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Fokus: AUCON3/ISAF - Wahlunterstützung in Afghanistan

Zum Schutz der dort am 18. September 2005 stattgefundenen Parlaments- und Provinzwahlen wurde das österreichische Kontingent AUCON3/ISAF für drei Monate nach Afghanistan entsandt. Eingebettet in das unter deutscher Führung stehende Provincial Reconstruction Team (PRT) Kunduz, hatte das Kontingent den Auftrag, das PRT im Rahmen von ISAF (International Security Assistance Force) in der Zeit unmittelbar vor, während und nach den Wahlen zu verstärken. Damit sollten die afghanischen Behörden und Sicherheitskräfte bei der Schaffung eines sicheren Umfeldes für die Durchführung der Wahlen unterstützt werden. Das eigentliche Einsatzelement des Kontingentes bildete dabei die Masse der Task Force 6, einer Kaderpräsenzeinheit aus den Garnisonen Absam, Lienz und Bludesch, die nach kurzer Einsatzvorbereitung als gepanzerte Jäger-/Schutzkompanie in der Nordregion Afghanistans zum Einsatz gekommen ist. Während der Zeit der Wahlen war es in unserem Verantwortungsbereich, in den beiden Nordprovinzen Kunduz und Tarkhar (200 x 300 km) relativ ruhig. Die Menschen haben unseren Einsatz begrüßt und sich dafür unzählige Male bedankt. So hat auch Österreich im Rahmen des internationalen Engagements durch uns Soldaten einen nachweisbaren Beitrag geleistet, dass das "zarte Pflänzchen der Demokratie" in diesem geschundenen Land zumindest langsam weiter wachsen kann.

Gefahren und Risiken

Die Bedrohung und damit die Gefahr in diesem Land ist noch immer vorhanden. "Der Teufel schläft nicht und man weiß weder den Tag noch die Stunde wann er kommt".

Belastung

Die Belastung der Soldaten durch Hitze (bis 45° C), Staub, unwegsames Gelände und extrem lange Patrouillenwege sowie die "persönliche Enge" für den einzelnen Soldaten waren groß. Durchschnittlich standen die Soldaten 12 Stunden täglich im Einsatz.

Einsatzleistung

Das Kontingent war 68 Tage (ohne Hin- und Rückverlegung), also über zwei Drittel der gesamten Einsatzzeit zur Verstärkung des PRT Kunduz im Einsatz. Der 350 km Mot-Marsch des Kontingentes bei Tag und Nacht, bei extremer Hitze, davon ein Drittel durch das Hochgebirge des Hindukusch mit Durchfahren des 3,5 km langen Salang-Tunnels war eine beachtliche Leistung, die auch international große Anerkennung gefunden hat. Insgesamt wurden 75 000 km unfallfrei gefahren - eine Meisterleistung vor allem der eingesetzten Kraftfahrer, aber auch der eingeteilten Kommandaten.

Ausrüstung

Das Kontingent ist sehr gut ausgerüstet und ausgestattet in diese Mission entsandt worden und hat die volle Unterstützung aus Österreich erhalten.

Erkenntnisse

Wesentlich ist das Beherrschen der Führungs- und Einsatzgrundsätze sowie die konsequente Anwendung des militärischen Handwerkszeuges mit Hirn, Herz, Härte und Humor. Die geistige Auseinandersetzung mit vertrauensbildenden Maßnahmen und deren Umsetzung ist ein Muss für die Ausbildung. Die Erfahrungen aus friedensunterstützenden Einsätzen müssen besser ausgewertet, zusammengefasst und in die Ausbildung integriert werden. Es ist dringend erforderlich, dass wir uns verstärkt mit dem Land und dessen Menschen, deren Sitten und Gebräuchen und der Vorgeschichte eines Konfliktes beschäftigen. Das Wissen darüber ermöglicht erst, die Denkweise der Menschen im Einsatzland ansatzweise zu verstehen. Wir müssen in einem scheinbar normalen Umfeld zwischen Normalität und Chaos unterscheiden und das "Richtige" tun können. Durch vertrauensbildende Maßnahmen, Informationen und Stimmungsbilder aus der Bevölkerung kann der eigene Handlungsspielraum zumindest eingeschränkt erhalten werden. Der Routine, die dann auftritt, wenn das Neue zum bereits Gewohnten wird und die scheinbare Normalität den Geist zu beherrschen beginnt ist gezielt entgegenzuwirken. Bei den "High Readiness Units" - unseren KIOP/KPE, muss neben der ausbildungsmässigen Einsatzbereitschaft (EBs) auch die volle materielle EBs sichergestellt sein. Natürlich kostet das Geld, aber "High Readiness" erfordert jederzeit verfügbares, einsatzbereites Personal und Gerät, und das ist im Sinne der Fürsorge und der Kommandantenverantwortung nachhaltig zu fördern und zu fordern.

Die "Einsätze" des Österreichischen Bundesheeres fordern uns Soldaten auch zur konstruktiven Auseinandersetzung mit dem "Erlebten" auf - nicht morgen, sondern heute. Diese Aufarbeitung ist ein Teil unserer Lebensversicherung.

Autor: Oberstleutnant Johannes Eisner

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