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Beitritt Österreichs zu MCCE und ATARES

Das Streitkräfteziel Luftunterstützung ist in der Planungsleitlinie des Österreichischen Bundesheeres (ÖBH) festgelegt. Die wesentliche Zielsetzung ist die Erfüllung der Luftunterstützung der eingemeldeten österreichischen Truppenteile. Das bedingt die Fähigkeit zur unmittelbaren Verlegung von Vor- und Erkundungskommanden, zur Unterstützung des raschen Aufmarsches und der Anschlussversorgung in den Einsatzraum sowie von Einsätzen wie z. B. zur Geiselbefreiung, zum Transport von Reserven und zur Evakuierung.

Zur Sicherstellung der über die nationalen militärischen Fähigkeiten hinausgehenden Anforderungen waren die Nutzung ziviler Kapazitäten sowie die Teilnahme an strategischen Transportinitiativen wie z. B. die Strategic Airlift Interim Solution (SALIS), und internationale Kooperationen, wie der Beitritt zum Movement Coordination Centre Europe (MCCE) zu prüfen bzw. vorzusehen. Diese Beurteilung und die Schaffung der Voraussetzung zum Beitritt wurden in der Quartiermeisterabteilung des Bundesministeriums für Landesverteidigung und Sport (BMLVS/Qu) durchgeführt. Seit 1. Jänner 2010 ist das Österreichische Bundesheer nunmehr Mitglied des MCCE.

Movement Coordination Centre Europe

Das MCCE wurde am 1. Juli 2007 aus dem Sealift Coordination Centre (SCC) und dem European Airlift Centre (EAC) gebildet.

Das MCCE ist auf der Luftwaffenbasis Eindhoven als permanente Operationszentrale eingerichtet. Die generellen Aufgaben sind:

  • Die unilaterale, multilaterale und multinationale Koordinierung und Unterstützung von Missionen einschließlich Crisis Management Operations und Disaster Relief Operations.
  • Die Identifizierung und Erstellung von Vorschlägen für einen optimierten Einsatz von Mitteln.
  • Das Erarbeiten von Synergien und Überwachen des Erfolges.
  • Das Vorbereiten zur Unterstützung von EU (EUMS), NATO (AMCC) und Koalitionen sofern Mitglieder teilnehmen.
  • Die Wahrnehmung der Koordinierung mit Dritten, wenn dies von einem Mitglied vorgeschlagen wird.
  • Die Bereitstellung einer Datenbank über die Leistungsfähigkeit von Flug- und Seehäfen sowie relevanten Daten über Schiffe/Flugzeuge/Kraftfahrzeuge.
  • Die Bereitstellung von Experten bzw. Expertisen in allen Teilbereichen.
  • Die Unterstützung von Dritten nur mit Zustimmung der Mitglieder.
  • Die Luftraumbewirtschaftung.

Auf der Basis der gesammelten Daten gibt das MCCE eine Hilfestellung, wie Transportkapazitäten effektiv und unter Beachtung legistischer Vorbehalte (z. B. Transitvereinbarungen) oder nationaler Einschränkungen, für alle Bedarfsträger bereitgestellt werden können. MCCE hat keine Befehlsgewalt oder Autorität zum Abschluss eines Kontraktes, diese bleiben in nationaler Kompetenz.

Wesentlichen Aktivitäten von MCCE

Die Aufzählung der folgenden Aktivitäten zeigt sehr deutlich den Umfang der Tätigkeiten von MCCE.
  • Koordinierung von Eisenbahntransporten von Europa nach Afghanistan durch Russland. (Zunehmende Bedeutung durch den bevorstehenden Rücktransport von rund 125 000 Containern und 70 000 Fahrzeugen).
  • Organisation von Sammeltransporten zu KFOR und EUFOR.
  • Bereitstellung von gesichertem Schiffstransport durch die Länder DEU, NOR, DNK, GBR und ITA mit einer Gesamtkapazität von 44 800 Linemetern (lm) auf Roll-On-Roll-Off Schiffen.
  • Österreich beteiligte sich nicht bei der Abwicklung von rund 250 Luftbetankungen bei Übungen und Versorgung von Transporten in den afrikanischen und asiatischen Raum.
  • Koordinierung von rund 300 Lufttransporten zwischen den Mitgliedsländern.
  • Zunehmende Zusammenarbeit durch drastisch steigende Transportkosten und steigenden Bedarf an militärischer Lufttransportkapazität.

Im Zuge der Mitgliedschaft bei MCCE hat sich gezeigt, dass durch den Beitritt zu Air Transport & Air Refuelling and Exchange of Other Services (ATARES), die Vorteile bei der Zusammenarbeit mit dem MCCE signifikant höher sind, da die Kooperationen häufiger in Anspruch genommen werden können. Aus diesem Erfahrungsgewinn wurde die Mitgliedschaft zu ATARES angestrebt und mit 13. März 2012 vollzogen.

Air Transport & Air Refuelling and Exchange of Other Services - ATARES

Die Verrechnungsbasis sind die Equivalent Flying Hours C130 (EFH) auf Basis einer C130-Flugstunde. Dies ermöglicht einen Leistungsaustausch ohne Geldfluss zwischen den Mitglieds­ländern. Viele dieser Länder haben dasselbe Problem wie Österreich. "Verdientes Geld" muss an das jeweilige Finanzministerium abgeliefert werden und ist daher für die eigenen Streitkräfte nicht verfügbar. Die derzeitigen Mitgliedschaften (Stand 1. März 2012) sind aus der Grafik (20 ATARES und 26 MCCE Länderflaggen) ersichtlich.

Der Gegenverrechnungswert einer Flugstunde zu den Flugstunden der anderen Flugzeugtypen wird jährlich festgesetzt bzw. aktualisiert. Die Transportkapazitäten der anderen Luftfahrzeugtypen werden danach bewertet und abgerechnet. In diesem System befinden sich derzeit 33 verschiedene Flugzeugtypen mit 425 Luftfahrzeugen.

Wesentliche Vorteile

Die wesentlichen Vorteile der Mitgliedschaft in ATARES aus österreichischer Sicht sind:

Im internationalen Umfeld

  • Die Reduzierung von Transportkosten durch eine enge Zusammenarbeit;
  • die Nutzung einer effektiven Agentur ohne eigene Strukturen aufzubauen;
  • die Sicherstellung eines effizienteren Austausches von Informationen zur gemeinsamen Nutzung von militärischen und zivilen Ressourcen;
  • die Verhinderung eines internen militärischen Wettbewerbs bei gleichzeitigem Transportbedarf;
  • die Bereitstellung umfangreicher und ständig aktuell gehaltener Datenbanken für die Planung und Durchführung von Missionen sowie
  • die Bereitstellung von Planungskapazitäten.

Im nationalen Umfeld

Ein Mehrwert für den nationalen Bereich und die Luftstreitkräfte liegt im Erfahrungsgewinn in den Bereichen:

  • Auftragsflüge C130, die im Rahmen der Mindestflugstunden pro Jahr zur Erreichung der Feldverwendungsfähigkeit der Piloten und Copiloten notwendig sind, können anteilsmäßig effektiv genutzt werden;
  • Zusammenarbeit mit potenziellen Partnernationen;
  • ständiges Training für das Lufttransportfachpersonal;
  • Erhalt bzw. Steigerung der Flexibilität des Lufttransportsystems C 130 durch die Zusammenarbeit mit anderen Nationen bei der Abwicklung der Transporte;
  • unbürokratische Nutzung der Vorteile des MCCE Beitritts mit ATARES, weil keine zusätzlichen Abkommen bei künftiger Zusammenarbeit mit anderen Streitkräften in diesem System mehr notwendig sind;
  • kein administrativer Aufwand durch Rechnungslegungen sowie
  • Administration durch MCCE und daher keine zusätzlichen Kosten.

Jedes ATARES-Mitglied kann Flugstunden in das System einbringen und Flugstunden aus dem System heraus abrufen. Diese Flugstunden sind mit einer Obergrenze von 500 EFH in einem Abrechnungszeitraum von 60 Monaten in der Balance zu halten. Eine effektive Nutzung des Systems kann nur durch die Übernahme einer aktiven Rolle in diesem Interessensverbund liegen. In einer ersten Beobachtungsphase bis Ende 2013 waren bis zu 200 EFH pro Jahr für eine Beteiligung vorgesehen. Der Beitritt zu ATARES ist mit keinen zusätzlichen Kosten verbunden, da die Verrechnung mit der Mitgliedschaft in MCCE bereits bezahlt ist. Das System kann sowohl bei der Inanspruchnahme von gesamten Luftfahrzeugen als auch von Teilladungen von Cargo und Personen zur Anwendung kommen.

Die Zusammenarbeit mit ATARES kann einerseits in der Weise erfolgen, dass das ÖBH als Bereitsteller einem oder mehreren Mitgliedern Lufttransportkapazität zur Verfügung stellt. Nach einer Beurteilung und Festlegung werden durch den SKFüKdo/J4 die freien Transportkapazitäten Online in das System MCCE/ATARES eingemeldet. Bei einer positiven Zusammenarbeit liegt die Verantwortung für die Koordination sowie die konkrete Durchführung beim SKFüKdo/TlStbLu. Andererseits kann das ÖBH über ATARES Lufttransportkapazitäten in Anspruch nehmen. Nach der Festlegung eines über ATARES abzurufenden Transportbedarfes im Rahmen der Lufttransportkoordinierung wird der Transportbedarf als Anforderung an das System MCCE/ATARES bekanntgegeben. Bei einer positiven Zusammenarbeit liegt die Verantwortung für die Koordination sowie die konkrete Durchführung ebenfalls beim SKFüKdo/TlStbLu.

Grundsätze

Die Zusammenarbeit mit ATARES wird von den folgenden Grundsätzen geleitet:

  • Die Beistellung des Personals zur Durchführung von ATARES-Flügen erfolgt auf Basis einer Entscheidung nach KSE-BVG § 1 Z 1 oder nach KSE-BVG Z 2.
  • Durch den Ministerrat wurden für das Jahr 2013 20 Flüge genehmigt.
  • Bei der Durchführung von Flügen haben die nationalen Einsatz- und Einsatzvorbereitungen Priorität, die Nutzung von ATARES wird unter dieser Berücksichtigung in der Koordinierungsbesprechung Lufttransport festgelegt.
  • Die Steuerung und Genehmigung zur Durchführung obliegt dem BMLVS und wird meist in der vierteljährlichen Lufttransportkoordinierung festgelegt.
  • Die Flüge für ATARES werden vorerst innerhalb Europas und den angrenzenden sicheren Staaten angeboten.
  • Die Planung und Durchführung von ATARES-Flügen wird innerhalb der verfügten Richtlinien dem SKFüKdo zugeordnet.
  • In der Anfangsphase wird nur Gefahrgut, das für den Lufttransport zugelassen ist, transportiert.
  • ATARES-Operationen richten sich nach dem ratifizierten NATO PfP SOFA, dies schließt auch die gegenseitigen Haftungen ein.
  • Für eine mögliche Versicherung ist der Anforderer verantwortlich.

Informationsaustausch

Der Informationsaustausch findet mit der NATO-Software "Logistic Functional Area Services” (LOGFAS) statt. Diese wurde von der NATO Consultation, Command and Control Agency (NC3A) und der NATO CIS Services Agency (NCSA) als Logistik-, Führungs- und Fachinformationssystem entwickelt. Dieses System wurde auch in der Partnerschaft für den Frieden (PfF) und der Gemeinsamen Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP) und den sich daraus ergebenden Bestrebungen zur Interoperabilität der EU und dessen Mitgliedsstaaten zur offiziellen Verwendung übergeben. Diese Software wurde im Österreichischen Bundesheer seit dem Jahr 2010 auch zur nationalen Nutzung im Regelbetrieb eingeführt. Die an die PfF-Nationen freigegebene LOGFAS-Version besteht unter anderem aus folgenden Software-Tools:

Allied Deployment and Movement System (ADAMS)

ADAMS ist ein Software-Tool zur Planung von strategischen Aufmärschen von Truppen und deren Material.

Eine erste sehr erfolgreiche Anwendung erfolgte während der Mission EUFOR Tchad/RCA. Vorlage des Aufmarschplanes (NDDP) mittels ADAMS in von NATO- und/oder EU-geführter Operationen im Bereich Land-/Luft-/Seetransport.

Logistics Reporting (LOGREP)

LOGREP ist ein Software-Tool zur Bestandserfassung und Unterstützung des Datenaustausches von einsatzwichtigem Gerät und Personal sowie zur Unterstützung des logistischen Meldewesens.

Effective Visible Execution (EVE)

EVE ist ein Software-Tool zur Lagedarstellung des Aufmarsches und der Verlegung von Truppen und deren Material sowie sonstiger Marschbewegungen. Dieses Software-Tool wird im ÖBH bereits erfolgreich verwendet. Es dient zur Erstellung eines aktuellen Lagebildes für den gesamten grenzüberschreitenden Militärverkehr in Echtzeit durch Vernetzung aller relevanten Daten und erstreckt sich von der Planung von Transporten, der Verfügbarkeit von Transportmitteln, der Bearbeitung von Überfluggenehmigungen, der Vorbereitung bei Lufttransportumschlag, der Bereitstellung der transportrelevanten Daten von Cargo durch die Heereslogistikzentren, weiters über die Transportübersicht Passagier und Cargo, zur Transportverfolgung bis hin zum Abschluss des grenzüberschreitenden Transportes.

EVE ermöglicht eine Zusammenarbeit in Echtzeit zwischen allen einbezogenen Dienststellen und führte zu einer wesentlichen Vereinfachung und Beschleunigung der Abläufe. Die Implementierung dieser Software wurde ebenfalls durch die Quartiermeisterabteilung initiiert und umgesetzt.

Seit dem Beitritt zu ATARES am 13. März 2012, wurden durch die österreichischen Luftstreitkräfte bereits ein Flug für die Deutsche Bundeswehr sowie zwei Flüge für die dänischen Streitkräfte zu den Missionen auf dem Balkan geflogen. Abgerufen wurde ein Flug von den belgischen Luftstreitkräften für einen Besuch des österreichischen Verteidigungsministers beim UNIFIL-Kontingent im Libanon.

Resümee

Der Beitritt zu MCCE und ATARES war ein wichtiger Schritt zur Interoperabilität im Lufttransport innerhalb des europäischen Verbundes. Weiters wird durch diese Mitgliedschaft der steigende Bedarf an strategischem Transportraum, der im ÖBH nicht verfügbar ist, kosteneffizient extern abgedeckt.


Autor: Oberst Rudolf Ebenberger, MSD; Jahrgang 1959; 1981 Ausmusterung TherMilAk; 1984 Aufklärungszugskommandant/PzStbB3; 1989 Stabskompaniekommandant/PzStbB3; 1992 S3/PzStbB3; Nov. 1992 - Juli 1993 Kdt/PzStbB3 (mit der Führung beauftragt); 1996 S4/PzStbB3; 2002 S4/3.PzGrenBrig; seit Dezember 2002 BMLVS/Quartiermeisterabteilung/Referent Verkehr &Transport. Internationale Kurse: Cooperative Binate 98/Tallinn 1998; Operational Staff Officers Course/OAG 2001; NATO Logistic Course/Aachen 2001; Peace Support Operations Course/OAG 2002; Multinational Crisis Management Course/OAG 2003; ADAMS Basic Course/Latina 2004; Multinational Joint Logistics Center Course/OAG 2004; Operational Logistic Planning Course/OAG 2006; Int. Senior Logistic Course/Oslo 2007. Einsätze/Internationale Übungen: J4/Cooperative Guard Rendsburg/Munster 1997; J4/Cooperative Determination Aserbaidschan 2001; 21st Theater Support Command/Kaiserslautern 2003; Afghanistan 2005.

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