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Innovationsschub: Austrian Defence Innovation Conference 2026 in Klagenfurt

Innovationsschub: Austrian Defence Innovation Conference 2026 in Klagenfurt

Diese Woche fand in Klagenfurt die Austrian Defence Innovation Conference 2026 (ADIC26) statt, eine vom Bundesministerium für Landesverteidigung organisierte Veranstaltung zur Stärkung der nationalen Sicherheits- und Verteidigungsresilienz. Im Zentrum standen zwei Defence Challenges und ein Hackathon, bei denen Startups und Forschungsteams innovative Lösungen in Bereichen wie Quantentechnologie, moderne Schutzsysteme und kognitive Sicherheit präsentierten.

 

Der strategische Rahmen der Veranstaltung ist klar: Ab 2028 stehen im Finanzrahmen der Europäischen Union mehrere hundert Milliarden Euro für Sicherheit und Verteidigung zur Verfügung. Sicherheit hat durch die aktuelle geopolitische Lage massiv an Bedeutung gewonnen. Davon sollen Militär und Wirtschaft gleichermaßen profitieren.

 

Als begleitendes Ziel muss die Verteidigungsforschung deutlich an Tempo gewinnen und die "Innovationspipeline" durchgängiger werden, damit die neuen Technologien am Ende des Tages auch schneller bei der Truppe ankommen. Ein zentraler Hebel dafür ist die stärkere Einbindung von Start-ups und KMU in die Verteidigungsindustrie. Die ADIC26 setzt genau hier an und bringt militärischen Bedarf, Forschung und Wirtschaft früh zusammen.


Zur Aufgabenstellung der Bewerbe: Die Anforderung an die teilnehmenden Forscher-Teams war es, konkrete Lösungen für Desinformation, Cyberangriffe, Luftbedrohungen und kinetische Gefahren zu entwickeln und diese frühzeitig in den militärischen Bedarf einzubinden. Die einzelnen Kategorien selbst waren mit 2 x 20.000 und 1 x 30.000 Euro Preisgeld dotiert.

In den vorbereitenden Teamarbeiten entwickelten die 20 teilnehmenden Start-ups und Forschungsteams ihre Konzepte, und präsentierten diese schließlich im Rahmen einer Pitch-Session. In maximal fünf Minuten galt es, eine hochkarätig besetzte Jury aus Technik, Wirtschaft und Militär zu überzeugen. Der heutige Abschlusstag war der Vernetzung bedeutender Stakeholder von Politik, Wirtschaft und Militär gewidmet und mündete am Nachmittag in der Siegerehrung im Lakeside Science & Technology Park.

Neue Herausforderungen und Projekte im Rüstungs- und Beschaffungsbereich

Gastgeber Generalsekretär Dr. Arnold Kammel knüpfte in seiner Keynote an das diese Woche erschienene "Risikobild 2026" an. Die internationale Ordnung habe sich grundlegend verändert und sei zunehmend von imperialen Machtansprüchen und darwinistischer Konkurrenz geprägt. Diese Entwicklung verlange nach einer vorausschauenden Sicherheits- und Verteidigungspolitik, die technologische, gesellschaftliche und militärische Dimensionen gemeinsam denkt.

Rüstungsdirektor Generalleutnant Harald Vodosek informierte über die neuen Herausforderungen und Projekte im Rüstungs- und Beschaffungsbereich: Die Luftverteidigung ist eine Grundvoraussetzung moderner Landesverteidigung, da ohne Schutzschirm in der Luft keine Bewegung am Gefechtsfeld möglich ist. Die Bedrohung reicht von ballistischen Raketen und Marschflugkörpern bis zu Schwärmen unbemannter Systeme: "Die Herausforderung entsteht hier nicht durch die Geschwindigkeit, sondern durch die Sättigung, etwa wenn 1.000 Drohnen gleichzeitig in der Luft sind". Erforderlich sind vernetzte Sensorik, mehrschichtige Abwehrsysteme und kurze Reaktionszeiten sowie eine präzise Abstimmung von Luftraum und Operationsraum. Vodosek hob zudem die strategische Bedeutung von verfügbarer Munition, skalierbarer industrieller Produktion und europäischer Wertschöpfung hervor. Künstliche Intelligenz und elektronische Kampfführung seien dabei zentrale Faktoren zur Sicherstellung von Kommunikation, Navigation und Sensorik.

Challenges und thematische Schwerpunkte

Die ADIC 2026 zeigte die Breite sicherheitsrelevanter Innovationen. In der Defence Quantum Challenge standen quantenbasierte Verfahren für Materialentwicklung, Kryptografie und sichere Kommunikation im Fokus. Die Beiträge reichten von Quanten-Machine-Learning für neue Hochleistungswerkstoffe über Migrationsstrategien zur Post-Quanten-Kryptografie bis hin zu quantensicherer Schlüsselverteilung und metadatenfreier Kommunikation.

Die Challenge zu Next-Generation Protection Systems adressierte physische Schutzmaßnahmen und vernetzte Einsatzsysteme. Vorgestellt wurden neue Schutzmaterialien, adaptive Tarnkonzepte gegen multispektrale Aufklärung, vernetzte Helmsysteme, hochmobile Kommunikationslösungen sowie innovative Beschichtungen zur Erhöhung der Einsatzdauer von Waffensystemen. Ergänzt wurde dies durch Ansätze zur Detektion von Tarnmaßnahmen und zur Integration offener, nicht proprietärer Technologien.

Im Hackathon zu Risk Assessment und Cognitive Security standen der Mensch und der Informationsraum im Mittelpunkt. Die Projekte reichten von der Messung kognitiver Belastung über Frühwarnsysteme gegen Desinformation bis zu automatisierten Lagebildern für Informationsoperationen. Ausbildungs- und Trainingsansätze zielten darauf ab, psychologische Resilienz und Entscheidungsfähigkeit unter realitätsnahen Bedingungen zu stärken.

"Ich beneide Sie nicht"

Verteidigungsministerin Mag. Klaudia Tanner stattete am Donnerstag der ADIC 2026 einen Besuch ab und folgte den Präsentationen. Beeindruckt von der technischen und innovativen Qualität der einzelnen Pitches richtete sie sich an die Jury: "Eine sehr coole Veranstaltung - aber, meine sehr geehrten Damen und Herren der Jury, ich durfte hier nun zuhören, und ich beneide Sie ich nicht. Die Welt um uns wird eine immer unsichere, und umso mehr müssen wir uns mit diesen neuen Themen beschäftigen. Ich bin sehr stolz auf meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Ressort und auch auf Sie alle, die Sie uns hier neue Wege zeigen."

Die Gewinnerprojekte

Die Jury hatte angesichts der hohen Qualität aller 20 eingereichten Projekte keine leichte Aufgabe. In allen drei Wettbewerbsformaten überzeugten innovative Ansätze mit klarem Praxisbezug. Am Ende setzten sich jene Projekte durch, die den konkreten militärischen Bedarf am präzisesten adressierten und zugleich ein hohes Umsetzungspotenzial erkennen ließen.

Kategorie Defence Quantum Challenge

Das Team der Get Trusted Escrow GmbH präsentierte mit dem Projekt MAICS ein hardwarebasiertes Zero-Knowledge-Protokoll zum Schutz vor Abfangen und Analyse von Metadaten. Das System ermöglicht Kommunikation ohne Identifikationsdaten wie E-Mail-Adressen oder Telefonnummern. Technologisch basiert MAICS auf einem eigens entwickelten Netzwerkprotokoll, das von Beginn an postquantensicher konzipiert wurde und unabhängig vom klassischen Internet-Stack arbeitet. Die Software ist für ressourcensparende Mikrocontroller optimiert und transportagnostisch ausgelegt, wodurch sie über Mesh-Netzwerke, Funk oder Satellitenverbindungen eingesetzt werden kann. Im militärischen Kontext unterstützt die Lösung insbesondere die Unsichtbarkeit gegenüber fremden Diensten, etwa durch Geräte, die erst bei Bedarf aktiviert werden und im Verlustfall keine verwertbaren Daten preisgeben.

Brigadier Rudolf Zauner, Leiter der Abteilung Wissenschaft, Forschung und Entwicklung, fasst die Juryentscheidung zusammen: „Für uns als Jury hat sich in der Entscheidung die Frage nach dem konkreten militärischen Bedarf gestellt – und dieses Projekt hat genau diesen Bedarf getroffen.

Kategorie Next-Generation Protection Systems

Die Teilnehmer der EDERA Safety GmbH & Co KG stellten unter dem Titel Helme der Zukunft ein modulares Helmsystem mit drei Schutzebenen vor. Der physische Schutz basiert auf neuartigen Materialien und Leichtbaustrukturen, die die Energieaufnahme bei Treffern auf Mikro- und Makroebene optimieren. Zur Unterstützung der menschlichen Sinneserfassung werden Sensoren direkt in die Helmstruktur integriert. So lassen sich Reize erfassen, die für menschliche Sinne nicht unmittelbar wahrnehmbar sind. Die dritte Ebene bildet ein kollektives Sensornetzwerk: Über GPS-unabhängige und störungssichere Mesh-Systeme auf Ultra-Wideband-Basis werden die Helme innerhalb einer Einheit vernetzt und verbessern Lagebild und Synchronisation.

Die Gewinner zeigten sich entsprechend erfreut: „Wir haben uns total gefreut, dass wir dabei sein durften – und umso größer ist die Freude, dass wir gewonnen haben.

Hackathon

Das Unternehmen Mindset Technologies Development GmbH entwickelte mit dem Framework SERVE einen Ansatz zur Bewertung menschlicher Risiken in militärischen Einsatzumgebungen. Wearables erfassen Biosignale wie Augenbewegungen, Herzrate und Schweißbildung, um die kognitive Belastung von Operatoren in Echtzeit zu analysieren. Ziel ist es, Überlastungen frühzeitig zu erkennen und Fehlentscheidungen zu vermeiden. Ein zentraler Aspekt ist die Einbindung menschlicher Heuristik: Das Erfahrungswissen von Soldaten wird als zusätzlicher Sensor genutzt, um Risiken sichtbar zu machen, die rein algorithmische Systeme nicht erfassen. Während Trainingsanwendungen bereits kurzfristig einsetzbar sind, wird an der Integration in operative Abläufe und an umfassenden Risikorahmenwerken weitergearbeitet.

Das Team betonte nach der Auszeichnung: „Wir freuen uns natürlich sehr und werden die 30.000 Euro direkt in die Forschung investieren, damit die Soldaten möglichst bald damit arbeiten können.

Resümee und Ausblick

Die ADIC 2026 verdeutlichte den Mehrwert enger Vernetzung zwischen militärischer Forschung, Start-ups und etablierten Technologieunternehmen. Sie schafft einen Raum, in dem Bedarf, Forschung und industrielle Umsetzung früh zusammengeführt werden. Für den Wirtschaftsstandort Österreich bedeutet dies Zugang zu sicherheitsrelevanten Märkten, planbare Kooperationen und die Stärkung heimischer Wertschöpfung.

Zugleich unterstreicht die Konferenz die Bedeutung europäischer Zusammenarbeit und technologischer Souveränität. Verteidigungsfähigkeit entsteht nicht isoliert, sondern durch abgestimmte Entwicklungen, gemeinsame Standards und belastbare Lieferketten. Die ADIC leistet dazu einen konkreten Beitrag, indem sie Innovationen sichtbar macht, Partnerschaften initiiert und den Transfer in die Praxis vorbereitet. Sie positioniert sich damit als dauerhafte Schnittstelle zwischen Sicherheitspolitik, Forschung und Industrie – und als Impulsgeber für kommende Projekte.
 

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