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UNTSO

United Nations Truce Supervision Organization

Im Sommer 2006 flammte der Konflikt zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz - sechs Jahre nach dem Rückzug der israelischen Armee aus dem Südlibanon - wieder auf. Im Zuge der Kampfhandlungen kamen vier Militärbeobachter der UNTSO, darunter der österreichische Major Hans-Peter Lang, ums Leben. Dieser tragische Vorfall rückte die in Österreich praktisch nur militärischen Kreisen bekannte UN-Organisation in die Schlagzeilen.

UNTSO ist die älteste und ohne Unterbrechung seit 1948 im Nahen Osten aktive Peace-Keeping-Mission der Vereinten Nationen. Ihre Aufgabe ist wie folgt definiert: "To observe and maintain a truce or cease-fire demanded by the Security Council and to assist the parties on both sides in the supervision of the observance of a cease-fire, truce or other arrangement accepted by the parties." In der Charta der Vereinten Nationen sucht man vergeblich nach der Definition des Begriffes "Peace-Keeping", bewegt sich der Auftrag einer Peace-Keeping-Mission doch zwischen Kapitel VI und Kapitel VII der UN-Charta.

Ausgeführt werden die Aufgaben von der UNTSO durch unbewaffnete Offiziere, unterstützt durch nationales und internationales Zivilpersonal, das für die Instandhaltung und die Versorgung zuständig ist. Staaten aus der arabischen Welt oder jene, die den Islam zur Staatsreligion erklärt haben sowie Israel dürfen an der UNTSO nicht teilnehmen. Österreich beteiligt sich an dieser Mission seit 1967. Die Zahl der von Österreich entsandten Offiziere schwankt; derzeit versehen sieben Österreicher ihren Dienst bei UNTSO.

Geschichte der UNTSO

1948: Der Beginn

Der Punkt 6 der Resolution 50 (1948) vom 29. Mai 1948 besagt: "The Security Council, … 6. Instructs the United Nations Mediator in Palestine, in concert with the Truce Commission, to supervise the observance of the above provisions, and decides that they shall be provided with a sufficient number of military observers; …" Dieser Resolution war die Staatsgründung Israels am 14. Mai 1948 vorangegangen, die einen Aufstand der palästinensischen Araber und einen sofortigen Angriff der angrenzenden Staaten Libanon, Syrien, Transjordanien, Ägypten sowie von Saudi-Arabien, aus Jemen und dem Irak auslöste. Die zitierte Resolution 50 vom 29. Mai 1948 rief zu einer Einstellung der Kampfhandlungen und zur Einhaltung eines vierwöchigen Waffenstillstandes auf.

Bereits im April 1948 wurde vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eine Waffenstillstandskommission gegründet, welche den Sicherheitsrat am 21. Mai formell um Unterstützung durch die Entsendung von Militärbeobachtern ersuchte. Welche Nationalitäten dieser Kommission angehören sollten, wurde vom schwedischen UN-Vermittler Graf Folke Bernadotte (dieser war im Mai 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen als Vermittler zwischen Israelis und Arabern eingesetzt worden; noch im September desselben Jahres fiel er in Jerusalem einem Attentat zum Opfer) entschieden: Offiziere aus den Mitgliedsländern der Waffenstillstandskommission - Frankreich, USA und Belgien. Aus Bernadottes Heimat kamen zusätzlich fünf hochrangige Stabsoffiziere, einer von ihnen, Thord Bonde, wurde zum ersten Chief of Staff ernannt. Aus dieser Konstellation ergibt sich, dass der Kommandant der UNTSO bis heute nicht als solcher tituliert, sondern als Chief of Staff bezeichnet wird.

Die Vereinigten Staaten schickten zusätzliches technisches Hilfspersonal und der Generalsekretär der Vereinten Nationen stellte 51 Mann aus seinem eigenen Personal zur Unterstützung der Beobachter ab.

Die erste Gruppe von 36 Unbewaffneten, so genannten UNMOs (United Nations Military Observers), traf zwischen dem 11. und dem 14. Juni 1948 in Kairo ein. Rasch war absehbar, dass man für den Auftrag, den Waffenstillstand zu überwachen, eine größere Anzahl an Beobachtern benötigen würde. Deshalb wurde das Kontingent sukzessive auf 93 Mann erhöht, die in den arabischen Ländern und in Israel zum Einsatz kamen. Um dem Unternehmen einen organisatorischen und logistischen Rahmen zu geben, wurde die United Nations Truce Supervision Organization (UNTSO) gegründet. In Haifa war das erste Hauptquartier der UNTSO.

Mit 9. Juli 1948 endete der vierwöchige Waffenstillstand. Israel stimmte einer Verlängerung zu, die arabischen Staaten jedoch lehnten ab. Es brachen erneut Kämpfe aus, woraufhin die Beobachter den Einsatzraum verließen.

Neun Tage später, am 18. Juli 1948, konnte ein neuerlicher und diesmal unbefristeter Waffenstillstand vereinbart werden. Folke Bernadotte begann unverzüglich mit dem Wiederaufbau der Beobachter-Organisation. Wiederum ersuchte er Belgien, Frankreich und die USA um jeweils 100 Offiziere, die in Gruppen eingeteilt und den Armeen der am Konflikt beteiligten arabischen Staaten sowie der israelischen Armee zugeteilt wurden. Einige Beobachter wurden zudem nach Jerusalem geschickt, zur Küstenüberwachung eingesetzt und zur Kontrolle der Konvois zwischen Tel Aviv und Jerusalem benötigt. Später kam auch noch die Überwachung der Flughäfen dazu. Insgesamt versahen zu dieser Zeit mehr als 570 Militärbeobachter ihren Dienst im Nahen Osten.

Das Hauptquartier blieb bis Mai 1949 in Haifa und wurde anschließend in das Government House nach Jerusalem verlegt; neuer Chief of Staff wurde der Schwede Aage Lundström. Das Government House war während der Zeit des britischen Mandates 1920 bis 1948 in Palästina der Sitz der Mandatsverwaltung, kam dann unter Obhut des Roten Kreuzes und wurde schließlich - um das historische Gebäude zu erhalten - unter den Schutz der Vereinten Nationen gestellt.

1949: Die Ausweitung des Auftrages

Mit den Waffenstillstandsabkommen des Jahres 1949 zwischen Israel und Ägypten, Jordanien, Syrien und dem Libanon erfuhr die UNTSO eine Ausweitung ihres Auftrages: Zur Überwachung der allgemeinen Waffenruhe, wie sie in der Resolution 54 (1948) festgeschrieben worden war, kam jetzt die Überwachung und Unterstützung der beteiligten Länder bei der Aufrechterhaltung der jeweiligen Waffenstillstandsabkommen hinzu. Wörtlich heißt es in der Resolution 73 aus 1949: "The Security Council, … 6. Requests the Secretary-General to arrange for the continued service of such of the personnel of the present Truce Supervision Organization as may be required in observing and maintaining the cease-fire, and as may be necessary in assisting the parties to the Armistice Agreement in the supervision of the application and observance of the terms of those Agreements, with particular regard to the desires of the parties as expressed in the relevant articles of the Agreements; …" Die Waffenstillstandsabkommen sahen die Einrichtung von so genannten Mixed Armistice Commissions (MACs) vor, die aus jeweils drei Vertretern jeder Seite und dem UNTSO-Chief of Staff (oder einer von ihm ernannten Vertretung) als Vorsitzendem bestanden bzw. bestehen: - Egypt-Israel Mixed Armistice Commission (EIMAC); - Israel-Syria Mixed Armistice Commission (ISMAC); - Hashemit Kingdom of Jordan-Israel Mixed Armistice Commission (HKJ-I-MAC); - Israel-Lebanon Mixed Armistice Commission (ILMAC).

In diesen Kommissionen können die beteiligten Länder Ansprüche und Beschwerden hinsichtlich der Einhaltung des Waffenstillstandes geltend machen (z. B. Überschreitung oder Überflug der Waffenstillstandslinie, Präsenz von Waffen oder Soldaten in entmilitarisierten Zonen usw.). Vor allem zu Beginn wurden auch humanitäre Belange geklärt, wie zum Beispiel der Austausch von Gefangenen.

Zwei der Kommissionen, ILMAC und ISMAC, sind nach wie vor aktiv, HKJ-I-MAC und EIMAC wurden aufgelöst, da sowohl Jordanien als auch Ägypten mit Israel Friedensverträge abgeschlossen haben.

Schwierige Jahre

In den folgenden Jahren war die Arbeit der UNTSO sehr stark mit der Geschichte des Nahost-Konfliktes verbunden, dem Funktionieren der Mixed Armistice Commissions und der Kooperationsbereitschaft der beteiligten Länder. Entscheidend war, dass sich die UNTSO immer mit den jeweiligen Waffenstillstandslinien "mitbewegte" und dass es der UNTSO immer gelungen ist, in der Mission-Area zu bleiben, auch wenn den Streitparteien ein Abzug der Militärbeobachter gelegentlich wohl willkommen gewesen wäre.

UNTSO im Frühjahr 2007

Im Frühjahr 2007 versahen 150 Militärbeobachter aus 23 Nationen - unterstützt von 104 internationalen und 121 nationalen Zivilbediensteten - ihren Dienst bei der UNTSO: aus Argentinien, Australien, Belgien, Chile, aus der Volksrepublik China, aus Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Kanada, Nepal, Neuseeland, aus den Niederlanden, aus Norwegen, Österreich, Russland, Schweden, aus der Schweiz, der Slowakei, aus Slowenien sowie den Vereinigten Staaten von Amerika. Das Budget für 2007 beträgt rund 30 Millionen US-Dollar.

Offiziere, die für UNTSO arbeiten wollen, bewerben sich in ihren jeweiligen Heimatländern um einen Einsatz im Nahen Osten, dessen Dauer mit einem Jahr festgelegt ist. Die Männer (und seit einem Jahrzehnt natürlich auch Frauen) müssen - mindestens im Range eines Hauptmanns oder Majors sein, - über entsprechende Englischkenntnisse verfügen sowie - körperliche Fitness und - einen Führerschein Klasse C (zum Lenken der gepanzerten Toyota "Landcruiser") nachweisen können.

Im Unterschied zu UNDOF (United Nations Disengagement Observer Force, eingesetzt seit Juni 1974 auf den Golan-Höhen zwischen Israel und Syrien) oder zur UNIFIL (United Nations Interim Force in Lebanon, eingesetzt seit März 1978 im Südlibanon zwischen Israel und dem Libanon) gibt es bei der UNTSO keinen halbjährlichen Rotationstermin, sondern die neuen UNMOs treffen jeweils an einem Termin pro Monat im Einsatzraum ein. Gleichgültig zu welcher Outstation die weitere Diensteinteilung erfolgt, die erste Station ist stets das Hauptquartier in Jerusalem. Hier wird eine Einweisung vorgenommen und ein erstes einsatzbezogenes Training absolviert. Nach vier Tagen wird der UNMO zu seiner ersten Outstation gebracht, wo er normalerweise ein halbes Jahr lang bleibt. Dann wechselt er die Outstation und arbeitet die zweite Hälfte seines Einsatzjahres in einem anderen Staat.

Nach drei bis vier Monaten besteht die Möglichkeit, sich für Stabspositionen im Rahmen einer Outstation oder im Hauptquartier zu bewerben. Dabei wird auf die Fähigkeiten und die Beurteilung des Bewerbers sowie auf die National Balance Rücksicht genommen. (Alle Nationen sollen im Verhältnis der Anzahl ihrer teilnehmenden Offiziere auch dementsprechend in Stabsfunktionen vertreten sein.) Mit dem Erreichen einer Stabsposition ist auch eine Verlängerung der Einsatzdauer auf bis zu zwei Jahre möglich, wobei aber maximal die Hälfte der Zeit in der Stabsfunktion verbracht werden kann. Ausnahmen gibt es nur für ganz bestimmte Funktionen im Hauptquartier und für die Station-Chiefs, die von den einzelnen Nationen im Rotationsprinzip beschickt werden.

Das Hauptquartier

Das Hauptquartier der UNTSO befindet sich seit 1949 im Government House in Jerusalem; es ist der Sitz des Chief of Staff, des Leiters der Mission, der in der Regel ein Offizier im Range eines Generalmajors ist. Der Chief of Staff untersteht direkt dem Generalsekretär der Vereinten Nationen. Wie bei allen Führungspositionen innerhalb der UNTSO wird auch bei der Bestellung des Chief of Staff auf die nationale Ausgewogenheit großer Wert gelegt.

Vom Hauptquartier in Jerusalem aus erfolgt die operative Führung sowie die Administration der einzelnen UNTSO-Outstations sowie jene der Verbindungsbüros.

Observer Group Golan (OGG)

Die Geschichte der Observer Group Golan geht auf den Oktoberkrieg 1973 zurück, in dessen Folge im Mai 1974 die - bewaffnete - United Nations Disengagement Observer Force (UNDOF) eingesetzt wurde, um die Truppenentflechtungszone auf den Golan-Höhen zu überwachen. Die zwischen Israel und Syrien bereits seit 1949 positionierten Militärbeobachter wurden dazu abkommandiert, der UNDOF wie folgt zu assistieren: - In der Area of Separation (AOS - Entmilitarisierte Zone, welche syrisch administriert ist, in der sich jedoch kein Militär befinden darf bzw. keine militärischen Aktivitäten stattfinden dürfen) wurden Beobachtungspunkte bezogen und - in der Area of Limitation (AOL - Spiegelgleiche Zonen zu beiden Seiten der entmilitarisierten Zone, in denen sich jeweils nur eine gewisse Anzahl an Soldaten bzw. bestimmte Arten und eine limitierte Anzahl von Waffen befinden dürfen) werden an beiden Seiten im 14-Tage-Rhythmus Inspektionen durchgeführt, die die Einhaltung der Waffenstillstandsvereinbarung von 1974 sicherstellen sollen.

Im Jahr 1979 wurde die Observer Group Golan gebildet, die bis heute unter der operativen Kontrolle der UNDOF arbeitet, die reibungslose Zusammenarbeit zwischen der UNDOF und der UNTSO sicherstellt und die daher - wie die UNDOF - im Camp Faouar auf den Golan-Höhen beheimatet ist. Die Outstations von OGG sind - OGG-T in Tiberias (Israel) und - OGG-D in Damaskus (Syrien).

Gemäß dem Truppenentflechtungsabkommen zwischen Israel und Syrien stammen die bei der OGG eingesetzten UNMOs aus Staaten, die keine permanenten Mitglieder des UN-Sicherheitsrates sind.

Observer Group Golan Tiberias (OGG-T)

Der Auftrag dieser Outstation lautet, Israel bei der Überwachung der Waffenstillstandsvereinbarung durch observing, reporting, patroling and inspecting zu unterstützen. Vom Hauptquartier in Tiberias aus werden die Patrouillen und Inspektionen durchgeführt sowie die folgenden OPs (Observation Posts) beschickt: OP 51, OP 52, OP 53, OP 54, OP 55 und OP 73.

Observer Group Golan Damascus (OGG-D)

Der Auftrag dieser Outstation lautet, Syrien in der Überwachung der Waffenstillstandsvereinbarung durch observing, reporting, patroling and inspecting zu unterstützen. Vom Hauptquartier in Damaskus aus werden die Patrouillen und Inspektionen durchgeführt sowie die folgenden OPs beschickt: OP 56, OP 57, OP 58, OP 71 und OP 72.

Observer Detachment Damascus (ODD)

Der politische Teil des Auftrages der UNTSO in Syrien wird vom Observer Detachment Damascus (ODD) mit dem Ziel betreut, das gute Verhältnis zwischen den in und um Damaskus stationierten Organisationen der Vereinten Nationen und den syrischen Behörden aufrechtzuerhalten. Der Leiter des ODD - immer ein Offizier aus einem der permanenten Mitgliedsländer des UN-Sicherheitsrates - fungiert quasi als Vertretung des Chief of Staff in Damaskus und bei der ISMAC.

Observer Group Lebanon (OGL)

Seit dem Ausbruch des Bürgerkrieges im Libanon im Jahr 1975 ist die Arbeit der UNTSO im Südlibanon äußerst schwierig. Die Verantwortung für die Sicherheit der unbewaffneten Militärbeobachter liegt grundsätzlich bei der Regierung des jeweiligen Gastlandes. Im Südlibanon wurden die Observation Posts der UNTSO zur Überwachung der Waffenstillstandslinie - der Erfüllung des Auftrages - seit dem Jahr 1972 durch Kontrollpunkte der libanesischen Armee gesichert. Während des Bürgerkrieges waren die OPs auf sich alleine gestellt. Damals wurde im Sicherheitsrat diskutiert, die Männer zu ihrer eigenen Sicherheit zu bewaffnen, ein Gedanke der jedoch wieder verworfen wurde.

1978, mit der Installierung von UNIFIL, wurden - ähnlich wie bei UNDOF - die Militärbeobachter der Force zur Unterstützung dieser zugeteilt und die Observer Group Lebanon (OGL) als organisatorische Heimat gegründet. Das Hauptquartier befindet sich in Naqoura. Gegenwärtig werden noch drei der vier OPs von OGL beschickt: OP Mar, OP Hin und OP Ras, die manchmal auch Patrol Bases genannt werden.5) Der OP Khiam wurde am 25. Juli 2006 nach heftigem Beschuss durch einen Luftangriff der israelischen Streitkräfte getroffen und vollständig zerstört. Dabei kamen alle vier Militärbeobachter, die auf dem OP Khiam ihren Dienst versahen, ums Leben: Hans-Peter Lang (Österreich), Paeta Hess-Von Kruedener (Kanada), Du Zhaoyu (China) und Jarno Makinen (Finnland).

Die Wiedererrichtung des OP Khiam ist vorerst nicht vorgesehen. Stattdessen werden mit Mitte/Ende des Jahres 2007 die Militärbeobachter von den OPs abgezogen und auf die beiden Regionalheadquarters von UNIFIL aufgeteilt. Von dort sollen - im abgeänderten Auftrag für OGL - nur mehr Liaison- und Monitoring-Aufträge für UNIFIL durchgeführt werden.

United Nations Liaison Office Beirut (UNLOB) Ähnlich dem ODD in Damaskus hat auch das UNLOB die Aufgabe, das gute Verhältnis zwischen den im Libanon stationierten Organisationen der Vereinten Nationen und den libanesischen Behörden aufrechtzuerhalten. Der Leiter des UNLOB fungiert in seiner Funktion quasi als Vertretung des Chief of Staff in Beirut und bei der ILMAC.

Observer Group Egypt (OGE)

Der Einsatzbereich der OGE, die Halbinsel Sinai, gehört zu jenen Regionen des Nahen Ostens, deren Geschichte sich in den letzten Jahren zum Positiven hin entwickelt hat. Seit dem Erlöschen des Mandates der United Nations Emergency Force II (UNEF II) im Juli 1979 konnte die Zahl der Militärbeobachter sukzessive reduziert werden. Das Büro in Kairo wurde geschlossen und nach Ismailia verlegt. 1996 erfolgte auch die Schließung des letzten OPs in El Arish sowie des Verbindungsbüros in Gaza. Auf ausdrückliche Bitte der ägyptischen Behörden, in der Region präsent zu bleiben, werden von Ismailia aus Patrouillen im Sinai durchgeführt. Momentan versehen vier Militärbeobachter ihren Dienst bei der OGE.

Die Arbeitsweise von UNTSO am Beispiel OGG

Das Hauptquartier von OGG befindet sich gemeinsam mit dem Hauptquartier UNDOF im Camp Faouar auf syrischer Seite. Der Stab von OGG besteht aus fünf Stabsoffizieren - Chief, Deputy Chief, Operations Officer, Planning Officer, Military Information Officer und einem Duty Officer, welcher abwechselnd durch eine der beiden Outstations gestellt wird und im Operationscenter UNDOF seinen Dienst versieht. Die Hauptaufgabe von OGG sind Verbindungs- und Koordinationsaufgaben zwischen UNTSO und UNDOF bzw. UNDOF und den beiden Outstations.

Die beiden Outstations (OGG-D und OGG-T) sind derzeit folgendermaßen organisiert: Es gibt je sechs Stabsoffiziere - Station Chief, Deputy Station Chief, Operations Officer, Operations Assistant, Training Officer and Military Personnel Officer. Die weiteren den beiden Outstations zugeteilten Offiziere (33 bei OGG-D und 37 bei OGG-T) sind in jeweils drei Teams organisiert: - Team Citadel; - Team Sultan; - Team Oasis; mit fünf OPs bei OGG-D und Team Hermon, Team Eagle und Team Wadi mit sechs OPs bei OGG-T. Die Hauptaufgaben der beiden Outstations sind die Besetzung der Observation Posts (OPs) und damit die Verdichtung der Beobachtung der Truppenentflechtungszone gemeinsam mit den Positions von UNDOF. Darüber hinaus erfolgen nur durch die Beobachteroffiziere - UNDOF ist daran nicht beteiligt - alle 14 Tage die Inspektionsfahrten, die so genannten Inspections.

Observation Posts

OGG-D/OGG-T sind verantwortlich für die Besetzung von insgesamt fünf/sechs Observation Posts, die sich für OGG-D entlang der "B-Linie" auf der syrischen Seite und für OGG-T entlang der "A-Linie" auf der israelischen Seite in der Area of Separation befinden. Es handelt sich dabei in der Regel um ein abgesperrtes, Tag und Nacht beleuchtetes Gelände in der Größe von ca. 400 m2. Infrastrukturell sind ein Unterkunftsgebäude (zwei Schlafzimmer, Aufenthaltsraum und Küche), ein Gebäude mit Generator, WC und Dusche, eine Aussichtsplattform, von der aus die ständige Beobachtung der Zone erfolgt, und ein Bunker vorhanden. Das gesamte Areal ist von einer massiven Mauer, welche Flachfeuer und Artilleriesplitter abhalten soll, umgeben.

Auf jedem OP arbeiten jeweils zwei UNMOs verschiedener Nationalität für jeweils sieben Tage, wobei sie auf sich selbst gestellt sind. Das heißt, es gibt keine externe Versorgung mit Lebensmitteln und dergleichen, die Offiziere sind selbstverantwortlich für die Organisation ihres Dienstes bzw. ihres Alltages. Nach einem genauen Plan wird im Voraus festgelegt, wer wann wofür zuständig ist. Dabei stellen die militärischen Anforderungen, wie das Beobachten, Identifizieren und Melden sowie der englische Funksprechverkehr oft das geringere Problem dar, verglichen mit den logistischen Herausforderungen.

Neue UNMOs werden im Rahmen ihres Dienstes am OP als Junior bezeichnet, nach Absolvierung von drei OPs und einer Einschulung durch ihren dienstälteren OP-Partner (Senior), legen sie eine Prüfung (Chief Challenge) ab, die sicherstellen soll, dass sie über die Gegebenheiten des Geländes und die Aufgaben am OP Bescheid wissen. Bei der Chief Challenge überprüfen der Station Chief und der Training Officer den theoretischen und praktischen Wissensstand (Erkennungsdienst, Geländekenntnis, Meldeverfahren und Szenarien). Danach werden die Juniors zu Seniors befördert und als solche eingesetzt.

Der OP-Besatzung steht ein Allradfahrzeug zu Verfügung. Damit werden einerseits die Ablösen durchgeführt und andererseits Patrouillen- und Inspektionsfahrten erledigt. Gleichzeitig muss aber die durchgehende Besetzung der OPs sichergestellt sein.

Wird eine Übertretung des Waffenstillstandsabkommens (Violation) festgestellt, so meldet der UNMO an das Operations Center von UNDOF.

Von dort aus erfolgen die weiteren Maßnahmen bzw. Meldungen. Das Einsatzspektrum reicht vom Einsatz einer Eingreifgruppe (RRP - Rapid Reaction Patrol; zwei bis vier Soldaten in ungepanzerten Kfz bzw. RRG - Rapid Reaction Group; sechs bis acht Soldaten in gepanzerten Kfz) bis hin zum formellen Protest im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in New York.

Die Bandbreite der Violations wiederum reicht von harmlosen Schäfern, die ihre verirrten Tiere zurückholen wollen, bis zu Luftfahrzeugen, die der Waffenstillstandslinie zu nahe kommen oder diese überfliegen.

Inspections

Alle vierzehn Tage, derzeit bei OGG-D immer mittwochs und bei OGG-T immer montags, werden innerhalb der Area of Limitation Inspections durchgeführt. Die Area of Limitation gliedert sich zu beiden Seiten der Truppenentflechtungszone in drei Abschnitte, die 10, 20 und 25 Kilometer tief sind und für die im Waffenstillstandsabkommen definiert wurde, wie viele Soldaten und Waffen jeweils stationiert sein dürfen. Auch welcher Art die Waffen sein dürfen, ist festgeschrieben. In der AOL befinden sich mehrere hundert Positions, die in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden. Zur Erleichterung der Kommunikation zwischen dem Inspection Team, welches aus zwei UNMOs verschiedener Nationalität besteht, und den Soldaten der Gastländer, ist immer ein Verbindungsoffizier Teil des Inspection Teams. Wird UNTSO der Zutritt zu einer Position verwehrt, ist dies eine Violation und es wird dem Force Commander UNDOF gemeldet, welcher in weiterer Folge entscheidet und Maßnahmen trifft.

Resümee und Ausblick

Die 1948/49 definierten Aufgaben der UNTSO sind durch alle Kriege und Krisen des Nahen Ostens hindurch im Wesentlichen dieselben geblieben. Insgesamt waren bisher 6 000 Militärbeobachter aus 23 verschiedenen Nationen für UNTSO im Einsatz. Die immer wieder aufflammenden Kriege (1956 die Suez-Krise, 1967 der Sechstage-Krieg, 1973 der Yom-Kippur-Krieg, zuletzt im Juli/August 2006 der Libanon-Krieg) verlangten ein hohes Maß an Flexibilität und forderten bisher 44 Todesopfer. Die UNTSO war in den Gastländern zwar nicht immer willkommen, trotzdem steht fest, dass diese Organisation als solche respektiert und ihre Mitglieder in der Ausübung ihres Auftrages geachtet wurden und werden. Der Angriff auf den OP Khiam wird von israelischer Seite als Versehen dargestellt, allerdings haben die Umstände der Katastrophe zu großer Verunsicherung geführt und müssen restlos aufgeklärt werden!

Der große Vorteil von UNTSO, neben dem bereits erwähnten hohen Maß an Flexibilität, ist wohl ihr zeitlich und räumlich (auf den Nahen Osten bezogen) uneingeschränktes Mandat. Alle anderen im Nahen Osten tätigen UN-Missionen haben räumliche Einschränkungen und müssen ihr Mandat alle sechs Monate durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verlängern lassen.

Dort, wo eine klare Aufgabenteilung, wie bei der UNDOF, zwischen den Beobachteroffizieren und der bewaffneten Force gefunden wurde, können die UNMOs eine perfekte und kostengünstige Ergänzung zur Force darstellen und ihre Stärken voll ausspielen.

Eine wesentliche Rolle spielen dabei vor allem auch die Gastländer, welche für die Sicherheit der Beobachteroffiziere garantieren. Im Südlibanon ist die Rolle zwischen der OGL und der UNIFIL durch das neue Mandat und den massiven Einsatz sowohl von UN-Truppen wie auch der libanesischen Armee erst im Frühjahr 2007 genau definiert und bestimmt worden. So steht nun nicht mehr die Beobachtung der Blue-Line - der Grenze zwischen Israel und dem Libanon - im Vordergrund, sondern vielmehr die Liaison und das Monitoring im gesamten Verantwortungsbereich von UNIFIL. Der Aufgabenbereich der Beobachteroffiziere der UNTSO ähnelt mittlerweile denen der Liaison Observation Teams und Liaison Monitoring Teams am Balkan.

Durch das große Know-how und die Flexibilität, aber auch vor allem aufgrund der günstigen Kostenrelation im Vergleich zu UN-Forces, wird die UNTSO auch weiterhin eine wichtige Rolle im Nahen Osten spielen.

___________________________________ ___________________________________ Autor: Oberst Gerd Schrimpf, MSD, Jahrgang 1959. 1978 bis 1981 Offiziersausbildung an der Theresianischen Militärakademie zum Technischen Offizier. 1981 bis 1999 Dienst im Versorgungsregiment 1 (2) als Zugskommandant, Kompaniekommandant sowie als S3. Auslandseinsätze: UNDOF (1983, 1985 und 2004 als Kommandant AUSBATT), UNTSO (1989 bis 1991; 2006/07 Chief Observer Group Golan-Damascus), IFOR (1996). 1999 bis 2002 Dienst im Korpskommando I in der G3-Abteilung als Referent Ausbildung; 2002 bis 2006 im Kommando Internationale Einsätze als Referatsleiter Psychological Operations und Leiter der Stabsabteilung 5. Seit 2007 stellvertretender Leiter Informationsoperationen im Streitkräfteführungskommando.

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