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Psychologie

Der Truppenpsychologe in der Brigade - Berater und Betreuer

Nach vielen Jahren beharrlichen Bemühens und sehr viel Überzeugungsarbeit scheint sie nun vor der Verwirklichung zu stehen: die Implementierung eines Militärpsychologen in jeder der vier Brigaden des Österreichischen Bundesheeres. Damit wird mit einiger Verzögerung einem weltweiten Beispiel gefolgt. War bisher lediglich bei den Spezialeinsatzkräften ein Militärpsychologe eingegliedert, der mehr oder weniger als Truppenpsychologe tätig war, so umfasst die truppenpsychologische Versorgung zukünftig alle Kampf- und Unterstützungsteile des Bundesheeres.

In zahlreichen europäischen Armeen ist ein Truppenpsychologe zumeist auf der Ebene der großen Verbände verfügbar, oftmals auf Brigadeebene, manchmal aber erst in der Division. Die kroatischen Streitkräfte verfügen vereinzelt sogar auf der Bataillonsebene über einen Psychologen. Die deutsche Bundeswehr bemüht sich seit 2005, in ihre Brigaden einen eigenen Truppenpsychologen zu integrieren, zumal sie die Erfahrung machen musste, dass die Psychologen in den Divisionen zu "weit weg" von der Truppe waren, und damit schwer einen Bezug zu den Soldaten herstellen konnten.

Grundsätzlich ist die Truppenpsychologie jene psychologische Betreuung, welche bei der Truppe (Ebene großer Verband und darunter) eingesetzt wird. Dabei geht es vor allem um die Beratung des Kommandanten in Fragen mit psychologischen Komponenten sowie um Betreuungsaufgaben im Frieden und im Einsatz.

Ein großer Vorteil ist, dass beim Bundesheer der Brigadepsychologe direkt in der Kommandostruktur angesiedelt sein wird. Somit steht er dem Kommandanten unmittelbar zur Verfügung, was ihm weitgehende Unabhängigkeit gibt - auch von etwaigen Einflussnahmen.

Entgegen der ursprünglichen Absicht, für die Brigaden jüngere aber dennoch sehr erfahrene Psychologen einzusetzen, wurde diese Funktion seitens der verantwortlichen Stellen im Bundesministerium für Landesverteidigung als Einstiegsfunktion festgelegt. Dies zeigt sich in der Wertigkeit des Arbeitsplatzes, die einen wesentlichen Einfluss auf die zukünftige Laufbahn hat. Dass diese Funktion als Einstiegsfunktion nicht realistisch ist, ergibt sich aus dem Umstand, dass die Brigadepsychologen alleinverantwortlich tätig sein werden müssen. Somit sollen sie nicht nur über umfangreiche postgraduelle Ausbildungen wie die des klinischen Psychologen, des Gesundheitspsychologen, des Arbeitspsychologen und des Notfallpsychologen verfügen, sondern auch über entsprechende Erfahrungen in diesen Bereichen und natürlich über umfangreiches Systemwissen im Bundesheer. Derzeit ist geplant, dass die Brigadepsychologen - abhängig von den vorhandenen fachlichen Voraussetzungen - eine rund zweijährige Ausbildung absolvieren müssen (diese wird auch den truppenpsychologischen Lehrgang bei der Bundeswehr beinhalten). Weiters müssen sie eine sieben- bis achtjährige Nutzungsphase bei der Brigade in der Funktion durchlaufen. Je nach Notwendigkeit sind außerdem zwei bis drei Auslandseinsätze mit der Brigade zu bewältigen, was bei der Auswahl der zukünftigen Psychologen eine entscheidende Rolle spielen wird.

Der Brigadepsychologe wird sowohl Berater als auch Ausbilder und Betreuer sein: Als Berater erstellt er regelmäßig Psycho-Lagen, führt Befragungen als Feedback für den Kommandanten durch und wirkt an der Stabsarbeit u. a. durch Vorträge und Beratungen im Fachbereich mit. Als Ausbilder führt er die psychologische Einsatzvor- und -nachbereitung sowie Reintegrationsmaßnahmen nach den Einsätzen durch, begleitet die Brigade in den Einsätzen und koordiniert die Peer-Einsätze (Einsätze der psychologischen Ersthelfer). Als Betreuer nimmt er alle Maßnahmen der Krisenintervention wahr, setzt das Konzept der Arbeitspsychologie mit Maßnahmen zum Stressmanagement sowie gegen Burn-Out, Mobbing, Konflikte etc. um, wirkt bei der Angehörigenbetreuung mit und deckt darüber hinaus noch andere Anforderungen ab. Der Erfolg oder Misserfolg eines Truppenpsychologen wird ganz wesentlich davon bestimmt werden, inwieweit es ihm gelingt, Vertrauen und eine tragfähige Beziehung zu den Soldaten aufzubauen bzw. von ihnen akzeptiert zu werden. Ein seit Oktober 2007 initiiertes Projekt mit der Verwendung eines Militärpsychologen bei der 4. Panzergrenadierbrigade als Brigadepsychologe ist bisher sehr erfolgreich verlaufen.

Dazu passt auch die Aussage des deutschen Generalleutnants Friedrich Riechmann, Befehlshaber des Einsatzführungskommandos, aus dem Jahre 2004, der diese Rolle sehr treffend beschrieben hat: "Der Truppenpsychologe muss im Kontingent bekannt sein wie ein bunter Hund und sich mit seinen Fähigkeiten ‚einsatzkompatibel‘ einbringen und nicht nur kommen und fragen, wo denn das Problem ist! Vor allem in schwierigen Situationen zeigt sich dessen Bedeutung! Die Bedeutung eines Truppenpsychologen besteht auch darin, Problemen vorzubeugen oder einfach nur, die Stimmungslage unter den Soldatinnen und Soldaten auszuloten! Der Truppenpsychologe im Einsatz und um den Einsatz herum ist alles andere als ein humanistischer Luxus oder übertriebene Vorsorge!"


Autor: Oberst dhmfD Mag. Christian Langer

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