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Nahostkrieg vs. Ukrainekrieg: Zusammenhänge? Drei Fragen - drei Antworten

Nahostkrieg vs. Ukrainekrieg: Zusammenhänge? Drei Fragen - drei Antworten

Der Krieg im Iran verändert die strategische Lage weit über den Nahen Osten hinaus. Welche Folgen hat die neue Eskalation für den Krieg in der Ukraine, für die westliche Militärhilfe – und könnte sich daraus sogar eine Chance für Kiew ergeben? Ein Blick auf mögliche Auswirkungen und Entwicklungen. Oberst Dr. Markus Reisner antwortet.


Wie wird sich der Krieg im Iran kurz- und mittelfristig auf den Krieg in der Ukraine auswirken?


Trump hat nun gemeinsam mit Israel eine weitere große Militäroperation mit dem erklärten Ziel eines iranischen Regimewechsels gestartet. Ein von den USA und Israel geführter Krieg, der Aufmerksamkeit und Ressourcen im Nahen Osten bindet, ist ein strategisches Geschenk für Russland und China. Russland kann seine militärischen und energiepolitischen Beziehungen zu einem geschwächten Iran vertiefen und die Ablenkung des Westens in seinem Krieg gegen die Ukraine ausnutzen. China kann sich hingegen als verantwortungsbewusster Stabilisator bzw. Mediator positionieren, weiterhin Energie zu günstigen Preisen kaufen und die USA als Hauptursache für globale Instabilität darstellen. Die Ukraine könnte somit zur Nebenfront degradiert werden. Dies bedeutet im schlimmsten Fall noch weniger Ressourcen, wie zum Beispiel konkret Patriot-Flugabwehrraketen.

Militärhilfe?


Wie wird sich die westliche Militärhilfe für die Ukraine angesichts des Krieges im Iran verändern?


Das hängt vor allem von den USA und Europa ab. Die Ukraine kämpft nach wie vor um ihr Überleben. Jede militärische und finanzielle Hilfe aus den USA und Europa ist entscheidend. Die USA haben in ihrer neuen Nationalen Sicherheitsstrategie und in der daraus abgeleiteten Nationalen Verteidigungsstrategie festgelegt, dass Russland das „Problem“ Europas ist. Europa müsse hier die Führungsrolle („Europe must lead“) übernehmen. Der neue Krieg mit dem Iran wird weitere amerikanische militärische Ressourcen binden. Ressourcen, die nicht in die Ukraine geliefert werden können oder für militärische Operationsplanungen zur Verfügung stehen. Das Schwergewicht der US-Satellitenaufklärung gilt derzeit dem Iran. Es gibt im Moment jedoch nur einen Staat, der Russland militärisch unter Druck setzen kann – und das sind die USA.

Ist Russland weiterhin auf Militärhilfe aus dem Iran angewiesen oder nicht mehr?


Anfang September 2022 stellten ukrainische Soldaten bei ihrer Offensive südostwärts von Charkiw fest, dass sie es plötzlich mit einem neuen „russischen“ Drohnentyp zu tun hatten. Die Untersuchung eines Wracks und der Trümmer ließ erkennen, dass eine neuartige russische Drohne mit dem Namen „Geran-2“ eingesetzt worden war. Mit Sprengstoff beladen hatten diese Drohnen punktgenau ihre Ziele zerstört. Eine weitere detaillierte Untersuchung der Platinen und des Motors ließ jedoch erkennen, dass die Bauteile iranischen Ursprungs waren. Die „Geran-2“ war ein Derivat der „Shahed-131/136“. Seit damals wurden Zehntausende dieser aus dem Iran stammenden Drohnen gegen die Ukraine eingesetzt. Russland baut mittlerweile in einer eigenen Fabrik mit über 50.000 Arbeitern bis zu 100 bis 200 Stück „Geran-2“ pro Tag selbst und ist nicht mehr vom Iran abhängig.

Ergibt sich für die Ukraine auch eine Chance aus der jetzigen Situation?


Die vorrangigen strategischen Ziele des Iran sind das Überleben des Regimes sowie die Wiederherstellung der Handlungsfähigkeit und Abschreckung. Der Iran reagierte diesmal bereits sehr schnell mit Drohnen- und Raketenangriffen auf Israel sowie mit Angriffen auf militärische Stützpunkte in Bahrain, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait, Jordanien, Saudi-Arabien und sogar Zypern. Damit verfolgt er ein klares Ziel: zu signalisieren, dass der Iran trotz der Verluste in der Führung weiterhin in der Lage ist, Schaden anzurichten. Tatsächlich gelangen den Iranern bereits einige empfindliche Treffer auf militärische Einrichtungen, vor allem durch den Einsatz von Shahed-131/136-Drohnen. Dies führt im Moment zu einer Betroffenheit bei den angegriffenen Ländern der Golfregion und zu der Frage nach geeigneten Abwehrmöglichkeiten.

Die große Chance der Ukraine besteht darin, die in den letzten Jahren im Krieg gegen Russland gewonnenen Erfahrungen in der Drohnenabwehr an die Golfstaaten weiterzugeben. Die Ukraine hat mit der Entwicklung eines Früherkennungs- bzw. Flugmeldesystems, dem Einsatz elektronischer Kampfmittel sowie einer Reihe von Effektoren zum direkten Drohnenabschuss einen sehr wirkungsvollen Drohnenabwehrkomplex entwickelt. Die Golfstaaten könnten von der Expertise des ukrainischen Militärs profitieren. Im Gegenzug könnte die Bereitschaft zur Unterstützung der Ukraine aus dieser Region steigen. Dies würde sowohl die Sanktionspolitik gegenüber Russland betreffen als auch konkrete finanzielle Hilfeleistungen für die Ukraine.

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