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Aktuelles Weltgeschehen: Der "Vierte Weltkrieg"

Der "Vierte Weltkrieg"

Der ehemalige CIA-Direktor James Woolsey erklärte Anfang April dieses Jahres, dass sich die Vereinigten Staaten von Amerika im "Vierten Weltkrieg" befänden und dass dieser Krieg viele Jahre andauern werde.

Dabei bezeichnete er den "Kalten Krieg" als Weltkrieg Nr. 3 und fügte an, dass er denke, dass dieser neue Weltkrieg erheblich länger dauern werde als der Erste oder der Zweite. Woolsey führte ferner aus, dass dieser neue Krieg aktuell gegen drei Feinde gerichtet sei: die religiösen Herrscher des Iran, die "Faschisten" von Irak und Syrien und die islamistischen Extremisten, wie diese beispielsweise in der Al-Kaida-Terrororganisation zu finden seien. Denn diese drei "Feinde" führten seit Jahren einen Krieg gegen die USA, aber die Vereinigten Staaten hätten dies erst zuletzt registriert.

Ein Trauma

Ob wir es in Europa glauben wollen oder nicht, seit dem 11. September 2001 ist die Bedrohungslage für die USA eine andere geworden. Etwas, das bis dahin undenkbar war, wurde zur Realität: Die USA sind auf ihrem eigenen Territorium verwundbar geworden. Seit dem "11. 9." ist für die USA tatsächlich Krieg. Nach den Attentaten hat der amerikanische Präsident einen entscheidenden und lang dauernden "Krieg gegen den Terrorismus" angekündigt. Er sprach nicht vom "Weltkrieg", aber wenn man sich das Netz des internationalen Terrorismus näher ansieht, erkennt man die globale Herausforderung. Und sie kommt von Islamisten. Der Terror-Schlag gegen Washington wurde nach Vietnam zum zweiten Trauma. Die USA haben erkannt, dass der internationale Terror ein äußerst gefährliches Mittel des Krieges gegen "den Westen" geworden ist und dass es darum gehe, diesen "Sumpf" auszutrocknen. Das bedeutet die Zerschlagung der Führungs-, Logistik- und Finanz-Strukturen, die Zerstörung der terroristischen Ausbildungsstätten und die Eliminierung jener Staatssysteme, die den Terror unterstützen und fördern. Als höchst gefährliche Instrumente gelten Massenvernichtungsmittel, hier vor allem die Atomwaffen, und weitreichende Trägersysteme. Obwohl diese besorgniserregenden Kampfmittel bisher nicht unterschätzt worden sind, ist man nun angesichts der aktuellen Bedrohung mit aller Entschiedenheit an deren Ausschaltung gegangen. "Irak, Iran und Nord-Korea unterstützen den Terror, besitzen Massenvernichtungswaffen und sind dabei, Atomwaffen zu entwickeln oder zu erwerben", schrieb die "Jerusalem Post" am 23. März d. J. Schließlich stellte man mit Beunruhigung fest, dass fast alle Attentäter vom "11. 9." in Washington und New York aus Saudi-Arabien stammten. "The weakest goes first", folgerte die "Jerusalem Post" und meinte, den schwächsten unter den betreffenden Staaten, den Irak, als ersten Gegner nach Afghanistan zu bekämpfen. Tatsächlich wird der Irak nicht das letzte Land sein, das die intensive Aufmerksamkeit der USA erregt. Die Methoden des "Kampfes" können wechseln: politischer Druck, diplomatisches Geschick oder militärische Gewalt als letztes Mittel. Aber das Ziel ist unverrückbar geworden: der Terror und sein Umfeld.

Islamismus, nicht Islam

Nicht der Islam hat dem Westen - und hier nicht bloß den USA - den Krieg erklärt, sondern der Islamismus, die extremistische, gewaltbereite, fundamentalistische Form. Die Terroranschläge vom "11. 9." haben radikal bewusst gemacht, dass der islamische Fundamentalismus auch den Westen in einen irregulären Krieg hineinzieht, wie er im Nahen Osten seit langem im Gange ist. Der Anspruch der islamischen Fundamentalisten besteht auf ihrer neuen, vom Islam getragenen Weltordnung. "Es handelt sich um einen Krieg zwischen Glauben und internationalem Unglauben." Der religiöse Fundamentalismus wendet sich gegen die westliche Moderne, zum einen gegen die Trennung zwischen Wissen und Religion und zum anderen gegen die Trennung zwischen Religion und Politik. Das ungleiche Verhalten des Westens, vor allem der Schutzmacht Amerika, gegenüber Israel und den Palästinensern ist bloß ein äußerer Anlass, nicht ein fundamentaler. "Der Fundamentalismus lässt sich nicht mit der ‚Schuld des Westens‘ erklären; seine Entstehung geht auf eine komplexe Kombination sowohl interner als auch externer Bedingungsfaktoren zurück" (Bassam Tibi, Islam- und Fundamentalismusexperte, Professor für Internationale Beziehungen in Göttingen). Nicht Freiheit und Demokratie sind Leitlinien dieses Systems. Im Gegenteil: Autokratie und Despotie sind als Attribute des "islamischen Regierungssystems" die Regel, in Vergangenheit und Gegenwart. "Wir sollten alle unsere politischen, moralischen und militärischen Fähigkeiten nützen, um eine breite demokratische Revolution zu unterstützen, damit die Völker des Nahen Ostens von der Tyrannei befreit werden", fordert das "Wall Street Journal" seine Regierung und seine Landsleute auf: "Es ist ein Krieg gegen terroristische Organisationen und gegen Regime, die Terroristen-Gruppierungen pflegen, unterstützen, bewaffnen, ausbilden, indoktrinieren und befehligen und die nach unserer Zerstörung rufen. Und es gibt vier derartige Regime: im Iran, Irak, in Syrien und Saudi-Arabien. ("Wall Street Journal", 4. 9. 2002) Diese Meinung ist keine Einzelansicht, sondern herrscht mehrheitlich in der Bevölkerung der USA und vor allem in der Administration.

Doch die islamistische Herausforderung ist umfassender: Sie besteht in allen anderen Gebieten der Welt, wo immer sich Islamisten etablieren können. "Der islamische Fundamentalismus versteht sich als Garant für die einzig gültige weltpolitische Ordnung der Zukunft und will dafür 1,5 Milliarden Muslime mobilisieren" (Bassam Tibi). Von einem "Vierten Weltkrieg" zu sprechen, scheint deshalb nicht unberechtigt.

Autor: Brigadier i. R. Prof. Dr. Horst Mäder

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