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Focus: Der Fachoffizier im Bundesheer

Das Thema "Fachoffizier" ist ein kontroversielles. Für den Unteroffizier im Bundesheer wäre der Fachoffizier (nach deutschem bzw. britischem Verständnis ein ehemaliger Unteroffizier mit zusätzlichen Qualifikationen) eine Aufstiegschance. Für das Bundesheer selbst wäre er eine notwendige Systemergänzung. Die bisher darüber geführten Diskussionen kratzten vielfach nur an der Oberfläche: Welchen Dienstgrad soll der Fachoffizier führen? Darf er ins Offizierskasino gehen? Sie gingen kaum in die Tiefe, und wirkliche Argumente pro und kontra wurden bislang fast keine ausgetauscht. Und doch werden die Forderungen nach der Einführung eines Fachoffiziers im Bundesheer immer lauter.

Den Fachoffizier gibt es heute in mehreren Armeen. In der deutschen Bundeswehr wurde er z. B. bereits 1969 eingeführt; er heißt dort Offizier des militärfachlichen Dienstes (OffzMilFD). Grundlage ist die Verordnung der deutschen Bundesregierung über die Laufbahnen der Soldaten. In einer ergänzend dazu ergangenen Weisung des Inspekteurs des Heeres heißt es: "Der Offizier MilFD ist als Unteroffizier in das Heer hineingewachsen. Er wird vornehmlich in Stabsverwendungen eingesetzt, bei denen seine Vorbildung als Unteroffizier, seine Berufserfahrung und die erworbenen Kenntnisse ihn zu einem hervorragend ausgebildeten Fachmann in seiner Verwendungsreihe werden lassen. Dies befähigt ihn zu selbstständiger Arbeit auf seinem Gebiet." Als Verwendungsgebiete werden genannt: der Stabsdienst, der Kraftfahrdienst, der Fernmeldedienst, die Technik, der Flugdienst und andere mehr, bis hin zum Truppendienst. Die für die Funktion des OffzMilFD erforderliche Ausbildung wird an den Fachschulen des Heeres vermittelt. In diese Ausbildung werden in Deutschland die Lehrinhalte der Unteroffiziersausbildung in hohem Maß eingerechnet. Zu den Ausbildungsinhalten zählen: Menschenführung, Recht, Völkerrecht, historische Bildung, Taktik und Logistik sowie die Vorbereitung auf ein multinationales Berufsfeld. Zulassungsvoraussetzungen sind die bestandene Reifeprüfung, mindestens 15 Jahre Verwendung als Unteroffizier sowie der Dienstgrad Feldwebel (ausgenommen Piloten, die bereits mit Abschluss der Pilotenausbildung und mit dem Dienstgrad Unteroffizier in die Fachoffizierslaufbahn einsteigen können).

Bezogen auf das Bundesheer, sind wesentliche Fragen zu beurteilen: Werden wir uns auf Dauer leisten können, teuer ausgebildete Akademiker auf Arbeitsplätze einzuteilen, für die sie überqualifiziert sind? Macht es Sinn, Folgeverwendungen für Truppenoffiziere festzulegen, in denen keinerlei taktische Aufgaben zu lösen sowie keinerlei Qualifizierung in Truppenführung oder Erfahrung als Stabsoffizier eines kleinen Verbandes gefordert sind? Eigentlich ist diese Vorgangsweise ein klarer Systemfehler und bedeutet die Vergeudung von Zeit, Geld, Wissen und Erfahrung.

Wo sind nun Funktionen zu finden, die prädestiniert sind, mit Fachoffizieren besetzt zu werden? Sie finden sich sowohl bei der Truppe als auch bei den Stäben und im Bereich der Heeresverwaltung: - Der Ausbildungsoffizier in der Einheit (die Bundeswehr nennt dafür sogar den stellvertretenden Kompaniekommandanten), im Bataillon der Kraftfahroffizier, der Wirtschaftsoffizier oder der Fernmeldeoffizier, und auch Piloten sind Funktionen, die für Fachoffiziere vorzusehen wären.

- Referenten in den Militärkommanden, in Kommanden der oberen Führung, in Ämtern, ja selbst in der Zentralstelle sowie Lehroffiziere an Schulen, die jetzt der Verwendungsgruppe A2 zugeordnet sind, kommen für Fachoffiziersarbeitsplätze in Frage.

Vielfach sind solche Arbeitsplätze heute schon mit einem Unteroffizier besetzt, aber eben mit einem Unteroffizier und nicht mit einem Fachoffizier. Man traut dem Unteroffizier zwar die Erledigung des Jobs zu, aber die Dienststellung wird ihm aus sachlich nicht nachvollziehbaren Gründen vorenthalten. Wer soll verstehen, dass ein Unteroffizier, der sich weiterbildet, um zum Referenten aufsteigen zu können, dann mit seiner Einteilung auf einem Arbeitsplatz in der Verwaltung zum Zivilbediensteten "mutieren" muss, während ein Offizier bei gleicher Tätigkeit meist Soldat bleiben kann? Der Bedarf an Fachoffizieren ist gegeben, und die Einführung dieser Funktion im Bundesheer wäre eine sinnvolle, Ressourcen sparende und Fachwissen erhaltende Ergänzung des Systems.

Die Ausbildung sollte bis zu drei Semester dauern und an den Fachschulen und Akademien erfolgen. Die öffentlich anerkannte Berufsreifeprüfung müsste an der Spitze der Unteroffiziersausbildung etabliert werden und den Grundstein zur Fachoffiziersausbildung legen. Das notwendige militärische Zusatzwissen wäre in einem entsprechenden Ausbildungsgang zu vermitteln, wobei bezüglich Dauer und Inhalt Zurückhaltung angezeigt wäre. Ziel der Ausbildung wäre nicht ein "Truppenoffiziersnachholer", sondern ein eigener Verwendungszweig.

Die Reifeprüfung würde später auch einen beruflichen Umstieg - bis hin zum Hochschulstudium - ermöglichen. Damit ergäbe sich auch ein Instrument zur Steuerung der Personalpyramide.

Die Funktion des Fachoffiziers wäre für den Unteroffizier eine Aufstiegsmöglichkeit mit effektivem Nutzen für das Bundesheer und eine notwendige Ergänzung des vorhandenen Systems. Zuviel Zeit ist bereits ungenutzt verstrichen, zuviel Geld vergeudet worden - gehen wir also ernsthaft an die Einführung des Fachoffiziers!

Autor: Vizeleutnant Rudolf Winter

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