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Allergie - vom Juckreiz bis zum tödlichen Schockzustand

Allergien sind besonders in den industrialisierten Ländern weiterhin auf dem Vormarsch; gut ein Fünftel der Bevölkerung leidet heute daran. Die Ursachen dieser Überempfindlichkeitsreaktion des Körpers gegenüber an sich harmlosen Auslösern liegen oft in einer übertriebenen Hygiene im Kleinkindalter sowie in der steigenden Anzahl an Umweltgiften und Nahrungsmittelzusätzen.

Allergie ist die Überempfindlichkeitsreaktion der körpereigenen Abwehr auf das Eindringen körperfremder Stoffe (Allergene) in den Organismus. Die Eintrittspforten für diese "reizenden" Fremdstoffe sind die äußere Haut sowie die Schleimhäute des Atem- und des Verdauungstraktes.

Bei der klassischen Allergie treten juckende und entzündliche Veränderungen der Haut und/oder der Schleimhäute auf. Die damit meist einhergehenden Gewebsschwellungen betreffen ebenfalls meist die Schleimhäute sowie die Augenlider.

Ursachen

Als Ursachen für Allergien gelten übertriebene Hygienemaßnahmen bei Kindern (meist im städtischen Bereich), deren Immunsystem - solcherart um einen "gesunden Kontakt mit natürlichem Schmutz" beraubt - sich nicht so entwickeln kann, wie bei Kindern, die auf dem Land aufwachsen. Als weitere Verursacher gelten die immer zahlreicher werdenden Umweltgifte. Eine ganz besondere Rolle spielen die heutzutage in den meisten (vorwiegend in den industriell hergestellten) Lebensmitteln enthaltenen Farb- und Konservierungsstoffe (sie werden durch die E-Nummern gekennzeichnet), die nicht nur zu den Verursachern von Allergien zählen, sondern auch zu den Auslösern.

Arten der Allergie

Insektengiftallergie

Beachte: Bei einer Bienengiftallergie tritt der lebensbedrohende anaphylaktische Schockzustand (schockartige allergische Reaktion) innerhalb weniger Minuten nach einem Bienen- oder Wespenstich ein (Sofortreaktion). Die Symptome sind: Blutdruckabfall (oft einhergehend mit einem Kreislaufzusammenbruch), Erbrechen, Schweißausbruch, Herzrasen, Muskelkrämpfe, Erstickungsgefühl (infolge der Schwellung der Luftröhrenschleimhaut), heftiger Juckreiz sowie unwillkürlicher Harn- und Stuhlabgang. Es ist umgehend (truppen)ärztliche Hilfe zu suchen!

Für jeden Bienengiftallergiker ist es daher lebenswichtig, stets ein so genanntes "Acute-Pack" griffbereit bei sich zu tragen. Natürlich muss der Kranke mit der Handhabung des "Epipen" (Einwegspritze für die Selbstinjektion des Gegenmittels) vertraut sein. Beim Bundesheer hat eine Einweisung durch den Truppenarzt zu erfolgen!

Wichtig: Die Überempfindlichkeit gegen Insektengifte ist ebenso wie die Überempfindlichkeit gegen bestimmte Arzneimittel im Allergiepass zu dokumentieren, den der Allergiker immer bei sich tragen sollte. Beim Bundesheer ist das Dokument stets mitzuführen und jedem behandelnden Truppenarzt unaufgefordert vorzuweisen.

Allergisches Kontaktekzem

Die häufigsten Auslöser des allergischen Kontaktekzems, das sich durch Knötchen- und Bläschenbildung an der Hautoberfläche bemerkbar macht, sind Nickelverbindungen (Reißverschlüsse, Halsketten, Ringe etc.).

Von den Unverträglichkeitserscheinungen gegenüber Wasch-, Putz-, Haarfärbe-, Bleich- und Desinfektionsmitteln, Textilien (Baumwolle), Kosmetika sowie Teerprodukten sind - berufsbedingt - überwiegend Frauen betroffen.

Das Maurerekzem (Auslöser: Zement) breitet sich, von den Händen ausgehend, meist über den ganzen Körper aus.

Manchmal treten allergische Kontaktekzeme auch nach dem Gebrauch von Salben mit antibiotischen und/oder entzündungshemmenden Zusätzen auf.

Eine andere Form einer Kontaktallergie kann auch beim Gebrauch von Tarnstiften auftreten.

Pollenallergie

Die jahreszeitabhängige Überempfindlichkeit gegen die Pollen von Gräsern, Sträuchern (wie Hasel, Erle, Goldregen, Liguster - Blütezeit Februar bis April), Kräutern (wie Beifuß, Wegerich, Gänsefußgewächse - Juli bis September), Getreide und Bäumen (wie Pappel, Birke, Weide, Esche - Februar bis April) liegt dem bekannten "Heuschnupfen" (Pollinose) zugrunde.

Die Unverträglichkeitserscheinungen treten an den Schleimhäuten der Nase und ihrer Nebenhöhlen auf. Niesattacken, meist in Verbindung mit einer infolge der Schwellung der Nasenschleimhäute verlegten Nase bei gleichzeitiger Absonderung wässrigen Sekretes, rote, juckende und tränende Augen, Lichtscheu, Heiserkeit, Kopfschmerzen und sogar Fieber bis 39 Grad Celsius belasten den Kranken erheblich.

Die Überempfindlichkeit der Bronchialschleimhaut gegenüber körperfremden Stoffen, die durch das Einatmen in den Organismus gelangen (Inhalationsallergene), z. B. Mehl- und Hausstaub, Tierhaare und -federn, Ausscheidungen der Hausstaubmilbe, Schimmelpilzsporen (z. B. bei feuchtem Mauerwerk) verursacht bei den Betroffenen ganzjährig auftretende Beschwerden und ist als eine Grundlage für die Entstehung des Bronchialasthmas gesichert.

Nahrungsmittelallergien

Nahrungsmittelallergien treten meist nach dem Genuss von Milch und Milchprodukten, Fisch, Innereien, Hülsenfrüchten, Eiern, verschiedenen Obst- und Gemüsesorten (Äpfel, Birnen, Kiwi, Pfirsiche, Erdbeeren, Tomaten, Gurken), bestimmten Küchenkräutern und Gewürzen (Pfeffer), von Schalen- und Krustentieren sowie von Erdnüssen, aber auch von Haselnüssen und Walnüssen auf. Sehr häufige Allergieauslöser sind die heutzutage in den meisten Lebensmitteln (vorwiegend in den industriell hergestellten Lebensmitteln) enthaltenen Farb- und Konservierungsstoffe.

Bei Säuglingen und Kleinkindern zählt die Allergie gegen Kuhmilch zu den häufigsten Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Verdauungsstörungen und hartnäckige Säuglingsekzeme (Milchschorf) zählen zu den Krankheitszeichen der geschädigten Darmschleimhaut.

Arzneimittelallergie

Die Arzneimittelallergie tritt wenige Minuten bis einige Tage nach der Anwendung jenes Arzneimittels auf, bei dem eine Unverträglichkeitsreaktion gegen zumindest einen Bestandteil vorliegt. Dazu zählen z. B. antibiotische (Penicillin), fiebersenkende, schmerzstillende oder entzündungshemmende Substanzen, wie sie in zahlreichen Präparaten - oft auch in kombinierter Form - vorliegen. Zu den markanten Symptomen zählen u. a. auf größere Körperareale ausgebreitete, juckende und entzündliche Hautveränderungen (Quaddeln, Nesselfieber), Erstickungsgefühl, Brechreiz und Schüttelfrost.

Diagnose

Grundlage einer erfolgreichen Therapie ist die Feststellung, welche Stoffe beim Patienten die allergischen Reaktionen auslösen. Die erste Austestung erfolgt üblicherweise in einem Allergiezentrum mit dem unkomplizierten Prick-Test. Dabei werden an den Unterarmen mehrere allergenhältige Lösungen tropfenweise aufgetragen und in die Haut geritzt. Dort, wo Rötungen, Bläschen oder Quaddeln entstehen, ist ein Allergieauslöser entlarvt. Dieses erste Ergebnis wird noch durch eine laborchemische Blutuntersuchung bestätigt. Eventuelle Kreuzreaktionen (Auftreten der Überempfindlichkeit gegen Pollen bei gleichzeitig bestehender Unverträglichkeit von bestimmten Nahrungsmitteln) können dabei eine große Rolle spielen. Auch die familiäre Allergiebereitschaft (im Hinblick auf eine genetische Vererbung) und der Berufsalltag des Kranken (welchen potenziellen Allergieauslösern er am Arbeitsplatz ausgesetzt ist) müssen bei der Anamnese (Krankenvorgeschichte) entsprechend beachtet werden.

Behandlung

Im Falle der weit verbreiteten Pollen- und Nahrungsmittelallergien kann nach der erfolgreichen Diagnose mit der langfristigen, mindestens drei Jahre dauernden Hyposensibilisierungstherapie begonnen werden. Dabei wird der Organismus langsam an die allergieauslösenden Fremdstoffe gewöhnt, die dem Allergiker in kleinen, behutsam ansteigenden Dosen verabreicht werden. Die Verabreichung erfolgt in Form einer subcutanen Injektion (eine Injektion, die nicht in den Muskel, sondern unmittelbar unter die Haut verabreicht wird). Das Schwergewicht dieser Behandlung sollte in der allergenärmeren Zeit, also in den Herbst- und Wintermonaten liegen; während der Hauptallergiesaison ist eine Behandlungspause sinnvoll. Rund 90 Prozent der Patienten hilft die Behandlung. Voraussetzung ist jedoch, dass nicht zu viele verschiedene Allergien gleichzeitig bestehen und die Therapie konsequent durchgeführt wird.

Die medikamentöse Behandlung einer Allergie (antiallergische Substanzen, Nasenspray etc.) und den vorbeugenden Schutz des Betroffenen vor den lebensbedrohenden Organstörungen infolge einer Unverträglichkeitsreaktion führt der Truppenarzt durch. Für die Mehrzahl der Kranken ist eine alljährliche vorbeugende Behandlung erforderlich.

Dem an naturheilkundlichen Therapieformen interessierten Allergiker ist zu empfehlen, die Ernährungsrichtlinien der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) zu befolgen.

Meiden von Allergieauslösern

Das Meiden der allergieauslösenden Stoffe durch das Einschränken des Aufenthaltes im Freien bzw. die Wahl der richtigen Tageszeit entsprechend der Pollenflugcharakteristiken führt zur deutlichen Besserung der Beschwerden. Hinweise über den tagesaktuellen Pollenflug gibt der Pollenwarndienst (www.pollenwarndienst.at).

Im Wohnbereich sind oftmaliges Staubsaugen (sinnvoller Weise muss der Staubsauger entweder über ein Feinstaubfilter verfügen oder nach dem Zentrifugalabscheideprinzip funktionieren) oder sogar das Entfernen von Teppichböden, aber auch das Entfernen von Topfpflanzen, angezeigt. Entsprechende Hygienemaßnahmen im Schlafbereich (allergendichte Bettwäsche, Senken der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit) sind vor allem für Hausstaubmilbenallergiker unerlässlich.

Generell gilt: Der Kranke sollte danach trachten, umweltbedingte Reize ("Stressoren") des täglichen Lebens weitestgehend auszuschalten.

___________________________________ __________________________________ Autor: Oberstarzt Medizinalrat Dr. Peter Heinz Hutzler, MAS, Jahrgang 1948. Medizinstudium und Promotion an der Universität Wien. Niedergelassen als Arzt für Allgemeinmedizin in Thaya, Niederösterreich. Autor verschiedenster Veröffentlichungen in medizinischen Fachzeitschriften sowie Preisträger zahlreicher Bewerbe für Medizin-Journalismus. 1993 Bestellung zum ärztlichen Leiter des Krankenreviers B3 am Truppenübungsplatz Allentsteig. 1996 Erwerb des Diploms zum "Akademisch geprüften Krankenhausmanager" an der Wirtschaftsuniversität in Wien. 2002 Verleihung des akademischen Grades "Master of Advanced Studies (Hospital Management)" durch die Wirtschaftsuniversität Wien.

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