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Psychologie: Psychologische Lage, was ist das?

Bei Durchsicht der aktuellen Vorschriftenlage zeigt sich, dass Faktoren wie Kampfmoral, psychisches Leistungsvermögen und Belastungsfähigkeit sowie Einsatzmotivation fest im Österreichischen Bundesheer verankert sind. Sie stellen daher wesentliche Größen für die Beurteilung der Lage durch die Kommandanten dar.

Diese Faktoren beschäftigen auch den bei der Truppe eingesetzten Militärpsychologen. Seine Aufgabe ist es unter anderem, genau diese Faktoren zu erheben und zu einem psychologischen Lagebild für den Kommandanten zu verarbeiten. Bedarfsgerecht und den Aufträgen seines Vorgesetzten entsprechend, hat der Militärpsychologe aber auch die Aufgabe, hinsichtlich der Beeinflussung der psychischen Lage zu beraten und gegebenenfalls selbst entsprechende Maßnahmen zu setzen.

Die psychologische Lagedarstellung umfasst im Wesentlichen die Darstellung der psychischen Leistungsfähigkeit und der Einsatzmotivation der unterstellten Soldaten. Um nun die Faktoren psychische Leistungsfähigkeit und Einsatzmotivation zu erheben, kann der Militärpsychologe auf sein gesamtes Methodenrepertoire wie beispielsweise Gruppen- oder Einzelinterviews, Verhaltensbeobachtung, Fragebögen, oder psychologische Tests zurückgreifen.

Natürlich ist es nicht die Aufgabe des Truppenpsychologen, die grundsätzliche psychische Leistungsfähigkeit der Soldaten zu erheben. Dies erfolgt durch die Militärpsychologen der ortsfesten Stellungskommissionen und des Heerespersonalamtes. Der Truppenpsychologe hat aber zu beurteilen, inwieweit sich diverse Umfeldbedingungen der Soldaten wie z. B. die Familiensituation, das Schlafausmaß, die Nahrung, die Feindwirkung, die Witterung, aber auch Informationsdefizite und gruppendynamische Vorgänge auf deren psychische Leistungsfähigkeit auswirken.

Teilweise die gleichen, aber auch darüber hinaus gehende Faktoren beeinflussen auch die Einsatzmotivation. Hier spielen Faktoren wie Vertrauen in die Führung, Erkennen der Sinnhaftigkeit des Auftrages oder die öffentliche Meinung über den Auftrag eine wesentliche Rolle. All diese Informationen werden dann zu einem psychologischen Lagebild verarbeitet.

Besteht nun der Bedarf, die psychologische Lage zu verändern, so hat der Militärpsychologe dem Kommandanten entsprechende Maßnahmen vorzuschlagen und auftragsgerecht umzusetzen. Dabei kommen dem Truppenpsychologen sein großer Methodenfundus und sei Wissen über die Abläufe im Bundesheer zugute.

Weiters hat der Truppenpsychologe den großen Vorteil, einerseits im Stab eines Verbandes und andererseits bei den unterstellten Teilen präsent sein zu können. So kann zum Beispiel das Verständnis eines Befehles im Bereich der einzelnen Führungsebenen des Verbandes durchgängig geprüft und bedarfsgerecht durch gezielte Informationen oder durch das Anregen von Absprachen entsprechend verbessert werden. Natürlich tritt in der truppenpsychologischen Arbeit die primär an der Einzelperson orientierte, klassische klinisch psychologische Arbeit zu Gunsten arbeitspsychologischer Maßnahmen in den Hintergrund. Deren Focus richtet sich auf Arbeitsbedingungen und deren psychische Auswirkungen auf die Gesamtbelegschaft.

In der Umsetzung dieser Maßnahmen ist der Truppenpsychologe aber in vielen Fällen auf die Zusammenarbeit mit anderen Stellen (z. B. Truppenbetreuung, Öffentlichkeitsarbeit, Sanitätsdienst) angewiesen. Dies macht eine Einbindung des Psychologen in die Stabsarbeit nahezu unumgänglich. So können beispielsweise gezielte Maßnahmen des Konfliktmanagements und der Kommandantenberatung im Zusammenspiel mit Maßnahmen der Truppenbetreuung eingesetzt werden, um die Struktur eines Organisationselementes zu stärken, Konflikte zu beseitigen und das Zusammenwirken im Organisationselement zu verbessern.

Um diese Arbeit der psychologischen Lageerhebung und Lagebeeinflussung effizient bewerkstelligen zu können, ist ein großes Maß an Vertrauen notwendig. Zum einen muss der Stab, in dem der Militärpsychologe eingesetzt ist, diesem vertrauen, dass seine abgegebene Expertise richtig ist und die von ihm vorgeschlagenen Maßnahmen greifen. Ebenso müssen auch die Einheitskommandanten, die vom Militärpsychologen beraten werden, seiner Arbeit vertrauen. Zum anderen muss aber auch die breite Masse der Soldaten dem Militärpsychologen vertrauen können. So muss Gewissheit herrschen, dass die zugesicherte Anonymität auch hält und dass psychologische Beratung und Betreuung Wirkung zeigen.

Unabhängig von der Führungsebene ist aber anzumerken, dass Vertrauen etwas ist, das langsam wachsen muss. Um diesen langwierigen Prozess zu unterstützen, ist Kontinuität eine wesentliche Größe. So hat auch die Erfahrung aus dem Auslandseinsatz gezeigt, dass Truppe und Psychologe in vielen Fällen erst zusammenwachsen müssen.

Vor diesem Hintergrund ist die Implementierung von Militärpsychologen in den vier Brigaden des Bundesheeres ein wertvoller Beitrag. Nur so kann nämlich sichergestellt werden, dass der Truppenpsychologe durch seine häufige Präsenz und sein Wirken Vertrauen fördert. Dies erleichtert wiederum die Erhebung und die Verbesserung der psychologischen Lage in den Verbänden der Brigade.

Autor: Mag. Alexander Birner

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