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Interkulturalität und Diversity 2017

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Vorwort

Die Landesverteidigungsakademie als die höchste Bildungseinrichtung des Österreichischen Bundesheeres versteht sich als eine wissenschaftliche Lehreinrichtung, für welche es selbstverständlich, aber auch notwendig ist, internationale Veranstaltungen abzuhalten, um in den Bereichen der Forschung und Lehre aktuelle Themenbezüge zu pflegen und in den täglichen Arbeitsalltag einzuflechten.

Es erscheint nach wie vor unerlässlich, speziell im Zeitalter der digitalen Vernetzung, persönlichen Austausch von Forschungsergebnissen und "state of the art"-Informationen zu gewährleisten und auch umfassend zu diskutieren. Die wissenschaftliche Community lebt vor allem auch von dem persönlichen Kennenlernen, gemeinsamen Gesprächen abseits von Konferenzen, Diskussionen und wissenschaftlichem Austausch.

Dies führt mich nun zu dieser Veranstaltung "Interkulturalität und Diversity 2017", welche in unterschiedlichen Settings zum siebenten Mal hier an der Akademie abgehalten wurde.

Die Grundideen von Diversity rufen bei Unternehmen und anderen Organisationen häufig Zustimmung hervor. Diversity stellt ein Instrumentarium dar, mit welchem die Vielfalt durch bewusst positive Beachtung und aktive Einbeziehung systematisch zum Vorteil aller Beteiligten genutzt werden kann. Damit können unterschiedliche Potentiale hervorgehoben und verbessert werden. Die entscheidenden Komponenten in diesem Umfeld bestehen vor allem in der Vielfalt der Menschen, die mit einer Organisation in Berührung kommen. Dabei seien vor allem das Kaderpersonal und die Rekruten besonders hervorgehoben, zusätzlich jedoch auch noch das familiäre Umfeld der Bediensteten, wie Familie, Freunde, Bekannte, Nachbarn etc. und das Umfeld der Stellungspflichtigen und anschließend der Wehrdienstleistenden. Ein weiterer wesentlicher Bestandteil findet sich in den Werten, Normen, Einstellungen und Grundhaltungen einer Organisation wieder. Wie gehen wir mit unseren Mitarbeitenden um, welche Qualitäten werden gefördert aber auch gefordert, wie viel an Vielfalt lassen wir IV tatsächlich zu? Qualitäten von Vielfalt zu erkennen und diese auch in den Dienstbetrieb einzupflegen ist eine große Herausforderung für ein Unternehmen wie das Österreichische Bundesheer. Dabei kommt es vor allem auch darauf an Veränderungen in der eigenen aber auch in anderen Gesellschaften zu erkennen, Notwendigkeiten zu begreifen und sich diese nutzbar zu machen. In und für Auslandsmissionen stellen Diversität und interkulturelle Herausforderungen wichtige Schritte dar, um auch erfolgreich agieren zu können. Dabei kommt es vor allem auch auf den Bereich der Kommunikation an. Wie gehen wir miteinander um, wie wertschätzend verhalten wir uns, welche Vorurteile oder Stereotypien kommen zum Tragen? Nur wenn die Notwendigkeiten und Möglichkeiten von Vielfalt erkannt werden, kann auch daraus profitiert werden.

Viele von Ihnen, geschätzte Leserinnen und Leser, haben auch bisher schon mit Ihrer wissenschaftlichen Expertise und Ihren Publikationsbeiträgen zum Gelingen dieser Workshopreihe beigetragen. Interkulturalität und Diversity sind nur zwei der vielen Themenkomplexe, die an unserer Akademie wissenschaftlich bearbeitet werden. Sie stellen jedoch nach wie vor einen sehr wichtigen Stellenwert sowohl in der militärischen Einsatzführung, als auch in der zivilen Gesellschaft dar. Speziell das Vielfaltsmanagement, sprich Diversity, eröffnet unterschiedliche notwendige Perspektiven rund um den Umgang und den Einsatz der Mitarbeitenden. Die Möglichkeiten und Problemfelder von Gleichheit und Ungleichheit, Vorurteilen und Stereotypisierungen, verfolgen uns während unterschiedlicher Arbeitsplatzgestaltungen, Aufnahmegesprächen, Handlungsanweisungen, Vorgaben etc. etc.

Mit fortschreitender Globalisierung hat die internationale Zusammenarbeit sowohl im zivilen als auch militärischen Bereich einen hohen Stellenwert erlangt. Als Teil der Europäischen Union ist es für das Österreichische Bundesheer erforderlich, auf internationaler Basis kooperieren und partizipieren zu können. Ob im Umgang mit der lokalen Bevölkerung eines Einsatzgebietes, mit den Soldatinnen und Soldaten eines anderen Landes im Zuge einer multinationalen Mission oder mit jenen Soldatinnen und V Soldaten innerhalb des Bundesheeres, die (beispielsweise aufgrund ihrer Herkunft) eine andere kulturelle Orientierung aufweisen, stets spielen fachübergreifende Disziplinen eine immer größer werdende Rolle.

Tatsache ist, dass heutzutage Begegnungen mit anderen Kulturen im Rahmen eines Einsatzes zur Selbstverständlichkeit geworden sind. "Kultur" durchdringt alle Lebensbereiche der Menschen und formt ihre Einstellung, ihre Denkmuster und ihre Verhaltensweisen im Alltag. Die möglichen Auswirkungen kultureller Unterschiede bei militärischen Einsätzen müssen daher bei der Planung und Durchführung militärischer Zusammenarbeit mitberücksichtigt werden. Mit der Vielfalt von Aufgaben in unterschiedlichen Einsatzgebieten wächst gleichzeitig auch der Anspruch an Einsatzvorbereitung der Soldatinnen und Soldaten. Demzufolge muss die Ausbildung auch einen Fokus auf die Interkulturelle Kompetenz legen, um Kenntnisse über die kulturellen Gegebenheiten des Einsatzgebietes, wie zum Beispiel über Sprache, Sitten, Bräuche, etc. zu vermitteln. Zahlreiche Ausbildungsstätten des Österreichischen Bundesheers sowie auch die für die Einsatzvorbereitung maßgeblichen Dienstellen nehmen in diesem Sinne die Notwendigkeit einer Aus-, Fort- und Weiterbildung im Umfeld der Interkulturellen Kompetenzen wahr und schaffen somit eine Grundlage für die einsatzspezifischen Herausforderungen, mit denen die Soldatinnen und Soldaten im zunehmend schwierigen Umfeld der Einsatzgebiete im alltäglichen Dienst konfrontiert werden.

Durch die in diesem Workshop erarbeiteten Themen sollen vor allem die Vielfalt und Notwendigkeit dieser Tätigkeiten und Forschungen dargestellt werden. Nur wer die Vielfalt als Notwendigkeit begreift und Unterschiede akzeptieren kann, wird einen entsprechenden Erfolg aufweisen können. Dies bezieht sich auf militärische und zivile Herausforderungen unterschiedlichster Art.

Das Themenfeld Diversity beschäftigt sich, wie allgemein bekannt, vor allem mit Alter, Geschlecht, Ethnizität, Behinderung, Religion oder auch sexueller Orientierung und den damit zusammenhängenden lebensprakti- VI schen Phänomenen, Problemen, aber auch Möglichkeiten und Chancen.

Auch im militärischen Handlungskomplex geht es mittlerweile vermehrt darum einen professionellen, auf Inklusion abzielenden Umgang zu entwickeln. Diversität wird insgesamt auch als das Vorhandensein vielfältiger Lebensstile, Identitätsbezüge sowie als Sammelbegriff für gesellschaftlich als relevant anerkannte Unterscheidungsmerkmale verstanden und Diversitätsmanagement als Steuerungsinstrument in Organisationen begriffen.

Beispielhaft seien hier nur kurz der Umgang mit unterschiedlichen Ethnizitäten innerhalb des Bundesheeres, der Umgang mit und Zugang auf unterschiedliche Möglichkeiten und Notwendigkeiten bei der Rekrutierung von weiblichen Soldatinnen, der länger dauernde Arbeitsprozess von Soldatinnen und Soldaten, der Einsatz von Personen mit besonderen Bedürfnissen auf verschiedensten Arbeitsplätzen, die Möglichkeiten der Religionsausübung sowie die Akzeptanz der sexuellen Orientierung angesprochen.

Die Differenzierungen von Gleichheit und Ungleichheit und der spezielle Zugang sowie die daraus resultierenden Möglichkeiten stellen einen wesentlichen Bestandteil dieser Workshopreihe dar.

Mag. Erich Csitkovits, Generalleutnant Kommandant der Landesverteidigungsakademie, Wien

Eigentümer und Herausgeber: Bundesministerium für Landesverteidigung | Roßauer Lände 1, 1090 Wien
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