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"Hot Blade 2013"

Vom 12. Juli bis 3. August 2013 fand die multinationale Hubschrauberübung "Hot Blade 2013" statt. Es war das größte europäische Hubschrauber-Training des Jahres. Die Übung wurde von der Europäischen Verteidigungsagentur (European Defense Agency, EDA) durchgeführt und bereits zum zweiten Mal in Portugal abgehalten. Das Österreichische Bundesheer beteiligte sich mit 63 Soldaten sowie mit jeweils drei Hubschraubern vom Typ Agusta Bell 212 "Twin Huey" und Bell OH 58 "Kiowa" an diesem europäischen Projekt. Für diese Übung führte das Österreichische Bundesheer erstmals einen Hubschraubertransport auf dem Seeweg durch.

Die AB 212-Flotte ist das Rückgrat der österreichischen Transporthubschrauberflotte und ist vielseitig einsetzbar. Bei der Übung "Hot Blade 2013" wurde vor allem die Zusammenarbeit mit den portugiesischen Special Operation Forces (SOF) geübt. Hiezu wurden die Hubschrauber für spezielle Absetzverfahren adaptiert und das Verfahren "Fast Roping" im multinationalen Einsatz zur Anwendung gebracht.

Die OH-58 wurden ebenfalls in der Rolle der bewaffneten Hubschrauber zur Kooperation mit den SOF eingesetzt. Über dem Atlantik gab es eine Schießzone und darin erfolgte ein Scharfschießen bei Tag und eines bei Nacht. Dabei wurden von so genannten Joint Terminal Air Controllern (JTAC’s) die Ziele zugewiesen und nach internationalem Standard bekämpft. Die Zuweisung von Bodenzielen ist eine spezielle Aufgabe der SOF, und dabei ist das Training der speziellen Kommunikation mit den Luftfahrzeugen besonders wichtig.

Aufgaben gemeinsam bewältigen

Ziel der Übung war es, multinationale Aufgaben bei heißen und staubigen Bedingungen gemeinsam zu trainieren. Die gemeinsame Bewältigung von Aufgaben in Verbindung mit internationalen Verfahren und Standards bildeten das Schwergewicht des Trainings. An der europäischen Übung nahmen neben dem Gastgeberland Portugal auch Hubschrauber-Verbände aus Belgien, Deutschland und den Niederlanden teil.

Portugal - ein hervorragender Gastgeber

In der Vorbereitung erfuhr Kontingentskommandant Oberst Hannes Mittermair, dass die Teilnahme von vier F-16 "Fighting Falcon" zugesagt wurde und dadurch die Zusammenarbeit mit der portugiesischen Luftwaffe besonders interessant werden würde. Die tatsächliche Durchführung der Übung übertraf aber in jeder Hinsicht alle Erwartungen.

Vom ersten Augenblick des Eintreffens des Vorkommandos mit einer österreichischen C-130 "Hercules"-Transportmaschine, konnte man sich auf eine straffe aber zugleich ungemein kooperative und gastfreundliche, Übungsorganisation verlassen. Da insgesamt fast 2 000 Soldaten an der Übung teilnahmen, davon 1 000 als Feinddarsteller, ist leicht nachzuvollziehen, dass hier eine Übung von besonderer Qualität und Effizienz abgehalten wurde.

Die portugiesischen F-16-Jets wurden sowohl als Feinddarsteller in der Luft, als auch als Unterstützungskräfte für die Hubschrauber Bodenoperation eingesetzt.

Geflogen wurde in drei Blöcken, wobei der Ausbildungsblock in den Nachtstunden ein besonders willkommener Teil für das "In-Übung-Halten" des Fliegens mit Nachtsichtbrillen war. Insgesamt wurden fast 1 000 Einzelflüge (Sorties) in der Übung absolviert.

Eine technische Herausforderung

Besonders intensiv war die Übung nicht nur für die Piloten, auch die Technik hatte alle Hände voll zu tun. Die einzelnen Wartungsarbeiten mussten so geplant werden, dass der Gesamtablauf der Übung nicht gestört wurde. Hinzu kam das Fliegen über dem Atlantik, das neben den besonderen Anforderungen für das Fliegen unter staubigen Bedingungen, auch eine regelmäßige Reinigung der Triebwerke von in der Luft vorhandenen Salzresten notwendig machte. Die für mitteleuropäische Verhältnisse doch hohen Temperaturen von bis zu 40° C waren auch körperlich anstrengend. Für Spezialinstandsetzungen wurde sogar ein Wartungstrupp der Fliegerwerft 3 eingeflogen. Für die Verbindung zur Heimatbasis sorgte eine Satellitenverbindung, die eine Einbindung in das Telefon- und Datennetz des Österreichischen Bundesheeres ermöglichte.

Multinationale Standard Operational Procedures (SOP)

Ein Durchbruch wurde bei der multinationalen Zusammenarbeit erreicht. In der Übungsvorbereitung ist gelungen, was optimistische Beobachter nicht für möglich gehalten hätten: es wurden für die Übung "Hot Blade 2013" erstmals multinational verbindliche Flugverfahren und Abläufe festgelegt (SOP). Damit konnte ein wesentlicher Fortschritt in der multinationalen Zusammenarbeit erreicht werden.

Besonders hilfreich war, dass bereits mehrere Absolventen des EDA-Helicopter Tactics Course (HTC), der in England bei der Royal Air Force abgehalten wird, an der Übung teilgenommen haben. Auch österreichische Hubschrauber-Crews haben diese Ausbildung bereits absolviert.

Premiere - Hubschraubertransport auf hoher See

Die Verlegung der Hubschrauber über eine Entfernung von 2 000 Kilometern im "Luftmarsch", ist bereits eine Herausforderung. Diese Aufgabe wurde schon 2012 erfolgreich gemeistert und stellte auch für 2013 kein Problem dar. Daher sollte bei dieser Übung logistisches Neuland betreten werden. Für die Übung "Hot Blade 2013" führte das Österreichische Bundesheer daher erstmals einen Hubschraubertransport auf dem Seeweg durch. Diese logistische Premiere war eines der Hauptziele des österreichischen Kontingentes bei dieser Übung in Portugal und wurde im Hafen von Aveiro erfolgreich umgesetzt.

Da es keine Erfahrungswerte für diese Transportaufgabe gab, wurde diese Transportphase sorgfältig vorbereitet. Die größte Herausforderung war, das fragile und auch teure Fluggerät ohne Pannen in den Laderaum des Transportschiffes zu bringen und natürlich auch wieder zurück an Land. Mit Lastenkranwagen wurde dieses Verfahren schon in Österreich vorgeübt und jeder Handgriff im Detail besprochen.

Resümee

Die internationale Zusammenarbeit von Spezialtruppen ist in ihrer Notwendigkeit unbestritten. Die österreichische Teilnahme an dieser Übungsserie macht sich doppelt bezahlt: Erstens wäre ein derartiges Übungsszenario im Inland nur mit sehr hohen Personalkosten zu erreichen. Zweitens ist die Zusammenarbeit im internationalen Umfeld besonders fordernd und daher auch vom Ergebnis sehr effektiv. Wer im internationalen Verbund einsetzbar ist und weiß, worauf es für eine erfolgreiche Kooperation ankommt, erspart sich viele Probleme in zukünftigen Einsätzen.

Die logistischen Herausforderungen, sowohl im Luftmarsch als auch im Seetransport, konnten unter "Friedensbedingungen" erprobt werden. Daraus konnten sehr wichtige Erkenntnisse für zukünftige Verlegeplanungen gewonnen werden. Dass die Expertise der österreichischen Hubschrauberbesatzungen im internationalen Vergleich als hoch bewertet wird, sei der Vollständigkeit halber erwähnt.


Autor: Oberst Hannes Mittermair, Jahrgang 1958, Ausmusterung 1981; Flugkommandant Hubschrauber beim Kommando Luftunterstützung in Hörsching; 2002 Absolvierung des 2. Führungslehrgangs 2 und Graduierung zum MSD; zahlreiche nationale und internationale Einsätze mit fast 5 000 Flugstunden geflogen und auch geleitet; 2003 Kommandant des ersten HELDET (Helicopter Detachment) im KFOR Einsatz.

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