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Das Sturmtief "Paula" und seine Folgen

Warum Katastrophenschutz so wichtig ist

Das Sturmtief "Paula" verursachte in weiten Teilen der Steiermark und Kärntens katastrophale Schäden, die alles Bisherige übertrafen, und legte wichtige Bereiche der Infrastruktur für mehrere Tage lahm. Durch den gut koordinierten Katastrophenhilfeeinsatz des Bundesheeres war es möglich, die für die Bevölkerung dringend benötigte Unterstützung sicherzustellen. Einmal mehr haben die Betroffenen am eigenen Leib erfahren, wie wichtig es ist, ein Bundesheer zu haben, das rechtzeitig Kräfte für den Katastrophenschutz bereitstellen kann.

In der Nacht vom 26. auf den 27. Jänner 2008 - fast genau ein Jahr, nachdem das Sturmtief "Kyrill" unser Land heimgesucht hatte - zog das Sturmtief "Paula" über Österreich. Besonders betroffen waren weite Teile der Steiermark und Kärntens. Neu war dabei, dass ein Sturm dieser Intensität, also mit einer konstant hohen Windgeschwindigkeit, mehrere Stunden lang über Teile des Landes fegte. Das Ergebnis war eine der verheerend-sten Sturmkatastrophen seit Menschengedenken in der Geschichte der Steiermark. Besonders betroffen waren die Bezirke Graz-Umgebung, Voitsberg und Köflach. In Kärnten wurde der Bezirk Spittal an der Drau am meisten in Mitleidenschaft gezogen.

Als unmittelbare Folgen waren zehntausende Haushalte mehrere Stunden ohne Strom sowie zahlreiche Straßen wegen umgestürzter Bäume unpassierbar. Der Sturm forderte bereits in den ersten Stunden 17 Verletzte - hauptsächlich Feuerwehrleute, die versuchten, die Straßen freizuräumen. Bereits am Nachmittag des 27. Jänner wurde in Ansätzen deutlich, welche Folgen dieses meteorologische Ausnahmeereignis mit sich gebracht hatte. Besonders die Elektrizitätsversorgungsunternehmen waren mit der Situation überfordert: an zu vielen Stellen brach das Stromnetz in Folge des Windwurfs zusammen.

Die am schlimmsten betroffenen Bezirke ersuchten daher umgehend bei der Landeswarnzentrale um Assistenz durch das Österreichische Bundesheer. Die erste Anforderung lief am 28. Jänner um 0934 Uhr in der Hauptkanzlei des Militärkommandos Steiermark ein. Es galt nun, die "kritische Infrastruktur" so rasch wie möglich wiederherzustellen; vorrangig war dabei die Instandsetzung des Stromnetzes. Trotz aller Bemühungen und größter Anstrengungen mussten hunderte Menschen in abgelegenen Landesteilen bis zu sieben Tage ohne den für uns heute selbstverständlichen elektrischen Strom auskommen.

Maßnahmen der ersten Stunden

Am ersten Einsatztag wurde der kleine Einsatzstab des Militärkommandos Steiermark (MilKdo ST) formiert und die zu diesem Zeitpunkt voll einsatzbereite ABC-Abwehrkompanie (ABC-AbwKp) des MilKdo ST sowie die Katastropheneinsatzzüge (KatEZg) des Jägerbataillons 17 (JgB 17) und des Artillerieregimentes 1 (AR 1) für einen Einsatz nach § 2 Abs. 1 lit. c alarmiert. Es galt, sofort mit den Erkundungen zu beginnen und umgehend Hilfe zu leisten. Die ABC-Abwehrkompanie wäre ab der Folgewoche für den Assistenzeinsatz nach Schengenerweiterung in Oberpullendorf vorgesehen gewesen, der Führungsstab fällte jedoch noch am selben Tag den Entschluss, die Einheit nicht zu diesem Einsatz zu entsenden, sondern durch Kräfte des Jägerbataillons 25 (JgB 25) zu ersetzen. Ansonsten wären in den ersten Stunden keine militärischen Kräfte mit den für diese Assistenzleistungen erforderlichen Fähigkeiten verfügbar gewesen. Ziel war es, ab dem Folgetag, dem 29. Jänner, mit kompaniestarken Kräften in den Einsatzräumen Weiz und Graz-Umgebung tätig zu werden; daher mussten noch am 28. Jänner die wichtigsten Schadstellen in Zusammenarbeit mit den Bedarfsträgern erkundet werden. Die örtliche Nähe zu den Schadstellen und die von Beginn an problemlose Zusammenarbeit mit den zivilen Behörden machte dies so kurzfristig möglich.

Darüber hinaus wurden als Sofortmaßnahme Hubschrauber vom Typ SA.316B "Alouette" III des Hubschraubergeschwaders Aigen für Notarzt- und Erkundungsflüge angefordert.

Katastrophale Schadensbilanz

Am 29. Jänner begannen die ABC-Abwehrkompanie im Raum Graz-Umgebung und der Katastropheneinsatzzug des Jägerbataillons 17 im Raum Voitsberg planmäßig mit den Arbeiten. Aufgrund des Zeitdrucks wurde von der Morgen- bis zur Abenddämmerung gearbeitet. Zusätzlich unterstützte ab dem 30. Jänner der Katastropheneinsatzzug des Artillerieregimentes 1 aus Feldbach die Kräfte im Raum Voitsberg. Erste Erkundungsflüge, an denen auch der Militärkommandant und der Landeshauptmann teilnahmen, machten deutlich, dass die Lage weit verheerender war als zunächst angenommen. Die Zahlenangaben bei den Schätzungen über den entstandenen Schaden stiegen dramatisch: Erst war von einer, dann von zwei Millionen Festmetern Schadholz die Rede. (Zwei Millionen Festmeter entsprechen etwa jener Menge Holz, die in der Steiermark pro Jahr regulär gefällt wird.) Doch auch diese Angabe musste mehrmals nach oben korrigiert werden. Am Ende war klar, dass sich der Schaden auf etwa vier Millionen Festmeter beläuft. In manchen Gemeinden waren 40 Prozent des Waldbestandes vernichtet, einige Waldbesitzer verloren gar 95 Prozent ihres Waldes. Insbesondere die zu erwartenden mittel- und langfristigen Folgen - wie etwa Verklausungen und Muren sowie eine Borkenkäferplage - bereiteten ernste Sorgen.

Zum Vergleich: Der Sturm "Kyrill" (18. Jänner 2007) hatte etwa 1,5 Millionen Festmeter Schadholz in Österreich verursacht, europaweit waren es mehr als 50 Millionen Festmeter. In der Gesamtbilanz hatte "Kyrill" also mehr als den zehnfachen Schaden von "Paula" angerichtet.

Angesichts der dramatischen Lage wurde ein Einsatz von bataillonsstarken Kräften des Bundesheeres als notwendig beurteilt, um in den folgenden Wochen wenigstens die schlimmsten Schäden beseitigen zu können.

Helfen, wo andere nicht können

Die örtlichen Feuerwehren gaben ihr Bestes, und das Krisenmanagement der Gemeinden, Bezirke und des Landes sowie einiger Betriebe wie z. B. der Steirischen Elektrizitätsgesellschaft (STEG) war darum bemüht, die Lage zu bereinigen. Doch fehlte es angesichts des Schadensausmaßes an der Durchhaltefähigkeit und am Personal. Zivile Holzaufarbeitungsfirmen waren nicht in der notwendigen Zeit und Anzahl verfügbar, um hier vor allem in der ersten Phase des Einsatzes entscheidend helfen zu können. Damit war allseits klar, dass nur die für Katastropheneinsätze dieser Art ausgebildeten Kräfte des Bundesheeres für eine rasche und effiziente Hilfe in Frage kommen würden, nämlich die Soldaten der ABC-Abwehrtruppe und der Pioniertruppe. Denn nur diese verfügen über die notwendigen Kenntnisse und über das richtige Gerät! Daher wurden noch zwei weitere Kompanien, nämlich die Pionierkompanie des Pionierbataillons 2 (PiB 2) aus Salzburg und die Pionierkompanie des Pionierbataillons 3 (PiB 3) aus Melk alarmiert. Diese sollten bis zum 1. Februar in den Einsatzraum verlegen, um an den beiden Folgetagen (das Wochenende 2. und 3. Februar) tätig werden zu können. Die Stabskompanie (StbKp) des Militärkommandos Steiermark wurde mit der Versorgung der eingesetzten Kräfte beauftragt.

Eingesetze Kräfte - Übersicht und Gliederung

Die Gliederung der Kompanien erfolgte anlassbezogen. Im Fall "Paula" bestanden die meisten Einheiten aus einem Kompaniekommando sowie zwei Assistenzzügen mit je drei Gruppen. Zusätzlich war jeder Kompanie ein Datenübertragungstrupp zugeteilt. So wurden die wichtigsten Meldungen mit den Laptops (3. VE) erstellt und via Kurzwelle übertragen. Die Stärke am 7. Februar 2008 betrug:

Einsatzleitung MilKdo ST: 20 Soldaten.

1. AssKp (ABC-AbwKp Graz): 126 Soldaten (KatEZg JgB 17 integriert).

2. AssKp (StbKp MilKdo ST): 20 Soldaten.

3. AssKp (PiB 2): 126 Soldaten.

4. AssKp (PiB 3): 135 Soldaten (KatEZg AR 1 integriert).

Gesamt: 427 Soldaten.

Die Planung sah vor, die Pionierteile bis zum 22. Februar - also für drei Wochen - im Einsatz zu belassen.

An Großgerät eingesetzt wurden zwei Schwenklader "Tross" 130, zwei Pionierpanzer, ein Bergepanzer "Greif", zwei Bergepanzer M-578 und fünf Baggerlader JCB.

Bis zum 14. März 2008 wurden in der Steiermark 14 750 Manntage geleistet (Berechnungsgrundlage: 8-Stunden-Normarbeitstag).

Die erste Einsatzwoche

Vorerst galt es, die Stromleitungstrassen in Graz-Umgebung und Weiz frei zu schneiden, um die Wiedererrichtung des Stromnetzes zu ermöglichen. Die Vorgabe war, dass bis zum Wochenende die lückenlose Stromversorgung wiederhergestellt werden sollte. Dieser Zeitdruck, kombiniert mit der hohen Gefahr, die ein Einsatz zur Aufarbeitung eines Windwurfes mit sich bringt, und der langen täglichen Arbeitsdauer, bedeutete für die Soldaten eine extreme Belastung. Außerdem fehlte es in den ersten Tagen noch an Ausrüstung und Gerät: So mangelte es nicht nur an einer ausreichenden Anzahl von Ausrüstung, sondern auch an Seilwinden, Kränen etc. Die notwendigen Beschaffungen erfolgten jedoch sehr rasch, und auch die Zusammenarbeit mit Bauern, Straßenmeistereien und Firmen bei der Bereitstellung von Traktoren, Seilwinden etc. war vorbildlich. Schließlich hatte jeder Bedarfsträger ein vitales Interesse daran, dass ihm so rasch wie möglich geholfen wird. Dies sowie die hohe Motivation und Qualifikation der eingesetzten Soldaten waren ausschlaggebend, dass alle Vorgaben der ersten Woche erfüllt werden konnten.

Dem einsatzführenden Militärkommando Steiermark wurden zudem eine "Alouette" III als Notarzthubschrauber und ein OH-58B "Kiowa" als Erkundungshubschrauber unterstellt. Da bei einer solch gefährlichen Tätigkeit, wie sie die Windwurfaufarbeitung darstellt, schon geringe Unaufmerksamkeiten schwere Verletzungen nach sich ziehen können, wurde der Hubschrauberpilot des Notarzthubschraubers laufend über die exakte Lage und Bezeichnung der Schadstellen informiert, um im Erstfall rasch vor Ort sein zu können. Außerdem wurden mit den Hubschraubern auch die notwendigen Erkundungen aus der Luft durchgeführt.

Aufgrund der vorgesehenen Anzahl der einzusetzenden Kräfte und der veranschlagten Einsatzdauer von vier bis sechs Wochen bereitete sich der "kleine Einsatzstab" des Militärkommandos auf den Übergang zum "großen Einsatzstab", in dem alle Führungsgrundgebiete abgebildet sind, vor.

Tag 7: Der Einsatz ist voll angelaufen

Ab dem 7. Einsatztag waren alle vorgesehenen Kräfte im Einsatzraum. Zum Freischneiden der Stromleitungstrassen kam als weitere Hauptaufgabe das Räumen von kritischen Abschnitten in Gräben und Bächen dazu, um Verklausungen (der teilweise oder vollständige Verschluss eines Fließgewässerquerschnittes durch angeschwemmtes Treibgut oder Totholz) bei massiven Niederschlägen zu verhindern. Auch galt es, Schadstellen zu räumen, bei denen auf Steilhängen herumliegende Bäume und Wurzelstöcke darunter liegende Häuser und Straßen bedrohten. (Bei entwurzelten Bäumen wird zwar oft der Stamm zwecks Holzgewinnung vom Wurzelstock abgetrennt, der Wurzelstock bleibt jedoch meist im Wald liegen.) Für diese Arbeiten waren starke Winden erforderlich, daher wurden Berge- und Pionierpanzer sowie Schwenklader "Tross" 130 dafür eingesetzt. Erschwerend kam hinzu, dass die Soldaten bei diesen Aufgaben zusätzlich für die Sicherung der Einsatzstelle verantwortlich waren. So mussten Straßen gesperrt und manchmal sogar Fangzäune errichtet werden, um eine Beschädigung von Wohnhäusern durch herabfallende Steine bzw. Holz zu verhindern.

Die 1. Assistenzkompanie bekam als Verantwortungsbereich den Bezirk Graz-Umgebung, die 2. Assistenzkompanie den Bezirk Weiz und die 3. Assistenzkompanie den Bezirk Voitsberg zugewiesen. Anders als im Bezirk Graz-Umgebung, wo die Herausforderung darin bestand, möglichst viele weit voneinander entfernt liegende Schadstellen zu bearbeiten, gab es in den anderen Bezirken klare Schwergewichte:

  • Im Bezirk Weiz war es die für den Straßenverkehr wichtige Weizklamm; sie musste nach dem Sturm gesperrt werden, wodurch große Umwege erforderlich waren.
  • Im Bezirk Voitsberg war der Teigitschgraben betroffen. Er war auf einer Länge von mehreren Kilometern verklaust, vor allem im Bereich des Wasserkraftwerkes. Um Beschädigungen dieses Kraftwerkes zu verhindern und den einwandfreien Betrieb sicherzustellen, war die Entfernung des gesamten Windwurfes im Grabenbereich notwendig.

Die Arbeiten in der schwer zugänglichen Weizklamm wurden von Alpinspezialisten des Bundesheeres unterstützt. Außerdem wurde der Einsatz von Tragtieren zur Holzverbringung erwogen, doch die diesbezüglichen Erkundungen ergaben, dass der logistische Aufwand im Verhältnis zum Nutzen zu hoch gewesen wäre.

Wesentlich für die Bewältigung der Aufgaben waren ausreichende Ruhezeiten für die Soldaten. Nicht alle Soldaten waren an die hohen Belastungen gewöhnt; manche stießen körperlich bald an ihre Grenzen. Der Arbeitsrhythmus wurde daher wie folgt festgelegt:

  • Montag bis Freitag: Arbeit von der Morgen- bis zur Abenddämmerung;
  • Samstag und Sonntag: Ruhe.

Nur so konnte sichergestellt werden, dass sich die Soldaten nicht infolge Übermüdung einem noch höheren Sicherheitsrisiko aussetzten, als dies - bedingt durch die Art des Einsatzes - ohnehin gegeben war.

Ohne technisches Gerät geht es nicht Pro Assistenzzug wurden rund 12 bis 14 Kettensägen benötigt. Um die nötige Anzahl bereitstellen zu können, mussten 100 Kettensägen-Sätze durch das Land Steiermark angekauft werden. Sie werden seit der Beendigung des Einsatzes im Katastrophenschutzlager in der Gablenz-Kaserne in Graz gelagert. Jeder Satz beinhaltet auch die erforderliche Schnittschutzbekleidung, bestehend aus Sicherheitshelm, Gehörschutz, Jacke, Hose und Schuhen. Die Bekleidung entspricht der aktuellen DIN-Norm für das Arbeiten mit Kettensägen. Alle Soldaten, die mit Kettensägen arbeiteten, hatten diese Schutzbekleidung zu tragen.

Zum Ziehen der Baumstämme und Wurzelstöcke wurden Winden eingesetzt. Am besten für diese Aufgabe geeignet waren die Winden der Traktoren der landwirtschaftlichen Betriebe; die Heeresfahrzeuge erwiesen sich sehr oft als zu groß und unbeweglich für die teils recht exponierten Schadstellen. Im Zuge der Vorabsprachen wurde die Bereitstellung der zivilen Traktoren organisiert. Wurde sehr viel Kraft benötigt, war allerdings militärisches Großgerät (Schwenklader "Tross" 130 oder Bergepanzer M-578) unverzichtbar. Damit konnten mittels Umlenkrollen bis zu 60 Tonnen Masse (Bergepanzer "Greif") bewegt werden.

Im Raum Gratkorn wurden zwei Hubschrauber Sikorsky S-70 "Black Hawk" zum Abtransport von Baumstämmen eingesetzt. Auch in Kärnten kamen zwei S-70 "Black Hawk" zum Einsatz; sie transportierten bis zum 19. Februar mehr als 190 Tonnen Schadholz ab.

War eine Schadstelle überhaupt nicht zugänglich oder hätte das Arbeiten mit Kettensägen ein nicht vertretbares Risiko dargestellt, wurde gesprengt.

Assistenzanforderung - wann hilft das Bundesheer?

Besonders in den ersten Tagen sah sich die Einsatzleitung des Militärkommandos mit dem Problem konfrontiert, dass sehr viele Assistenzanforderungen gleichzeitig eingingen und diese nach Priorität gereiht werden mussten. Um unnötige Anfragen zu vermeiden, wurde bestimmt, dass durch das Bundesheer nur Maßnahmen zur Wiederherstellung der Infrastruktur durchgeführt werden. Um dies sicherzustellen, wurde jede Schadstelle zumindest einen Tag vor Arbeitsbeginn erkundet. Die Erkundung erfolgte durch die Einsatzleitung, die Kompaniekommandanten oder durch die Zugskommandanten nach einheitlichen Kriterien und wurde mit einem KMZ-Kalkül (KMZ - Kräfte-Mittel-Zeit) abgeschlossen. So konnte stets einige Tage im Voraus festgelegt werden, welche Schadstellen wann und durch wen abzuarbeiten waren. Besonders für die Einsatzunterstützung war dies wichtig, weil beispielsweise die schweren Pioniermaschinen nur sehr begrenzt zur Verfügung standen und deren Einsatz exakt abgestimmt werden musste, um keine unnötigen Stehzeiten zu verursachen.

Einige Assistenzanforderungen, die den Kriterien nicht entsprochen haben, mussten auch abgelehnt werden, beispielsweise wenn sie Aufräumarbeiten im Wald gleichgekommen wären; in solchen Fällen wurden niemals Soldaten eingesetzt. Mit diesen Arbeiten wurden vor allem zivile Holzschlägerfirmen beauftragt, die zum Teil aus dem Katastrophenfonds des Landes bezahlt wurden. Einige dieser Firmen waren zu jener Zeit noch in Deutschland mit der Beseitigung jener Schäden beschäftigt, die im Vorjahr von dem Sturm "Kyrill" verursacht worden waren, und mussten daher von dort abgezogen werden, um in der Steiermark wichtige Forstwege frei zu machen. Diese Firmen verfügen über schwere Maschinen, mit denen mehrere Kilometer Weg pro Tag frei geräumt werden können, wenn das Gelände nicht zu unwegsam ist.

Ausschlaggebend für die Beurteilung der Schadstellen waren auch die Katastropheneinsatzpläne der Bezirke. Aus ihnen geht beispielsweise bei der Beurteilung von Verklausungen klar hervor, welche Gräben am meisten gefährdet sind.

Etwa bis zur dritten Einsatzwoche wurden vom Militärkommando Assistenzanforderungen entgegengenommen. Entsprechend der Planung sollte ein Teil der eingesetzten Soldaten zumindest bis zum Ende der sechsten Einsatzwoche tätig sein.

Zusammenarbeit mit zivilen Kräften

Für die Bewältigung eines solchen Einsatzes ist die enge Zusammenarbeit mit den betroffenen zivilen Stellen notwendig. Sie sind die Bedarfsträger, und ihnen soll möglichst rasch geholfen werden.

Laut Weisung der Steiermärkischen Landesregierung ist die Anforderung von Kräften des Österreichischen Bundesheeres zur Assistenz bei der Bewältigung von Katastrophen ungewöhnlichen Ausmaßes wie folgt festgelegt: Die Anforderung geht vom Bürgermeister zum Bezirkshauptmann und wird von dort an die Landeswarnzentrale weitergeleitet. Von der Landeswarnzentrale aus gehen die Anforderungen zum Militärkommando, das alle zur Katastrophenbewältigung eingesetzten militärischen Kräfte führt. Nur bei Gefahr im Verzug darf der Bürgermeister selbst beim Bundesheer Assistenz anfordern.

Bei einer Erkundung sind zumeist auch die Bedarfsträger mit vor Ort. In den Absprachen wird festgestellt, welche Arbeiten zu erledigen sind und wie die Zusammenarbeit erfolgt (z. B. durch das Zur-Verfügung-Stellen von Seilwinden, Traktoren, Anhängern etc.).

Die Gemeinden sind mit dem "Krisenmanagement" unterschiedlich gut vertraut. Daher ist es besonders wichtig, sich hier konstruktiv anzubieten sowie bei der Lösung der Problemstellungen aktiv mitzuwirken und die Gemeinden zu unterstützen. Der Lohn der Mühe sind die Anerkennung und der Respekt, der den Soldaten nach verrichteter Arbeit entgegengebracht wird. Wichtig ist, dass in der Bevölkerung der Eindruck einer professionell agierenden und perfekt organisierten Truppe entsteht. Wird Chaos vorgefunden, ist Ordnung zu schaffen - auch das wird vom Militär erwartet!

Besonders problematisch sind Straßenblockaden, da diese - wie im Bezirk Weiz - weiträumige Umfahrungen mit entsprechenden negativen wirtschaftlichen Konsequenzen, vor allem für Frachtunternehmen, mit sich bringen. Hier ist es besonders wichtig, dass die veranschlagten Zeitrahmen eingehalten werden und keine zusätzlichen Verzögerungen entstehen - das wird nur schwer verziehen.

Der enge Kontakt zwischen Armee und Bevölkerung ist sehr wichtig; Einsätze wie dieser bieten dafür eine Unzahl an Möglichkeiten. Vor allem die Tatsache, eine sinnvolle Arbeit zu verrichten, die jene Menschen unterstützt, welche die Hilfe am dringendsten benötigen, ist für alle Soldaten eine große Motivation. Dies verdeutlichen auch die beeindruckenden Arbeitsleistungen - qualitativ und quantitativ. Und die Menschen wissen, dass nur das Bundesheer Kräfte aufbieten kann, die gut ausgebildet sowie durchhaltefähig sind und die - im Gegensatz zu zivilen Firmen - auch tatsächlich dann zur Verfügung stehen, wenn sie benötigt werden.

Mangelnde Ausbildung wäre fatal

Derzeit verfügt das Bundesheer über fünf ABC-Abwehrkompanien und drei Pionierbataillone. Diese Kräfte sind zu technischen Einsätzen befähigt und damit primär für Einsätze dieser Art heranzuziehen. Sollten sich die derzeitigen Rahmenbedingungen nicht ändern, ist jedoch ein deutlicher Verlust an Qualität zu befürchten: Gemäß Weisung des Führungsstabes aus dem vergangenen Jahr sind diese Kräfte nicht mehr für den "Assistenzeinsatz nach Schengenerweiterung" heranzuziehen, da diese mit der Umstellung auf den sechsmonatigen Grundwehrdienst die technisch anspruchsvolle Ausbildung nicht mehr ordnungsgemäß durchführen können.

Sollten die Soldaten der ABC-Abwehr- und der Pioniertruppe jedoch weiterhin für den Assistenzeinsatz nach Schengenerweiterung eingeteilt werden, wie dies bereits in den vergangenen Jahren der Fall war, könnte die Basisausbildung 3 nicht durchgeführt werden. Dies hätte vor allem für den Wissensstand des Kaderpersonals negative Auswirkungen. Wenn jedoch - wie im Bericht der Reformkommission angeführt - die Aufgaben im Inland gleichbedeutend mit den Aufgaben im Ausland sein sollen, so hat die Ausbildung, sowohl des Kaderpersonals als auch der Grundwehrdiener, Priorität.

Dass es bei der Ausrüstung unserer Armee Verbesserungspotenzial gibt, ist hinlänglich bekannt. Doch das Reservoir, aus dem die Soldaten des Bundesheeres schöpfen, ist nicht (nur) die Ausrüstung, sondern es ist (hauptsächlich) das Wissen. Dieses nicht nur zu erhalten, sondern stets zu verbessern und auch weiterzugeben, muss für die Kommandanten aller Ebenen im Mittelpunkt stehen.

Und sollte sich der weltweite Klimawandel - wie von den meisten Wissenschaftern prognostiziert - weiter fortsetzen, ist in Zukunft damit zu rechnen, dass solche Extremereignisse noch häufiger und heftiger eintreten werden als bisher. Deshalb sollte es im Interesse aller sein, dass jederzeit genügend gut ausgebildete Kräfte des Österreichischen Bundesheeres bereit stehen, die im Bereich des Umweltgefahren- und Katastrophenmanagements die Betroffenen unterstützen können.

Auf "Paula" folgte "Emma"

In der Nacht vom 1. auf den 2. März, exakt fünf Wochen nach "Paula", fegte ein weiterer Sturm über Österreich - er trug den Namen "Emma". In seiner Intensität war "Emma" von geringerem Ausmaß als "Paula", allerdings waren aufgrund einer Verkettung unglücklicher Umstände allein in Österreich vier Todesopfer zu beklagen, zwei weitere in Deutschland und zwei in Tschechien.

In den Wäldern richtete "Emma" vergleichsweise geringe Schäden an, die Summe der Sachschäden in Österreich beläuft sich dafür laut den Rückversicherungen auf etwa 100 Mio. Euro. (In Deutschland wird mit einem rund neunmal so großen Schadensausmaß gerechnet.) Die Windspitzen erreichten stellenweise über 160 km/h, und kurzzeitig waren hunderttausend Haushalte ohne Strom. Die Feuerwehren absolvierten 12 000 Einsätze für die Soforthilfe, davon allein 6 000 in Oberösterreich, dem von "Emma" am schlimmsten betroffenen Bundesland. Über ein Dutzend Familien wurden obdachlos, da ihre Häuser durch den Sturm derart beschädigt wurden, dass eine Reparatur nicht mehr möglich war. In Wien war der zur kritischen Infrastruktur zählende Südbahnhof aufgrund eines umgestürzten Krans mehrere Tage blockiert.

An das Bundesheer ergingen nach "Emma" zwei Assistenzansuchen: In Bruck/Leitha in Niederösterreich war das durch den Sturm in Mitleidenschaft gezogene Dach der Bezirkshauptmannschaft zu sichern. Im Raum Unken - Kniepass in Salzburg waren Soldaten der Jägerschule Saalfelden und des Fliegerregimentes 1 mit einem Hubschrauber S-70 "Black Hawk" zur Aufarbeitung von Windwürfen eingesetzt. Insgesamt hat "Emma" in den Waldgebieten aber weniger Schäden verursacht als "Paula". Vergleicht man dagegen die Bilanz an menschlichen Opfern, an Toten und Verletzten, waren die Folgen von "Emma" weitaus tragischer.

"Kyrill", "Paula" und "Emma" zeigen eindringlich, wie wahrscheinlich meteorologische Extremereignisse heutzutage selbst in Österreich geworden sind. Wir können sie nicht verhindern, wir müssen mit ihnen leben! Aber nach den Katastrophen, wenn rasche Hilfe zur Wiedererrichtung der Infrastruktur gefordert ist, müssen die gut ausgebildeten und rasch verfügbaren Spezialisten des Bundesheeres für den Einsatz verfügbar sein.


Autor: Oberleutnant Mag. (FH) Paul Schönbacher, MBA, Jahrgang 1981. 2001 bis 2004 Offiziersausbildung an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt, 2004 ausgemustert als ABC-Abwehroffizier zum Luftfahrzeugrettungs- und ABC-Abwehrzug des Hubschraubergeschwaders Aigen, dort Zugskommandant bis 2007. Stellvertretender Kompaniekommandant der Fliegerhorstkompanie A von April bis November 2007; Versetzung zur ABC-Abwehrkompanie des Stabsbataillons 7, ab Dezember 2007 stellvertretender Kompaniekommandant. Absolvierung des MBA "Umweltgefahren- und Katastrophenmanagement" an der ABC-Abwehrschule im Jahr 2006.

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