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MilitärdiplomatieTeil 2 Ausbildung, Aufgaben und Herausforderungen

Die aktuellen Herausforderungen für militärdiplomatische Beziehungen sind vor allem durch die Komplexität und die militärische Globalisierung gekennzeichnet. Waren in früheren Jahrhunderten die Fähigkeiten zur Informationsbeschaffung als zentrales Element von Bedeutung, so hat sich in den letzten Jahren und hierbei besonders im Rahmen der Entstehung und Weiterentwicklung der Europäischen Union die Fähigkeit stark weiterentwickelt, in den jeweiligen Partnerländern gestaltend zu agieren.

Die Institution der Militärdiplomatie beruht auf einer jahrhundertelangen Tradition. Im Jahr 1844 wurde erstmals in Spanien die Institution des Militärattachés gesetzlich verankert. Der damalige spanische König erließ eine Verordnung, die das Amt des "agregado militàr" einführte. Es kam aber zu einer Veränderung und Anpassung des Amtes des Militärattachés in den jeweiligen Epochen. In den 1960er-Jahren wurde das "Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen" durch die meisten Staaten der Welt ratifiziert, das die Grundlage der Stellung des Diplomatischen Corps einschließlich der des militärischen Vertreters eines Staates bildet.

Heute wird durch einen Militärdiplomaten in Form eines Verteidigungsattachés, eines beigeordneten Verteidigungsattachés und eines Verteidigungsattachéunteroffiziers ein umfassendes und breites Spektrum von Kenntnissen und Fähigkeiten erwartet. Dieses beginnt bei den Sprachkenntnissen geht über die Grundzüge der Sicherheitspolitik bis hin zu Cultural Awareness und reicht bis zur Beherrschung des Protokollwesens. Der beigeordnete Verteidigungsattaché "vertritt den Verteidigungsattaché während dessen Abwesenheit. Er bearbeitet selbstständig die ihm gemäß Weisung des Verteidigungsattachés zugewiesenen Bereiche und nimmt Repräsentationsaufgaben auf Befehl des Verteidigungsattachés wahr" (Quelle: Milex). Diese vielfältigen Aufgaben sind organisatorisch in einem Verteidigungsattachébüro im Ausland angesiedelt. Diesem Büro gehören zumindest ein Verteidigungsattaché, ein Verteidigungsattachéunteroffizier sowie Surplace-Personal an. Ein beigeordneter Verteidigungsattaché wird abhängig von der Aufgabenstellung zur Verstärkung bestellt.

Die Aufgaben eines Verteidigungsattachébüros

Die Aufgabenbereiche eines Verteidigungsattachébüros im jeweiligen Empfangsstaat sind breit gefächert und werden durch zwei Komponenten bestimmt: Zum einen durch die Zielsetzungen Österreichs - die aktive Komponente - und zum anderen durch jene Ziele, die der Empfangsstaat mit Österreich verwirklichen will - die passive Komponente. Daraus ergeben sich nun die generellen Aufgabenstellungen des militärdiplomatischen Personals, die sich wie folgt zusammenfassen lassen:

- Die Wahrnehmung der militärdi­plomatischen Aufgaben und Beziehungen sowie aller Interessen des BMLVS und des ÖBH gegenüber den Empfangsstaaten.

- Die systematische Beobachtung und anschließende Berichterstattung über die Streitkräfte und die Sicherheits- und Militärpolitik in den Empfangsstaaten.

- Die Herstellung und Pflege freundschaftlicher Beziehungen sowie die Kooperation zwischen den Streitkräften, den Ministerien und den Generalstäben der betreffenden Staaten sowie deren adäquaten Dienststellen in Österreich unter besonderer Berücksichtigung der länderspezifischen Arbeitsrichtlinien.

- Die Wahrnehmung von Repräsentationsverpflichtungen gegenüber den militärischen Dienststellen und anderen militärdiplomatisch relevanten Institutionen und Personen seines Amtsbereiches und gegenüber dem im Empfangsstaat und dem im Amtsbereich beglaubigten Diplomatischen Corps.

- Die Auswertung und Analyse von Beiträgen und Berichten.

- Die Unterstützung der österreichischen Botschaft.

Der Vergleich des Verteidigungsattachébüros mit einer zivilen Vertretungsbehörde ist aufgrund der teilweise ähnlichen Aufgabenstellung durchaus möglich. Gleichwohl ist hervorzuheben, dass die Aufgabenstellung eines Verteidigungsattachébüros fachspezifisch zweifellos auf das Militär zielt und daher die entsprechenden Fachkenntnisse gegeben sein müssen.

Der Weg in den Attaché-Dienst

Bei Interesse an der Aufnahme in den militärdiplomatischen Dienst ist es notwendig, die Ausschreibungen der Verteidigungsattaché-Positionen an den einzelnen Destinationen im Intranet zu verfolgen und sich infolgedessen für die gewünschte Auslandsposition zu bewerben oder aber sich mittels einer Initiativbewerbung direkt an die Attachéabteilung zu wenden. Die Einhaltung der in den Ausschreibungen dargelegten Kenntnisse und Fähigkeiten ist von außerordentlicher Bedeutung sowie gleichermaßen auch die Angabe von zusätzlichen Fähigkeiten und Interessen, um eventuell nutzbringende Fähigkeiten für den Einsatzraum mitbewerten zu können.

Generell wird eine Verteidigungsattaché-Position/Verteidigungsattachéunteroffiziers-Position etwa eineinhalb Jahre vor Einsatzbeginn bekanntgegeben. Nach Einlangen der Bewerbungsunterlagen wird ein mehrstufiges Assessment-Verfahren durchgeführt. Die Entscheidung wird meist im Sommer durch die oberste Führung des BMLVS beziehungsweise durch die Attachéabteilung gefällt. Anschließend beginnt oft mit September des laufenden Jahres die Ausbildung des zukünftigen militärdiplomatischen Personals im Rahmen der "Vorbereitung für das militärdiplomatische Personal", die etwa ein Jahr dauert.

Die Ausbildung

Nach Zustellung der Entscheidung für eine Position im militärdiplomatischen Dienst erfolgen generell eine Dienstzuteilung zur Attachéabteilung sowie die eben erwähnte Aufnahme in den "Lehrgang". Ein Kursdirektor sowie ein ihn unterstützender Unteroffizier (meist erfahrene Verteidigungsattachés und Verteidigungsattachéunteroffiziere) regeln und steuern alle Belange der Kursführung sowie die der Administration im Sinne der Attachéabteilung. Sie sind die direkten Ansprechpartner für die Teilnehmer des Lehrganges.

Der zehnmonatige Vorbereitungslehrgang gliedert sich in zwei grundlegende Abschnitte:

- Sprachausbildung.

- Modulausbildung.

Sprachausbildung

Für das militärdiplomatische Personal ist es vonnöten, zumindest die Grundlagen der Sprache des Empfangsstaates zu beherrschen. Aufgrund der Tatsache, dass ein Verteidigungsattachébüro oftmals mehrere andere Staaten mitbetreut (Mitakkreditierung), bedeutet das in weiterer Folge möglicherweise den Umgang mit eventuell mehreren Sprachen. Jeder Teilnehmer hat jedoch ausschließlich die Pflicht, die Sprache des jeweiligen Hauptamtssitzes des Verteidigungsattachébüros zu erlernen und nicht die, der mitakkreditierten Staaten. Die Beherrschung der Sprache des Empfangsstaates ist keine Vorbedingung, jedoch ein wesentlicher Pluspunkt bei der Bewerbung sowie bei der späteren Aufgabenumsetzung.

Für den Bewerber wird die Beherrschung der englischen Sprache vorausgesetzt. Für die Erlernung der anderen, jeweils verlangten Sprachen werden Sprachkurse angeboten, die verpflichtend zu absolvieren sind. Ziel ist die Steigerung um eine Stufe des FLP (fremdsprachliches Leistungsprofil). Dies bedeutet für die jeweiligen Teilnehmer intensive Sprachausbildung über mehrere Monate hinweg und der entsprechende Leistungsnachweis am Ende des Moduls.

Modulausbildung

Im zweiten Abschnitt des Vorbereitungslehrganges wird die Sprachausbildung in einen begleitenden Zustand übergeführt und der Fokus auf die inhaltliche Vorbereitung verlagert. Generell werden etwa 170 inhaltliche Themenfelder vorgetragen.

Die materiellen und infrastrukturellen Arbeitsbedingungen

In vielen Bereichen besteht die Möglichkeit, die jeweiligen (Ehe-)Partner der Mitarbeiter des zukünftigen militärdiplomatischen Corps einzubinden. Dies gilt ganz besonders für die Sprachausbildung und das Protokollwesen. Die Einbindung der (Ehe-)Partner folgt dem Grundsatz, dass im militärdiplomatischen Auslandsdienst die Familie als funktionierendes Team vor Ort gesehen wird. Dies deshalb, da in Staaten mit extremen Bedingungen ein familiärer Rückhalt den Aufenthalt erleichtert. Auch sollte bedacht werden, dass das Handeln der einzelnen Familienmitglieder im Sinne Österreichs geschehen muss. Es muss deutlich auf die oftmals komplett anderen Lebensverhältnisse und Umweltbedingungen hingewiesen werden, die zu hohen Belastungen in der Auftragsumsetzung führen, sich aber auch im Bereich der Familie niederschlagen können. Dies erfordert somit von jedem Interessenten im militärdiplomatischen Bereich vorab eine intensive Auseinandersetzung mit dem möglichen Einsatzort, wobei hierzu die Expertise der Attachéabteilung für jeden Interessierten zur Verfügung steht.

Die Installation eines Verteidigungsattachébüros bedingt - durch die Sorgfaltspflicht des Dienstgebers - eine entsprechende Herstellung notwendiger Arbeitsbedingungen in materieller Hinsicht. Dies wird umso schwieriger und komplexer, je exotischer die Destinationen sind, in denen österreichische militärdiplomatische Interessen verfolgt werden. Die materielle Ausstattung in Krisen- und Konfliktländern muss ebenso sichergestellt werden wie die in hoch technisierten Staaten. In beiden Fällen können große Abweichungen zu den Rahmenbedingungen, wie sie in Österreich üblich sind, auftreten.

Bei der materiellen Sicherstellung ist daher ein großes Maß an Flexibilität (vor allem durch die österreichischen Dienststellen) erforderlich. Probleme, die bei großen Luftverschmutzungen anfangen und bis zu Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit im Empfangsstaat sowie zur Gefährdung der Sicherheit gehen, sind zu bewältigen. Grundsätzlich wird, wenn es die Lage und die infrastrukturellen Gegebenheiten zulassen von derselben Lokation mit der jeweiligen österreichischen Botschaft ausgegangen. Sollte dies nicht möglich sein, muss infrastrukturell ein Kompromiss zwischen Sicherheitsaspekten, Lage zu den österreichischen zivilen und zentralen militärischen Dienststellen in der jeweiligen Hauptsstadt und den familiären Rahmenbedingungen gefunden werden. Alle infrastrukturellen und materiellen Erfordernisse sind detailliert in Grundlagendokumenten festgehalten und nachlesbar. Größtmögliche Sparsamkeit und Zweckmäßigkeit sind oberste Gebote und müssen gleichzeitig mit den Gepflogenheiten des diplomatischen Dienstes in Einklang gebracht werden. Das Um und Auf bei der Sicherstellung der materiellen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen ist es, auf die Gegebenheiten (rechtlich, gesellschaftlich, finanziell) des Empfangsstaates einzugehen. Alle detaillierten Vorschriften und Rahmenbedingungen werden den zukünftigen (beigeordneten) Verteidigungsattachés und deren Unteroffizieren im Rahmen des Vorbereitungslehrganges detailliert erklärt, um sie bestmöglich auf die Aufgabe vorzubereiten.

Ausblick

Eine Steigerung der bilateralen Kooperation ist derzeit in allen Grundsatzdokumenten für das ÖBH deutlich aufgezeigt. Dies nicht zuletzt, da durch bilaterale Kooperationen Synergieeffekte erzielt werden können. Aus diesem Grund und vielen anderen ist die Arbeit im militärdiplomatischen Bereich in höchstem Maße eine interessante, zukunftorientierte Aufgabe, wenn man sich für ein internationales Umfeld, andere Kulturen, Fremdsprachen, etc. interessiert und dies im Sinne Österreichs und des Bundesheeres einsetzen möchte. Unter dem Gesichtspunkt sinkender Verteidigungsbudgets sind bilaterale Kooperationen von größter Wichtigkeit, da durch diese auch Einsparungseffekte erzielt werden können.

(wird fortgesetzt)

Inhalte der Modulausbildung:

- Österreichische Sicherheitspolitik.

- Militärpolitische Rahmenbedingungen.

- Bilaterale Beziehungen und Militärdiplomatie.

- Prinzipien und Regelungen der Kommunikations- und Öffentlichkeitsarbeit für den Auslandsdienst.

- Rechtsaspekte und personalrechtliche Regelungen.

- Einsatzprinzipien und Strategien des ÖBH.

- Ausbildungsschwergewichte mit einzelnen Nationen.

- Spezialausbildung.

- Technische Ausbildung für Auslandsdienste.

- Gefahren für die militärische Sicherheit.

- Bilaterale Länder- und Regionenanalyse.

- Militärdiplomatischer Dienstbetrieb und Administration.

- etc.

Inhalte für die persönliche Vorbereitung:

- Dienstrechtliche Regelungen.

- Auslandsverwendungsverordnung.

- Wohnversorgung.

- Schulregelungen.

- etc.


Autoren: Bgdr MMag. Dr. Peter Vorhofer, Jahrgang 1967, 1993 - 1987 HTL-Maschinenbau Innsbruck, 1987 - 1991 TherMilAk Jahrgang "Montenuovo"; 1991 - 1997 Kdo LRÜ/TO Salzburg; 1991 - 1996 Studium Politik- und Kommunikationswissenschaft, Universität Salzburg; 1997-2000 Absolvent 15. Generalstabslehrgang Wien, 2000 - 2002 Leiter Fachbereich Taktik und Führung TherMilAk; 1999 - 2002 Doktoratsstudium Internationale Politik, Universität Wien; 2003 Leiter Referat Sicherheitspolitik KBM, 2003 stellvertretender Leiter Öffentlichkeitsarbeit KBM, 2004 - 2006 sicherheitspolitischer Berater des HBM, 2009 NCC AUTCON EUFOR ALTHEA und Chief Joint Military Affairs HQ EUFOR Bosnien, seit 2009 bis dato Leiter Attachéwesen und Militärdiplomatie, 2011 - 2012 Kdt Heerestruppenschule.

Nike Pulda, BA, Jahrgang 1987, 2008-2012 Bachelorstudium Politikwissenschaften (Osteuropastudien sowie Österreichische Politik), Universität Wien; seit 2012 Masterstudium Politikwissenschaften (Internationale Politik), Universität Wien; seit 2012 Bundeskanzleramt (Medienbeobachtung), bisherige Tätigkeiten:

OIIP (2012/2013) sowie BMEIA/ständige Vertretung bei der OSZE (2008); längere Auslandsaufenthalte in Irland (2006) und Kanada (2003 - 2004); außeruniversi­täres Engagement (u. a.): Erasmus Intensiv Programm zu Nuklearpolitik (2014), Belgrade Security Forum (2014), ODIHR/OSZE-Wahlbeobachtungsmission in Aserbaidschan (2008). Seit März 2014 Verwaltungs­praktikum Abteilung für Attachéwesen.

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