Skiplinks

Von Drohnen und Panzern: Zehn Fragen an Oberst Markus Reisner.

Von Drohnen und Panzern: Zehn Fragen an Oberst Markus Reisner.

Die einen Systeme revolutionieren die Kriegsführung - die anderen waren zu Unrecht als obsolet abgeschrieben: Drohnen gelten als die neuen, Panzer als die beständigen "Player" am modernen Gefechtsfeld. Militärexperte Oberst Markus Reisner gibt einen Überblick:


1. Die Panzerwaffe wird auf dem modernen Gefechtsfeld besonders durch kleine, billige FPV-Kamikazedrohnen herausgefordert. Was sind derzeit die erfolgreichsten Abwehrmaßnahmen?

Hier kann man grundsätzlich zwischen aktiven und passiven Abwehrsystemen unterscheiden. Zu aktiven Systemen zählen: mitgeführte im 5.elektromagnetischen Feld wirkende Störsysteme unterschiedlicher Leistungsfähigkeit und unterschiedliche Frequenzbereiche. Hinzu kommen passiv Abwehrmaßnahmen wie z. B: improvisierte bautechnische Verstärkungen wie Stahlgitterkonstruktionen („Cope Cage“ bzw. „Turtle Tank“) sowie Reaktivpanzerungen, die auch bei FPV-Drohnen wirken. Die meisten Panzerverluste im Krieg in der Ukraine entstehen durch Minen, gefolgt von Artillerie und direktem Beschuss von Panzerabwehrlenkwaffen. Die Verluste durch FPV-Drohnen nahm aber ab 2023 stetig zu. Beachten sie, Sie sehen immer nur die erfolgreichen FPV-Videos!

2. Welche Abwehrmaßnahmen sind in naher Zukunft am erfolgversprechendsten? Wie sind unbemannte Waffenstationen zu bewerten, die moderne Panzer bereits heute mit sich führen? Können diese zu Abwehrsystemen gegen Drohnen im Nahbereich aufgerüstet werden?

Hier liegt der Schlüssel in einer Kombination unterschiedlicher aktiver und passiver Systeme. Aktiv Maßnahmen: kombinierte (verschiedene FQ-Bänder abdeckende) mitgeführte im elektromagnetischen Feld wirkende Störsysteme unterschiedlicher Leistungsfähigkeit sowie Nahbereichsverteidigungssysteme (analog dem israelischen System „Trophy“). An passiven Maßnahmen sind zu nennen: improvisierte bautechnische Verstärkungen (Stahlgitterkonstruktionen unterschiedlicher Bauart und Funktion), Reaktivpanzerungen, sowie Begleitfahrzeuge mit Nahbereichsverteidigungssystemen (inklusive Störsysteme, vor allem gegen Drohnen vom Typ „Lancet“). 

3. Russland verfügt über ein Abstandsaktives Schutzsystem (APS) für Panzer. Wird dieses System in der Ukraine eingesetzt? Kann ein APS Drohnen abwehren?

Die russischen Streitkräfte setzen vereinzelt Arena-M ein. Dies eignet sich grundsätzlich auch im Einsatz gegen FPV-Drohnen. Ein flächendeckender Einsatz von APS-Systemen ist derzeit jedoch nicht zu beobachten. Die Gründe sind vermutlich vielfältig. Dazu zählen: hohe Kosten, schwierige Instandsetzung und Versorgung, technische unausgereifter Zustand, sowie mangelnde Ausbildung der Besatzungen.

4. Was scheint der Grund dafür zu sein, dass Russland seinen modernsten Panzer, den T-14 Armata, nicht in Großserie baut?

Im Moment richten sich alle Anstrengungen auf die vereinfachte Massenfertigung bewährter Modelle, wie zum Beispiel T-72B3M und B3. Hinzu kommt die Instandsetzung der eigentlich bereits ausrangierten Modelle. Man geht davon aus, dass Russland sich bei der Instandsetzung aus einem Potential von ca. 16.000 Kampfpanzer bedienen kann. Von diesen können ca. 20 % relativ leicht wieder instandgesetzt werden. Diesen Anstrengungen der russischen Rüstungsindustrie wird im Moment alles untergeordnet.

5. Ist Russland derzeit imstande, die jüngsten Verluste an Panzern, die seit dem 1. Januar dieses Jahres zu verzeichnen sind, mit dem Zulauf neuer oder modernisierter Panzern zu kompensieren?

Mit der derzeitigen Produktions- und Instandsetzungsrate von knapp 1.000 Kampfpanzern pro Jahr, davon 200 Neuproduktion und 800 Instandsetzungen, ist Russland in der Lage zumindest noch zwei bis drei Jahre die derzeitige Verlustrate ohne Einschränkungen zu ertragen. Mit Stand 11. Mai 2024 stehen 3.005 verlorenen russischen Panzern insgesamt 815 ukrainischen gegenüber. Ein Verhältnis 3.7 : 1.
Die militärische Norm verlangt bei einem Angriff gegen einen vorbereiteten Gegner ein Verhältnis 4:1. Im Moment gehen Analysten davon aus, dass sich im Einsatz in der Ukraine ca. 3.000 russische Kampfpanzer befinden. Hinzu kommen weitere 400, welche im Raum nördlich Charkiv bereitgestellt sind.

6. Russland erprobt derzeit eine improvisierte Panzerung, die so genannte Schildkröte („Turtle-Tank“). Dabei wird der Panzer noch einmal fast vollständig in eine angeschweißte, hüttenähnliche Panzerung gehüllt. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?

Diese Entwicklung ist aus der Not geboren und stellt einen erfolgreichen russischen Versuch dar, sich gegen den Einsatz von FPV-Drohnen zu schützen. Der Panzer wird jedoch faktisch zu einem „Sturmgeschütz“ degradiert. Er büßt an Beweglichkeit und Feuerkraft ein. Derart umgebaute Kampfpanzer werden zudem meist mit einem Minenräumsystem ausgestattet und stellen damit meist die Spitze eines Sturmelements dar. In einem derartigen Einsatz sind sie vorrangiges Ziel.

7. Die Panzer, die wir heute in der Ukraine im Einsatz sehen, sind vom Design her aus den 70er Jahren. Sie wurden hauptsächlich entwickelt, um gegen andere Panzer kämpfen zu können. In dieser Rolle finden wir sie heute nur noch sehr selten. Was ist die neue Rolle der Panzer in der Ukraine?

Im derzeit in der Ukraine vorherrschenden Abnützungskrieg fehlen im Moment groß angelegte Manöver von mechanisierten Verbänden. Jede umfangreiche Bereitstellung von beiden Seiten wird durch Aufklärungsdrohnen erkannt und dies führt sofort zum massierten Einsatz von FPV-Drohnen oder Artillerie. Der Panzer fungiert daher derzeit vor allem als Unterstützungswaffe für die Infanterie. In gemischten Zug- bis Kompaniestarken Angriffsgruppen wird versucht Gelände in Besitz zu nehmen und zu halten. Der Kampfpanzer fungiert hier als Durchbruchs und Feuerunterstützungsplatform.

8. Eine bemerkenswerte Entwicklung ist der Einsatz des chinesischen Desertcross auf russischer Seite, ein kleines und leichtes Geländefahrzeug, das jedoch keinerlei Schutz bietet. Das Fahrzeug ist nicht einmal mit Blech verkleidet, und trotzdem sehen wir Sturmangriffe mit diesem Gerät. Gehen der russischen Seite die gepanzerten Fahrzeuge aus? Oder was steckt hinter dem Einsatz des Desertcross?

Hier wird versucht beim Verbringen/Absetzen der Infanterie hohe Beweglichkeit im Gegensatz zu starker Panzerung zur Anwendung zu bringen. Dies stellt eine Notlösung dar und führt bei frühzeitigem Erkennen meist ausnahmslos zur Vernichtung des eingesetzten Trupps. Ist der Trupp jedoch schnell genug und agiert unerkannt, kann ein Einsatz gelingen. Ähnliche Gefechtstechniken und Taktiken werden auch mit Motorrädern umgesetzt. Auch hier ist es das Ziel überraschend und schnell zu agieren, bevor es noch zu Gegenmaßnahmen des Verteidigers kommt. Derartige Taktiken gehen zum Teil noch auf den 2. Weltkrieg zurück.

9. Im Bereich der Flugdrohnen hat es in den letzten zwei Jahren eine rasante Entwicklung gegeben. Wie sieht dagegen die Entwicklung bei unbemannten Bodenfahrzeugen aus, spielen Bodendrohnen im Ukraine-Krieg eine Rolle?

Ihre Rolle nimmt stetig zu. Sie eignen sich im Besonderen als Unterstützungselement zur Erkundung und Aufklärung. Ist ein Abschnitt durch den Einsatz eines unbemannten Landroboters als minder befestigt oder kaum verteidigt erkannt, ist es möglich bemannte Systeme nachzuschieben. Kommt es zu einer massiven Abwehrreaktion, ist nur der Verlust des Roboters zu beklagen, nicht aber der Soldaten.

10. Wie wird der Panzer der Zukunft aussehen? Wird es den Panzer, wie wir ihn heute kennen, überhaupt noch geben? Wird es in 10 Jahren noch hochentwickelte Technologienationen geben, die bemannte Panzer bauen?

Die Rolle des Panzers bleibt auch in Zukunft bis auf weiteres unverändert. Mit hoher Feuerkraft, Beweglichkeit und Panzerung ausgestattet, eignet er sich im Besonderen zur kampfkräftigen Inbesitznahme eines Angriffsziels. Um diese Fähigkeiten zu behalten, und um der Bedrohung durch Kamikazedrohnen entgegentreten zu können, muss jedoch in Zukunft der Eigenschutz des Kampfpanzers wesentlich verbessert werden. Durch bordeigene aktive und passive Abwehrsysteme, sowie durch begleitende Fähigkeitsträger, zum Beispiel: Nahbereichsfliegerabwehr und Störsysteme. 

Um Ihnen eine nutzerfreundliche Website zu bieten, verwenden wir Cookies. Wenn Sie auf "akzeptieren" klicken, stimmen Sie der Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät zu. Klicken Sie auf "konfigurieren", um bestimmte Cookies anzunehmen oder abzulehnen. Details zur Verarbeitung der Daten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Sie können die Cookie-Einstellungen hier konfigurieren. Durch klicken der Auswahlfelder akzeptieren Sie die Verwendung dieser Cookies.

Diese Cookies sind für die Funktion der Website erforderlich und können nicht deaktiviert werden.

Klicken Sie hier, um die Multimedia- und Tracking-Cookies zu akzeptieren.

Es besteht die Möglichkeit, dass Video-Plattformen, auf der eingebettete Videos liegen, Cookies schreiben. Wenn Sie hier klicken, können solche Videos abgespielt werden.

Wir tracken mit Matomo. Mit Ihrer Einwilligung verwenden wir die Open-Source-Software Matomo zur Analyse und statistischen Auswertung der Nutzung der Website. Hierzu werden Cookies eingesetzt. Die dadurch erhaltenen Informationen über die Websitenutzung werden ausschließlich an unsere Server übertragen und in pseudonymen Nutzungsprofilen zusammengefasst. Die Daten verwenden wir zur Auswertung der Nutzung der Website. Eine Weitergabe der erfassten Daten an Dritte erfolgt nicht. Die IP-Adressen werden anonymisiert (IPMasking), sodass eine Zuordnung zu einzelnen Nutzern nicht möglich ist. Die Verarbeitung der Daten erfolgt auf Grundlage von Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. a DSGVO. Wir verfolgen damit unser berechtigtes Interesse an der Optimierung unserer Webseite für unsere Außendarstellung. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit widerrufen, indem Sie die Cookies in Ihrem Browser löschen oder Ihre Datenschutzeinstellungen ändern.

Diese Webseite verwendet Google Maps für die Darstellung von Karteninformationen. Bei der Nutzung von Google Maps werden von Google auch Daten über die Nutzung der Maps-Funktionen durch Besucher der Webseiten verarbeitet und genutzt. Weitere Informationen über die Datenverarbeitung durch Google können Sie den Hinweisen zum Datenschutz von Google auf  https://www.google.at/intl/de/policies/privacy/ entnehmen. Dort können Sie im Datenschutz-Center auch Ihre Einstellungen verändern, sodass Sie Ihre Daten verwalten und schützen können.

Es besteht die Möglichkeit, dass Foto-Plattformen, auf der eingebettete Fotos liegen, Cookies schreiben. Wenn Sie hier klicken, können solche Fotos angezeigt werden.

Wenn Sie hier klicken, werden Daten von Twitter erhoben. Mehr Informationen zu den Daten-Kategorien finden Sie in den Datenschutzrichtlinien von Twitter.