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Psychologie: Helpline Service - Nur eine Einrichtung für Rekruten?

Geschichte

Im Jahr 1995 wurde durch den damaligen Leiter der Militärpsychologie, Bgdr Prof. Dr. Ernst Frise, eine telefonische Anlaufstelle für alle Soldaten und Bediensteten der Heeresverwaltung in Österreich unter dem Namen Helpline-Service (HLS) ins Leben gerufen. Damit stand allen Ressortangehörigen rund um die Uhr eine Einrichtung zur Verfügung, die bis heute anonym, rasch und unbürokratisch Hilfe anbietet. Unter dem derzeitigen Leiter des Psychologischen Dienstes, ObstdhmfD Mag. Christian Langer wurde der HLS stetig verbessert und ausgebaut.

Was ist der HLS?

Heute bezieht das Betreuungsangebot des Helpline-Service neben Rekruten und Bediensteten auch deren Angehörige mit ein und wird durchschnittlich von 690 Anrufern jährlich genutzt. Grundsätzlich ist es die Intention des HLS einen Beitrag zur Schaffung von Rahmenbedingungen innerhalb des Österreichischen Bundesheeres zu leisten, der zur Erhaltung der Leistungsfähigkeit und Einsatzbereitschaft der Ressortangehörigen dient.

Ist der HLS noch zeitgemäß?

Zum Zweck der Qualitätssicherung wurde 2012 eine Umfrage zur Evaluierung des HLS mit 1 500 Personen gestartet. Es stellte sich heraus, dass der HLS nur 60 Prozent der Befragten bekannt ist (Kader zu 71 Prozent), wobei der HLS an vierter Stelle im Bekanntheitsgrad der psychosozialen Einrichtungen im Heer rangiert. Die meisten Befragten äußerten realistische Vorstellungen an den HLS wie beraten zu werden, Informationen zu bekommen, sich aussprechen zu können etc. Weiters meinten 86 Prozent der Befragten, dass ihre Probleme ernst genommen und ihre Anliegen streng vertraulich behandelt werden. Die Befragten würden sich mit Problemen wie Mobbing, oder mit Vorgesetzten, familiären Problemen, Selbstmordgedanken etc. an den HLS wenden.

Die Tatsache, dass der HLS gut angenommen wird, die Nutzer des HLS Vertrauen zu diesem Service haben und sich auch mit sehr persönlichen und schwierigen Problemen an den HLS wenden bzw. wenden würden, zeigt, dass dieser Service absolut zeitgemäß ist.

Wer ruft beim HLS an?

Den größten Teil der Anrufer nehmen die Personengruppe der Rekruten mit ca. 65 Prozent, gefolgt von den Angehörigen mit ca. zehn Prozent ein. Die Hauptanliegen dieser Anrufer sind unter anderem die dienstliche Situation, Informationsmangel oder die Sorge um Angehörige.

Die Anrufe des Kaders stellen sich wie folgt dar: Sieben Prozent Offiziere, drei Prozent Unteroffiziere und vier Prozent Chargen.

Der HLS als Einrichtung für das Kaderpersonal

Der HLS ist nicht nur für Rekruten konzipiert, sondern steht auch dem Kader für Hilfestellungen zur Verfügung. Dies verdeutlicht der Anruferanteil von fast 15 Prozent dieser Personengruppe. Betrachtet man z. B. den Anruferanteil der Offiziere von sieben Prozent, so stellt sich heraus, dass die Anrufe zu einem hohen Prozentsatz für andere Betroffene getätigt werden. Also besteht die Möglichkeit den HLS nicht nur für sich selbst zu nutzen sondern auch Hilfe zu erhalten wenn es andere betrifft. Dies soll mit folgendem aktuellen Beispiel verdeutlicht werden:

Ein junger Offizier ruft um 1940 Uhr beim HLS an, da ein Grundwehrdiener seiner Kompanie konkrete Suizid­ankündigungen getätigt hat. Nach Rücksprache mit dem San-Revier in seiner Kaserne und dem Heeresspital in Wien besteht keine Möglichkeit den Rekruten aktuell in einer militärischen Sanitätseinrichtung unterzubringen. Mit dem HLS-Betreuer wird die weitere Vorgehensweise besprochen und eine Lösung gesucht. Der HLS-Betreuer empfiehlt, den Rekruten unbedingt in einer zivilen psychiatrischen Abteilung eines Krankenhauses zur Abklärung der Suizidalität unterzubringen, da der Verdacht auf Selbstgefährdung besteht. Der Rekrut wird stationär in einem Spital bis zur militärärztlichen/psychologischen Untersuchung aufgenommen.

Jedoch sehen einige Kommandanten den HLS auch mit Skepsis. Von den befragten Kommandanten gaben ca. 15 Prozent an, dass dadurch die militärische Führungsstruktur untergraben werden würde. Der Helpline-Service versteht sich aber als eine zusätzliche Alternative über die derzeit bestehenden Möglichkeiten zur Hilfeleistung hinaus. Keinesfalls soll durch die Einrichtung des HLS eine weitere implizite Führungsstruktur geschaffen bzw. die Kompetenz und Verantwortung der Vorgesetzten eingeschränkt oder in Frage gestellt werden.

Der Helpline-Service stellt eine Einrichtung im ÖBH dar, die es sich zum Ziel gesetzt hat auch Kommandanten bei ihrer verantwortungsvollen Tätigkeit zu unterstützen.


Oberstleutnant dhmfD Mag. G. Moser

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