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Psychologie in der Unteroffiziersausbildung

Eignungstestungen

Bereits während der Stellungsuntersuchung, die alle männlichen österreichischen Staatsbürger aufgrund der Allgemeinen Wehrpflicht durchlaufen müssen, gibt es den ersten Kontakt mit der Psychologie des Bundesheeres. Hier wird in einer umfangreichen computerunterstützten Testung die psychische Eignung für den Wehrdienst festgestellt. Genauer gesagt werden wesentliche Teile der allgemeinen Intelligenz wie etwa Wortgewandtheit, Raumvorstellungsvermögen, Auge-Hand-Koordination und technische Begabung gemessen.

Falls bei der Stellungsuntersuchung die grundsätzliche Eignung für den Wehrdienst festgestellt wurde und sich ein junger Mann für den Soldatenberuf interessiert, so wird seine Eignung für eine Berufslaufbahn in einer weiteren Untersuchung des Heerespersonalamtes beurteilt. Frauen mit Interesse am Soldatenberuf werden ebenfalls zu dieser Untersuchung mit Schwergewicht Belastbarkeit und soziale Fähigkeiten eingeladen. Am Ende dieser ausführlichen psychologischen Untersuchung steht dann fest, ob die Bewerber den Anforderungen einer Chargen-, Unteroffiziers- oder Offizierslaufbahn ­entsprechen.

In der Ausbildung zum Unteroffizier absolvieren die jungen Soldaten einen sieben Wochen dauernden Vorbereitungslehrgang in der Verantwortung der Heeresunteroffiziersakademie. Während dieses Lehrganges werden die Lehrgangsteilnehmer neben ihrer fachlichen auch hinsichtlich ihrer psychologischen Eignung zum Kommandanten beurteilt. Dabei wird besonderes Augenmerk auf den sozialen Umgang in der verantwortungsvollen Führungsposition eines Gruppenkommandanten gelegt.

Ausbildung

Das Bundesheer legt nicht nur in der Personalauswahl der Soldaten einen viel größeren Wert auf die sozialen Kompetenzen, als das noch vor einigen Jahren der Fall war. Auch in der Ausbildung wird großer Wert auf theoretische und praktische Vermittlung sozialer Fertigkeiten gelegt. So werden in den Fächern Ausbildungsmethodik und Führungsverhalten moderne Erkenntnisse aus den Bereichen Lernpsychologie und psychologische Gruppenprozesse gelehrt und von den Lehrgangsteilnehmern ausgiebig geübt. Durch den Psychologen der Heeresunteroffiziersakademie wird tiefer gehendes Wissen auf den Gebieten Auswirkung und Prävention von Stress, Burnout, traumatischer Stress und psychologische Selbst- und Kameradenhilfe vermittelt.

Praktisches Training

Theoretisches Wissen zu haben, ist eine gute und notwendige Grundlage. Die praktische Anwendung der gelernten psychologischen Inhalte gibt den angehenden Kommandanten erst die nötige Sicherheit und das Selbstvertrauen, im Anlassfall die richtigen Entscheidungen zu treffen und Maßnahmen zu setzen, die das Leben und die Gesundheit der ihnen überantworteten Soldaten schützen.

Daher wurde an der Heeresunteroffiziersakademie ein neues Führungstraining unter Einbeziehung des Psychologen entwickelt. Hierbei werden modernste Ausbildungsmethoden mit unmittelbarer Verhaltensreflexion angewandt, um einen maximalen und nachhaltigen Lerneffekt zu erzielen. Den jungen Soldaten wird die Möglichkeit geboten, in verschiedenen Szenarien unter höchst realistischen Bedingungen und entsprechender Stressbelastung zu trainieren. Das Ausbildungspersonal analysiert mittels Einsatzes moderner Medientechnik gemeinsam mit den Unteroffiziersanwärtern das gezeigte Verhalten. So werden die situationsspezifische, optimale taktische Führung der Gruppe und das richtige Verhalten des Gruppenkommandanten bei einem psychischen Ausfall durch eine akute Belastungsreaktion eines Soldaten erarbeitet.

Hierbei ist der Psychologe im Ausbilderteam für das entsprechende Gefechtsszenario integriert, weist die Rollenspieler ein und leitet die unmittelbar anschließende Szenarienauswertung hinsichtlich der getroffenen Maßnahmen zur psychologischen Selbst- und Kameradenhilfe. Durch diese neue ökonomische und lernpsychologisch höchst effektive Ausbildungsmethode werden die Lehrgangsteilnehmer bestmöglich auf ihre künftigen Führungsaufgaben vorbereitet. Besonders in Hinblick auf mögliche Einsätze der jungen Soldaten auch außerhalb der österrei­chischen Grenzen hat eine solche Ausbildung unschätzbaren Wert. Denn genauso wenig wie eine Armee verwundete oder getötete Soldaten in einem Einsatzgebiet verzeichnen will, möchte sie Soldaten mit psychischer Verwundung - wie etwa einer Posttraumatischen Belastungsstörung - nach Hause bringen müssen.

Mag. Günther Kreiml

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