Die Vorgeschichte
Obwohl der Iran mit Israel und den USA einst durchaus freundschaftliche Beziehungen pflegte, kam es seit der Islamischen Revolution im Iran im Jahr 1979 zu einer deutlichen Verschlechterung. Der Iran anerkennt Israel seitdem nicht mehr in seiner Staatlichkeit, und dessen Zerstörung wurde zum Staatsziel. Islamistische Gruppierungen, die sich im Kampf mit Israel befinden, wie zum Beispiel die libanesische Hisbollah oder die palästinensische Hamas, wurden und werden durch den Iran unterstützt. Zugleich nutzten die USA im Irak zumindest indirekt die von den iranischen Revolutionsgarden gesteuerten und ausgebildeten schiitischen Milizen im Kampf gegen sunnitische Terrorgruppen wie den Islamischen Staat (IS).
Obwohl der inzwischen getötete oberste iranische Führer Chamenei Nuklearwaffen mehrfach als nach islamischem Recht verboten bezeichnet hat, verdächtigt der Westen den Iran seit Jahren, im Schatten seines zivilen Atomprogramms zur Energieversorgung des Landes auch an der Entwicklung von Nuklearwaffen zu arbeiten und zu diesem Zweck hoch angereichertes Uran herzustellen.
In Verbindung mit einer durchaus als fortschrittlich zu bezeichnenden Fähigkeit zur Entwicklung und zum Einsatz weitreichender Trägermittel (ballistischer Raketen) sah sich Israel daher durch den Iran in seiner Existenz bedroht und versuchte seit Längerem, den engsten Verbündeten USA für einen gemeinsamen Angriff zu einem für sie günstig erscheinenden Zeitpunkt zu gewinnen.
Infolge des Angriffs der Hamas auf Israel 2023 kam es zu direkten bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Israel, dem Iran und dessen Verbündeten. Unter der Annahme, dass der Iran bereits über 400 kg hoch angereichertes Uran besäße, führte Israel mit Unterstützung der USA bereits im Juni 2025 im sogenannten „12-Tage-Krieg“ umfassende Luftschläge durch. Dabei wurden iranische Führungspersönlichkeiten getötet und vor allem die Fähigkeiten der iranischen Luftabwehr zerschlagen sowie das Raketenprogramm und nukleare Produktionsstätten schwer beschädigt.
Die danach erfolgten Verhandlungen in Bezug auf das iranische Nuklearprogramm scheiterten jedenfalls aus Sicht der USA und Israels. Als Begründung für den Angriff wird von beiden auch ins Treffen geführt, dass der Iran kürzlich Proteste der Bevölkerung im Jänner 2026 blutig niedergeschlagen habe und dabei Tausende Zivilisten getötet worden seien. Israel begann mit Unterstützung der USA am 28. Februar schließlich mit dem Einsatz von über 200 Kampfflugzeugen – der größten Operation in der Geschichte der israelischen Luftstreitkräfte. Nach israelischen Angaben wurden dabei innerhalb der ersten 24 Stunden über 1.000 Ziele im Iran bekämpft.
Der Verlauf des Angriffes
Durch den US-Verteidigungsminister wurden folgende Zielsetzungen des Angriffs auf den Iran genannt: die Vernichtung des iranischen Raketenprogramms, der iranischen Marine sowie des iranischen Atomprogramms. US-Präsident Trump erklärte den Sturz des Regimes in Teheran ebenso zum Operationsziel.
Die Angriffe galten zuerst Einrichtungen der iranischen Luftabwehr sowie der Tötung iranischer Führungskräfte, in weiterer Folge Abschusseinrichtungen sowie Lager- und Produktionsstätten des iranischen Raketenpotenzials und verschiedenen Nuklearanlagen. Getötet wurden neben dem obersten Führer des Iran, Ali Chamenei, auch der Kommandant der iranischen Revolutionsgarden, der Chef des Generalstabes, der Vorsitzende des Verteidigungsrates und andere Würdenträger.
Der Iran startete daraufhin umfassende Angriffe mit Raketen und Drohnen, einerseits auf Israel, aber auch auf US-Stützpunkte in den arabischen Golfstaaten. Der Großteil der iranischen Wirkmittel konnte zwar abgefangen werden, dennoch gibt es vor allem in Israel Zerstörungen und bisher über zehn getötete Zivilisten. Im Iran wird derzeit von etwa 500 Todesopfern und 700 Verletzten gesprochen.
Die punktuelle Dichte der iranischen Drohnen- und Raketenangriffe ist derzeit nicht so groß wie im Zwölftagekrieg, in dem sich die Ausrichtung dieser Wirkmittel allerdings nahezu ausschließlich auf Israel und nicht auch auf die US-Installationen in den Golfstaaten richtete. Bisher dürften durch den Iran in der gesamten Region weit über 1.000 Geschosse abgefeuert worden sein.
Der Koalition aus Israel und den USA dürfte es bisher gelungen sein, besonders im Westiran die wesentlichste militärische Infrastruktur zu zerstören und dort die Luftüberlegenheit zu erzielen. Dies gilt nicht für den Ostiran, wo davon auszugehen ist, dass noch offensive Kapazitäten (Raketen und Drohnen) in höherer Stückzahl vorgehalten werden.
Die US-Streitkräfte geben an, bisher neun Schiffe der iranischen Marine versenkt zu haben. Die Marine der iranischen Revolutionsgarden ist mit Fähigkeiten zur Verlegung von Seeminen sowie zu Angriffen mit Schnellbooten auf eine asymmetrische Kriegsführung ausgelegt. Damit kann sie vor allem die zivile Schifffahrt beeinträchtigen, aber auch Kriegsschiffe gefährden, wenn diese beispielsweise versuchen würden, eine mögliche Blockade der Straße von Hormus zu beseitigen.
Weitere kurzfristige Entwicklungen
In der Nacht auf Montag begann die mit dem Iran verbündete libanesische Hisbollah, auf Seiten des Iran in den Krieg einzutreten und Israel – erstmalig wieder seit 2024 – mit Raketen zu beschießen. Dies hatte eine umfassende Reaktion Israels zur Folge, das seitdem wieder Luftschläge gegen Einrichtungen der Hisbollah durchführt.
Im Irak sind es schiitische, mit dem Iran verbündete Milizen, die für eine Eskalation der Lage sorgen könnten. Momentan beschränkt sich deren Einsatz hauptsächlich auf Einrichtungen des US-Militärs im Norden des Irak.
Die ebenfalls mit dem Iran verbündeten jemenitischen Huthi haben zwar Reaktionen angekündigt, bisher wurden aber keine entsprechenden Handlungen erkannt.
Gleichzeitig hat der Iran angedroht, mit der Straße von Hormus einen der global wichtigsten Wasserwege zu sperren. Durch diese Meerenge werden etwa 25 % des täglichen weltweiten Öl- und Flüssiggasbedarfs transportiert. Auch wenn es dem Iran vermutlich an Möglichkeiten fehlt, diese Meerenge dauerhaft zu sperren, haben schon die Ankündigung und entsprechende Drohungen dafür gesorgt, dass der Schifffahrtsverkehr nahezu zum Erliegen gekommen ist und der Ölpreis zumindest temporär steigen wird.
Die nächsten Tage werden mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Fortsetzung der Luftschläge gegen den Iran geprägt sein, wobei anzunehmen ist, dass das derzeit extrem hohe operative Tempo nur noch wenige Tage durchgehalten werden kann. Gleichzeitig werden die Schläge gegen die Hisbollah und andere iranische Verbündete fortgesetzt werden.
Der Iran ist mit der Einsetzung eines Triumvirats bis zur Wahl eines neuen obersten Führers sowie der Nachbesetzung wesentlicher militärischer Führungspersonen weiterhin führungsfähig und auch militärisch weiter handlungsfähig. Möglicherweise wird man seitens des Iran eine notwendige operative Pause in der US/ISR-Einsatzführung abwarten, um dann erneut und in stärkerem Maße als bisher mit Drohnen und Raketen anzugreifen.
Die kommende Woche wird diesbezüglich entscheidend sein.