über die Aussage der Staatsministerin und Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Maria Böhmer, dass in keiner anderen Institution "Menschen unterschiedlichster Herkunft und Religion so zusammengeführt (werden). Damit leistet die Bundeswehr einen wertvollen Beitrag für den Zusammenhalt und die Integration in unserem Land". Dort weisen zwölf Prozent der Soldaten einen Migrationshintergrund auf, bei zehn Prozent der Gesamtbevölkerung. Eine Befragung zeigt, dass durch den Wehrdienst die Partizipationschancen dieser Gruppe verbessert werden, eine systematische Nutzung jedoch noch aussteht. Insbesondere die erfolgreiche interkulturelle Sensibilisierung wird als Gewinn angesehen.

Aus der Schweiz berichten T. S. Tresch, und R. Niedermann: Die Angehörigen der Armee, welche dem dort aufgestellten Kriterienkatalog zum Begriff Migrationshintergrund entsprechen, sind weitgehend gut integriert. Was auffällt ist die Tatsache, dass das Militär in Bezug auf Integration und Gleichbehandlung bei dieser Personengruppe in der subjektiven Wahrnehmung besser abschneidet als die zivile Gesellschaft. Dies ist nicht weiter erstaunlich, da die stark reglementierte Struktur der Armee wenig Potenzial für Ungleichbehandlung bietet. Trotzdem ist diese Tatsache bemerkenswert, zumal das Militär als eine konservative staatliche Institution gilt und auch als Mittel des Ausschlusses (Exklusion) wirken kann (gegenüber Ausländern aber auch in der Schweiz gegenüber Schweizer Frauen). Explizit erwähnt wird auch der positive Beitrag der Armee zur Erhöhung der interkulturellen Kompetenz.

In Österreich wurden zwei empirische Studien durchgeführt: U. Krainz beschreibt in seiner Diplomarbeit (2009) "Pute ist Moslem - Schwein ist Österreicher", dass in der Monarchie seit 1878 muslimische Soldaten ihren Dienst versehen und seit 2004 ein Gebetsraum für muslime Soldaten in der Maria-Theresien Kaserne existiert. Auch die Diensteinteilung wird weitgehend nach den religiösen Bedürfnissen ausgerichtet. Die Differenzierung der Soldaten in "nicht strenggläubig" - "strenggläubig" - "besonders strenggläubig" scheint aber problematisch zu sein. Dass diese Unterscheidung durch die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich vorgenommen wird, stößt bei den meisten Rekruten auf Ablehnung. Auch jene, die sich nicht als strenggläubig bezeichneten, waren bemüht, Ernährungs- und Gebetsvorschriften aufrecht zu erhalten. Die Information aus dem Verlautbarungsblatt über diese Einteilung ist den meisten muslimischen Soldaten nicht bekannt. Besonders störend erwiesen sich auch vorgefundene Vorstellungen der Kameraden über das "Moslem-Sein", die bestimmte Erwartungshaltungen erzeugen (z. B. Alkoholkonsum). Die Standard-Aussagen von einigen Ausbildnern, wie etwa "Wir sind hier nicht am Balkan" und das Verbot des Fastens für Nicht-Strenggläubige sind nicht dazu geeignet, Konflikte zu minimieren. Generell ist zum Wehrdienst festzuhalten, dass es für viele muslimische Rekruten "Mannesehre" ist, den Dienst mit der Waffe zu leisten. Dass die Absolvierung der Wehrpflicht in den meisten Herkunftsländern ganz andere Anforderungen stellt als bei uns in Österreich, ist den meisten Rekruten sehr wohl bewusst.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch P. Fußl, in seiner Diplomarbeit (2010) "Wehrdienst als Integrations-faktor?". Er hebt die integrative Kraft der einheitlichen Verwendung der deutschen Sprache im Grundwehrdienst hervor. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass generell der Dienst in der Armee die Verbundenheit zum "Gastland" fördert, auch wenn noch manches verbesserungswürdig erscheint.

Dr. Ludwig Krysl

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