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Von Tripolis bis Adrianopel. Die Balkankriege 1912 - 1913

Die Balkankriege der Jahre 1912 und 1913 stellten nicht nur die letzte Phase des nahezu völligen Verlustes der Territorien des Osmanischen Reiches auf dem europäischen Kontinent dar, sondern gelten vor allem auch als blutiger Auftakt zum Ersten Weltkrieg. Zusätzlich zeigten sie das tiefe Misstrauen und die oft erbitterten Feindschaften zwischen den wechselnden politischen Eliten der einzelnen Völker des Balkans, die noch in den folgenden hundert Jahren zu blutigen Auseinandersetzungen, Gewaltausbrüchen gegen Wehrlose und ethnischen Säuberungen, d. h. Massenvertreibungen, führen sollten. Allerdings läutete schon der heute fast vergessene Italienisch-Türkische Krieg um Libyen indirekt die Balkankriege ein.

Vorgeschichte

Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts geriet das Osmanische Reich unter verstärkten Druck - einerseits durch die russischen Expansionsbestrebungen, die schon zu Ende des 18. Jahrhunderts im unteren Donauraum und im Kaukasus deutlich zu erkennen waren, andererseits durch immer heftigere Aufstände der christlichen Balkanvölker in immer kürzeren Abständen, die die türkische Herrschaft abzuschütteln versuchten.

Die russischen strategischen Interessen - die dem Leitgedanken des Schutzes für die orthodoxen Christen im Balkanraum und im Nahen Osten während des Krim-Krieges (1853 - 1856) entsprangen - blieben auch nach der schmachvollen Niederlage aufrecht. Sie sollten zwei Jahrzehnte später, während des beginnenden serbischen bzw. bulgarischen Aufstandes im Jahr 1876 eine entscheidende Rolle für das Schicksal der Völker auf dem Balkan spielen. In diesem bis 1878 währenden Konflikt, der durch den Berliner Kongress ein vorläufiges Ende und eine international festgeschriebene Regelung finden sollte, zeichneten sich bereits deutlich eigene "Großreich"-Bestrebungen und rücksichtslose Machtinteressen der neuen, vom Osmanischen Reich voll oder weitgehend unabhängig gewordenen Staaten ab. Sie sollten die Rechte und Interessen schon lange ansässiger Ethnien in ihren zukünftigen Einflusszonen negativ beeinflussen.

Eine neue Ära von zwischenstaatlichen politischen und militärischen Auseinandersetzungen hatte begonnen, wie der Serbisch-Bulgarische Krieg von 1885 und der 1897 begonnene Griechisch-Türkische Krieg, der allerdings nur wenige Wochen dauern sollte, zeigten. Schon 1897/98 war es im Konflikt um Kreta fast zu einem Krieg gekommen, der durch das internationale Eingreifen verhindert werden konnte.

Der vergessene Auftakt: Der Italienisch-Türkische Krieg um Libyen 1911 - 1912

Die letzte Phase der kolonialen Aufteilung Afrikas wurde unter anderem mit dem italienisch-französischen Geheimabkommen über die endgültige Kontrolle Nordafrikas aus dem Jahr 1902 eingeleitet, das Frankreich in Marokko und Italien im türkischen Herrschaftsgebiet in Libyen freie Hand zusicherte.

Zweifellos war in Teilen der italienischen Gesellschaft die koloniale Expansion in Afrika umstritten, vor allem deshalb, weil sich die Besetzung des späteren Eritrea und Italienisch-Somaliland am Roten Meer ab 1891 als wirtschaftlich wenig attraktiv erwies. Zudem hatte sich ein Angriff auf das Äthiopische Kaiserreich durch die Vernichtung einer italienischen Armee 1896 bei Adua (im Norden Äthiopiens, nahe der Grenze zu Eritrea) zum politischen und militärischen Fiasko entwickelt.

Benito Mussolini - damals noch sozialistischer Journalist - lehnte in seinem Wochenblatt "La Lotta di classe" ("Der Klassenkampf") einen kolonialistischen Okkupationsfeldzug - zumindest noch in diesen Jahren - entschieden ab.

Das militärische Desaster im Krieg gegen das Kaiserreich Äthiopien war noch in allzu guter Erinnerung, und das wirtschaftliche Potenzial Italiens lag - neben erheblichen infrastrukturellen Mängeln im Land selbst - weit hinter dem der anderen Imperialmächte zurück, die schon durch mehr als drei Jahrhunderte eine Kolonialpolitik betrieben hatten.

Trotzdem war es für den italienischen Ministerpräsidenten Giovanni Giolotti eine verlockende Option, in einem beabsichtigten schnellen Feldzug das vermeintlich wasserreiche und wirtschaftlich attraktive Gebiet von Tripolitanien und die Cyrenaika zu besetzen, zumal auch fälschlicherweise eine geringe Loyalität der einheimischen Bevölkerung gegenüber der türkischen Herrschaft angenommen wurde. Außerdem nahm man die Stärke der türkischen Truppen in den Garnisonen mit nur 5 000 bis maximal 7 000 Mann an.

Nach einem Ultimatum der italienischen Regierung an das Osmanische Reich, die nordafrikanischen Gebiete abzutreten, wurde ein Kompromissvorschlag Österreich-Ungarns, die Abtretung ohne Kampfhandlungen durchzuführen, von der Türkei zwar angenommen, nichtsdestoweniger erfolgte die Kriegserklärung durch Italien am 29. September 1911.

Während die Landungen der ersten italienischen Truppenkontingente bei Tripolis nach dem Beginn einer Seeblockade der libyschen Küste Ende September erst am 3. Oktober erfolgten, fanden in den folgenden Tagen weitere Landungen im Raum Derna (ca. 250 km westlich der Grenze zu Ägypten), Tobruk (ca. 100 km westlich der Grenze zu Ägypten) und Khoms (Al Khum - östlich von Tripolis) statt. Die knapp 20 000 Mann starken italienischen Truppen waren aber - wie sich in den nächsten Wochen zeigen sollte - nicht in der Lage, die noch einsatzbereiten türkischen Truppen und rund 25 000 Stammeskrieger unter der Führung von kompetenten türkischen Offizieren wie Ismail Enver und Mustafa Kemal (dem späteren Staatsgründer der modernen Türkei, Mustafa Kemal "Atatürk") entscheidend zu schlagen. Im Gegenteil, die irregulären Truppen der Türken führten einen sehr effektiven Kleinkrieg, so dass die italienischen Streitkräfte in Nordafrika letztlich auf fünf Divisionen und mehrere selbstständige Brigaden mit über insgesamt 100 000 Mann verstärkt werden mussten. Der beabsichtigte "Blitz-Feldzug" war langwierig und extrem teuer geworden. Immerhin konnten die wichtigsten Inseln im Dodekanes (Rhodos und seine großteils nordwestlich gelegenen Inseln) praktisch kampflos von angelandeten italienischen Truppen besetzt werden. Die totale italienische Seeherrschaft erlaubte es den italienischen Seestreitkräften, die schwache türkische Flotte an der albanischen Küste, im östlichen Mittelmeer und im Roten Meer an der Westküste der Arabischen Halbinsel anzugreifen und ihr zum Teil empfindliche Verluste beizubringen. Dies hatte aber auf die weitgehend glücklosen Landoperationen in Nordafrika - bis auf die Verhinderung des türkischen Nachschubes über See - keine wesentlichen Auswirkungen.

In diesem Krieg wurde bei den modernen Luftstreitkräften Italiens bereits "Hochtechnologie" eingesetzt. Italienische Luftschiffe und Flugzeuge flogen Aufklärungseinsätze, und am 1. November 1911 griff der Pilot eines Flugzeuges vom Typ "Etrich-Taube", Giulio Gavotti, Stellungen türkischer Verbände mit leichten Bomben an. Damit war der erste Bombenangriff eines motorangetriebenen Flächenflugzeuges erfolgt, dem in diesem Kolonialkrieg, auch vereinzelt in den Balkankriegen und letztlich zahllose weitere im Ersten Weltkrieg folgen sollten.

Am 18. Oktober 1912 wurde der Frieden von Lausanne (am Genfersee, Schweiz; eigentlich in der Ortschaft Ouchy) unterzeichnet. Italien erhielt Libyen zugesprochen, verpflichtete sich jedoch, die besetzten Inseln des Dodekanes an die Türkei zurückzugeben. Letztlich ging die Inselgruppe im Pariser Friedensvertrag 1947 an Griechenland.

Die Kosten des Krieges hatten sich für Italien bis Kriegsende auf 1,3 Milliarden Lire statt der angenommenen rund 100 Millionen Lire erhöht.

Die italienischen Truppen hatten durch die Weiterführung eines Guerillakrieges des Senussi-Stammes bis 1918 schwere Verluste erlitten und konnten nur noch die befestigten Städte und einige Stützpunkte im Küstengebiet halten. Eine Verstärkung der Verbände in Libyen kam ab Mai 1915 nicht mehr in Frage, da Italiens Krieg gegen Österreich-Ungarn an der Südwestfront bzw. an der Albanien- und Mazedonien-Front praktisch alle Kräfte band.

Erster Balkankrieg

Am 13. März 1912 entstand die geheime "Balkanallianz" zwischen Bulgarien und Serbien. Sie sah die Aufteilung des mazedonischen Raumes zwischen den beiden Staaten vor, letztlich aber auch - wie die politisch-strategischen Absichten Montenegros und Griechenlands - eine völlige Vertreibung der Türken vom europäischen Kontinent. Eine weitere geheime Militärallianz zwischen Griechenland und Bulgarien wurde im Mai 1912 unterzeichnet.

Die Balkanstaaten nahmen jedoch - weitgehend zu Unrecht - eine erhebliche Bindung und Schwächung der türkischen Streitkräfte durch den Krieg gegen Italien an, mussten aber mit Überraschung feststellen, dass deren Widerstand stellenweise heftig war und bei Frontalangriffen den Balkanstaaten erhebliche Verluste kostete.

Die Operationen

Der Türkei waren die Absprachen und Kriegsvorbereitungen der Balkanstaaten nicht verborgen geblieben, so dass bereits am 24. September 1912 die Streitkräfte in Europa mobilisiert wurden. Am 19. Oktober 1912, einen Tag nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages von Lausanne, griffen die serbischen und bulgarischen Streitkräfte türkische Verbände in Mazedonien an. Bereits am 8. Oktober hatten schwache montenegrinische Verbände mit dem Einmarsch in das Gebiet Sandschak Novi Pazar sowie den heutigen nordalbanischen Raum begonnen und kesselten daraufhin die Stadt Skutari (die Belagerung mit Verstärkung durch serbische Truppen sollte bis 23. April 1913 andauern) ein. Eine Woche später waren serbische Verbände in das Kosovo eingerückt und trafen vorerst nur auf schwachen Widerstand von türkischen Truppen. Hatte der montenegrinische Angriff noch als isolierte Aktion seitens der türkischen Führung beurteilt werden können, so zeigte das Eingreifen Griechenlands, das seine Streitkräfte in Thrakien und Mazedonien einrücken ließ, jetzt klar, dass die vier Balkanstaaten strategisch auf ein rasches Ende der osmanischen Herrschaft auf der Balkanhalbinsel abzielten.

In der Schlacht von Kumanowo am 23. Oktober 1912 erlitten die türkischen Streitkräfte gegen die serbische Erste Armee eine schwere Niederlage, der weitere folgten, u. a. bei Lüle Burgas in Ostthrakien gegen die bulgarischen Truppen. Dies war mit über einer viertel Million Soldaten die größte Schlacht in Europa seit dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Der schwerste Schlag für die türkischen Streitkräfte war der Verlust Salonikis am 8. November, wohin ein Wettlauf griechischer und bulgarischer Truppen stattgefunden hatte. Vom 16. bis 19. November siegten serbische Truppen im Raum Bitola (Monastir) und zwangen einen großen Teil der türkischen Verbände in Westmazedonien zur Kapitulation. Am 4. Dezember kam es unter dem Druck der Großmächte zur Unterzeichnung eines Waffenstillstandes. Nach einem Putsch der Jungtürkischen Bewegung am 13. Jänner 1913 kamen die bereits im Dezember 1912 begonnenen Friedensgespräche in London zu einem Ende, und die Kämpfe begannen am 3. Februar 1913 erneut.

Die griechischen Streitkräfte stürmten am 3. März 1913 die Festung Ioannina (Janina, im westlichen Griechenland), während bulgarische Truppen mit serbischer Unterstützung am 26. März Adrianopel (heute: Edirne) einnahmen. In diesen beiden Schlachten gerieten rund 90 000 türkische Soldaten in Gefangenschaft. Der Zusammenbruch der türkischen Streitkräfte stand nun unmittelbar bevor, denn bulgarische Verbände hatten sich bereits auf 35 Kilometer der Hauptstadt Konstantinopel (Istanbul) genähert.

Der Londoner Friedensvertrag vom 30. Mai 1913 bestimmte, dass das Osmanische Reich alle Gebiete westlich der Enos-Midia-Linie (Enez-Midye-Linie) verlor und Kreta endgültig an Griechenland abzutreten hatte.

Serbien als wahrer Sieger hatte sein Territorium durch die Besetzung des größten Teils des Sandschak Novi Pazar, des Kosovo und großer Teile Mazedoniens fast verdoppelt.

Letztlich hatte aber die Schaffung eines albanischen Staates unter internationaler Aufsicht Serbiens Bestrebungen verhindert, sich einen Zugang zum Meer zu verschaffen und seine isolierte Binnenlandposition zu durchbrechen. Die Überlegungen von einem serbischen Hafen Saloniki (Thessaloniki) blieben Träume.

Zweiter Balkankrieg

Die Absichten Bulgariens, Mazedonien komplett unter seine Kontrolle zu bringen, führten am 30. Juni 1913 zu einem neuen Krieg zwischen Serbien, Griechenland und Bulgarien, wobei Bulgarien binnen zehn Tagen schwere Niederlagen erlitt. Bereits am 10. Juli erklärte auch Rumänien Bulgarien den Krieg und ließ seine Armeen in der Stärke von rund 250 000 Mann über die ungeschützte Nordgrenze nach Bulgarien einrücken, wobei die rumänischen Truppen innerhalb von knapp zehn Tagen die Außenbezirke von Sofia erreichten. Zwei Tage später erklärte ebenso das Osmanische Reich Bulgarien den Krieg, konnte am 22. Juli Adrianopel erobern und Teile Ostthrakiens besetzen. Allein griechische Truppen konnten jedoch in der Kresna-Schlucht (Struma) geschlagen werden. Diese Operationen zwangen Bulgarien zur Kapitulation. Der Friede von Bukarest am 10. August 1913 bestätigte im Wesentlichen die Ergebnisse des Ersten Balkankrieges.

Bulgarien erhielt Teile Mazedoniens und in Westthrakien einen Zugang zum Mittelmeer, den es bis 1918, respektive bis November 1919 behielt, musste aber die Süddobrudscha an Rumänien abtreten.

Das Osmanische Reich hatte zwar Adrianopel zurückgewonnen, behielt eigentlich nur noch einen Brückenkopf in der Größe von knapp mehr als 20 000 km2 und knapp 1,5 Millionen Einwohnern in Europa.

Die Verluste der beteiligten Streitkräfte waren für die relativ kurze Dauer der beiden Kriege enorm. Alle Heere - am wenigsten das rumänische, das aber viele Opfer durch eine Typhus-Epidemie hinnehmen hatte müssen - waren am Ende des Krieges erschöpft und durch blutige Verluste sowie durch Seuchen und leichtere Krankheiten geschwächt. Die Armeen waren im Frühjahr logistisch praktisch am Ende ihrer Leistungsfähigkeit angelangt, da der Nachschub aus den Heimatbasen immer schwieriger wurde und man in den ärmlichen Gebieten kaum vom eigenen Land leben konnte.

Viele Kriegsgefangene, aber auch zahllose Zivilisten fielen Massakern zum Opfer, die mit unbeschreiblicher Grausamkeit von den jeweils gegnerischen Armeen und Freischaren verübt wurden. Vertreibungen wurden unter Androhung und exemplarischer Ausführung von extremen Brutalitäten erzwungen.

Ausblick: Der Balkan bleibt Kriegsschauplatz im Ersten Weltkrieg

Österreich-Ungarn hatte ab Ende September 1912 wegen der kritischen Lage auf dem Balkan eine Teilmobilisierung durchgeführt, da ein Krieg auf dem Balkan, der auch österreichisch-ungarisches Gebiet betreffen würde, als immer wahrscheinlicher erachtet wurde.

Nach dem Krieg gegen Italien, der von einer schweren Niederlage gegen russische Streitkräfte im Kaukasus am Jahresbeginn 1915 gekennzeichnet war, waren die Streitkräfte des Osmanischen Reiches angeschlagen. Dennoch leisteten sie nach dem Kriegseintritt an der Seite der Mittelmächte Ende Oktober 1914 - für die Alliierten überraschend - erstaunlich heftigen Widerstand in der Schlacht um die Dardanellen zwischen März 1915 und Jänner 1916 und in Mesopotamien ab Jahresbeginn 1916. Ebenso konnten sie sich - auch hier mit deutscher Unterstützung - gegen die Angriffe der britisch-indischen Streitkräfte und auf der Halbinsel Sinai gegen jene der Commonwealth-Truppen bis Ende 1917 behaupten.

Serbien führte ab Ende Juli 1914 seinen dritten Krieg innerhalb von zwei Jahren - diesmal gegen Österreich-Ungarn, gegen dessen Streitkräfte es sich bis Jahresende 1914 behaupten konnte. Erst im Herbst 1915 nach einer Offensive der Mittelmächte mussten sich die serbischen Armeen unter Aufgabe des gesamten Staatsgebietes an die Adriaküste zurückziehen, von der sie erst nach Korfu und dann nach Saloniki transportiert wurden.

Bulgarien trat im Oktober 1915 auf der Seite der Mittelmächte in den Krieg gegen Serbien und schließlich gegen die Westalliierten ein. Bis Mitte September 1918 konnte das bulgarische Heer die "Mazedonien-Front" mit deutscher Unterstützung gegen westalliierte und später auch griechische Truppen halten, bis schließlich eine Großoffensive der Gegner zum Zusammenbruch führte.

Rumänien blieb ein unsicherer Verbündeter der Mittelmächte, bis es im August 1916 die Front wechselte und auf Seite der Entente kämpfte. Auch Griechenland trat - nach dem Bruch seiner Neutralität durch eine alliierte Landung bei Saloniki - ab Ende 1917 auf Seite der Alliierten in den Krieg ein, nahm an der Mazedonien-Front teil und hatte Anteil an dem ab Mitte September 1918 beginnenden Zusammenbruch der Mittelmächte auf der Balkanhalbinsel.

Ein erneuter Griechisch-Türkischer Krieg in den Jahren 1919 bis 1922 (Griechenland hatte sich nur mit relativ kurzen Unterbrechungen nun nahezu zehn Jahre in Kriegen befunden, die zu einer weiteren wirtschaftlichen Katastrophe führten.), der in Westanatolien ausgefochten wurde, endete mit einer schweren Niederlage der griechischen Streitkräfte. Sie führte zu einem "Minderheiten-Austausch", der allein über eine Million Griechen zur Abwanderung aus Kleinasien zwang.

Am Ende des Ersten Balkankrieges im März 1913 wurden auf einer militärmedizinischen Konferenz in Paris die hohen Gefallenenzahlen und entsetzlichen Verwundungen durch moderne Waffen, wie Maschinengewehre, aber vor allem moderne Artillerie, während des Ersten Balkankrieges dokumentiert und das Ausbrechen eines großen europäischen Krieges mit bisher ungeahnten Verlusten als Schreckensvision dargestellt.

Nur knapp eineinhalb Jahre später waren die europäischen Mächte in einen über vier Jahre dauernden Krieg verwickelt, der jedes Vorstellungsvermögen der politischen und militärischen Führungen bei weitem übersteigen sollte.


Autor: Hofrat Dr. Wolfgang Etschmann, Oberleutnant, Jahrgang 1953. Nach der Matura und Einjährig-Freiwilligen-Ausbildung Studium der Zeitgeschichte und Germanistik an der Universität Wien; 1979 Promotion zum Dr. phil; danach als wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien tätig. Von 1981 bis 1982 Kompaniekommandant beim Landwehrstammregiment 21.

Ab 1982 Referent für neuere Militärgeschichte am Heeresgeschichtlichen Museum/Militärwissenschaftliches Institut; 1994 bis 2011 Leiter der Militärgeschichtlichen Forschungsabteilung des Heeresgeschichtlichen Museums. Seit 2011 im Institut für Human- und Sozialwissenschaften/Referat Kriegstheorie an der Landesverteidigungsakademie.

Eigentümer und Herausgeber: Bundesministerium für Landesverteidigung | Roßauer Lände 1, 1090 Wien
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