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Befreiungskriege 1813 - 1814

Der Begriff "Befreiungskriege" steht für die zwischen 1813 und 1814 geführten Kriege gegen die Fremdherrschaft Napoleon Bonapartes in Europa, die schließlich zu dessen Sturz und Exilierung führten. Sie waren mit einem großen patriotischen Aufschwung und einer Welle von frühem Nationalismus verbunden.

Nach der Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1813 trieb Napoleon seine verbliebenen Truppen in Eilmärschen nach Westen in Richtung Rhein. Auch ein Sieg über ein bayerisch-österreichisches Heer unter dem Befehl des bayerischen Generals Carl Philipp Joseph Graf Wrede, das ihm den Rückzug abschneiden sollte, bei Hanau (Großherzogtum Frankfurt) am 30. Oktober brachte keine entscheidende Wende. Als der Kaiser der Franzosen am 2. November bei Mainz den Rhein überschritt, verfügte er nur mehr über knapp 60 000 Mann. Nachdem neben Bayern auch die übrigen Rheinbundstaaten Napoleon unterdessen die Gefolgschaft aufgekündigt und sich den Verbündeten angeschlossen hatten, brach die napoleonische Herrschaft in Deutschland endgültig zusammen. Und die Verbündeten sollten bald an den Grenzen zu Frankreich aufmarschieren.

Die britische Armee unter Feldmarschall Arthur Wellesley, dem späteren 1. Herzog von Wellington, die im Rahmen einer Offensive zunächst die nördlichen Provinzen Spaniens erobert und dann die französische Spanien-Armee vor sich her über die Pyrenäen getrieben hatte, war bereits am 7. Oktober 1813 von Süden her in Frankreich einmarschiert. In Frankreich selbst begann sich daraufhin erstmals öffentlicher Widerspruch gegen die Herrschaft Napoleons zu regen.

Der Kaiser der Franzosen sah sich nun zunehmend in die Enge getrieben. Er war bereit - in der Hoffnung, wenigstens die alte französische Südgrenze halten zu können und einen Zweifrontenkrieg zu vermeiden -, im November Ferdinand VII. als spanischen König anzuerkennen, wenn dieser den französischen Truppen freien Abzug gewährte, die britischen und portugiesischen Truppen des Landes verwies und der Kontinentalsperre beitrat. Die Forderungen stießen bei den Vertretern der spanischen Cortes (Ständeversammlung) jedoch auf breite Ablehnung. Zudem bot Napoleon Papst Pius VII., der den Kaiser der Franzosen exkommuniziert hatte und daraufhin von ihm gefangen genommen und in Fontainebleau festgehalten worden war, die Rückgabe des Kirchenstaates und die Rückkehr nach Rom an.

Bei einem Treffen in Frankfurt Mitte November 1813 ließen die Verbündeten zunächst die Bereitschaft zu einem Friedensschluss erkennen, wenn sich Napoleon mit den natürlichen Grenzen Frankreichs als Verhandlungsbasis einverstanden erklärte. Dieses Angebot trug die Handschrift Klemens Wenzel Lothar Fürst Metternichs, dem daran gelegen war, Frankreich als Großmacht zu erhalten, um eine Übermacht Russlands zu verhindern. Napoleon erklärte sich zwar prinzipiell bereit, Vertreter zu einem Friedenskongress zu entsenden, ging jedoch auf das Angebot der Verbündeten, Rhein, Alpen und Pyrenäen als Grenzen zu akzeptieren, nicht ein. Stattdessen begann er zwischen November 1813 und Jänner 1814, neuerlich ein Heer von ca. 120 000 Mann aufzustellen. Dadurch gewann schließlich die Kriegspartei, der u. a. Zar Alexander, Generalfeldmarschall Gebhard von Blücher und Generalmajor August von Gneisenau angehörten, die Oberhand, und Metternich stimmte der Fortsetzung des Krieges zu. Feldmarschall Karl Philipp von Schwarzenberg entwickelte daraufhin einen Operationsplan, der den Einmarsch der Hauptarmee in Frankreich über die Schweiz und ein Vorrücken der süddeutschen Truppen auf Metz vorsah. Der preußische Generalleutnant Karl Friedrich von dem Knesebeck plädierte dafür, dass die Schlesische Armee Blüchers sich in der Nähe der Hauptarmee aufhalten und die Deckung Deutschlands übernehmen, während die Nordarmee zur Eroberung Hollands schreiten sollte. Allerdings kam es - wie schon im Vorfeld von Leipzig - zu Kompetenzstreitigkeiten und zu Uneinigkeit unter den Verbündeten über die politischen Ziele nach dem Sturz Napoleons.

Bereits kurz nach der Kriegserklärung im August 1813 waren kaiserliche Truppen unter Generalmajor Franz Tomassich in die Illyrischen Provinzen einmarschiert, ohne auf großen Widerstand zu stoßen. Am 20. September zogen die Österreicher in Ragusa (Dub­rovnik) ein. Die Festung Zara (Zadar) kapitulierte am 6. Dezember 1813. Das von den Montenegrinern zäh verteidigte Cattaro (Kotor) konnte hingegen erst im Juni 1814 von Generalmajor Theodor Milutinovich von Milovsky und Weichselburg erobert werden.

In der zweiten Septemberhälfte 1813 hatten die Truppen von Feldzeugmeister Johann Karl Freiherr von Hiller die Armee Eugène Beauharnais’, des Napoleon noch treu ergebenen Vizekönigs von Italien, aus Kärnten und der Krain vertrieben. Sie waren durch das Puster- und Etschtal bis zur Landesgrenze vorgerückt und hatten Verona und Legnago belagert.

Anfang November eroberte Generalmajor Laval Graf Nugent das Kastell von Triest, überschritt den Po und drang nach Mittelitalien vor. Venedig wurde von der See- und der Landseite her eingeschlossen. Die durch die englische Flotte durchgeführte Seeblockade sollte sich bis April 1815 hinziehen.

Damit befanden sich bis Mitte 1814 Innerösterreich, Dalmatien und der größte Teil Venetiens wieder unter österreichischer Herrschaft.

Ende 1813 befreite sich auch Holland von den Franzosen. Am 2. Dezember 1813 erklärte das Land nach dem Einmarsch verbündeter Truppen (Korps Bülow, Wintzingerode) und dem geringen Widerstand der dort stehenden französischen Kräfte seine Unabhängigkeit von der französischen Fremdherrschaft. Die provisorische Regierung bot Wilhelm Friedrich Prinz von Oranien-Nassau, dem Sohn des letzten Statthalters Wilhelm V., den Titel eines souveränen Fürsten an. 1814 wurde Holland eine konstitutionelle Monarchie. Um wenigstens die südlichen Niederlande zu behaupten, befahl Napoleon Truppen, die eigentlich in Frankreich benötigt wurden, im verschanzten Lager in Antwerpen Position zu beziehen.

Anfang 1814 schloss Dänemark, das 1807 nach der Beschießung Kopenhagens durch die Briten ein Bündnis mit Frankreich eingegangen war, mit Schweden und Großbritannien den Frieden von Kiel und musste sich ebenfalls der antifranzösischen Koalition anschließen. Bernadotte fiel daraufhin in norddeutsches Gebiet ein und vertrieb die französischen Truppen.

Das Königreich Neapel, seit 1808 unter Napoleons Schwager Joachim Murat, verließ nach geheimen Verhandlungen mit den Verbündeten die Koalition mit Napoleon und schloss am 11. Jänner 1814 einen formellen Bündnisvertrag mit Österreich. Als Gegenleistung für die Bereitstellung von 30 000 Soldaten erhielt Murat eine Garantieerklärung für den neapolitanischen Thron.

Der Feldzug 1814

Bereits am 21. Dezember 1813 überschritt Schwarzenberg mit 200 000 Mann der Böhmischen Armee (als linkem Flügel der Verbündeten) und fast 700 Geschützen den Rhein zwischen Basel und Schaffhausen und sicherte die nach Frankreich und Italien führenden Gebirgsübergänge. Basel kapitulierte daraufhin kampflos, die französischen Grenztruppen zogen sich ohne Gewaltanwendung zurück. Damit war auch in der Schweizerischen Eidgenossenschaft das Ende der napoleonischen Herrschaft angebrochen. Aufgrund einer gegenrevolutionären Strömung kam es jedoch zu einem Innerschweizer Konflikt, der zu einem regelrechten Bürgerkrieg auszuarten drohte. Erst die Androhung einer militärischen Intervention durch die Verbündeten führte zu einer Beilegung der Streitigkeiten und ebnete den Weg zu einem neuerlichen Staatenbund im Rahmen des so genannten Bundesvertrages.

In der Neujahrsnacht überschritten das Zentrum der Schlesischen Armee unter Generalfeldmarschall Blücher mit den Korps Yorck und Langeron bei Kaub nördlich von Mainz und die russischen Korps Sacken und Saint-Priest bei Mannheim bzw. Koblenz den Rhein nach Frankreich und begannen mit dem Vormarsch durch Lothringen. Gemäß dem Operationsplan sollten die Schlesische und die Böhmische Armee auf gleicher Höhe gegen Paris vorrücken, jedoch kam die mit Teilen des 2. Korps verstärkte 1. leichte Division der Böhmischen Armee unter Feldzeugmeister Ferdinand Graf von Bubna und Littitz, die Richtung Genf und Lyon detachiert wurde, auf ihrem Vormarsch durch die zugeschneiten Täler und über die vereisten Höhen der Alpen nur langsam voran.

Maréchal Auguste Frédéric de Marmont, der mit dem Kommando über alle französischen Truppen am Rhein betraut worden war, zog sich, als er vom Vorrücken der Verbündeten erfuhr, zunächst nach Metz zurück, musste die Festung aber preisgeben, als die Schlesische Armee näher rückte. Er ging daraufhin zum Fluss Maas zurück, um hier eine weitere Verteidigungslinie aufzubauen. Als auch dies misslang, begab er sich nach Vitry-le-François, wo ihn Napoleon bereits erwartete, der am 26. Jänner persönlich den Oberbefehl übernahm. Der Kaiser der Franzosen versuchte nun, erneut den Vorteil der inneren Linie ausnützend, die Armeen der Verbündeten wieder getrennt zu bekämpfen. Nachdem er sich vom Senat die Aushebung von 300 000 weiteren Rekruten hatte bewilligen lassen, verwickelte er die Schlesische Armee bei Saint-Dizier und Brienne-le-Château in heftige Kämpfe, bei denen Blücher und sein Stabschef Gneisenau nur knapp der Gefangenschaft entgingen. Aber auch Napoleon wäre beinahe von russischen Kosaken gefangen genommen worden.

Nachdem Blücher Verstärkung von Teilen der Böhmischen Armee, die aus Richtung Lyon gekommen waren, erhalten hatte, gelang es ihm, am 1. Februar die französischen Truppen bei La Rothière zu schlagen. Aufgrund der schlechten Versorgungslage, schwieriger Straßenverhältnisse, bedingt durch die winterliche Witterung, und der schlechten Aufklärungsarbeit beschlossen die Verbündeten, zunächst weiterhin auf getrennten Wegen nach Paris vorzurücken. Damit ging Napoleons Taktik doch noch auf, und er konnte im Rahmen mehrerer schneller Vorstöße innerhalb weniger Tage die einzeln marschierenden Korps der Schlesischen Armee Blüchers bei Champaubert, Montmirail und Vau­champs bzw. jene der Böhmischen Armee bei Mormant (Peter Graf von Pahlen) und Montereau getrennt besiegen. Nach der Schlacht von Montereau am 18. Februar wichen die österreichisch-württembergischen Truppen gegen Troyes zurück und Schwarzenberg beorderte die Schlesische Armee unter Blücher ebendorthin.

Zur gleichen Zeit gingen in Schwarzenbergs Hauptquartier Nachrichten vom Rückzug der nach Lyon vorgerückten 1. leichten Division aus der Stadt ein, nachdem der französische Maréchal Charles Pierre Augereau ebendort eine Armee von 38 000 Mann zusammengezogen hatte und zum Vormarsch übergegangen war. Chambéry befand sich bereits wieder in französischer Hand, Genf war akut bedroht. Da dies die Versorgungs- und Rückzugslinien der Böhmischen Armee gefährdete, schickte Schwarzenberg das Korps Bianchi mit rund 30 000 Mann an die Rhône. Dies trug jedoch wiederum zur maßgeblichen Schwächung der Böhmischen Armee bei. Da man befürchtete, dass Napoleon nun versuchen würde, nach Süden durchzubrechen und die Truppen der Verbündeten von dort aus zu umfassen, ordnete Schwarzenberg den Rückzug bis hinter die Aube an. Bei Bar-sur-Aube (27. Februar) stießen die Konfliktparteien aufeinander. Den russisch-österreichisch-bayerischen Truppen gelang es aber, die Franzosen bis über die Seine zurückzudrängen. Bei Laon erlitt die französische Armee am 9. und 10. März eine Niederlage gegen die Schlesische Armee und musste schwere Verluste hinnehmen. Daraufhin zog sie sich in der Nacht zum 11. März 1814 nach Soissons an der Aisne zurück. Vorrangiges Ziel Napoleons war es nun, einzelne Teile der Böhmischen Armee getrennt anzugreifen und zu schlagen, so wie er dies im Februar vor allem mit der Schlesischen Armee mit Erfolg getan hatte.

Bereits am 5. Februar war man auf dem Kongress von Châtillon-sur-Seine zu Friedensverhandlungen zusammengetreten. Da die Forderung, Frankreich solle sich mit den Grenzen von 1792 begnügen, von Napoleon vehement zurückgewiesen wurde, schlossen die Verbündeten am 1. März die Quadrupelallianz von Chaumont mit dem Ziel der Wiederherstellung eines Gleichgewichtes der Mächte und der endgültigen Entmachtung Napoleons. Nachdem der Kongress schließlich am 19. März ergebnislos abgebrochen worden war, kam es zur Fortführung der Kämpfe. Schon am 20. März erlitten die Franzosen, ca. 28 000 Mann, in der Schlacht von Arcis-sur-Aube gegen die beinahe dreifach überlegene österreichisch-württembergisch-bayerische Armee (rund 80 000 Mann) unter Feldmarschall Schwarzenberg eine letztlich entscheidende Niederlage. Der Kaiser der Franzosen versuchte zwar noch einmal, die Initiative an sich zu reißen und die feindlichen Nachschublinien abzuschneiden, doch zu diesem Zeitpunkt war seine Lage bereits aussichtslos. Er war in einen Mehrfrontenkrieg gegen preußische, russische, österreichische und englische Truppen verwickelt.

Weiter im Süden siegten die nun als Südarmee vereinigten Truppen der Verbündeten unter Friedrich VI. Prinz von Hessen-Homburg, der mit seinen Truppen von Dijon vorgerückt war, und Feldmarschallleutnant Vinzenz Freiherrn von Bianchi am 20. März über die französischen Truppen unter Maréchal Augereau bei Saint-George-Limonest an der Saône und eroberten am folgenden Tag Lyon zurück.

Damit war der Weg nach Paris frei. Den Verbündeten gelang es, mehrere Kuriere mit Nachrichten von und an Napoleon abzufangen, darunter auch einen persönlichen Brief Napoleons an seine Gemahlin Marie-Louise, in dem er ihr von seinen Absichten berichtete, an die Marne vorzurücken in der Hoffnung, dass ihm die Böhmische Armee folgen und nicht nach Paris marschieren würde. Als Zar Alexander davon erfuhr, fasste er nach Beratungen mit seinen Marschällen den Beschluss, Paris als Hauptziel der Verbündeten ins Auge zu fassen, da es ohne Deckung sei. König Wilhelm von Preußen und Fürst Schwarzenberg stimmten diesem Beschluss zu, woraufhin der Befehl an die Schlesische und Böhmische Armee erging, nach Westen vorzurücken und sich vor Paris zu vereinen.

Um Napoleon zu täuschen, befahl Schwarzenberg der Kavallerie und der berittenen Artillerie des russischen Korps Wintzingerode, die Verfolgung Napoleons aufzunehmen und die Deckung der Koalitionsarmeen nach Osten hin zu gewährleisten. In der festen Überzeugung, dass die ihm folgende Kavallerie jene der Vorhut der Böhmischen Armee sei, ließ Napoleon seine Truppen bis in die Gegend von Wassy, südlich von Saint-Dizier, vorrücken. Bei Saint-Dizier verwickelte er die Truppen Wintzingerodes am 26. März in ein Gefecht, bei dem die russischen Truppen schwere Verluste erlitten.

Unterdessen marschierten die Verbündeten am 25. März auf Paris zu. Am Morgen desselben Tages stießen sie auf das Korps Marmont und die Junge Garde unter Édouard Adolphe Mortier Herzog von Treviso, die Richtung Südosten vorrückten, um sich mit Napoleon bei Saint-Dizier zu vereinigen. Bei Fère-Champenoise erlitten die Franzosen eine schwere Niederlage und wurden in der Folge nach Westen abgedrängt.

In der Nacht vom 26. auf den 27. März nahmen Einheiten der Schlesischen Armee bei La Ferté-sous-Jouarre an der Marne 2 000 französische Soldaten gefangen. Der Versuch von etwa 10 000 Soldaten der französischen Armee, am darauffolgenden Tag den Vormarsch der Schlesischen Armee zwischen La Ferté-sous-Jouarre und Meaux zu stoppen, wurde von preußischen Truppen vereitelt. Bei Claye-Souilly wurden zwei französische Brigaden unter General Jean Dominique Compans am 28. März von preußischen Truppen unter Yorck angegriffen und zurückgedrängt.

Bereits am 28. März 1814 trafen die ersten Korps der Schlesischen Armee vor den Toren von Paris ein. Die Böhmische Armee folgte erst einen Tag später, das Gros der Schlesischen Armee gar erst gegen Mittag des 30. März. Insgesamt standen nun 170 000 Mann vor den Toren von Paris. Die geringfügige zeitliche Verzögerung hatten Marmont und Mortier genützt, um mit ihren Truppen Paris vor den Verbündeten zu erreichen und die Verteidigung der Stadt gemeinsam mit Napoleons Bruder Joseph Bonaparte in die Wege zu leiten. Dieser hatte den Befehl über eine Reservearmee, die sowohl zur Verteidigung als auch zur Aufrechterhaltung der Ordnung im Inneren dienen sollte. Insgesamt standen also rund 42 000 Mann zur Verteidigung zur Verfügung. Das Korps Marmont stand südlich des Canal de l’Ourcq, Mortier nördlich davon. Im Norden, westlich des Montmartre, nahm die Nationalgarde mit etwa 30 000 Mann Aufstellung.

Am 29. März verließ die Gemahlin Napoleons, Erzherzogin Marie-Louise, mit dem Thronfolger, in Begleitung von 1 500 Gardisten, die französische Hauptstadt.

Am frühen Morgen des 30. März begann bereits der Angriff der Verbündeten. Das russische Korps Rajewski und die russische Garde unter Barclay de Tolly rückten als Erste vor und drängten die Junge Garde bis Romainville zurück. Ein Gegenangriff der Franzosen brachte den Vorstoß der Russen aber vorerst zum Stehen.

Schon bald standen die ersten Einheiten auch am Fuße des Montmartre-Hügels, wo sich das Hauptquartier von Joseph Bonaparte befand. Blücher ließ die Höhen des Montmartre erstürmen und dort 80 Geschütze zur Beschießung von Paris aufstellen. Joseph Bonaparte ergriff daraufhin die Flucht.

Kapitulation und Abdankung

Napoleon, der das Täuschungsmanöver unterdessen durchschaut hatte, trieb seine Truppen in Eilmärschen in Richtung Paris. Er war jedoch noch zu weit entfernt und konnte daher nicht verhindern, dass Mortier Schwarzenberg gegen 1530 Uhr durch einen Boten ein auf 24 Stunden befristetes Waffenstillstandsangebot unterbreitete. Schwarzenberg akzeptierte dieses aber nicht und forderte stattdessen die Kapitulation der französischen Truppen. Bei Saint-Denis trafen sich Marmont und Mortier daraufhin mit Vertretern der Verbündeten und einigten sich zunächst auf einen Waffenstillstand ab 1700 Uhr. Nach weiteren Verhandlungen vereinbarte man schließlich für den Morgen des 31. März die Kapitulation der französischen Truppen.

Napoleon marschierte unterdessen nicht direkt nach Paris, sondern nahm den Umweg über Troyes nach Fontainebleau, das er am 30. März erreichte. In Begleitung von zwei Schwadronen Gardekavallerie machte er sich dann in einer Kutsche auf den Weg nach Paris. Noch ehe er die Stadt erreicht hatte, ereilte ihn die Botschaft vom Waffenstillstand und der bevorstehenden Kapitulation. Daraufhin kehrte er nach Fontainebleau zurück.

Am Vormittag des 31. März hielten der Zar von Russland und der König von Preußen ihren feierlichen Einzug in Paris ab. Außenminister Talleyrand übergab ihnen die Schlüssel der Stadt. Als bekannt wurde, dass Napoleon seine ihm verbliebenen Truppen südlich von Paris sammelte, wurden die Truppen der Verbündeten südlich der Seine aufgestellt. Da Blücher während der Kämpfe erkrankt war, ersetzte ihn Barclay de Tolly als Oberbefehlshaber der Schlesischen Armee.

Am 4. April 1814 berief Napoleon seine Marschälle zu sich, um sie auf einen weiteren Angriff auf Paris einzuschwören. Doch diese weigerten sich, weiterhin Befehle von ihm entgegenzunehmen. Auch in der Armee war kein Rückhalt mehr gegeben, da der Senat Soldaten und Offiziere formell von ihrem Treueeid entbunden hatte. Napoleon bekundete daraufhin seine Bereitschaft, zugunsten seines im Jahre 1811 geborenen Sohnes abdanken zu wollen, doch Zar Alexander lehnte dies ab und forderte Napoleons bedingungslose Kapitulation. Am 6. April akzeptierte dieser schließlich die Forderung des Zaren und unterzeichnete, nach einem gescheiterten Selbstmordversuch, am 11. April 1814 in Fontainebleau den Vertrag. Darin verzichtete Napoleon für sich und seine Erben auf den französischen und italienischen Thron. Dafür gestanden ihm die Verbündeten als Aufenthaltsort die Insel Elba - als souveränes Fürstentum - sowie einen Unterhalt von jährlich zwei Millionen Francs zu. Am 4. Mai landete er auf der Insel und begann dort unverzüglich Reformen einzuleiten.

Auf Vorschlag Talleyrands wurde der Bruder des hingerichteten Königs Ludwig XVI. aus dem Haus Bourbon als Ludwig XVIII. auf den französischen Königsthron berufen.

Am 30. Mai 1814 erfolgte die Unterzeichnung des 1. Friedens von Paris, in dem Frankreich auf seine Grenzen von 1792 reduziert wurde. Metternich war die treibende Kraft hinter diesen Friedensbedingungen gewesen und hatte erreicht, dass Frankreich damit als Macht von europäischem Rang erhalten blieb.

Literatur

Bauer, Frank: La Rothière 1. Februar 1814 (= Kleine Reihe der Befreiungskriege 1813 - 1815, H. 20. Potsdam 2007).

Bleyer, Alexandra: Auf gegen Napoleon! Mythos Volkskriege. Darmstadt 2013, S. 138 - 147.

Koch, Hansjoachim Wolfgang: Die Befreiungskriege 1807/1815. Napoleon gegen Deutschland und Europa. Starhemberger See 1987.

Otto, Hans-Dieter: Für Einigkeit und Recht und Freiheit. Die deutschen Befreiungskriege gegen Napoleon 1806 - 1815. Ostfildern 2013, S. 145 - 154.

Pfaffenbichler, Matthias: Die Befreiungskriege bis zur ersten Abdankung Napoleons, in: Napoleon - Feldherr, Kaiser und Genie, Ausstellungskatalog zur Niederösterreichischen Landesausstellung auf der Schallaburg. Wien 2009, S. 209 - 213.


Autorin: OR Mag. Dr. Claudia Reichl-Ham, MAS, Jahrgang 1968. Studium der Geschich- te und Übersetzerausbildung sowie Doktoratsstudium an der Universität Wien, Ausbildungslehrgang des Instituts für österreichische Geschichtsforschung; seit 1996 am Heeresgeschichtlichen Museum, Leiterin des Hauptreferates Publikationswesen/Bibliothek, seit 2008 stv. Abteilungsleiterin der Forschungsabteilung; Mitglied des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Generalsekretärin der österreichischen Militärhistorikerkommission (CAHM), Mitglied des Comité de Bibliographie der Internationalen Militärhistorikerkommission (CIHM). Forschungsschwerpunkte: Geschichte der Neuzeit (Militär-, Marine-, Wirtschafts- und politische Geschichte Österreichs, Osmanen, Militärgrenze).

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