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Überleben im Hochgebirge

Überleben im Hochgebirge: Soldaten der Luftstreitkräfte trainieren

Ein Hubschrauber kommt am Hallstätter Gletscher im Dachsteinmassiv zum Stehen. Die Besatzung kann ihn unverletzt verlassen – doch Hilfe ist vorerst nicht in Sicht. So begann das Szenario der dreitägigen Überlebensübung für Soldaten der Luftstreitkräfte letzte Woche. Mit wenig Verpflegung und begrenzter Ausrüstung mussten sie sich im Hochgebirge zurechtfinden, Entscheidungen treffen und bis zur Rettung durchhalten.

 

Vorbereitung am Gletscher

An den ersten beiden Tagen der Übungswoche stehen Theorieeinheiten und praktische Übungen am Gletscher auf dem Programm. Die Soldaten erarbeiten dabei das notwendige Wissen für das Überleben im Hochgebirge. Ab Mittwoch beginnt dann das Szenario des Lehrgangs „Überleben im Hochgebirge für Luftfahrzeugbesatzungen – Teil Sommer“.

Die Annahme: Eine AB-212 ist im Hochgebirge gelandet. Die Piloten, der Bordtechniker und Passagiere befinden sich in einer freundlich gesinnten Umgebung, ohne unmittelbare Feindbedrohung. Trotzdem ist ihre Lage ernst: Der Kommandant muss entscheiden, ob die Gruppe beim Hubschrauber bleibt oder in eine sicherere Position absteigt. Wetter, Gelände, mögliche Verletzte und die Aussicht auf Rettung sind dabei entscheidend.

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Weg vom Gletscher

Der Kommandant entscheidet, den Hubschrauber zu verlassen. Behelfsmäßig angeseilt macht sich die Gruppe als Seilschaft auf den Weg Richtung Osten und talwärts. Gletscherspalten, Rinnen und Wasserläufe bestimmen das Tempo. Jeder Schritt muss sitzen.

Auf dem Weg findet die Gruppe eine blaue Hartplastikplane. Im Gebirge kann auch ein solcher Fund wertvoll sein: Als „Alpinbeute“ wird die Plane mitgenommen und später als Unterlage verwendet. Über Geröllfelder geht es weiter durch die karge Landschaft des Dachsteinmassivs, bis die Soldaten nach mehr als fünf Stunden einen See erreichen.

Eine Rettung ist an diesem Tag nicht mehr zu erwarten. Deshalb wird der See zum Nachtlager. Wasser wird abgekocht, Beeren werden in der Umgebung gesammelt und Waldläuferbetten werden gebaut. Die Beeren ergänzen nicht nur die knappen Vorräte, sondern heben auch die Stimmung.

Die Soldaten schlafen jeweils zu zweit nebeneinander, um sich gegenseitig zu wärmen. In der Nacht sinkt die Temperatur auf drei bis sieben Grad. Es wird kalt, etwas windig – und der Schlaf bleibt unruhig.

Auch die Verpflegung muss von Beginn an eingeteilt werden. Der Kommandant führt die Gruppe, entscheidet über Pausen und ist für die Rationierung von Wasser und Nahrung verantwortlich. Zur Verfügung stehen nur wenige Lebensmittel, darunter einzelne Gummibärchen, Zucker, Salz und eine Tagesration für zwei Personen.

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Mit dem Nötigsten auskommen

Nach der ersten Nacht bricht die Gruppe das Lager ab und setzt ihren Marsch Richtung Osten fort. Zuvor füllen die Soldaten alle verfügbaren Behälter mit abgekochtem Wasser. Das bedeutet zwar schwerere Rucksäcke, ist aber notwendig. Die Route führt wieder in höhere Lagen. Steile und schwierige Passagen werden seilgesichert überwunden.

In rund 2.000 Metern Seehöhe liegen die Temperaturen bei höchstens zehn Grad. Zwei Mahlzeiten fehlen bereits. Schlafmangel, Hunger, die Höhe und die Ungewissheit über eine mögliche Rettung fordern die Teilnehmer zunehmend.

Gerade dann zählen die kleinen Dinge: ein Schluck Tee, ein paar Beeren, ein Müsliriegel oder einzelne Gummibärchen. Sie helfen, den Kopf bei der Sache zu behalten. Auch der Gedanke an Familie, Partner und Freunde gibt den Soldaten Halt.

Neben Gletscherspalten und Steinschlag gehört im Hochgebirge auch ein rascher Wetterumschwung zu den Gefahren. Hinzu kommen die eigene Fitness, die gesundheitliche Verfassung und die mentale Belastung. Während des Marsches begegnet die Gruppe einer jungen Kreuzotter.

Auch am zweiten Tag zeichnet sich keine Rettung ab. Wieder wählt die Gruppe einen See für ihr Nachtlager. Mit Kaliumpermanganat führen die Soldaten ein desinfizierendes Fußbad durch. Das Mittel kann außerdem verwendet werden, um Wasser oder Schnee einzufärben und dadurch besser sichtbar zu werden.

Nach 17 Stunden gibt es erstmals wieder eine vollständige Mahlzeit. Sie wird geteilt. In der Nacht beginnt es leicht zu regnen. Zwei zusammengeknöpfte Ponchos halten dicht und schützen die Gruppe vor der Nässe.

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Verwundetentransport und Rettung

Am dritten Tag geht es früh weiter. Nach einer kühlen, regnerischen Nacht setzt die Gruppe ihren Marsch Richtung Osten fort. Das Ziel bleibt, das Tal zu erreichen und auf eine Rettung vorbereitet zu sein.

An einer unbewohnten Almhütte verschärft sich das Szenario: Ein Kamerad verletzt sich im Rahmen der Übung. Die Soldaten leisten Erste Hilfe und transportieren ihn behelfsmäßig weiter. Danach führt der Weg durch eine feuchte Schlucht.

Plötzlich sind Hubschrauber zu hören. Mit Signalspiegel und der orangefarbenen Seite einer Wendejacke macht die Gruppe auf sich aufmerksam. Der Hubschrauber entdeckt die Soldaten. Nacheinander werden sie mit der Seilwinde aufgenommen und zurück nach Aigen im Ennstal geflogen.


Für den Ernstfall vorbereitet

Mehr als 48 Stunden sind die Teilnehmer der Natur ausgesetzt. Wenig Nahrung, kaum Schlaf, Kälte und die ständige Notwendigkeit, die richtigen Entscheidungen zu treffen, machen die Übung fordernd.

Der Lehrgang bereitet Luftfahrzeugbesatzungen darauf vor, im Hochgebirge mit dem Nötigsten auszukommen, vorhandene Mittel sinnvoll einzusetzen und zu improvisieren. Ziel ist es, auch unter körperlicher und psychischer Belastung handlungsfähig zu bleiben – bis die Rettung möglich ist.

 

Luftunterstützungstruppe