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Einsatzvorbereitung AUTCON5/UNIFIL beim VR1

Das Versorgungsregiment 1 (VR1) führte bereits zum fünften Mal die Einsatzvorbereitung für die Soldaten von UNIFIL (United Nations Interim Force in Lebanon) durch. Die Inhalte umfassten u. a. eine Kraftfahrausbildung verschiedener Klassen, Sprachausbildung, erweiterte "Erste-Hilfe" sowie die Angleichung der Fertigkeiten und Fähigkeiten im Gefechts- und Schießdienst.

"VR1 plant und führt Einsatzvorbereitung für AUTCON5/UNIFIL durch und gewährleistet das Herstellen der Entsendebereitschaft bis zur 49. Kalenderwoche 2013", so der militärisch nüchterne Auftrag, der im Sommer 2013 an das VR1 erteilt wurde.

Gestärkt durch die Erfahrungen der erfolgreichen Ausbildung der Teile EU Battle Group 2012-2, machten sich die mit der Planung beauftragten Offiziere des Regimentes daran, die Soldaten des 5. Libanon-Kontingentes (AUTCON5/UNIFIL) bestmöglich auf ihren Einsatz vorzubereiten. Zunächst­ bedeutete das, in intensiver Zusammenarbeit mit dem Heerespersonalamt und dem Streitkräfteführungskommando den personellen Rahmen für das Kontingent abzustecken und den Organisationsplan mit Personal zu befüllen. Der personelle Rahmen von UNIFIL vor Ort in Gratkorn umfasste dabei bis zu 130 Personen, die vom VR1 entsprechend auf ihre jeweilige Funktion vorbereitet werden mussten. Die Schwierigkeit für die Planer im Kommando VR1 bestand zu Beginn darin, jeden dieser 130 Soldaten im Hinblick auf seine Fähigkeiten genau zu "durchleuchten" und jeden Einzelnen einer seiner Funktion entsprechenden Ausbildung im Regiment bzw. an der entsprechenden Waffen- und Fachschule zuzuführen - 47 Soldaten kamen dabei vom VR1 (mit Masse aus der Kaderpräsenzeinheit).

Allgemeine Ausbildung

Die eigentliche Ausbildung begann für rund 30 Soldaten bereits am 9. September 2013 mit dem Start der Fahrschulausbildung der Führerscheingruppe "C" (LKW), der in den folgenden Wochen Ausbildungen der Gruppen "D" (Bus) und "E" (schwerer Anhänger) folgten. Die Fahrschulausbildung stellte das eigentliche Schwergewicht - wie bei einer Transporteinheit üblich - bei dieser Einsatzvorbereitung dar. Die Kontingentsstärke wuchs während dieser Zeit stetig an, und mit Beginn der AMA (Allgemeine Militärische Ausbildung) umfasste sie bereits eine Stärke von rund 130 Soldaten. Die Gesamtstärke von AUTCON5/UNIFIL im Einsatzraum Libanon betrug rund 170 Personen inklusive der Soldaten von AUTCON4/UNIFIL, die ihren Einsatzzeitraum verlängert haben (Verlängerer). Insgesamt sind bei der UN-Mission im Libanon rund 10 000 Sol­daten im Einsatz. Mit Abschluss der Fahrschulausbildung startete, wie oben bereits erwähnt, die AMA in der Dauer von drei Wochen, wo es galt, die Soldaten im Bereich der "militärischen Grundkenntnisse" auf einen einheitlichen Wissens- und Fähigkeitsstand zu bringen (von KPE-Soldaten über auslandseinsatzerfahrene Berufssoldaten bis hin zu Milizsoldaten, deren letzte Übung möglicherweise schon lange zurückliegt). Deshalb umfasste diese AMA Ausbildungsziele wie Waffen- und Schießdienst, Karten- und Geländekunde, Fernmeldedienst und Minentraining. Ein wesentlicher Punkt war auch der Bereich "Mandat und Mission", wobei die Soldaten Grundlegendes über die Lage im Einsatzraum, die Konfliktgeschichte und das richtige Verhalten gegenüber der Zivilbevölkerung lernten.

Schwergewicht der AMA war aber die erweiterte Sanitätsausbildung, in der über die Dauer von einer Woche die Verwundetenversorgung auf dem Gefechtsfeld theoretisch und praktisch vermittelt wurde. Gerade in diesem Bereich sah man, mit welchem Einsatz die Soldaten dabei zu Werke gingen, denn egal ob Gefreiter oder Oberstleutnant - bei der Verwundetenbergung musste jeder gleich "anpacken".

Fachausbildung

Nach Abschluss dieses Ausbildungsabschnittes am 8. November 2013 waren die Soldaten von AUTCON5/UNIFIL militärisch "grundlegend gerüstet". Nun galt es, auf die im Libanon herrschenden speziellen Gegebenheiten einzugehen, was in der Woche vom 11. November bis 15. November innerhalb der "Einsatzraumspezifischen Basisausbildung" geschah. Das Schwergewicht bildete dabei die Sprachausbildung. Sämtliche Ausbildungsinhalte wurden in Englisch vermittelt, da im Einsatzraum Englisch als "Amtssprache" gesprochen wird und deshalb einen unumgänglichen Ausbildungsschritt darstellt. Unterstützt wurde das VR1 von Sprachtrainern des Sprachinstitutes des Bundesheeres (SIB). Im Zusammenhang mit der Sprachausbildung wurde für die Kommandanten auch der Bereich der Verhandlungsführung ausgebildet. So kann es im Auslandseinsatz jederzeit zu Situationen kommen, bei denen der jeweilige Kommandant, zum Beispiel während eines Transportes mit einem Fahrzeugkonvoi, in Verhandlungen mit verschiedenen regionalen "Führern" treten muss, die etwa eine Straße sperren und für die ungehinderte Weiterfahrt einen "Wegzoll" einheben möchten. Ein für solche Situationen immer richtiges Verhalten auszubilden ist schwierig, zu verschieden sind die möglichen Zwischenfälle und "Stress-Situationen" mit denen man jederzeit konfrontiert werden könnte. Was man den Soldaten aber auf jeden Fall mitgeben kann, sind die Eckpunkte des richtigen Verhaltens in derartigen Situationen bzw. eine entsprechende Bewusstseinsbildung.

Praktische Umsetzung

Dermaßen gerüstet stellte sich AUT­CON5/UNIFIL in der Woche vom 18. November bis 22. November der größten Herausforderung in dieser Einsatzvorbereitung beim VR1 - der "Einsatzraumspezifischen Fachausbildung". Nun galt es, das in den Vorwochen vermittelte Wissen praktisch umzusetzen. Für die vielen Kraftfahrer bedeutete dies, hunderte Kilometer mit ihren Bussen und Hakenladesystemen unter teils schwierigen Verhältnissen zurückzulegen. Für die eingeteilten Kommandanten wiederum hieß es, auf unvorhergesehene Lageänderungen richtig zu reagieren und stets die korrekten Entscheidungen, teils unter großem "Stress", zu treffen.

Für diese Ausbildungswoche wurden aus dem Kontingent in der ersten Phase insgesamt vier gleich starke Konvois gebildet, die am Montag und am Dienstag dieser Woche auf dem Übungsplatz Pöls schulmäßig verschiedene Stationen absolvierten. Am Mittwoch und am Donnerstag musste das Erlernte und Geübte in der Abschlussübung erfolgreich in die Tat umgesetzt werden. So mussten die Konvois in der Ost- und Weststeiermark entlang vorgegebener "Routen" viele Kilometer absolvieren - dabei wurde vor allem auf das richtige Fahren (vorgegebene Abstände einhalten, Halten der Verbindung zwischen den einzelnen Kfz, gleichmäßige Geschwindigkeit etc.) im Konvoi Wert gelegt - und sie mussten ihr Können, auf bei diesen Routen anzufahrenden Stationen, beweisen. Zusätzlich waren bei dieser Übung fast alle auslandserfahrenen Kadersoldaten des VR1 eingeteilt, um den rotierenden Soldaten möglichst viel an Einsatzerfahrung mit auf den Weg geben zu können.

Die eingeteilten Kommandanten hatten schon mit dem Zusammenhalten der Konvois und dem Orientieren ziemlich viel zu tun. Bei den einzelnen Stationen wurde jedoch ihr Belastungslevel nochmals auf die Probe gestellt. Eine Station simulierte einen schweren Verkehrsunfall mit einem Zivil-Kfz, eine weitere einen "illegalen Checkpoint" mit einer Straßensperre. Die dritte und vierte Station beinhalteten eine plötzlich auftretende, eskalierende Demonstration von Gegnern der UN-Mission und ein Zusammentreffen mit einer Vielzahl von Flüchtlingen. Dies brachte den einen oder anderen Kommandanten auch unter Druck. Trotzdem meisterten die Soldaten von AUTCON5/UNIFIL diese Herausforderungen gut, und auch für die Soldaten des VR1 war diese Ausbildung eine willkommene Abwechslung von der routinemäßigen Rekrutenausbildung. Die eingeteilten Grundwehrdiener in den einzelnen Stationen gingen hoch motiviert zur Sache und leisteten somit einen wesentlichen Beitrag zum positiven Verlauf dieser Übung.

17 Mann des Kontingentes konnten nicht mehr bei der Abschlussübung dabei sein, da sie bereits am 20. November als Vorkommando in den Libanon rotierten.

Am 26. November folgte der Kontingentskommandant mit weiteren 18 Soldaten in der 2. Rotation. Diese "Vorrotationen" waren unumgänglich, denn es galt, für die eingeteilten Kommandanten, das "Know-how" ihrer Vorgänger zu übernehmen, um dann für die reibungslose "Ablöse" des Hauptkontingentes vorbereitet zu sein.

Fazit

Mit der Abschlussübung fand die fast dreimonatige Einsatzvorbereitung beim VR1 ihren Abschluss, wobei mit der feierlichen Verabschiedung des Kontingentes am 28. November 2013 unter Anwesenheit von Bundesminister Klug ein weiterer Höhepunkt folgte.

Abschließend bleibt zu sagen, dass diese Ausbildung für das VR1 eine Herausforderung war und die Ressourcen des Regimentes beanspruchte. Diese Einsatzvorbereitung war eine fordernde Aufgabe, aber vor allem ein Auftrag, bei dem die Soldaten des Regimentes ihr "Know-how", vor allem im Bereich der Ausbildung für Auslandseinsätze, zielgerichtet einbringen konnten.


Autor: Major Ulf Auer. Jahrgang 1968; 1991 Ausmusterung Jahrgang "Montenuovo" als Fliegerabwehroffizier zum Fliegerabwehrbataillon 12 nach Aigen im Ennstal; 1991 bis 1996 Verwendung als Zugskommandant und stellvertretender Kompaniekommandant, 1995 Versetzung zum Versorgungsregiment 1 und Umschulung zum Feldzeugoffizier, 1996 bis 2001 Kompaniekommandant der 1. Aus­bildungskompanie; seit 2001 S1 und Offizier für Öffentlichkeitsarbeit im Kommando Versorgungsregiment 1.

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