Bundesheer Bundesheer Hoheitszeichen

Instagram
flickr
YouTube
facebook-button
Bundesheer auf Twitter

International Military Academic Foruzm (iMAF) 2014

Internationale Symposien werden seit einigen Jahren unter Verantwortung des Fachhochschul-Bachelorstudienganges "Militärische Führung" (FH-BaStg MilFü) an der Theresianischen Militärakademie (TherMilAk) durchgeführt. Im Vorjahr wurde das Fünfjahresjubiläum der "European Initiative for the exchange of young officers inspired by Erasmus" genutzt, um zukünftige Themen der internationalen Symposien in die Richtung dieser Initiative zu lenken.

Im November 2008 unterzeichneten die Verteidigungsminister der Europäischen Union die Absichtserklärung, im Bereich der Offiziersgrundausbildung näher zusammenarbeiten zu wollen.

"European Initiative for the exchange of young officers inspired by Erasmus"

Kurz darauf wurde zur Umsetzung der Absichten eine sogenannte "Implementation Group" (IG) gebildet, in der Experten aus EU-Ländern die Zielsetzung der Initiative - nämlich die Harmonisierung der Offiziersgrundausbildung innerhalb der EU - umzusetzen haben. Die österreichischen Vertreter in dieser IG sind ObstdG Mag. Wiedner und ObstdhmfD Dr. Gell von der TherMilAk. Die zu lösenden Problemfelder wurden in sogenannte "Lines of Development" (LoD) gruppiert. Neben den Herausforderungen, rechtliche und Anerkennungsprobleme zu lösen, wurde eine LoD implementiert, die die finanziellen Fördermöglichkeiten der EU im Rahmen des ERASMUS-Programms auslotet. Gerade dieses EU-Programm erscheint im Zusammenhang mit den sinkenden Verteidigungsbudgetzahlen als eine Möglichkeit, die Qualität der internationalen Ausbildungen aufrecht zu erhalten.

Es galt auch, die Frage zu beantworten, welche Bereiche der Offiziersgrundausbildung sich für eine Harmonisierung eignen? In welchen Bereichen sollen alle europäischen Berufsoffiziersanwärter unter Berücksichtigung nationaler Besonderheiten oder der Besonderheiten der Teilstreitkräfte in gleicher Art und Weise ausgebildet werden? Die Lösung war das Kreieren sogenannter "Common Modules", die durch ein EU-Land entwickelt und im Konsensus aller EU-Länder in der IG verabschiedet werden. In weiterer Folge sollen diese Common Modules in die nationalen Curricula integriert werden.

Das European Credit Transfer and Accumulation System (ECTS) beschreibt den Arbeitsaufwand in Arbeitsstunden, den die Studierenden zur Erlangung der "Learning Outcomes" einer bestimmten Thematik absolvieren müssen. Gemäß Bologna-Prozess liegt der Arbeitsaufwand für einen ECTS zwischen 25 und 30 Arbeitsstunden - in Österreich legte die nationale Gesetzgebung den Arbeitsaufwand für einen ECTS-Punkt mit 25 Arbeitsstunden fest. Ein Thema mit zwei ECTS umfasst somit einen Lernaufwand von zirka einer Woche. Das European Security and Defence College (ESDC) bildet ein Netz aus Bildungseinrichtungen mit der Zielsetzung, Ausbildungen im Bereich der Common Security and Defence Policy (CSDP) für militärisches und ziviles Personal zu organisieren, ein gemeinsames Verständnis für diese Politik zu fördern und bewährte Praktiken zu verbreiten. Vom Crisis Management Operation/Peace Support Operation-Modul bestehend aus vier Sub-Modulen, sind zwei Wochen im nicht akademischen Teil der österreichischen Offiziersausbildung enthalten.

Das oben erstgenannte CSDP-Modul wurde bereits in Portugal, Spanien, Griechenland, Italien und Österreich durchgeführt, jedoch hat lediglich der FH-BaStg MilFü an der TherMilAk die in der Tabelle gekennzeichneten Module in das nationale Curriculum implementiert, die somit jeder österreichische Berufsoffiziersanwärter absolvieren muss. Im Jahr 2014 werden Griechenland und Italien folgen, für das Jahr 2015 sind Intentionen für die Implementierung auch aus anderen EU-Ländern vorhanden.

Durch eine möglichst flächendeckende Implementierung der Common Modules in die Curricula der verschiedenen Offiziersgrundausbildungsinstitutionen wird eine Anrechnung und Anerkennung von im Ausland absolvierten Modulen wesentlich erleichtert und somit der internationale Austausch - gemäß den Zielsetzungen verschiedenster Dokumente auf EU- und nationaler Ebene zur Erreichung der Interoperabilität - erleichtert und gefördert.

Die auf EU-Ebene entwickelten sieben Common Modules decken in Summe lediglich ein Semester ab, daher wurde von den Organisatoren des iMAF 2014 das Thema der Veranstaltung in Richtung der Entwicklung von neuen Common Modules gelenkt.

Die Durchführung des iMAF 2014

Erstmalig wurde das iMAF 2014 vom 23. bis 27. Juni 2014 in Kooperation mit Partneruniversitäten und Partnerakademien des FH-BaStg MilFü durchgeführt - im Konkreten mit der Military Academy Land Forces Wroclaw in Polen, der National University of Public Service Budapest in Ungarn, der Land Forces Academy Sibiu in Rumänien und der University of Defence Brno in der Tschechischen Republik. Durch diese Kooperation konnten die Kosten ganz im Sinne von "Pooling & Sharing" aufgeteilt werden. Zudem wurde vereinbart, dass die nächsten iMAFs im Rotationsprinzip an den erwähnten Partnerinstitutionen stattfinden werden.

Alle durch das Netzwerk der IG bekannten Offiziersgrundausbildungsinstitutionen wurden zum iMAF 2014 - das im Schloss Rothschild in Reichenau an der Rax abgehalten wurde - eingeladen. Dieser Einladung sind 92 Teilnehmer von 29 Institutionen aus 18 Ländern gefolgt.

Damit die iMAF-Ausarbeitungen möglichst effizient vonstattengehen, hatte jede teilnehmende Institution im Vorfeld ein Papier zu erstellen, das Antworten zu folgenden Fragen beinhaltete:

- Welche neue Common Modules sollen von allen europäischen Offiziersgrundausbildungsinstitutionen - unabhängig von der Teilstreitkraft - implementiert werden?

- Welche neue Common Modules sollen von allen europäischen Offiziersgrundausbildungsinstitutionen - bezogen auf Ihre eigene Teilstreitkraft - implementiert werden?

- Für welche der von Ihnen aufgelisteten neuen Common Modules besitzen Sie an Ihrer Offiziersgrundausbildungsinstitution eine dementsprechende Expertise?

Während des iMAF 2014 war vorgesehen, dass die Teilnehmer in durchmischten Arbeitsgruppen zu genau den oben angeführten Fragen Stellung nehmen und damit im Konsens der 29 Institutionen zu dementsprechend raschen Ergebnissen kommen. Um die Gedanken der Teilnehmer für die Arbeitsgruppenausarbeitungen in die richtige Richtung zu lenken, wurden hochrangige "Key-Note-Speakers" eingeladen, die zu Beginn des iMAF ihre Reden und Vorträge hielten.

Key-Note-Speeches

Die Vortragenden erhielten für die inhaltliche Gestaltung Themenbereiche umrissen, damit die Gedanken in logischer Abfolge in die Arbeitsgruppenausarbeitungen einfließen.

Gruppenausarbeitungen

Basierend auf den in der Tabelle angeführten Vorträgen und den im Vorfeld erstellten Papieren bekamen die Arbeitsgruppen, die aus den 92 Teilnehmern gebildet wurden, den Auftrag, zunächst lediglich Themenbereiche inklusive einer kurzen Beschreibung für zukünftige Common Modules auszuarbeiten. Nach einer Koordinierung der Ergebnisse durch das Scientific Committee (SC) und Kurzvorträgen von Studierenden bezüglich ihrer internationalen Erfahrungen wurde der Auftrag erteilt, neun zukünftige Common Modules im Detail, folgend den internationalen Vorgaben der "Learning Outcomes"-Beschreibung, zu entwickeln.

Der nächste Schritt wird nun die Präsentation dieser Module in der Implementation Group in Brüssel sein, damit diese Module tatsächlich den Status "Common" erhalten. Danach könnte die Implementierung in nationale Curricula erfolgen. Der wichtigste Schritt wird jedoch die logische Aneinanderreihung aller Common Modules sein, weil dadurch vom Umfang her internationale Semester kreiert werden können, die durch das ERASMUS-Programm der EU gefördert und auf diese Weise Kadettenaustausche erleichtert werden. Damit wären die Offiziersgrundausbildungsinstitutionen der Zielsetzung der EU-Verteidigungsminister aus dem Jahr 2008 - nämlich der Harmonisierung der europäischen Offiziersgrundausbildung - wesentlich näher gekommen. Als erstes Land der EU bietet der FH-BaStg MilFü bereits ab Herbst 2014 durch die Aneinanderreihung bestehender Common Modules und zusätzlicher Lehrveranstaltung ein internationales Semester "Military Leadership" an, das durch die Länge von 16 Wochen ERASMUS-Förderungen ermöglicht.

ERASMUS-Abkommen

Unabhängig von der Implementierung der Common Modules kooperiert der FH-BaStg MilFü seit einigen Jahren mit ERASMUS-zertifizierten Partnerinstitutionen. Die Anwesenheit vieler ausländischer Institutionen beim iMAF 2014 wurde daher genutzt, um neue ERASMUS-Verträge abzuschließen beziehungsweise alte Verträge zu erneuern. Neben den bereits bestehenden elf Verträgen mit europäischen Offiziersgrundausbildungsinstitutionen wurden neue Verträge mit folgenden Institutionen abgeschlossen:

- Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr Hamburg/Deutschland.

- Estonian National Defence College Tartu/Estland.

- National University of Public Service Budapest/Ungarn.

- Jagiellonian University Krakau/Polen.

- Moravian University College Olmütz/Tschechische Republik.

Durch diese ERASMUS-Verträge sind nun die Voraussetzungen gegeben, Austauschförderungen nicht nur für Berufsoffiziersanwärter, sondern auch für Lehrende für kürzere Zeiträume zu beantragen. Gerade für Lehrende hat der FH-BaStg MilFü einen doppelten finanziellen Nutzen. Einerseits können die Auslagen des österreichischen Lehrpersonals im Ausland abgedeckt werden, andererseits kann Lehrpersonal von den ausländischen Partner­institutionen am FH-BaStg MilFü gebührenfrei unterrichten. Dabei wird der Fokus auf jenes ausländische Personal gelegt, das Einsatzerfahrung in robusten Einsätzen besitzt.

Ein weiterer Vorteil der Partnerschaften ergibt sich für die Vertiefungsgebiete im vierten Semester des FH-BaStg MilFü. Drei der vier Vertiefungsgebiete - die politikwissenschaftliche Vertiefung, die wirtschaftswissenschaftliche Vertiefung und die Informations- und Kommunikationstechnologie - werden derzeit an ausländischen Partnerinstitutionen abgehalten, die für diese Semester keinerlei oder nur geringfügige Gebühren verlangen. Damit sind nicht nur finanzielle Einsparungen gegeben, sondern es können die österreichischen Berufsoffiziersanwärter in einigen Jahren auch ein Masterstudium auf Basis der erwähnten Vertiefungsgebiete aufsetzen.

Organisation des iMAF 2014

Rund um das verantwortliche Personal des FH-BaStg MilFü wurden Berufsoffiziersanwärter im Rahmen einer Lehrveranstaltung in die Organisation des iMAF 2014 eingebunden. Zehn Fähnriche des Jahrganges "Waldstätten" konnten dadurch ihre Organisationsfähigkeit, ihre interkulturelle Kompetenz sowie ihre Sprachkenntnisse in Englisch schulen. In einem Rückmeldegespräch wurde klar dargelegt, dass alle Aktivitäten rund um das iMAF 2014 ausschließlich der Weiterentwicklung der Berufsoffiziersanwärter dienen, damit diese im zukünftigen Berufsfeld ihre Aufgaben bestmöglich erfüllen können.

"Train the Trainer"-Seminar

Ohne den Ablauf des iMAF 2014 zu beeinflussen, fand parallel ein so genanntes "Train the Trainer"-Seminar für einen auserwählten Personenkreis statt, das durch das European Security and Defence College (ESDC) organisiert wurde. Die Zielsetzung dieses Seminars war die Schulung zukünftiger Kommandanten der Common Modules. Neben dem Leiter des ESDC, dem Vorsitzenden der IG und einem wissenschaftlichen Berater des ESDC trug der IDL-Manager des ESDC, Dr. Jochen Rehrl, bei diesem Seminar vor.

Ausblick

Die Ergebnisse des iMAF 2014 werden in einem Buch zusammengefasst werden, welches ab November 2014 auf der Homepage des FH-BaStg MilFü downloadbar sein wird (www.miles.ac.at).

Das iMAF 2015 wird - ganz im Sinne von "Pooling & Sharing" - in Rumänien stattfinden und durch die Land Forces Academy Sibiu organisiert werden. Das Thema steht noch nicht fest, es wird sich jedoch wiederum mit der Harmonisierung der europäischen Offiziersgrundausbildung beschäftigen.

Die mittelfristige Zielsetzung der Partnerinstitutionen ist es, durch die Kreierung weiterer Common Modules und durch das Zusammenfügen dieser Module in internationale Semester schließlich die Voraussetzungen für Double oder Joint Degrees zu schaffen. Sobald dies realisiert sein wird, kann bezüglich der Absichtserklärung der Verteidigungsminister aus dem Jahr 2008 gemeldet werden: "Mission accomplished!"


Autor: Oberst dhmfD Dr. Harald Gell, MSc MSD MBA. Jahrgang 1963. Leiter der Dozentur für vergleichende militärische Führungsausbildung (Internationale Kooperation) am FH-BaStg MilFü an der TherMilAk. 1992 ausgemustert als Artillerieoffizier. Auslandseinsätze in Bosnien, Kroatien und zuletzt als Chief Operations Officer in Syrien. Master Studien Sicherheitsmanagement, Bildungsmanagement und Ökonomie sowie Doktoratsstudium im Bereich der Sicherheitsforschung. Zirka 100 internationale Ausbildungen und Aktivitäten in Europa und Nordamerika.

Eigentümer und Herausgeber: Bundesministerium für Landesverteidigung | Roßauer Lände 1, 1090 Wien
Impressum | Kontakt | Datenschutz | Barrierefreiheit