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Assistenzeinsatz in Kärnten

Über 500 Soldaten des Österreichischen Bundesheeres standen täglich in Kärnten mit schwerem Pioniergerät und mit Hubschraubern, gegen die enormen Schneemassen im Assistenzeinsatz. Vom 1. bis 11. Februar wurde von den Behörden der Assistenzeinsatz am Boden und in der Luft angefordert.

Seit 1. Februar 2014 waren unter der Führung des Militärkommandos Kärnten Soldaten des Hochgebirgsjägerbataillons 26 aus Spittal an der Drau, des Pionierbataillons 1 aus Villach sowie des Stabsbataillons 7 und Jägerbataillons 25 aus Klagenfurt im Kampf gegen die Schneemassen im Einsatz. Das Schwergewicht der Einsätze konzentrierte sich dabei auf die Gemeinde Kötschach-Mauthen sowie das gesamte Gail- und Lesachtal im Bezirk Hermagor.

Neben drei "Agusta Bell 212" und einer "Alouette III" wurde vor allem schweres Pioniergerät bei den Räumungsarbeiten eingesetzt. Dazu zählen acht Bagger, neun Lastwägen, vier Schwerlastsysteme, ein Traktor sowie jeweils zwei Tankkraft- und Sanitätskraftwägen. Die Soldatinnen und Soldaten hatten des Weiteren 300 Verschüttetensuchgeräte, 155 Schneeschaufeln, 13 Schneehexen, zwölf Kettensägen sowie 168 Stück Absturzsicherungsgeräte zum Einsatz gebracht. Verletzt wurde bei den Räumungsarbeiten zum Glück niemand.

Die vier Hubschrauber wurden unter anderem für Erkundungsflüge zur Beurteilung der Lawinensituation, vor allem aber zum Befreien der Bäume von der Schneelast mit dem so genannten "Downwash-Verfahren" genutzt.

Gefahren

Für die Österreichische Bundesbahn (ÖBB) stellte der vom Schnee blockierte Verschiebebahnhof/Hauptstellwerk in Fürnitz bei Villach ein großes Problem dar. Hier startete das Bundesheer den Assistenzeinsatz und befreite die Weichen von rund 1 600 Kubikmeter Schnee.

Die Gemeinde Kötschach-Mauthen war aber am schwersten betroffen. Hier hatte man neben den ohnehin starken Schneefällen (über zwei Meter in kürzester Zeit) unter anderem mit Wasserknappheit zu kämpfen. Eine Lawine im Bereich des Plöckenpasses traf eine Wasserversorgungsleitung und sorgte so für einen kurzfristigen Ausfall des kostbaren Gutes. Das gesamte Lesachtal war zwischenzeitlich durch die Schneemassen auf dem Straßenweg nicht erreichbar.

Eine weitere große Gefahr, wenn nicht sogar die größte, stellten die gänzlich vom Schnee bedeckten Bäume dar. Unter der Schneelast stürzten immer wieder Bäume auf die Straßen, die Schienen und die Stromleitungen und verursachten zusätzliche Probleme und Schäden. Dadurch waren z. B. tausende Haushalte ohne Strom. Mitarbeiter der Stromversorungsunternehmen (KNG/Kärnten Netz GmbH), unterstützt durch Motorsägentrupps des Bundesheeres, arbeiteten unermüdlich an der Wiederherstellung der Stromversorgung, was oft erst nach Tagen gelang!

Innovativ gegen die Schneelast

Auch mit Hubschraubern rückte man der Schneelast auf den Bäumen zu Leibe und blies ihnen in Schlüsselbereichen für Verkehr sowie der Stromversorgung, den Schnee aus den Kronen. Diese Bäume drohten unter der Schneelast immer wieder auf die Straßen, die Schienen und die Stromleitungen zu stürzen. Der sonst so unliebsame Abwind der Rotorblätter, im Fachjargon als "Downwash" bezeichnet, konnte in diesem Fall optimal genutzt werden. Im langsamen Überflug, teilweise auch im Schwebeflug, wurde der Schnee aus den Bäumen gefegt. "Man konnte richtig beobachten, wie sich die Bäume danach wieder aufrichteten", so Oberstleutnant Manfred Linhard, der als Kommandant des Hubschrauberstützpunktes Kärnten die Einsätze aus der Luft koordinierte. Vergleichen kann man diese Situation mit einem in einer "Zwangsjacke" steckenden Baum. "Für den Piloten besteht die Gefahr darin, falsch abzuschätzen, wie weit der Baumwipfel wieder hochkommt, denn teilweise geht das sehr schnell" so Hauptmann Gerhard Seidl, Einsatzpilot eines S-70 "Black Hawk"-Hubschraubers.

In einer Nachbereitung des Assistenzeinsatzes wurde dieses Verfahren weiter erprobt: Das Downwash-Prinzip hat sich somit als "Schneeflug statt Schneepflug-Verfahren" sehr bewährt!

Am Boden und in der Luft

Während die Soldaten in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr, Straßenmeisterei und der Gemeinde die Dächer und Straßen von der erdrückenden weißen Last befreiten, nutze man das Flugwetter und die mittlerweile vor Ort in Kötschach-Mauthen stationierten Helikopter für Erkundungsflüge mit Lawinensprengexperten. Um gefahrlos auch in Bergnähe Straßen räumen zu können, wurden schließlich im Bereich des Plöckenpasses Lawinen gezielt durch Sprengungen zum Abgang gebracht. Somit konnte man nach knapp einer Woche der Unerreichbarkeit, mit Baggern Kippern, Schneefräsen und Motorsägen auch den Weg ins Lesachtal wieder zugänglich machen.

Perfekte Zusammenarbeit

Auch wenn man bei Katastrophenübungen vom Allerschlimmsten ausgeht, so merkt man bei einem realen Einsatz wie diesem, dass sich diese Übungspraxis bewährt. Unvorhergesehenes ist schwer zu planen, daher ist eine vorgeübte Zusammenarbeit von größter Bedeutung. Mit tatkräftiger Unterstützung der Gemeinden sowie der hervorragenden Zusammenarbeit aller im Einsatz befindlichen Organisationen, konnte der Einsatz ohne Zwischenfälle und zum Wohle der Bevölkerung abgeschlossen werden.

Verantwortliche vor Ort

Von diesen Leistungen machten sich auch die jeweiligen Kommandanten persönlich ein Bild. Allen voran der Landeshauptmann von Kärnten, Dr. Peter Kaiser, der Kommandant der Streitkräfte, Generalleutnant Franz Reißner, der Militärkommandant von Kärnten, Brigadier Walter Gitschthaler sowie der Landesfeuerwehrkommandant von Kärnten, Landesbranddirektor Josef Meschik. Dabei stand keineswegs die Dienstaufsicht im Vordergrund. Von allen Seiten wurde den Soldaten und allen im Einsatz befindlichen Personen großer Dank und höchste Anerkennung für ihren unermüdlichen Einsatz ausgesprochen. So der Kommandant der Streitkräfte: "Die Motivation und der Einsatzwille ist bemerkenswert. Bitte weiter so!" Nach elf Tagen und über 29 000, allein in Ober­kärnten geleisteten Assistenzstunden, beendete das Österreichische Bundesheer den Assistenzeinsatz zur Katastrophenhilfe gegen die Schneemassen in Kärnten.


Hauptmann Christoph Hofmeister, Militärkommando Kärnten Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit & Kommunikation

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