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Die integrierte Gebirgsübung des Jägerbataillons 23 (Hochgebirge)

Das Jägerbataillon 23 (Hochgebirge) führt bei jedem Vollkontingent mit den Rekruten in der fünften oder sechsten Ausbildungswoche eine einwöchige Übung im Gebirge durch. Bei dieser werden mehrere Ausbildungsziele miteinander verknüpft und die Erreichung der Zielvorgaben überprüft. Ziel dieser Übung ist darüber hinaus, dem Verband die Fähigkeiten Mobilität und Flexibilität zu erhalten.

Die Reduzierung des Grundwehrdienstes auf sechs Monate sowie der sicherheitspolizeiliche Assistenzeinsatz im Burgenland und in Niederösterreich verringern die verfügbare Ausbildungszeit der Grundwehrdiener ganz wesentlich. Das erfordert vom Kader eine flexible und innovative Anpassung der Ausbildungsziele der Rekruten an die verkürzte Ausbildungszeit. Die Ausbildung soll interessant und leistungsfördernd sein sowie das Selbstwertgefühl der Grundwehrdiener heben. Auch das Kader aller Ebenen und Bereiche (Vorbereitung, Durchführung, Nachbereitung) soll dabei gefordert werden und keine "Normübungen abarbeiten".

Übungen mit Volltruppe (der Verband übt in der orgplanmäßigen Stärke; Anm.) sind selbst für "präsente" Bataillone zur Seltenheit geworden. Dafür sorgten u. a. Einsparungen bei Mehrdienstleistungen, die geringere Anzahl an Rekruten und die Reduzierung der Nutzungsphase der Grundwehrdiener aufgrund der Wehrdienstzeitverkürzung.

Umso vordergründiger ist es deshalb, wichtige Fähigkeiten eines Verbandes zu erhalten und andere vorerst hintanzustellen. Dies erfordert eine klare Schwergewichtsbildung.

Wichtige Fähigkeiten des Jägerbataillons sind:

  • Einheiten und Teileinheiten rasch bewegen zu können,
  • Stellungen und Räume (von der Gruppe bis zum Bataillon) zu beziehen und danach wieder zu verlegen,
  • die Gefechtstechniken zu beherrschen und
  • den Kampf der verbundenen Waffen zu führen.

Diese Fähigkeiten können/müssen aufgrund fehlender Voraussetzungen, wie z. B. Mangel an Ausbildungszeit oder zu geringe Mannstärken (Grundwehrdiener) der Kompanien, auch am Führungssimulator geübt werden (zumindest am Führungssimulator, aber dort bis zur Beherrschung).

Die Grundidee

Seit Jahren führt das Jägerbataillon 23 bereits in der fünften oder sechsten Ausbildungswoche der Basisausbildung 1 mit den Rekruten eine integrierte Gebirgsübung durch. Dabei übt der gesamte Verband mit dem Ziel, die eigene Mobilität und Flexibilität zu erhalten.

Das Bataillonskommando und die Kompanien üben hierbei Planungs- und Erkundungsaufgaben. In weiterer Folge werden mit allen zivilen Stellen (Behörden sowie Privatpersonen) Absprachen durchgeführt und schriftliche Einverständnisse für das Üben im freien Gelände eingeholt. Eine rechtzeitige Übungsplanung und die rechtzeitige Anforderung von Ausrüstung und Gerät sind Grundvoraussetzung für einen reibungslosen Verlauf.

Bei der integrierten Gebirgsübung wird nicht, wie bei den früheren "Feldwochen" üblich, in ein Zeltlager verlegt, um dann die ganze Woche aus oder in demselben Zeltlager Ausbildung zu betreiben. Im Gegenteil: Die Ausbildung findet in verschiedenen Gebieten und auf weit voneinander entfernten Ausbildungsplätzen statt. Die Rekruten werden schon frühzeitig daran gewöhnt mobil und flexibel zu sein. Weiters werden in dieser "ganzheitlichen Ausbildung" Ausbildungsziele miteinander verknüpft und den Grundwehrdienern einfache, aber dennoch komplexe Aufgaben gestellt. Die Grundwehrdiener müssen diese in Form eines "On-the-job"-Trainings bewältigen.

Vier Zeltlager

In vier Verfügungsräumen befinden sich Lagerplätzen in denen Aufgaben wie z. B. Leben im Felde, Gefechtsdienst, Waffen und Schießdienst, etc. erfüllt werden müssen. Diese Lagerplätze/Verfügungsräume sind jeweils drei bis fünf Marschstunden voneinander entfernt.

Während der fünf Übungstage übernachten die Rekruten in unterschiedlichen Zelten (Gruppenzelt, Kuppelzelt "Salewa", Mehrzweckplane). Auch dabei wird nach dem Grundsatz vom Leichten zum Schweren vorgegangen - die Rekruten schlafen demnach nicht gleich in der ersten Nacht in der eigenen Mehrzweckplane.

Zusätzlich wird von den Grundwehrdienern im jeweiligen Lager täglich ein Großzelt (Zugszelt) aufgestellt, das je nach Bedarf als Speisesaal, Lehrsaal oder Soldatenheim dient.

Jedes Zeltlager wird während der Übung immer von derselben Kompanie-Versorgungsgruppe betreut. Dies hat den Vorteil, dass sich innerhalb des Verbandes die Soldaten der verschiedenen Kompanien besser kennenlernen.

Der jeweilige Lagerplatz muss von den Soldaten täglich vollständig zurückgebaut werden, damit auch die nachkommenden Kameraden die verschiedenen Arten des Zeltbaues üben können. Aufgrund der diesjährigen extremen Witterungsverhältnisse (starke Niederschläge) wurde allerdings teilweise darauf verzichtet, die Gruppenzelte täglich auf- und abzubauen, da ansonsten die Zeltplätze im Schlamm versunken wären.

Die Sicherung der Verfügungsräume in der Nacht erfolgt bei der integrierten Gebirgsübung durch einen Unteroffizier vom Tag und jeweils einer Gruppe pro Zug durch Posten und Streifen. Somit hat jeder Grundwehrdiener bis zum Ende der Übung einmal die Sicherung eines Verfügungsraumes während der Nacht durchgeführt. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Grundwehrdiener nach dieser Woche den Auf- und Abbau der Zeltarten des Bundesheeres beherrschen, in Zelten gelebt und diese genutzt haben. Zudem sind die Soldaten durch den laufenden Wechsel der Verfügungsräume daran gewöhnt, sich ständig auf Lageänderungen einzustellen. Im "pragmatisierten" (fix zugewiesenen) Schützenloch zu warten, bis der Feind kommt, gehört der Vergangenheit an.

In den Verfügungsräumen selbst wird das Leben im Felde ausgebildet (z. B. Zubereiten einer Mahlzeit, Lagerbau, Pflege von Ausrüstung und Gerät, …). Vor allem sich selbst, aber auch die zugewiesene Bekleidung, Ausrüstung und Bewaffnung einsatzbereit zu halten, war diesmal (2009) aufgrund der starken Niederschläge, des Schneefalls und der Temperaturschwankungen sowie der Lage der Verfügungsräume nicht immer einfach. Hier sind die gute Betreuung durch die Gruppen- und Zugskommandanten und deren Ausbildung sowie die hohe Motivation der Rekruten von großer Bedeutung. Dazu gehört auch ein Kameradschaftsabend, sofern die Witterung es zulässt, der an unterschiedlich errichteten Feuerstellen verbracht wird.

Die Rekruten haben ebenso die Gelegenheit warme Nahrung selbst zuzubereiten. Da die Gebirgstruppe nicht immer dort eingesetzt ist, wo Verpflegung warm nachgeschoben werden kann, ist das selbstständige Zubereiten von Speisen besonders wichtig. Egal ob eine Raviolidose auf dem Esbitkocher gewärmt oder mit dem Gaskocher das Wasser für ein Nudelfertiggericht erhitzt, am Grill oder über dem Feuer eine Wurst gebraten wird - selbstzubereitete Speisen schmecken immer. Vor allem dann, wenn ein anstrengender und erlebnisreicher Tag vorangegangen ist. Hygiene- und rechtliche Bestimmungen des Bundesheeres verhindern jedoch eine noch erlebnisintensivere Verpflegszubereitung wie z. B. Fische zu fangen, sie ausnehmen und auch selbst zubereiten.

Zusammen mit den Ausbildungszielen Leben im Felde, Waffen und Schießdienst, Marsch (auch im Gebirge) und Lufttransport werden, während des Marsches und in den Verfügungsräumen integriert, Gefechtsdienstthemen ausgebildet.

Der Marsch

Die einzelnen Tagesmarschstrecken sind in vier Etappen unterteilt, aber an kein zeitliches Limit gebunden. Sollte es die Übung erfordern und die physische Verfassung der Rekruten es erlauben, kann eine der vier Marschetappen bis zu acht Stunden dauern sofern Zeit für einen geordneten Lagerab- und -aufbau gewährleistet ist.

Die tägliche Marschvorbereitung für die gesamte Kompanie stellt nicht nur an die Rekruten hohe Anforderungen. Der Marsch über längere Strecken im Kampfanzug 03 oder mit dem Anzug 75 in Gefechtsdienstadjustierung für die Teile des mitübenden Fremdkontingentes, forderte bei manchen seinen Tribut (z. B. Blasenbildung). Dennoch kann durch die gute Marschvorbereitung (z. B. Abkleben von Druckstellen, optimales Einstellen des Marschgepäcks) und die anschließende Sanitätsversorgung (z. B. Behandlung von Marschblasen) am Ende jedes Marschtages die Zahl der Ausfälle durch "Marschschäden" gering gehalten werden. Die restliche, nicht am Mann mitgeführte Ausrüstung wird täglich wieder im Trosssack verpackt, verladen und in den nächsten Verfügungsraum transportiert. Dies verlangt auch vom jeweiligen Zugskommandanten Organisationsgeschick.

Aufgrund der geringen Anzahl an Kraftfahrern in den Kompanien und deren Aufgabe, jeweils ein Lager rund um die Uhr zu versorgen, plant auch das Kompaniekommando voraus, um alles rechtzeitig am richtigen Ort zu haben.

Eine der Marschstrecken wird mittels Lufttransport bewältigt. Dieser beinhaltet auch die Vorbereitung und Durchführung des Gepäcktransportes auf dem Luftweg. Ausbildungsinhalte der Basisausbildung 2 und 3, die eine Lufttransportausbildung vorsehen, wurden dabei durch die Gruppen- und Zugskommandanten vorgezogen, da jeder Gebirgssoldat zwingend im Lufttransport ausgebildet sein muss. Das macht die Gebirgssoldaten an Orten einsetzbar, die auf Wegen nur mit großem Aufwand oder Zeitverzug erreicht werden können.

Letztes Jahr wurde jede Kompanie vom Verfügungsraum "Älpele" nach Göfis-Tufers (ca. 2,5 km südlich von Rankweil) zum "Schießen im freien Gelände" geflogen, um dort das Schulschießen mit dem Sturmgewehr 77 zu absolvieren. Durch die Kampfunterstützungskompanie vorbereitet, konnten bei dieser integrierten Übung an drei Tagen über 300 Soldaten des Bataillons ihrer Schießverpflichtung nachkommen.

Da in Vorarlberg kein eigener Schießplatz vorhanden ist, müssen die Soldaten für jedes Scharfschießen nach Tirol verlegen, was viel Zeit kostet. Ein Schießstand in der Walgau-Kaserne ist bereits geplant, aus budgetären Gründen aber auf Jahre hinausgeschoben. Deshalb absolvieren die Grundwehrdiener und das Kaderpersonal einen Großteil der Schießübungen in vorher erkundeten Gebieten im eigenen Bundesland. Um die Lärmbelastung für die Bevölkerung gering zu halten, wurden mehrere Gebiete ausgewählt. Lärmmessungen bei der zuletzt durchgeführten integrierten Gebirgsübung zeigten, dass erlaubte Grenzwerte nicht überschritten wurden. Deshalb wird das Bataillon dort wahrscheinlich auch künftig zwei- bis dreimal im Jahr Schießübungen absolvieren.

Nachdem die jeweilige Kompanie Ihre Schießübungen absolviert hatte, wurde sie zugsweise zur Absetzzone "Männle" geflogen (ca. 6,5 km westlich von Rankweil gelegener Höhenkamm), um von dort im Fußmarsch das Lager "Bärenlachen" zu erreichen, wo die folgende Nacht in der Mehrzweckplane verbracht wurde. Aufgrund der im Vorfeld geführten Absprachen mit den Anrainern der Aufnahme- und Absetzzonen für den Lufttransport, kam es bis jetzt zu keinerlei Beschwerden oder Unmutsäußerungen.

Neben dem Marsch im Gebirge gehört auch das Überwinden von schwierigen Geländeteilen zu den Ausbildungszielen. Um das Ziel zu erreichen, einen möglichen Einsatz im Hochgebirge durchführen zu können, beginnt das Bataillon bereits in der Basisausbildung 1 mit Teilen der spezialisierten Gebirgsausbildung. Würde gemäß Ausbildungsanweisung erst in der Basisausbildung 3 damit begonnen werden, wäre der Grundwehrdienst in den letzten Jahren aufgrund von Assistenzeinsätzen und Unterstützungsleistungen im Rahmen der Ausbildung (z. B. bei Sportwettkämpfen) bereits beendet, bevor der Auszubildende einen Berg gesehen hat. Weiters ist es notwendig, speziell für das Kaderpersonal, Soldaten im gebirgigen Gelände zu führen und Streckenabschnitte zu versichern, um die Gebirgsbeweglichkeit in der erforderlichen Qualität zu erhalten.

Deshalb werden bei der integrierten Gebirgsübung des Bataillons Ausbildungsabschnitte der Gebirgsausbildung, wie z. B. das Anlegen eines Kombigurtes, das Überwinden einer Sicherungsanlage sowie das Abseilen geübt - Grundfertigkeiten eines Gebirgssoldaten. So errichtete die 1. Kompanie im Bereich des Verfügungsraumes "Garnitza-Alpe" (ein Talkessel ca. 11 km ostwärts von Rankweil) im felsigen Gelände ein Seilgeländer und eine Abseilstelle, die alle Soldaten überwinden mussten. Für die Grundwehrdiener ist dies zusätzlich auch eine Erlebnisausbildung, die sie nicht so schnell vergessen werden.

Die Einheit wächst zusammen

Eine Einheit ist erst dann ein militärischer Verbund, wenn sie ausreichend ausgebildete Soldaten hat, die im gemeinsamen Erleben gestellte Aufgaben miteinander (meist) erfolgreich gelöst haben. In dieser Ausbildungswoche werden die Soldaten (Rekruten und Kaderpersonal) der Kompanien durch gemeinsame Erlebnisse zusammengeschweißt und bilden eine Kampfgemeinschaft. Eine Ausbildung, die nur tageweise (Beginn am Morgen und Ende am Abend) stattfindet, kann keine richtige Gemeinschaft formen. Auch der "Assistenzeinsatz nach Schengenerweiterung" dient nicht der Gemeinschaftsbildung, zumindest nicht auf Einheitsebene. Nur gemeinsame Übungen wie integrierte Gebirgsübungen oder wochenweise Schießverlegungen, Gebirgsausbildungen und Gefechtsübungen formen eine Einheit. In den letzen Jahren konnte dies aus oben erwähnten Gründen nur noch bei den Kaderpräsenzeinheiten teilweise realisiert werden.

Auf einen Blick

Der Grundwehrdiener, der zum Österreichischen Bundesheer einrückt, erwartet sich, dass er beim Militär "Soldat-Sein" erlebt. Bei integrierten Gebirgsübungen, wie die des Jägerbataillons 23, bekommt der Grundwehrdiener militärische Grundlagen in erlebnisreicher Form vermittelt. Dies zeigt ihm eindrucksvoller, was Militär ist/sein kann. Schießen, Leben im Felde, Marsch im Gebirge, spezialisierte Gebirgsausbildung, Gefechtsdienst und Lufttransportausbildung; das Ganze vermittelt vor der Kulisse der heimischen Berge. Soldaten die während ihrer sechs Monate ein- oder mehrmals solche Erlebnisse haben, werden sich auch positiv an ihren Grundwehrdienst erinnern.

Die Durchführung solcher Übungen ist auch unter Berücksichtigung der Erreichung der Einsatzbereitschaft für Rekruten und unter Einhaltung der Durchführungsbestimmungen der Basisausbildung realisierbar - damit steigt die Attraktivität des Grundwehrdienstes. Die vorgegebenen Ausbildungsziele müssen nur miteinander verknüpft und den Soldaten eine einsatzorientierte, zielgerichtete, erlebnisorientierte Ausbildung geboten werden, die das Gemeinschaftsgefühl fördert und ein bisschen Abenteuer bietet - etwas zu erleben, das es nur beim Militär gibt.

Kombiniert mit entsprechender Kaderwerbung bieten solche integrierte Übungen eine gute Basis für die Rekrutierung von neuem Kaderpersonal, wie der starke Zuwachs an Personal beim Jägerbataillon 23 beweist.


Autor: Oberstleutnant Thomas Belec, MSD, Jahrgang 1963. Eingerückt Oktober 1982. 1995 bis 1998 Theresianische Militärakademie, Ausmusterung als Infanterieoffizier zum Landwehrstammregiment 91, dort Zugskommandant, Ausbildungsoffizier und Kompaniekommandant. Ab 1999 beim Jägerbataillon 23 als S2, dann S3 und Stellvertretender Bataillonskommandant. Ab November 2007 mit der Führung des Jägerbataillons 23 betraut, seit März 2009 Kommandant des Jägerbataillons 23. Ausbildung zum Heeresbergführer, seit 1994 Angehöriger des Gebirgsausbilderkaders des Österreichischen Bundesheeres, Kurskommandant für Heeres-Hochalpinlehrgänge. Zahlreiche Kurse und Übungen im Ausland sowie Verwendung als CIMIC-Offizier bei AUCON4/KFOR.

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