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Der Weiterbildungslehrgang für Stabsunteroffiziere

Stabsunteroffiziere der Gegenwart und der Zukunft müssen die unterschiedlichsten Qualifikationen aufweisen, ihnen werden aber auch hohe Kernkompetenzen abverlangt. Um diese zu erlangen oder zu vertiefen ist eine gediegene Ausbildung unverzichtbar.

In den letzten Jahren stiegen aufgrund der zahlreichen Einsätze im In- und Ausland die Anforderungen an die Stabsunteroffiziere deutlich an. Diese müssen den Anforderungen auf allen Führungsebenen entsprechen, aber auch den Erwartungen der Kommandanten und Mitarbeiter. Darüber hinaus geht es aber auch um die Stellung des Unteroffiziers in den Streitkräften und im Öffentlichen Dienst. Für die Lehrgänge, in denen die Teilnehmer auf ihre derzeitigen und künftigen nationalen und internationalen Aufgaben vorbereitet werden, bilden die Herausforderungen innerhalb und außerhalb Österreichs die Eckpfeiler.

Ziel des Lehrganges

Im Weiterbildungslehrgang für Stabsunteroffiziere sollen die am Stabsunteroffizierslehrgang erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten weiter entwickelt werden. Es gelten dabei die Grundsätze lebenslanges Lernen und Kontinuität der Fort- und Weiterbildung. Die Weiterentwicklung muss mit der Funktion bzw. Folgefunktion des Stabsunteroffiziers als Mitglied eines Stabes ab der mittleren taktischen Führungsebene (Brigade/Division) eng verbunden sein, denn der Stabsunteroffizier soll - als vollwertiges Stabsmitglied - umfangreiche und vielfältige Aufgabengebiete selbstständig und oft eigenverantwortlich wahrnehmen können. Er übt dabei zumeist beratende und kontrollierende Tätigkeiten aus. Nicht selten führt und koordiniert er ein Team mit unterschiedlichsten Dienstgraden und Funktionen (z. B. verschiedene Sachbearbeiter). In seinen jeweiligen Verantwortungs- und Aufgabenbereichen ist der Stabsunteroffizier im Idealfall - und meist auch im Realfall - ein hochqualifizierter Mitarbeiter, dem auch im täglichen Dienstbetrieb Analysefähigkeit, ganzheitliches und vernetztes Denken sowie Kreativität abverlangt werden.

Im Zuge des neunwöchigen Weiterbildungslehrganges werden viele dieser Fertigkeiten und Fähigkeiten vermittelt oder vertieft. Zahlreiche "länderübergreifende" Lehrinhalte und die Teilnahme von Stabsunteroffizieren anderer Armeen verleihen dem Lehrgang ein hohes internationales Niveau. Der Stabsunteroffizier wird dabei u. a. in qualifizierten Folgefunktionen, etwa als Koordinator und Planungsgehilfe sowie als Berater und Verhandlungsgehilfe in höheren Führungsebenen verwendet.

Die Teilnehmer

Wer kann oder besser, wer soll am Weiterbildungslehrgang für Stabsunteroffiziere teilnehmen? Zielgruppen sind

  • Personen mit abgeschlossener MBUO 1-Ausbildung und einer zumindest fünfjährigen Verwendung als MBUO 1-Unteroffizier in Stäben großer Verbände, der Zentralstelle oder als Lehrpersonal an Akademien, Waffen- oder Fachschulen sowie
  • Personen mit abgeschlossener MBUO 1-Ausbildung, die für eine der oben genannten Funktionen konkret vorgesehen sind.

Die Kurse finden an der Heeresunteroffiziersakademie in Enns statt. Bis dato gab es sieben derartige Kurse. Die Voraussetzung zur Teilnahme ist die positive Absolvierung einer Zulassungsprüfung. Die Lehrgangstermine sind im Ausbildungskalender abrufbar, die Teilnahme ist freiwillig. (Vermutlich auch deshalb blieb die Teilnehmerzahl bislang relativ gering.)

Lehrinhalte und Methoden

Projektmanagement:

In diesem wesentlichen Bestandteil des Lehrganges wird der Teilnehmer in persönlichen Arbeitstechniken geschult. Im Rahmen des internetbasierten Gemeinschaftsprojektes ENCOA (European Non Commissioned Officer Academy) mit der Unteroffizierschule der Deutschen Luftwaffe, der Heeresunteroffiziersakademie und der Berufsunteroffiziersschule der Schweizer Armee muss jeder Lehrgangsteilnehmer als Projekt eine umfassende - prüfungsrelevante - schriftliche Arbeit im Themenkomplex Führung und Stabsdienst erstellen.

Führung und Stabsdienst:

Jeder Kursteilnehmer muss bestimmte Stabsfunktionen vor allem im S2- und S3-Bereich ausüben können. Besonders geschult werden dabei die Kenntnisse der Aufbau- und Ablauforganisationen in nationalen und internationalen Stäben. Die Festigung des Erlernten erfolgt im Rahmen der praktischen Anwendung bei Stabsrahmenübungen an der Theresianischen Militärakademie und der Landesverteidigungsakademie. Zur Schulung der internationalen Stabsarbeit erfolgt die Übungstätigkeit in englischer Sprache.

Präsentationstechniken:

Durch richtige Anwendung einsatzrelevanter Präsentationstechniken erleichtert die Vorbereitung und Durchführung von Lagevorträgen oder Präsentationen erheblich.

Verhandlungsführung:

Gerade im internationalen Einsatz (etwa im Bereich der zivil-militärischen Zusammenarbeit) müssen Stabsunteroffiziere auch erfolgreich verhandeln können. Die situationsangepasste Anwendung von Techniken der Verhandlungsführung hilft dabei und erleichtert außerdem oftmals das Zuarbeiten für den Kommandanten.

Stressbewältigung:

Stressbewältigung bedeutet nicht nur das Umgehen mit Eigenstress. Sie setzt auch voraus, dass der Stabsunteroffizier bei psychischen Belastungen anderer Soldaten professionelle Hilfestellung anbieten kann, z. B. durch das Heranziehen von Psychologen und Ärzten. Die Kenntnis des Critical Stress Managements befähigt den Stabsunteroffizier auch, die Hilfeleistung durch lokale Experten und so genannte Peers besser einzuschätzen.

Militärisches Grundlagenwissen:

Dabei werden Kenntnisse der soldatischen Berufethik, der Politischen Bildung, der Rechtskunde, des Ausbildungssystems im Österreichischen Bundesheer sowie die Englischkenntnisse vertieft, um den Absolventen das Rüstzeug für künftige nationale und internationale Stabsarbeit zu geben.

Körperausbildung:

Die Körperausbildung ist ein Hauptbestandteil des Ausbildungsdienstes aber auch eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter eines Stabes. Eine stabile Basis an Grundlagenausdauer vermindert das Krankheitsrisiko und steigert die Leistungsfähigkeit der Stabsunteroffiziere.

Ein Zukunftswunsch

Ziel der Ausbildung ist es, die Stabsunteroffiziere für qualifizierte Folgeverwendungen zu schulen, vor allem in der Anwendung moderner Managementmethoden und in situationsangepassten Führungs- und Unterstützungsmaßnahmen. Deshalb sollte dieses Weiterbildungsangebot für Stabsunteroffiziere ab der mittleren taktischen Führungsebene künftig unaufgefordert angenommen werden. Denn auch für das Unteroffizierskader gilt: Lernen ist wie Rudern gegen den Strom; sobald man damit aufhört, treibt man zurück. (Benjamin Britten, britischer Komponist, Dirigent und Pianist)


Autor: Vizeleutnant Othmar Wohlkönig, Jahrgang 1959. 1979 Grundwehrdienst beim Jagdpanzerbataillon 4 in Graz, danach Ausbildung zum Unteroffizier und Stabsunteroffizier; Verwendungen u. a. als Zugskommandant (Jagdpanzer "Kürassier"), Hilfsreferent für Körper- und Alpinausbildung sowie in Stabsfunktionen im Militärkommando Steiermark und im Kommando Internationale Einsätze. Absolvent des 7. Weiterbildungslehrganges für Stabsunteroffiziere und der Zentralen Instruktoren Schule in der Schweiz. Auslandsverwendungen bei UNFICYP (mehrere Einsätze, einer davon als Instruktor für das slowakische Kontingent), SFOR und UNDOF. Seit 2006 Kommandounteroffizier der Streitkräfte.

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