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Der Kommandounteroffizier: Der Spiegel

Wohl keinem Soldaten des Österreichischen Bundesheeres ist entgangen, dass sich den letzten 15 Jahren die politische und die militärische Lage verändert haben. Vieles ist geschehen, wird aber nicht wahrgenommen oder als selbstverständlich abgetan. Gerade deswegen sollte vor allem die ältere Generation unter uns es als Pflicht ansehen diese Änderungen den jüngeren Kameraden bewusst zu machen, anstatt sich ständig darüber zu beklagen, wie schlecht alles in den vergangenen Jahren geworden ist. Stellen wir uns also als Einzelsoldat vor einen Spiegel und konfrontieren wir uns selbst mit den Fragen "Warum bin ich derzeit mit meinem Beruf als Soldat zufrieden?" und "Warum bin ich mit meinem Beruf als Soldat derzeit unzufrieden?" Wir hatten uns zu Beginn unserer Kariere viele soldatische Tugenden vorgenommen. Sagt uns das Spiegelbild auch heute noch, dass wir ein Vorbild an soldatischer Haltung und beispielhafter Auftragserfüllung sind? Wie sieht es aus mit dem Erhalt der fachlichen Befähigung und der Zuwendung und Fürsorge für unsere Untergebenen? Und was verstehen wir in einer Zeit, in der persönliche Einzelinteressen im Vordergrund stehen, unter Kameradschaft? Bei all diesen Betrachtungen darf der kritische Blick auf eine tadellose sitzende Uniform und der Haar- und Barttracht gemäß Erlass natürlich nicht fehlen. Als Antwort auf diese Fragen braucht niemand Befehle von oben. Oder sollten wir vergessen haben, dass es eine ADV gibt, welche für alle Soldaten Gültigkeit hat. Daher liegt es an jedem Einzelnen von uns, das dort geforderte Verhalten vorzuleben und von allen einzufordern.

Die Zeit hat im Bereich der Ausrüstung, bei den Fahrzeugen, in der Beschaffung von Führungsmitteln, der IKT, der Simulationstechnik, bei den Unterkünften und auch in der Fort- und Weiterbildung, Veränderungen mit sich gebracht. Es liegt wiederum an jedem einzelnen Soldaten mit Änderungen und Modifikationen Schritt zu halten. Oft werden diese Anforderungen als lästiges "Muss" erachtet. An dieser Stelle möchte ich an die Pflicht zur Ausbildung erinnern. Alle Soldaten mit Auslandserfahrung wissen sehr wohl, dass wir den internationalen Vergleich an Fähigkeiten und Fertigkeiten - egal auf welcher Ebene - nicht zu scheuen brauchen.

Oder sagt mir das Spiegelbild, dass ich eigentlich nicht so überzeugt bin von meinem Berufsstand, von der Tätigkeit an meiner Dienstelle, und zweifle ich überhaupt am gesamten Bundesheer? Und ich kann ja sowieso nichts ändern weil ich nur einen niederen Dienstgrad oder eine untergeordnete Funktion habe. Diese Zweifler und Ausredenerfinder würden ebenfalls nichts ändern, wenn sie einen Generalsrang hätten. Es ist offensichtlich nicht mehr "in" verantwortungsvoll Entscheidungen zu treffen.

An diesen Uniformträgern ist jegliche militärische Führung und Erziehung ganz einfach abgeprallt. Kameradschaft und Korpsgeist sind für sie Fremdwörter. Statt dessen, werden persönliche Interessen und Vorteile weit über alle dienstlichen Verpflichtungen als Soldat gestellt.

Der Spiegel kann uns daher Auskunft über Selbst- und Fremdbild geben. Eine wesentliche Rolle spielt hierbei die Wertschätzung, die wir unseren Untergebenen in Form einer konstruktiven Dienstaufsicht angedeihen lassen. Diese dienstliche Verpflichtung hat den Vorteil, die Sorgen, Nöte aber auch Ängste seiner Untergebenen zu kennen und darauf reagieren zu können. Durchgeführte Änderungen zum Wohle der Untergebenen, und nicht die bloße Wahrnehmung der Anliegen, steigern die Motivation der Mitarbeiter und das Ansehen des Vorgesetzten enorm.

Die meisten Kameraden unter uns haben, bedingt durch die dienstrechtliche Stellung, einen sicheren Arbeitsplatz. Mir ist durchaus bewusst, dass durch Reformschritte und Schließung von Kasernen, für viele Kameraden in vielerlei Hinsicht Nachteile entstanden sind.

Dies sollte uns jedoch nicht dazu verleiten, unseren Dienst nur widerwillig und gegen alles schimpfend bis zur Pension abzusitzen.

Immerhin lässt unser derzeitiges System neben den vielen Möglichkeiten für Fort- und Weiterbildung eine nicht zu unterschätzende Anzahl an Vorteilen und Freiräumen, wie die dienstliche Sportausübung offen, wie wir sie in der Privatwirtschaft kaum vorfinden werden.

Wir Soldaten haben ein Gelöbnis darauf abgelegt, der Republik Österreich und dem österreichischen Volke zu dienen. Es ist daher die Verpflichtung jedes Einzelnen, seinen Dienst als Soldat, als Untergebener und als Vorgesetzter so zu versehen, wie man es anstandshalber von ihm erwarten kann.

Mein Aufruf, sich selbt im Spiegel kritisch zu betrachten, gilt für alle Soldaten auf allen Ebenen und nicht, wie manche Leser vielleicht interpretieren könnten, nur für die Truppe.


Vizeleutnant J. Hirsch, 3.PzGrenBrig

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