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Aus der Truppe: "... zu dienen"

Tausende Rekruten - Soldaten des Österreichischen Bundesheeres - haben seit dem Bestehen des Bundesheeres bei feierlichen Angelobungen das Treuegelöbnis nachgesprochen.

Für mich stellt sich die Frage, wie wir mit diesem Gelöbnis und seinem Kerninhalt, dem "Dienen", umgehen? Wir, das sind sowohl jene, die geloben, als auch jene, für die wir geloben, die Republik Österreich und das öster­reichische Volk.

Neben dem Gelöbnis wird in der Allgemeinen Dienstvorschrift für das Öster­­reichische Bundesheer (ADV) im §3 "Allgemeine Pflichten des Soldaten" unter anderem das besondere Treueverhältnis, die Verantwortung und die auferlegten Pflichten für unser Land und seine Menschen angeführt. Daher noch­mals die Einforderungsfrage: Was gedenkt die Republik Österreich und das österreichische Volk, vertreten durch die gewählten Politiker, den Soldaten für dieses umfassende "zu dienen" zu geben? Was ist der österreichische Soldat der Republik wert? Dabei geht es nicht nur um die die finanzielle Entlohnung des Soldaten, sondern vor allem um das verantwortungsvolle zur Verfügung stellen der notwendigen Mittel, um den geforderten Aufgaben gerecht werden zu können.

Das sicherheitspolitische Umfeld ist einem permanenten, schwer vor­her­sehbaren Fluss unterworfen. Die Folge davon ist ein ständiger Wandel: Heeresgliederung, Reorganisation, Strukturanpassungen, Reformkonzepte ... Das Bemerkenswerte dabei ist, dass die zur Verfügung stehenden Mittel bei der Truppe mit jeder Reform geringer werden, obwohl es eigentlich in die andere Richtung gehen sollte. Gesprochen wird von einem modernen, schlagkräftigen Instrument der Sicherheitspolitik, das den vielschichtigen Anforderungen einer schwierigen Zeit gerecht werden kann. Manchmal fehlt mir dazu der Glaube, obwohl ich die Botschaft höre. Der Grundsatz der Wirtschaftlichkeit, Zweckmäßigkeit und Sparsamkeit drängt in der Zwischenzeit fast alle anderen Grundsätze, die der Auftragserfüllung dienen, ins Abseits. Einzig der öster­reichische Führungsgrundsatz der "Improvisation" kann sich dabei fast trotzig im Spitzenfeld behaupten. Das ohnehin schon seit Bestehen des Bundesheeres zu klein erhaltene Hemd wird immer abgetragener und kleiner, wobei die Ärmel bereits seit geraumer Zeit zum Stopfen der aufgetretenen Löcher verwendet werden mussten. Bemerkt das denn keiner? Natürlich! Es wird immer wieder auf diesen fast nicht mehr tragbaren Zustand hingewiesen, aber es bleibt leider meist nur bei Lippenbekenntnissen der Verantwortlichen. Die Republik Österreich und das österreichische Volk müssen sparen, und da bleibt halt für ihre "dienenden Soldaten" gerade noch soviel übrig, um den Volksspruch "zum Leben zuviel und zum Sterben zu wenig" anwenden zu können.

Die Republik Österreich hat neben der Wirtschaft, der Kultur, dem Umweltschutz auch noch Sicherheitsinteressen wahrzunehmen und im internationalen Verbund zu vertreten. Dazu hat auch der Soldat im dafür erforderlichen Umfang seinen Beitrag zu leisten. Der seelische Halt im Wissen um das Wofür ist für den Soldaten jedoch nur gegeben, wenn er die erforderlichen Mittel bekommt sowie den erkennbaren und spürbaren Rückhalt bei den Auftraggebern findet. Mittel, die ihm ein hohes Maß an Überlebens- und Durchhaltefähigkeit auf dem immer schwieriger werdenden Einsatzterrain ermöglichen und das Vertrauen in das Verantwortungsgefühl seiner Vorgesetzten vermitteln.

Mir ist bewusst, dass der Aufwand an finanziellen Mitteln für Landesver­teidigung und Sicherheitspolitik - gemessen an der Vielzahl sonstiger Bedürfnisse eines Landes und seiner Menschen - sicherlich nicht populär und auch nicht darauf ausgerichtet ist, zusätzliche Stimmen zu gewinnen. Aber wo es in der Auftragserfüllung in letzter Konsequenz um den Einsatz des Lebens geht, wäre eine geeinte Haltung in diesen speziellen Themenbereichen das stärkende Rückgrat, das ich mir von den Volksvertretern wünschen würde.

Große Herausforderungen werden durch das Österreichische Bundesheer im internationalen Verbund zur Sicherung des Friedens anzunehmen sein. Schon jetzt stehen über 900 öster­reichi­sche Soldaten auf drei Kontinenten in 13 Auslandsmissionen ihren Mann bzw. ihre Frau. Der österreichische Soldat, die Angehörigen der Exekutive sowie Frauen und Männer, die in nationalen und internationalen Organisationen Dienst versehen, genießen international ein hohes Ansehen.

Die Republik Österreich kann berechtigt stolz auf diese Menschen und ihre Leistungen sein. Über das derzeit im Vordergrund stehende "Going International" hinaus darf die so genannte Hei­matfront nicht vergessen werden. Die unzähligen Assistenzeinsätze - denken wir doch nur an die Katastropheneinsätze des vergangenen Jahres, der seit Jahren laufende sicherheitspolizeiliche Assis­tenzeinsatz an der Ostgrenze, aber auch die Erhaltung der Fähigkeit zur klassischen Landesverteidigung erfordern die Anstrengungen aller im Rahmen von Schutz und Hilfe.

Die Ausbildung und die Erhaltung der ständigen Einsatzbereitschaft im Inland bildet die gesicherte Basis für das Engagement österreichischer Soldaten im Namen der Republik Österreich in den Krisenräumen der Welt.

Wir dürfen erwarten, dass die Politik im Sinne ihrer Verantwortung die erforderlichen finanziellen Mittel für eine dem internationalen Standard entsprechende Ausrüstung und Infrastruktur bereitstellt. Der Schutz des Soldaten hat immer im Vordergrund zu stehen, darauf haben wir Soldaten ein Recht. Wir Soldaten, und speziell die Vorgesetzten, haben diese Mittel ständig im Sinne einer glaubhaften und spürbaren Verantwortung und Fürsorge für die uns anvertrauten Wehrpflichtigen und Berufssoldaten einzufordern, um der Repu­blik Österreich und dem österreichischen Volke dienen zu können.

Major Johannes Eisner

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