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Rüstungsausgaben auf Rekordniveau

Rüstungsausgaben auf Rekordniveau

Nach aktuellen Zahlen des Stockholmer Instituts für Friedensforschung (SIPRI) steuern die weltweiten Rüstungsausgaben auf ein Allzeithoch zu. Im letzten Jahrzehnt sind die globalen Ausgaben für Verteidigung um 41 % gestiegen.

 

Den größten Anteil tragen die USA, die 2025 für rund ein Drittel der weltweiten Ausgaben im Verteidigungssektor verantwortlich waren. Doch auch Europa holt auf. Deutschland nimmt dabei eine führende Rolle ein. Mit Ausgaben von 864 Mrd. US-Dollar wurde in Europa seit Beginn der SIPRI-Aufzeichnungen noch nie mehr in das Militär investiert.

 

Rüstungsausgaben haben damit weltweit, vor allem aber in Europa, hohe Priorität. Doch wie stellt sich die Lage im Bereich des „Rearming Europe“ dar?

 

Brigadier Berthold Sandtner, Leiter des Institutes für Höhere Militärische Führung an der Landesverteidigung, geht dazu drei Fragen nach.


Wie stellte sich die Ausgangslage zu Beginn der 2020er Jahre dar?

Nach dem Ende des Kalten Krieges in den 1990er-Jahren hatte Europa zweieinhalb Jahrzehnte des radikalen Abrüstens hinter sich.

Diese Entwicklung hatte zwei wesentliche Ursachen: Einerseits eine auf Stabilisierung ausgerichtete Bedrohungswahrnehmung und der fehlende Fokus auf die eigene Verteidigungsfähigkeit – selbst nach 2014. Andererseits bestand eine jahrzehntelange Tradition, sich auf die militärischen Fähigkeiten und den politischen Willen der USA zu stützen. Den Eigenschutz hat Europa vernachlässigt.

Die Folgen waren gravierend. Neben dem Abbau militärischer Fähigkeiten wurde auch die technologische und verteidigungsindustrielle Basis in Europa stark reduziert. Dieser Umstand wirkt bis heute nach. Fehlende eigene Forschungs- und Produktionskapazitäten bremsen die Aufrüstung und verstärken die Abhängigkeit von großen außereuropäischen Rüstungskonzernen.

Die Militärausgaben in der EU lagen im Jahr 1992 im Schnitt bei 2,1 % des BIP, im Jahr 2000 bei 1,7 % und erreichten 2015 mit 1,3 % ihren Tiefpunkt. Im Jahr 2020 lag der Wert wieder bei 1,6 %.

Zum Vergleich: In der Russischen Föderation betrugen die Militärausgaben 1992 rund 4,4 % des BIP, fielen 1998 auf 2,7 % und lagen 2020 wieder bei etwa 4,3 %. Aktuell bewegen sie sich bei rund 7,5 %.

In Österreich lag der Tiefpunkt 2015 bei unter 0,6 % des BIP – trotz der Annexion der Krim und von Teilen des Donbas im Jahr 2014. Derzeit liegt das Verteidigungsbudget bei etwa 1 % des BIP und hat sich damit nominell beinahe verdoppelt.

Wie sind die aktuellen Entwicklungen?

Die Verteidigungsausgaben in Europa lagen 2025 im Schnitt der EU-Staaten wieder bei etwa 2,1 % des BIP. Damit wurde das Niveau von 1992 erreicht – wenngleich sich die EU seither stark verändert hat.

Die Europäische Verteidigungsagentur (EDA) gibt für den Zeitraum von 2020 bis 2025 einen nominalen Anstieg der Verteidigungsausgaben um 98 % an. Preisbereinigt entspricht das einem Plus von 63 %. Das ist ein deutlicher Sprung.

Um den Wiederaufbau militärischer Fähigkeiten zu beschleunigen, veröffentlichte die EU-Kommission im März 2025 ein „White Paper on Defence“. Der ursprüngliche Titel „Rearm Europe“ wurde nach wenigen Tagen aufgrund politischer Vorbehalte in „Readiness 2030“ geändert.

Im Kern geht es darum, kritische Fähigkeitslücken mit europäischen Lösungen zu schließen. Der Aufbau einer umfassenden Zusammenarbeit in prioritären Bereichen wird als strategische Notwendigkeit beschrieben.

Zentrale Elemente sind die Stärkung der europäischen Verteidigungsforschung und -industrie, gemeinsame Entwicklung und Beschaffung, volle NATO-Interoperabilität, die Mobilisierung von rund 800 Mrd. Euro für Verteidigungsausgaben sowie ein Abbau bürokratischer Hürden.

Wie sieht die aktuelle Realität aus?

Europa investiert derzeit massiv, um wieder verteidigungsfähig zu werden. Der Aufholbedarf ist jedoch groß. Ein möglicher Rückzug der USA als Sicherheitsgarant verstärkt den Handlungsdruck zusätzlich.

Die starke Abhängigkeit von US-Rüstungsgütern – etwa in der Luftverteidigung – kann sich als Achillesferse erweisen.

Der Irankrieg und der US "pivot to Asia" deuten darauf hin, dass die Versorgung der europäischen Verbündeten nicht mehr die oberste Priorität hat. Der hohe Verbrauch kritischer Munitionssorten im Irankrieg und die vermutliche Aufrüstung der Golfstaaten in Folge des Krieges werden den Bedarf an Rüstungsgütern und Munition in den nächsten Jahren auf einem hohen Niveau halten. Daher muss die europäische Rüstungsindustrie Alternativen zu US Gütern anbieten.

Gleichzeitig ist die europäische Rüstungsindustrie weiterhin stark zersplittert und in einzelnen Technologiebereichen noch nicht konkurrenzfähig. Unterschiedliche Systeme und nationale Interessen erschweren gemeinsame Lösungen. So sind in Europa – ohne Subtypen – rund zehn verschiedene Kampfpanzer im Einsatz, in den USA hingegen nur einer.

Auch bei Kampfflugzeugen zeigt sich das Problem: Während das US-Modell F-35 in vielen europäischen Luftwaffen eingeführt wird, steht das europäische FCAS-Programm (Future Combat Air System) aufgrund politischer Differenzen unter Druck.

Für Staaten wie Österreich bedeutet das, den eingeschlagenen Weg mit ÖBH2032+ konsequent fortzusetzen. Verlässliche Investitionen in die militärische Landesverteidigung sind eine strategische Notwendigkeit. Dazu gehören neben dem Aufbau eigener und europäischer Fähigkeiten auch ausreichende Vorräte, eigene rüstungsindustrielle Kapazitäten und die Beteiligung an europäischen Projekten, um im Ernstfall nicht ausschließlich von anderen Interessenslagen abhängig zu sein.

Neben Material und Industrie bleibt ein Faktor entscheidend: der Wille zur Verteidigung. Er beginnt bei der Akzeptanz steigender Kosten für Aufrüstung und reicht bis zur persönlichen Bereitschaft, sich für die wehrhafte Demokratie einzusetzen.

Infolink: SIPRI Map of World Military Expenditure 2025

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