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HANDWERK14

Die Übung "Handwerk 14" stellte das Übungsschwergewicht der 4. Panzergrenadierbrigade im ersten Halbjahr 2014 dar. Das Kampfgruppenschießen bildete den Höhepunkt des Trainings innerhalb des Kampfes der verbundenen Waffen.

Kampfgruppenschießen

Im November 2012 erging der Auftrag des Brigadekommandanten an seinen Stab zur Ausarbeitung eines Kampfgruppenschießens, wobei die Brigade zumindest zwei gemischt verstärkte Bataillonskampfgruppen (gemvstkBKG) inklusive einer Luftunterstützung in den Einsatzarten Verzögerung, zeitlich begrenzte Verteidigung und Angriff zu führen habe. Entsprechend dem Übungsrhythmus der 4. Panzergrenadierbrigade (4.PzGrenBrig) und dem "4-Level-Warfare"-Prinzip wurde ein einfaches Szenario mit einem konventionellen Gegner (klar definierte Parteien, Armeen anderer Staaten) zur Erhaltung der Fähigkeiten und Kompetenzen der beteiligten Waffengattungen in den vorgegebenen klassischen Einsatzarten festgelegt.

Das Vierstufen-Modell - der "4-Level-Warfare" charakterisiert sich im 1. Level aus den klassischen Einsatzarten, im 2. Level aus Peace Support Operations (PSO), im 3. Level aus Multinationalität und im 4. Level aus dem Kampf gegen irreguläre Kräfte. Dies ist jenes Spektrum, das in einem Konflikt gleichzeitig oder abwechselnd auftreten kann und daher in den Übungen den Soldaten aufbauend und laufend vermittelt werden muss.

Als Rahmenlage diente die MAINLAND-Übungsserie, innerhalb derer es der taktische Auftrag der "Vierten" war, das Durchstoßen einer gegnerischen motorisierten Schützenbrigade (motSchBrig) aus dem Raum Horn über den Truppenübungsplatz (TÜPl) Allentsteig in Richtung Zwettl zu verhindern.

Teilnehmer des Kampfgruppenschießens

Die 4.PzGrenBrig verlegte für beide Übungswochen geschlossen auf den TÜPl Allentsteig. Ebenso das Aufklärungs- und Artilleriebataillon 4­ (AAB4), das Panzerbataillon 14 (PzB14; als gemvstkBKG14 - Bataillonskampfgruppe 14) und das Panzerstabsbataillon 4 (PzStbB4) taten dies mit ihren am Ende des Grundwehrdienstes stehenden Vollkontingenten des Einrückungstermines (ET) 09/13. Das Jägerbataillon 12 (JgB12) befand sich mit seinen Soldaten des ET 01/14 mitten in der Basisausbildung 1 (BA1) und war im Rahmen einer Feldlagerwoche für die Feinddarstellung der Aufklärungstruppe des AAB4 außerhalb des TÜPl verantwortlich. Das Panzergrenadierbataillon 13 (PzGrenB13) unterstützte vorwiegend die Sicherheitsorganisation beim Scharfschießen und verstärkte die gemvstBKG14 mit Grenadierelementen. Um die notwendige Mannstärke für ein derartiges Schießvorhaben zu erreichen, bedurfte es eines zusätzlichen Verbandes. Dieser fand sich im Jägerbataillon 17 (JgB17; als gemvstkBKG17) aus Straß (ebenfalls ET 09/13). Neben dem AAB4 mit der Artillerie stellten zwei bewaffnete OH-58-Hubschrauber des Kommandos Luftunterstützung (KdoLuU) die notwendige Feuerkraft für die Kampfunterstützung aus der Luft sicher.

Ziele des Kampfgruppenschießens

Die Vorgaben des Brigadekommandanten zur Anlage des Schießens beinhalteten im Detail nachstehende Ziele für den Erhalt und den Ausbau der Einsatzbereitschaft der 4. Panzergrenadierbrigade.

Erhalt und Ausbau der Führungsfähigkeit

Das Üben der Einsatzführung im scharfen Schuss stellt die höchste Kunst des Trainings und der Vorbereitung für Einsätze dar. Der Erhalt sowie der Ausbau der Führungsfähigkeit darf jedoch nicht bloß auf die tatsächliche Schießverlegung reduziert werden. Rund sechs Monate vor dem eigentlichen Kampfgruppenschießen (KGS) wurde begonnen, die Kommandanten aller Ebenen in die Planungen und Vorbereitungen für das Schießen einzubinden. Schon in dieser Phase waren sie dadurch gezwungen, sich mit sämtlichen Aspekten der Führung ihrer Organisationselemente im scharfen Schuss auseinanderzusetzen - ebenso, wie es auch im Einsatz der Fall wäre, beginnend mit der geplanten Einsatzführung über die Sicherheitsbestimmungen bis hin zur Einsatz- und Führungsunterstützung.

Die Einbindung der Kommandanten in diesen Planungsprozess erfolgte u. a. durch:

- Erkundungen im Gelände.

- Koordinierungsbesprechungen zur Synchronisation des Gefechtes.

- das Durchführen von Kriegsspielen zur Überprüfung der geplanten Einsatzführung.

Gefechtstechnik - "soldatisches Handwerkszeug"

Durch das mehrfache Vorüben der geplanten Einsatzführung in der Vorwoche des Schießens bot sich die Gelegenheit, die Gefechtstechniken unterschiedlicher Einsatzarten bis auf die unterste Ebene zu üben, zu festigen und durch gezielte Nachbesprechungen zu verbessern. Eine Überprüfung zur Erreichung dieses Zieles fand u. a. durch die Trefferauswertung statt, die sich nicht auf das bloße "Abstreichen und Abzählen" der Treffer auf den Zieldarstellungen beschränkte. Die Trefferauswertung fand in zwei Schritten statt: Im ersten Schritt wurden die Treffer gezählt (je nach Ziel-/bzw. Scheibenart händisch, elektronisch oder durch Beobachtung). Die erzielten Treffer wurden der jeweiligen Kompanie bzw. dem jeweiligen Verband zugeordnet. So konnte dann im zweiten Schritt verglichen werden, ob und in welchem Ausmaß diese den gemäß Ausgangslage in ihrem Verantwortungsbereich vermuteten Gegner vernichtet und somit ihren taktischen Zweck erfüllt haben.

Im Zusammenhang mit der in der Planungsphase formulierten "Vermutlichen Absicht der Konfliktparteien" wurden die Treffer unter Einbeziehung der taktischen Komponente ausgewertet und ermittelt, wie viele Elemente des Gegners in welcher Qualität bekämpft worden waren. Durch diese Vorgehensweise konnte bis zu einem gewissen Ausmaß festgestellt werden, ob die Brigade bzw. die einzelnen Kampfgruppen ihren taktischen Zweck erfüllt haben.

Das Soldatenhandwerk zu beherrschen, ist eine Grundvoraussetzung für die Auftragserfüllung im In- und Ausland. Die "Vierte" konnte in den vergangenen Jahren bei zahlreichen Gelegenheiten (z. B. KPE/13 im Norden des Kosovo Ende 2011, Assistenzleistungen im Inneren etc.) unter Beweis stellen, dass die Inhalte, die sie in der Ausbildung ihren Soldaten vermittelt, die Weiterentwicklungsziele, die sie verfolgt und die Werte, für die sie einsteht, zielgerichtet, zweckgebunden und einsatzbezogen sind.

Kampf der verbundenen Waffen

Der Kampf der verbundenen Waffen beinhaltet das zeitliche und räumliche Zusammenwirken von Kräften und Mitteln verschiedener Waffengattungen im Gefecht unter einheitlicher Führung. Am Kampfgruppenschießen waren neben Manöverelementen unterschiedlicher Waffengattungen (Panzer, Panzergrenadiere, Jäger) im Rahmen von gemvstkBKG auch Elemente der Einsatzunterstützung und Führungsunterstützung beteiligt. Weiters waren das AAB und bewaffnete Hubschrauber zur Kampfunterstützung im Rahmen des Aufklärungs- und Wirkungsverbundes eingebunden. Ein taktisches Schießen dieser Art und Größenordnung ist bestens geeignet, um taktische Abläufe und insbesondere das Prinzip von Feuer und Bewegung auf Brigadeebene möglichst realitätsnah üben zu können. Es dient weiters dem Kader zur Vermittlung von Bildern und Erfahrungen, die zwingend notwendig sind, um den Kompetenzerhalt innerhalb des eigenen Verbandes zu sichern und das Verständnis für das Zusammenwirken mit anderen Waffengattungen - somit den Kampf der verbundenen Waffen - zu fördern.

Nur durch das gemeinsame Üben und Scharfschießen aller Organisationselemente des großen Verbandes kann unter der Führung des Brigadekommandos der Kampf der verbundenen Waffen - das koordinierte und synchronisierte Zum-Einsatz-Bringen jedes einzelnen Elementes - realistisch dargestellt werden. Ein bloßes Üben/Scharfschießen auf Ebene des kleinen Verbandes (innerhalb der jeweiligen Waffengattung) würde zwangsläufig zu einem Kompetenzverlust in diesem Bereich führen.

Attraktivierung des Wehrdienstes

Am Kampfgruppenschießen nahmen ca. 2 300 Soldaten (Grundwehrdiener, Miliz- und Berufssoldaten) teil. Davon waren rund 1 500 (fast zwei Drittel) in den tatsächlichen Gefechtsverlauf eingebunden. Ungefähr 500 waren Teil der (ebenfalls gefechtsmäßig durchgeführten) Einsatz- und Führungsunterstützung. Lediglich 300 der 2 300 Soldaten waren bei der Übungsleitung bzw. Sicherheitsorganisation eingesetzt. Knapp 1 300 Übungsteilnehmer (mehr als die Hälfte) trugen Chargendienstgrade (mit Masse Grundwehrdiener). Diese übten zum überwiegenden Teil in den Kampf- und Kampfunterstützungsverbänden. Weiters nahmen ca. 500 Besucher (der Großteil davon waren Grundwehrdiener aus dem gesamten Bundesgebiet) die Möglichkeit wahr, einen zweistündigen Ausschnitt des Schießens von einem Aussichtspunkt aus zu verfolgen. Für den ET 09/13 (AAB4, PzB14, JgB17, PzStb­B4) bildete das KGS die Abschlussübung des Grundwehrdienstes. Für die Grundwehrdiener des ET 01/14 (JgB12) war es ein frühes Highlight in ihrer Ausbildung.

Phasen des KGS Die zwei Wochen des Kampfgruppenschießens teilten sich in fünf Phasen auf:

- Phase 1: Verlegung und Einrichten der Kampfgruppen auf dem Truppenübungsplatz sowie Zielaufbau - dabei wurden über 600 Ziele auf dem gesamten TÜPl aufgestellt.

- Phase 2: Vorüben der geplanten Einsatzführung und Abnahme durch den Brigadekommandanten sowie den Sicherheitsoffizier.

- Phase 3: Beginn der beiden Schießtage mit dem Verzögerungskampf der gemvstkBKG14. Dieser führte von der Linie Edelbach-Schwarzenreith über Großpoppen-Heinreichs, die Engen Kleinkeinraths und Söllitz und endete mit einem Aufnahmeschießen durch die gemvstkBKG17 an der Battle Handover Line (BHL; Aufnahmelinie) Oberplöttbach-Niederplöttbach.

- Phase 4: Verteidigungsschießen der gemvstkBKG17 an der Forward Edge of Battle Area (FEBA; Vorderster Rand der Verteidigung) Oberndorf-Gatschenwiese-Thomaskirchen inklusive kompaniestarker Gegenstöße zur Be­reinigung von gegnerischen Einbrüchen.

- Phase 5: Bindungsangriff der gemvstk­BKG17 am zweiten Schießtag in das Objekt Oberplöttbach sowie der darauffolgende Gegenangriff der gem­vstk­BKG14 über Kühbach nach Söllitz.

Auf einen Blick

Die Kernfähigkeit des Kampfes der verbundenen Waffen im scharfen Schuss auf den Ebenen der gemvstkBKG und der Brigade ist eine klassische, allumfassende militärische Disziplin des Zusammenwirkens aller Waffengattungen. In Anbetracht der durch die angespannte Ressourcenlage eingeschränkten Übungstätigkeit wird in Zukunft die wesentliche Leistung vor allem darin liegen, zumindest kein derzeit noch vorhandenes Know-how zu verlieren.

Dieses Know-how umfasst als Mindestanforderung die Planung oben angesprochener Kampfgruppenschießen auf Brigadeebene und darüber hinaus die praktische Durchführung als Zielüberprüfung im scharfen Schuss. Zugs- und Kompaniegefechtsschießen als Vorbereitung bis hin zum Schießen von gemvstkBKG, geführt durch ein Brigadekommando, sind notwendig, um die Führungsfähigkeit insgesamt zu erhalten und um ebenenübergreifend das grundlegende soldatische Handwerk nicht zu verlernen.

Die HANDWERK 14 war zugleich Abschlussübung und Höhepunkt der Ausbildung der Grundwehrdiener des Vollkontingentes ET 09/13. Dabei hatten die jungen Soldaten die Gelegenheit, ihre zuvor erlernten Fähigkeiten gemeinsam mit Miliz- und Berufssoldaten unter einsatznahen Bedingungen im scharfen Schuss anzuwenden. Dies diente nicht nur der Erfüllung des Grundauftrages, sondern ist auch als wesentlicher Beitrag zur Attraktivierung des Wehrdienstes innerhalb der "Vierten" zu sehen.

Insgesamt liegt nun mit der HANDWERK 14 ein praktischer Lösungsvorschlag vor, was unter attraktivem Wehrdienst und unter Mindestmaß an Kompetenz- und Fähigkeitenerhalt innerhalb der Waffengattungen im Kampf der verbundenen Waffen zu verstehen ist, und was man tun muss, um diese Erfordernisse auch zukünftig zu erhalten.


Autor: Hauptmann dG Mag.(FH) Dr. Felix Kügler; Jahrgang 1981; 2005 Ausmusterung an der Theresianischen Militärakademie als Fernmeldeoffizier; 2005 bis 2010 im Heeresnachrichtenamt; 2010 bis 2013 Absolvierung des 19. General­stabslehrganges, Ausmusterung zur­ 4. Pan­zergrenadierbrigade als G5; seit August 2014 in der Abteilung Militärstrategie im BMLVS; 2009 bis 2012 Doktoratsstudium der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der WU Wien.

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