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Joint Fire Support bei der HANDWERK 2014

Das Aufklärungs- und Artilleriebataillon 4 (AAB4), das Feuerunterstützungselement der 4. Panzergrenadierbrigade (4. PzGrenBrig), nutzte die Übung Handwerk 2014 als Möglichkeit, das neue Konzept der Feuerunterstützung (Joint Fire Support) mit den im Bataillon vorhandenen Sensoren (Spähtrupps und Beobachter) anzuwenden.

Joint Fire Support

Das AAB4 stellt im Kampf der verbundenen Waffen die artilleristische Feuerunterstützung für die eingesetzte Truppe im Verantwortungsbereich (Area of Responsibility, AOR) und im Interessensbereich (Area of Intelligence Responsibility, AIR) bei sämtlichen Einsatzverfahren im Österreichischen Bundesheer sicher.

"Direct Support"

Zur unmittelbaren Feuerunterstützung der Truppe wird das Verfahren "Direct Support" angewendet und durch die Zuordnung von Steilfeuerbeobachtern (Joint Forward Observer, JFO) und Batteriekommanden (Joint Fire Support Coordination Team, JFSCT) - oder auch durch Hilfsbeobachter - sichergestellt. Dabei sollen gegnerische Ziele, die die eigene Einsatzführung wesentlich einschränken (High Pay-Off Target, HPT), gemäß der Feuerunterstützungsplanung und der Wirkungsforderung der Truppe bekämpft werden.

"General Support"

Zur mittelbaren Feuerunterstützung der Kampftruppe wird das Verfahren "General Support" in der Tiefe des Gefechtsfeldes, also in jenem Raum, der als Interessensbereich bezeichnet wird, angewendet. Dabei sollen gegnerische Ziele, die die Einsatzführung des Gegners wesentlich begünstigen (High Value Target, HVT), vor Wirksamwerden ausgeschaltet werden (Reserven, Gefechtsstände etc.).

Dieser Feuerunterstützung bedienen sich vorrangig Aufklärungs- und Spezialeinsatzkräfte, so dass der Handlungsspielraum des Gegners frühzeitig erkannt und eingeschränkt und eigene Kräfte geschont werden. Der aktive Schutz der eigenen Kräfte wird dadurch verstärkt.

Werden in diesem Verfahren Luftunterstützungsmittel für diese Zwecke eingesetzt, so spricht man entweder von Luftnahunterstützung (Close Air Support, CAS) oder Kampfnahunterstützung (Close Combat Attack, CCA), wobei CAS über einen Forward Air Controller (FAC) geleitet, CCA ausschließlich durch die Kampftruppe (Unqualified Controller) angefordert und durch den Piloten selbst ins Ziel gebracht wird.

FAC und JFO werden gemeinsam als Joint Fire Support Team (JFST) bezeichnet, welches die indirekte Feuerunterstützung zu Luft, zu Boden und auch zur See für die Kampftruppe sicherstellen kann.

Der Forward Air Controller und der Joint Forward Observe dienen dem taktisch führenden Kommandanten zur Planung, Durchführung und Bewertung des Einsatzes von indirektem Feuer.

Parallel zu diesen Aufgabenstellungen hat die Feuerunterstützung die Aufgabe, die unmittelbare Feuerunterstützung für die im Einsatzraum befindlichen Soldaten und Verbände am Gefechtsfeld sicherzustellen und zwar täglich 24 Stunden, sieben Tage die Woche und unabhängig von den vorhandenen Umfeldbedingungen.

Ausgangssituation

Die Ausgangslage der 4.PzGrenBrig für diese Übung war ein robustes Mehrparteienszenario. Neben den zwei regulären Streitkräften waren auch Kleingruppierungen mit asymmetrischer Einsatzführung zu berücksichtigen.

Das ABB4 hatte vorerst die Verzögerung der Kampfgruppe 14 (KG14) und die Aufnahme durch die KG17 mit Direct Support sowie die eigene Aufklärung, die das Vakuum im Verzögerungsbereich auffüllte, mit General Support zu unterstützen. Am darauffolgenden Tag wurden der Kampf am Vorderen Rand der Verteidigung der KG17 und der Gegenangriff der KG14 sichergestellt. Schlussendlich unterstützte am 3. Schießtag die Aufklärung des AAB4 die Überwachung des ehemaligen Verzögerungsbereiches mit Feuer gegen versprengte gegnerische Gruppierungen.

Die Ziele des Bataillonskommandanten waren:

  • Die Sensoren im Überwachungsbereich in der Tiefe des Kampfes gegen Hochwertziele einsetzen;
  • das Üben des infanteristischen Absetzdrills beim Auflaufen auf den Gegner;
  • die Unterstützung des Absetzens durch Feuerunterstützung mittels CCA oder Steilfeuer und
  • die medizinische Erstversorgung durch "Medical Evacuation (MEDEVAC)".

Für das Bataillonskommando (BKdo) waren die Koordinierung des Luftraumes, die Zuteilung der jeweiligen Feuerunterstützungspriorität der Räume und Truppen und die Verhinderung von Friendly Fire (Sicherheitsaspekte) vorrangige Aufgaben.

Der dritte Schießtag

Am dritten Schießtag wurden acht leichte Spähtrupps durch das Feuer zweier Panzerhaubitzbatterien, zwei Verbindungshubschrauber OH-58 "Kiowa" für CCA sowie einen Transporthubschrauber Augusta Bell AB212 für Medical Evacuation unterstützt. Geführt wurden diese durch die Aufklärungskompanie, teilweise verstärkt mit Artilleriebeobachtern und Scharfschützen des AAB4. Eingesetzt in den vier "Named Areas of Interest" (NAI) (Anm.: Ein Punkt oder Bereich entlang eines bestimmten Weges der Annäherung, durch die feindliche Aktivität zu erwarten sind) jeweils im Wechsel, ein Spähtrupp führend sowie der Zweite für Sicherheitsaufgaben verantwortlich.

Nach Absolvierung der Sequenz durch beide Spähtrupps wechselten die Züge die NAI, so dass jeder Spähtrupp das geforderte Aufgabenspektrum des Bataillonskommandanten erfüllen konnte. In den Zeitfenstern von ungefähr einer Stunde wurden die einzelnen Sequenzen abgerufen und durch das Bataillonskommando - nach den Anforderungen zur Feuerunterstützung und MEDEVAC - koordiniert. Eventuell auftretende Konflikte konnten bereinigt werden. Die Interaktion der Spähtrupps mit dem Piloten für CCA bzw. für MEDEVAC und die Anforderung des Steilfeuers sowie die Koordination sämtlicher Aktivitäten am Gefechtsfeld durch das Bataillonskommando waren dabei die größten Herausforderungen. Während des Vorübens und des eigentlichen Scharfschießens konnte diesen Herausforderungen Rechnung getragen werden. Die Scheu vor der Anwendung dieser im Österreichsichen Bundesheer vorhandenen Fähigkeiten konnte überwunden werden.

Auf einen Blick

Die Anwendung von Joint Fire Support kann alleine durch theoretische Abhandlungen nicht erlernt werden. Das Üben in der Praxis in allen Gefechtsphasen ist notwendig. Die Umsetzung in einem Gefechtsschießen kommt dabei einem möglichen Einsatz am nächsten. Die Scheu vor der Anwendung, weil Mittel im eigenen Bereich, möglicherweise kaum verfügbar sind, ist abzulegen, da Joint Fire als quasi Lebensversicherung für die Truppe gesehen werden muss. In internationalen Einsätzen müssen österreichische Soldaten auch mit solchen Mitteln arbeiten, die national nicht verfügbar sind.


Autor: Oberstleutnant Reinhard Lemp, MSD, Jahrgang 1969. 1988 bis 1992 Offiziersausbildung Waffengattung Artillerie. 1992 bis 2009 in den Funktionen 1. Offizier, Bataillonsfeuerleitoffizier, Batteriekommandant, S3 & stvBKdt beim PzAB3, 2009 bis 2012 S2 & Leiter der Stabsabteilung 2 bei der 3.PzGrenBrig. Ab 2012 Bataillonskommandant beim AAB4. Ausbildung: 8. Führungslehrgang 2, Informationsbearbeitungs- und Auswertelehrgang Heeresaufklärung/DEU, Auswertelehrgang Institut Aufklärung/HTS.

Auslandsverwendungen: Kommandant Stabskompanie/TF DULJE (2002), Chief Tactical Operation Center/MNTFS (2008); Military Assistant/deputy Force Commander EUBG 2012-2 (KPE-Status).

Steilfeuerexperte Bundesheer 2025, Bearbeitung Aufklärung&Steilfeuer im Fähigkeiten basierten Planungsprozess ÖBH 2025.

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