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Psychologie: Interprofessionelle Zusammenarbeit der Humanfaktorgruppe im Streitkräfteführungskommando

"Das Ganze ist mehr, als die Summe seiner Teile." (Aristoteles) Um in professioneller Qualität auf kritische Ereignisse (Critical Incidents) reagieren zu können, wurde im Streitkräfteführungskommando (SKFüKdo) die Humanfaktorgruppe als unmittelbar beratendes Organ für den Kommandanten und den Chef des Stabes eingerichtet. Das Zusammenwirken zwischen den Fachbereichen der Psychologie und anderen im psychosozialen Bereich tätigen Professionen soll in weiter Folge dargestellt werden.

Critical Incident

Unter Critical Incident verstehen wir ein potenziell traumatisierendes Ereignis, welches außerhalb der persönlichen Alltagserfahrung liegt und plötzlich und unerwartet eintritt. Die Betroffenen können solche Situationen als einschränkend in ihrer Handlungsmöglichkeit und/oder lebensbedrohlich wahrnehmen. Im militärischen Dienstbetrieb können Critical Incidents sowohl in der Ausbildung als auch bei Einsätzen vorkommen.

Humanfaktorgruppe

Die Humanfaktorgruppe besteht aus den Fachbereichen der Psychologie, der Seelsorge, der Medizin, der Truppen- und Familienbetreuung und der Rechtsberatung. Gegebenenfalls werden die Bereiche Öffentlichkeitsarbeit und je nach Anlassfall kompetente Vertreter aus anderen Führungsgrundgebieten beigezogen. Die Humanfaktorgruppe tritt als Kollegialorgan zur Bearbeitung eines Problems zusammen und trägt dem Kommandanten bzw. dem Chef des Stabes einen gemeinsamen Vorschlag zur Problemlösung im jeweiligen Anlassfall vor.

Ressourcen und Prozessoptimierung

In der Zusammenarbeit der verschiedenen psychosozialen Professionen kommt es darauf an, dass insbesondere wegen des bestehenden Zeitdrucks die Bearbeitungen und Interventionen unter enger gegenseitiger Abstimmung erfolgen. Damit wird für unmittelbar betroffene Personen die bestmögliche Hilfe und Unterstützung bereitgestellt, alle Aspekte bei der Lösung der Probleme berücksichtigt und Doppelgleisigkeiten und Widersprüchlichkeiten beim Kontakt mit involvierten Personen und der Umsetzung der Maßnahmen hintangehalten. Beispielsweise ist nur über die Fachschiene der Medizin (Ärzte) der Zugang zu relevanten Informationen in Krankenhäusern möglich. Die fachliche Expertise und die Gleichschaltung des Informationsstandes aller synchron handelnden Akteure werden im gesamten Bearbeitungsprozess aufrechterhalten und führen zur optimalen Fallbearbeitung.

Beispiel "Schießunfall"

Das Zusammenwirken der Humanfaktorgruppe soll am Beispiel des Schießunfalles mit der Panzerhaubitze M109 am 7. Oktober 2009 in Allentsteig dargestellt werden: Die Humanfaktorgruppe wirkte zur Beurteilung, Aufgabenteilung und Einleitung erster Maßnahmen zusammen. Durch die Militärmedizin erfolgte weiters die Verbindungsaufnahme mit den betroffenen Krankenhäusern.

Der Psychologe übernahmen mit dem Seelsorger und Vertretern aus der Truppen- und Familienbetreuung die Überbringung der Todesnachricht an die betroffene Familie und informierten die Angehörigen der Verletzten. Die Rechtsberatung sondierte die rechtlichen Rahmenbedingungen des Geschehens. Vor allem durch den folgenden engen Kontakt mit den Familien war auch dort das enge Zusammenwirken mit den Fachorganen der Öffentlichkeitsarbeit erforderlich, weil sowohl an die Massenmedien als auch an die Familien gleichlautende Botschaften übermittelt werden mußten. Es galt Irritationen durch Widersprüche auf beiden Seiten zu vermeiden.

Wesentlicher Teil der psychologischen und juridischen Betreuung der unmittelbar und mittelbar betroffenen Soldaten war die Verdichtung des Informationsstandes, über den Unfallhergang. In Verbindung mit der Aufklärung über Stress und Stressreaktionen soll dieses Vorgehen vor möglicher Traumatisierung schützen und die Betroffenen in der Alltagsbewältigung unterstützen. Eine entsprechend einfühlsame Gestaltung der Begräbnisfeierlichkeiten durch die Militärseelsorge war eine wesentliche Unterstützung für die Betroffenen, insbesondere der Angehörigen in der Bewältigung dieses Ereignisses.

Die Truppen- und Familienbetreuung stellte und stellt in weiterer Folge die Betreuung der Angehörigen und der verletzten Soldaten in enger Kooperation mit Ärzten und Rechtsberatern sicher.

Die Betreuung aller betroffenen Personen erfolgt so lange, bis alle erforderlichen und gesetzlich vorgesehenen Maßnahmen durch die einzelnen Fachbereiche gesetzt wurden und alle wieder in der Lage sind, ihren Alltag ohne Fremdunterstützung bewältigen zu können.

Autoren: Hofrat Mag. Bernhard Penz, Militärpsychologe im SKFüKdo und Oberst Otto Just, Familienbetreuung im SKFüKdo

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