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Weltgeschehen

USA - Veränderungen in den Landstreitkräften

Die USA sind dabei, ihre Landstreitkräfte - die US Army - in Bezug auf Konzeption und Einsatz zu verändern. Sie sehen sich dazu veranlasst, weil sie weder den Bedrohungen eines asymmetrischen Krieges ausreichend begegnen noch im Irak-Krieg Erfolge herbeiführen können. Darüber hinaus ist offensichtlich, dass die US Army mit den laufenden Einsätzen im Irak und in Afghanistan mehr als ausgelastet ist. Kurz: Mit den derzeitigen Einsätzen ist das US-Heer angesichts der zur Verfügung stehenden Kräfte überfordert. Denn eigentlich sollen ja auch noch Truppen für akute Fälle zur Verfügung stehen. Von dieser Situation ist die gesamte US-Außenpolitik betroffen, da eine Diplomatie ohne entsprechende militärische Mittel im Hintergrund unwirksam ist - der Iran und Nordkorea sind typische Beispiele für dieses Dilemma. Bereits im Februar 2005 wurde daher ein Programm (Quadrennial Defence Review - QDR) zur Anpassung der Transformation unter Berücksichtigung der Erfahrungen in Afghanistan und im Irak erarbeitet.

Das Hauptproblem sind die unzureichenden militärischen Kräfte in der US Army. Die gegenwärtigen Landstreitkräfte wurden in den neunziger Jahren konzipiert - ausgehend von der Annahme, dass ausgedehnte Kampfeinsätze der Vergangenheit angehören. Damals reduzierte man den Umfang der Heeresverbände und verlegte auch Schlüsselkomponenten der Kampfdivisionen und wesentliche Spezialfähigkeiten zu den Reserveelementen wie der Army Reserve und der National Guard.

Die Kriege im Irak und in Afghanistan verliefen aber anders als geplant. Seit 2003 führt die US Army der neunziger Jahre im Irak einen ununterbrochenen mehrjährigen Kampf gegen Aufständische mit beträchtlichen eigenen Verlusten, während gleichzeitig (seit 2001) ein zweiter Krieg in Afghanistan stattfindet. Außerdem müssen - wie bereits oben erwähnt - Truppen für unvorhergesehene Ereignisse bereitgehalten werden. Die aus dem Kampf genommenen Verbände (Divisionen) haben nicht genügend Zeit zur Regeneration und stehen in dieser Phase natürlich auch nicht für andere Einsätze zur Verfügung. Darüber hinaus hat sich gezeigt, dass man die Reserve-verbände - trotz des Wunsches nach einer Total Army, also einer Kohärenz zwischen Aktiven und Reserve - nicht mit der gleichen Effizienz wie die aktiven Verbände einsetzen kann.

Mehr Special Operation Forces

Um nun die Fähigkeiten der US Army weiter auszubauen, werden die Special Operation Forces weiter aufgestockt. Bereits im Jahr 2005 durchliefen mehr als doppelt so viele Soldaten den Lehrgang der US Army Special Forces School als im Jahr 2001; 2006 waren es bereits drei Mal so viel. Außerdem werden den Spezialkräften u. a. eigene UAV-(Unmanned Aerial Vehicle-)Einheiten zugeordnet.

Auch beim Streitkräfteansatz wird umgedacht: Der auf vier Regionen in Europa, im Nahen und im Mittleren Osten sowie in Asien ausgerichtete Ansatz von 2001, bei dem noch die gleichzeitige Führung von zwei großen Feldzügen und einigen kleineren Operationen im Mittelpunkt stand, wird nun durch einen globalen Ansatz ersetzt. Die Aktivitäten werden in die drei Aufgabenbereiche Homeland Defense, Krieg gegen den Terror/asymmetrische Kriegführung und konventionelle Kriegführung untergliedert.

Vorschläge der Iraq Study Group

Der frühere Außenminister James Baker hat als Co-Vorsitzender der Iraq Study Group (ISG) mit seinem demokratischen Partner Lee Hamilton einen grundlegenden Bericht über den Irak-Krieg ausgearbeitet. Darin halten sie fest, dass ein überstürzter Rückzug der US-Truppen aus dem Irak unmöglich ist und begründen dies mit der Gefahr, dass Syrien und der Iran in das entstehende Machtvakuum hineinstoßen würden. Gleichzeitig geht aus dem Bericht hervor, dass die USA im Irak eine "neue Strategie" anwenden müssten. Nun wird erwartet, dass die ISG empfiehlt, den derzeitigen Auftrag der US-Streitkräfte im Irak von der "Verantwortung für die Sicherheit im Alltag" abzuändern. Stattdessen können die USA mit ihren Streitkräften "als allgemeiner Garant für die Unabhängigkeit des Irak von der iranischen Kontrolle" handeln sowie als "Blockade gegen die Ausweitung der iranischen Macht auf die Arabische Halbinsel" wirken. Das würde einen Rückzug der US-Truppen aus den bewohnten Gebieten auf Enklaven in der Nähe der Städte sowie südlich und westlich des Euphrat bedeuten.

Unabhängig davon sieht man eine Einbindung der Nachbarn des Irak - Syrien, des Iran und der Türkei - im Rahmen einer internationalen Konferenz zur diplomatischen Lösung des Irak-Problems für zwingend geboten.

US-Verteidigungsminister Robert Gates, der auch in der ISG tätig war, wird die neuen Pläne für den Irak umsetzen. Gleichzeitig erwartet man aber auch von ihm, die Landstreitkräfte zu stärken und sie für die aktuellen Herausforderungen fit zu machen. Ein rascher und massiver Abzug aus dem Irak ist jedenfalls nicht zu erwarten.

(Abgeschlossen am 20. November 2006) Autor: Brigadier i. R. Prof. Dr. Horst Mäder

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