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Gebirgsjäger in Montenegro

Seit 2008 unterstützt die Heerestruppenschule mit dem Gebirgskampfzentrum die montenegrinischen Streitkräfte bei der Aufstellung eines Gebirgsjägerbataillons. Wissenstransfer, Unterstützung im Infrastrukturbereich sowie die Ausbildung von Alpinisten schreiten planmäßig voran.

Am 11. August 2009 wurde nach Beurteilung und erfolgten Erkundungen in Montenegro sowie der Präsentation einer Machbarkeitsstudie ein entsprechendes Projekthandbuch durch die Attachéabteilung im Rahmen der Balkaninitiative SAP genehmigt.

Gemäß Projektplan ruht die Zusammenarbeit auf drei wesentlichen Säulen:

  • Wissenstransfer,
  • Unterstützung im Infrastrukturbereich und
  • Ausbildung von Experten.

Das Gebirgskampfzentrum in Saalfelden (GebKpfZ), verstärkt durch Fachleute des Militärischen Immobilien Management Zentrums, trägt die Hauptlast der Unterstützungsarbeit.

In der Ausbildung wurde das "Train the Trainer - Prinzip" besonders berücksichtigt. Aus Kostengründen erfolgen die Ausbildungsabschnitte zum Großteil in Österreich. Die enge Kooperation mit dem in Montenegro akkreditierten Verteidigungsattaché sowie den militärischen und zivilen Verantwortungsträgern vor Ort zeichnen das Projekt ebenso aus, wie der Schulterschluss mit der österreichischen Wirtschaft und Industrie.

Drei Säulen

Wissenstransfer

Bereits in der Erkundungsphase wurde alpintechnisches Know How durch die Experten des Gebirgskampfzentrums in Montenegro bereitgestellt. Hier ging es zunächst darum, das Grundverständnis des Einsatzes militärischer Kräfte im Gebirge zu vermitteln. Dabei wurde das gesamte Spektrum von Hilfs- und Rettungseinsätzen bis zu Kampfeinsätzen angesprochen.

In den Expertengesprächen der folgenden Jahre wurde deutlich, dass der Wissenstransfer auf äußerst fruchtbaren Boden gefallen ist. Sichtbar wird der Erfolg letztlich auch im Bereich der Beschaffung von Alpinausrüstung nach österreichischem Vorbild. Der Know How-Transfer wird nun auf der Arbeitsebene fortgesetzt.

Unterstützung im Infrastrukturbereich

Ähnlich wie beim Wissenstransfer wurde die erste Erkundungsphase bereits zu konkreten Beratungen im Infrastrukturbereich genutzt. Dabei sind zwei Ansätze zu unterscheiden:

  • Die Errichtung von Kaserninfrastruktur für die Gebirgstruppe, und
  • die Einrichtung von Ausbildungsanlagen.

Zur Kaserninfrastruktur wurden die montenegrinischen Verantwortlichen eingewiesen, wie zweckmäßige Kasernen für Gebirgstruppen aussehen können. Es war nicht beabsichtigt, die Errichtung selbst konkret zu unterstützen, zumal die Standortentscheidung durch Montenegro noch zu treffen war. Mittlerweile haben andere Nationen Infrastrukturprojekte (beispielsweise für die Luftstreitkräfte) finanziert.

Mit der Errichtung der Ausbildungsinfrastruktur wurde ebenfalls früh begonnen und erste Ausbildungsanlagen gebaut, um Montenegro so rasch wie möglich in die Lage zu versetzen, die Ausbildung selbstständig im eigenen Land durchzuführen. Bereits 2007 wurde ein "Klettergarten" gebaut, der die Ausbildung in Gruppenstärke zulässt. 2009 erfolgte der Ausbau einer Kompanieausbildungsanlage und 2010 wurde ein Klettersteig errichtet. Damit waren die infrastrukturellen Voraussetzungen für eine umfassende Gebirgskampfausbildung bis zu Kompaniestärke abgeschlossen. Die Ausbildungsanlagen sind so angelegt, dass sie in größeren Gefechtsszenarien genutzt werden können.

Der Personaleinsatz des Gebirgskampfzentrums war äußerst sparsam und diente auch der eigenen Weiterbildung des eingesetzten Ausbilderkaders. Wo immer möglich unterstützen bereits die in Saalfelden ausgebildeten montenegrinischen Gebirgssoldaten die Arbeiten in Montenegro. Sie wurden auch in die Ausbildungsmethodik eingewiesen, sodass die Anlagen sofort genutzt werden konnten.

Die Errichtung des Klettersteiges war der Abschluss der Maßnahmen im Bereich Ausbildungsanlagen, welche auch durch Materialbeistellungen österreichischer Firmen für Montenegro unterstützt wurden.

Ausbildung von Experten

Die umfangreichsten und zeitintensivsten Unterstützungsmaßnahmen erfolgen in der Ausbildung der montenegrinischen Soldaten. Absicht ist es dabei, einen Expertenpool in Montenegro einzurichten, der dann seinerseits Wissen und Können an die montenegrinischen Soldaten weitergeben kann. Zunächst war die Auswahl geeigneter montenegrinischer Soldaten schwierig.

Neben den Sprachfertigkeiten (Englisch oder Deutsch) und der allgemeinen körperlichen Leistungsfähigkeit war auch eine ausreichende Grundfertigkeit für die Bewegungen im Hochgebirge (z. B. Schilauf) zu fordern, um überhaupt die Voraussetzungen für die positive Absolvierung von Gebirgskursen zu schaffen. Nach ersten Rückschlägen konnte mittlerweile ein geeigneter Auswahlmodus gefunden werden. Die Experten des Gebirgskampfzentrums wählen in Montenegro geeignete Kandidaten für die Lehrgänge aus.

Selbstverständlich bleibt die Entsendung nach Österreich dann nationale Entscheidung Montenegros. Zur verbesserten Vorbereitung werden in Montenegro Deutschkurse ebenso durchgeführt wie Schikurse, welche durch die Schilehrer des GebKpfZ abgehalten werden. Das Ausbildungsgelände in Montenegro (Raum Kolasin) eignet sich dafür gut.

Ziel ist bis Ende 2012 (Projektende) zehn bis 15 montenegrinische-Kadersoldaten alpintechnisch auszubilden, von denen zwei bis drei das Niveau "Heeresbergführergehilfe" erreichen sollen. Damit wird in den montenegrinischen Streitkräften auch eine Kernkompetenz im Bereich Berg-/Flugrettung aufgebaut.

Um Kosten zu sparen werden die ausgewählten Lehrgangsteilnehmer mit den Rotationsflügen der C-130 von Montenegro nach Österreich und zurück transportiert. Erste montenegrinische Kadersoldaten haben die Ausbildung zum Heershochalpinisten bereits abgeschlossen und beginnen mit ihrer Ausbildung zum Bergführergehilfen. Um die Ausbildung der Hochalpinistenanwärter zu erleichtern, werden auch Dolmetschoffiziere eingesetzt. Dass es sich dabei unter anderem um den in Montenegro akkreditierten Botschafter handelt (hier als "Waffenübender"), zeigt den engen Schulterschluss im Sinne eines "Comprehensive Approach".

Die gesamte Initiative wird durch eine schlanke Projektorganisation gelenkt. Die Projektleitung liegt in den Händen der Kommandanten der HTS und des GebKpfZ. Die Gruppe Kontrolle begleitet die Maßnahmen.

Bis zum Projektende erfolgt zur Zeit die Vertiefung der Ausbildung, wobei beabsichtigt ist, die dann ausgebildeten montenegrinischen Gebirgsexperten weiter zu betreuen, so wie das im Bundesheer beim Gebirgsausbilderkader erfolgt. Dies gewährleistet eine Qualitätssicherung und eine ständige Weiterentwicklung. Höhepunkt und gleichzeitig Abschluss der Unterstützung soll eine in Montenegro stattfindende Übung sein. Als Ausgangspunkt wird ein Rette- und Bergeszenario gewählt. Ein verunfallter Pilot ist aus besonders schwierigem Felsgelände an der Küste zu bergen. Dies erfordert eine "Anlandung" von See her.

Die Übungsanlage erlaubt das Zusammenwirken von Marinekräften, SOF und Gebirgsspezialisten auf gefechtstechnischer Ebene und ist damit auch für die österreichischen Gebirgsspezialisten vor dem Hintergrund multinationaler Einsätze unter herausfordernden Umfeldbedingungen von besonderem Interesse.

Resümee

Das Projekt "Unterstützung der Montenegrinischen Streitkräfte bei der Aufstellung eines Gebirgsjägerbataillons" wurde unter klaren Vorgaben geplant.

Der Projektplan wird unter besonderer Berücksichtigung der Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit umgesetzt. Sämtliche Maßnahmen sind im Zeitplan.

Herausforderungen ergaben sich bei der Auswahl und Verfügbarkeit von geeignetem Personal in Montenegro, ausständigen Standortentscheidungen in Montenegro sowie durch legistische Einschränkungen im Bereich der Errichtung der geplanten Ausbildungsanlagen.

Besonders hervorzuheben ist das hohe Engagement durch die montenegrinischen Streitkräfte. Die Qualität der (Gebirgs-)Ausbildung im Österreichischen Bundesheer wird mit diesem Projekt eindrucksvoll unter Beweis gestellt und findet in Montenegro auch großes mediales Echo.


Autor: Brigadier Mag. phil. August Reiter, Jahrgang 1963 geb. in Lienz, verheiratet, zwei Kinder. Besuch des BRG und BORG in Lienz. Matura im Jahre 1982 in Lienz. Grundwehrdienst als EF, Waffengattung Jäger beim ehemaligen LWSR 64 in Lienz, LWSR 62 in Absam und LWSR 61 in Hall in Tirol. Von 1983 bis 1986 Berufsoffiziersausbildung an der TherMilAk Waffengattung Jäger in Wr. Neustadt. 1985 bis 1991 AusbO und KpKdt bei der 2. Kp/LWSR 62. Von 1991 bis 1994 Teilnahme am 13. Generalstabskurs an der LVAk in Wien. 1994 Verwendung als G3 und ChdStb des MilKdo Tirol. 1998 Staff Officer for Operations, Exercise and Interoperability bei SHAPE, Mons, Belgien. 2000 Kommandant der Jägerschule Saalfelden. 2001 Militärkommandant von Tirol (m.d.F.b.). 2002 Kommandant des 17. Generalstabskurses an der LVAk. 2006 Leiter des IHMF (Institut für höhere militärische Führung) an der LVAk in Wien. Seit 1. September 2006 Kommandant der Heerestruppenschule.

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