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Militär International: Die Streitkräfte der USA und Kanadas 2014

Im Jahr 2014 befasst sich "Militär-International" mit den Streitkräften der Vereinigten Staaten von Amerika und von Kanada. Das TRUPPENDIENST-Spezial in der seit Jahren bewährten Form wird diesmal nur als Druckversion (E-Paper/pdf) auf der Bundesheeer-Homepage bereitgestellt. In der Beilage zum vorliegenden Heft befindet sich der Poster zu "Militär-International".

Die USA wurden von "Militär International" zuletzt im Jahr 2009 behandelt. Die US-Streitkräfte haben sich in diesen fünf Jahren massiv verändert. Zu diesen Veränderungen tragen mehrere Faktoren bei: Die USA haben ihre Kräfte aus dem Irak abgezogen und auch in Afghanistan die Truppen reduziert, das Budget der Streitkräfte wurde reduziert und eine strategische Schwergewichtsverlagerung in den pazifischen Raum ist weiter vorangeschritten. Die USA befinden sich nun seit wenigen Wochen wieder im Einsatz im Irak, jedoch nicht in einem Umfang, der mit dem nach der Invasion 2003 vergleichbar wäre.

Im Bereich der strategischen Kommandostruktur wurde im Vergleich mit dem Jahr 2009 das "U.S. Joint Forces Command" aufgelöst. Der Truppenumfang der U.S. Army von 632 000 auf 513 000, der U.S. Navy von 339 000 auf 323 000, jener der U.S. Air Force (USAF) von 340 000 auf 324 000 reduziert, während jener der Marines einigermaßen stabil geblieben ist. Die US-Streitkräfte wurden in den letzten Jahren innerhalb der USA konzentriert und die Stationierungen in Übersee weiter reduziert. Dies wurde vor allem im Bereich der Landstreitkräfte, aber auch der USAF offenkundig. Die Fähigkeiten zur Projektion der Streitkräfte innerhalb verhältnismäßig kurzer Zeit ist im Gegensatz jedoch ausgebaut worden. Die Hinwendung in den pazifischen Raum ist aktuell einer der wesentlichsten militärstrategischen Handlungsstränge. Werden in Europa die Kräfte reduziert, so wird das quantitative Kräfteniveau im Verantwortungsbreich des Pacific Commands gehalten und deren Qualitäten ausgebaut.

Ein weiterer Bereich, in den die US-Streitkräfte massiv inves­tieren und in dem umfassende Kapazitäten aufgebaut werden, ist die Cyber-Defense. Dazu werden in allen Teilstreitkräften Truppen verfügbar gemacht, die im gesamten Bereich der Computer Network Operations tätig sind. Die Cyber-Kräfte werden nicht als neue Teilstreitkraft, sondern als Teil des militärischen Kampfsystems integriert. Die Kräfte zum Kampf im Cyberspace werden durch das U.S. Cyber Command, das ein Component Command des U.S. Strategic Command repräsentiert, geführt. Die U.S. Army hat dort die 2nd U.S. Army, die Navy die 10th Fleet und die Air Force die 24th Air Force und die Marines, das Marine Corps Cyberspace Command, zugeordnet.

Strategische Kräfte

Die USA halten weiterhin an einer umfassenden nuklearen Abschreckung fest, auch wenn der quantitative Umfang reduziert wird. Die nukleare Triade - das Zusammenspiel von nuklear bewaffenbaren Bombern der Luftstreitkräfte, landgestützten Interkontinentalraketen und der mit nuklearen ballistischen Raketen ausgestatteten U-Bootwaffe der U.S. Navy - wird gemeinsam mit den nötigen Führungs- und Kommunikationsmitteln aufrechterhalten. Ergänzend werden die Fähigkeiten zur Frühwarnung und Überwachung auf den aktuellen Stand gebracht und die Raketenabwehrfähigkeit weiter ausgebaut.

Die Nutzung von weltraumgestützten Mitteln ist für die US-Streitkräfte unerlässlich. Die Fähigkeiten der Satelliten für Kommunikation, Frühwarnung und Aufklärung werden auf einem hohen Niveau gehalten, gleiches gilt für die globale Navigationsunterstützung. Verstärkt werden in diesem Bereich die Anstrengungen, das Lagebild im Weltraum zu halten und weiter zu verbessern, wozu auch massive Inves­titionen getätigt werden. Es ist das Ziel, nicht nur die Position, Flugbahn und Geschwindigkeit von eigenen Satelliten oder Weltraumschrottteilen zu kennen, sondern auch auf die zunehmende Präsenz von potenziell feindlichen Satelliten reagieren zu können und die eigenen Mittel gegen potenzielle Angriffe zu stärken. In allen Teilstreitkräften wurden die Fähigkeiten der Spezialeinsatzkräfte (SOF) weiter ausgebaut.

Die U.S. Army

Die Kräfte der U.S. Army sind weiterhin in Corps- und Divisionsstrukturen zusammengefasst, mit zehn Divisionen. Jedoch hat sich, auch durch die Erkenntnisse aus den Konflikten im Irak und in Afghanistan, die Brigadestruktur als bestimmend herauskristallisiert. In der laufenden Reorganisation der Brigade Combat Teams werden den Brigaden wieder drei Kampfverbände zugeordnet und Unterstützungskräfte reorganisiert bzw. aufgelöst. Diese Reorganisation ist u. a. auf den Sparzwang und die daraus resultierende weitere Verringerung des Personalumfanges zurückzuführen. Der genaue Personalumfang der U.S. Army in der Zielstruktur ist derzeit noch nicht fixiert, jedoch wird dieser zwischen 420 000 und 450 000 Soldaten liegen. Bereits im Jahr 2013 und 2014 wurde die Personalstärke der Kommanden oberhalb der Brigaden um 20 Prozent reduziert.

Während sich in den letzten fünf Jahren im Bereich der Ausrüstung nur geringe Änderungen ergeben haben und primär älteres Gerät auf modernen Stand gebracht werden konnte, stehen nun den Verbänden der Army größere Veränderungen bevor. Besonders im Bereich der Heeresflieger werden die OH-58D "Kiowa" ohne Ersatz ausgeschieden und die Kampfhubschrauber AH-64 "Apache" in der aktiven Komponente der Army konzentriert, was die National Guard dieser Fähigkeit berauben wird. Investiert wurde in den vergangenen Jahren aber nicht nur in eine große Zahl von Mine Resistant Ambush Protected Vehicles (MRAP) für die laufenden Einsätze, sondern auch in die netzwerkfähige Aufklärungsfähigkeit der Truppen.

Die wesentlichste Herausforderung für die Führung der U.S. Army ist es jedoch, die Kräfte aller Truppengattungen wieder für umfassende Kampfeinsätze vorzubereiten, da festgestellt werden musste, dass die vergangenen Jahre mit den stabilisierenden Einsätzen im Irak und in Afghanistan, die Fähigkeiten zum Kampf in einem konventionellen militärischen Konflikt mit einem ebenbürtigen Gegner reduziert haben.

Die U.S. Navy

Die Navy bleibt gemeinsam mit den Marines weiterhin das primäre Mittel der militärischen Machtprojektion der USA. Durch die Ausrichtung auf den pazifischen Raum kommen zusätzliche Aufgaben und Anforderungen hinzu. Kern der Navy bleiben die zehn Flugzeugträger mit ihren Seefliegergeschwadern, wenn auch immer wieder deren Notwendigkeit in Frage gestellt wird - vor allem durch Protagonisten der anderen Teilstreitkräfte, ob ihrer hohen Kosten und potenziellen Gefährdung durch moderne feindliche Waffensys­teme wie endphasengesteuerte ballistische Raketen oder extrem leise U-Boote. Die Träger der Nimitz-Klasse werden in den kommenden Jahrzehnten durch jene der Gerald Ford-Klasse abgelöst werden. Das erste Schiff dieser Klasse soll ab 2016 zulaufen. Für die Raketenabwehr werden neue moderne Kreuzer der Ticonderoga-Klasse und Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse verwendet werden. Als Teil des Raketenschildes in Europa werden raketenabwehrfähige Kreuzer in Spanien stationiert. Derzeit laufen Folgeplanungen für einen neuen Fregattentyp, da das modulare System des Littoral Combat Ship (LCS) nicht die geforderten Fähigkeiten in einem modernen Seegefecht bringen kann. In den nächsten Jahren wird die Navy hohe Summen in die Nachfolge der Nuklear-U-Boote mit ballistischen Raketen (SSBN) investieren müssen, da die Ohio-Klasse ersetzt werden muss.

Die Seefliegerkräfte erhalten derzeit eine Anzahl neuer Einsatzmittel. Es erfolgt die Einführung des Joint Strike Fighters F-35 "Lightning" II in der Version "C", wodurch vor allem die älteren Modelle der F/A-18 "Hornet" ausgeschieden werden können, während die F/A-18E/F "Super Hornet" noch über Jahre in Dienst bleiben. Im Bereich des Electronic Warfare werden die betagten EA-6B "Prowler" durch die EF-18G "Growler" (auf Basis "Super Hornet") ersetzt, die Seeüberwachungsflugzeuge vom Typ P-3C "Orion" finden in der P-8 "Poseidon" ihre Nachfolge und auch die Hubschrauberflotte wird vereinheitlicht. Eine wesentliche Neuerung ist im Bereich der unbemannten Systeme zu beobachten, wo das UCAS X-47 bereits Landungen und Starts auf Trägern durchgeführt hat und so eine neue Ära der bewaffneten Seefliegerei eingeläutet hat.

Für die U.S. Navy bleibt die Herausforderung der weiter zunehmenden Einsatzerfordernisse und der Forderung an vielen Orten gleichzeitig im Einsatz zu stehen. Hinzu kommen noch die Kostenexplosionen bei Rüstungsprojekten, die eine rasche Einführung von neuen Systemen verhindert hat oder die Reduzierung der Stückzahl zur Folge hatte.

Das U.S. Marine Corps

Auch das U.S. Marine Corps (USMC) ist von der Reduzierung des Personalumfanges betroffen. Als Ziel wird 180 000 Mann als Umfang der aktiven Marines anvisiert (minus 10 000).

Die Konzeption des Zusammenwirkens eines Command-, Ground-Combat-, Aviation- und Logistics-Elementes wird weiterhin aufrecht erhalten und weiterentwickelt. Den Kern des aktiven Teils des USMC bilden die jeweils drei Marine Divisions, Marine Air Wings und Marine Logistics Groups. Das USMC ist im Begriff seine Stationierung im pazifischen Raum zu ändern, wobei größere Truppenteile aus Japan abgezogen und nach Guam verlegt werden. Die Marines verfolgen in Weiterentwicklung des Konzeptes "Operational Maneuver from the Sea" die Ideen des "Ship to Objective Maneuvers" und der Abstützung auf eine "Sea Base". So soll eine lange Pause am Landungsstrand vermieden und gleich in die Tiefe des Landes gestoßen werden. Dazu nötige Fähigkeitenträger laufen in Form des MV-22 "Osprey" zu, die Hubschrauberflotte wird in Form der UH-1Y und AH-1Z "Super Cobra" auf neuesten Stand gebracht. Das Hovercraft (LCAC), als wesentlicher Verbinder zwischen Schiff und Landungsstrand, wird einer Kampfwertsteigerung unterzogen und das Arbeitspferd unter den Hubschraubern - der CH-53 - wird in der K-Version neue Möglichkeiten bieten. Nach wie vor offen ist hingegen die Nachfolge für den AAV-7, da das Projekt des "Expeditionary Fighting Vehicles" eingestellt werden musste. Auch das Marine Corps wird den Joint Strike Fighter F-35 erhalten. Hier wird die C-Version als Senkrechtstarter den "Harrier" nach und nach ablösen. Die Marines besinnen sich derzeit wieder auf ihre Kernrolle als amphibische Kraft und verstärken die Anstrengungen in Ausbildung und Übung für eine bessere Zusammenarbeit mit anderen Teilstreitkräften.

Die U.S. Air Force

Die Sparzwänge der US-Streitkräfte haben bei der Air Force zum Am-Boden-Halten ganzer Geschwader geführt. Auch wenn diese drastische Maßnahme wieder aufgehoben werden konnte, so zeigte sie doch den Ernst der Lage. Die aktuelle Typenvielfalt soll durch die Einführung der F-35A reduziert werden - immerhin sollen davon über 1 700 Stück beschafft werden. Hier ist derzeit jedoch besonders die geplante Ausscheidung der A-10 "Thunderbolt" II kontroversiell, da die CAS-Fähigkeit durch die F-35 nicht auf gleichem Niveau gegeben ist. Der Luftüberlegenheitsjäger F-22 ist mittlerweile voll einsatzbereit und bildet den Kern der Luftverteidigung. Für die Air Force steht ebenfalls die überfällige Ablöse der Tankflugzeuge (KC-10 und KC-135) an, wo nach jahrelanger Ausschreibungsmisere eine Entscheidung getroffen werden konnte und der KC-46A ab 2018 eingeführt werden soll. Im Bereich der Transportflugzeuge sind derzeit C-130 der J-Version in Auslieferung und die C-5 "Galaxy" werden auf den M-Stand gebracht. Die Air Force ist die treibende Waffengattung für die Entwicklung luftgestützter Präzisionsmunition - die heute in den Einsätzen massiv nachgefragt ist - und für UAV mit hoher Reichweite wie der "Global Hawk" oder der bewaffneten "Reaper". Abzuwarten bleibt, wie sich das begonnene Bomberprojekt entwickeln wird, das die Ablöse der B-52 und B-1 sicherstellen soll.

Fazit

Insgesamt bleibt zu beobachten wie sich vor allem die finanziellen Rahmenbedingungen auf die US-Streitkräfte auswirken. Auch das Verhalten und die Verlässlichkeit der Rüstungsindustrie werden einen Beitrag zu leisten haben - kommt es weiterhin zu massiven Überziehungen der Ressourcen, ist vermehrt mit der Einstellung von prominenten Programmen zu rechnen. Die US-Streitkräfte haben mittlerweile im internationalen Vergleich technologisch einen Status erreicht, der es für andere verbündete Streitkräfte schwierig macht, im vollen Spektrum zusammenzuarbeiten.

Brigadier Mag. Bruno G. Hofbauer

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