Wie stellt sich die aktuelle Lage dar?
Die USA und Israel haben bisher fast 9.000 Ziele im Iran bekämpft. Während zu Beginn der Operation insbesondere von US-Seite hauptsächlich Abstandswaffen (v. a. Tomahawk-Raketen) eingesetzt wurden, um eine Gefährdung eigener Flugzeuge durch die iranische Luftabwehr möglichst zu vermeiden, wird inzwischen auch vermehrt auf den Einsatz von Bombern mit schweren, bunkerbrechenden Präzisionsbomben gesetzt.
Innerhalb der ersten Kriegswoche wurde durch die Koalitionskräfte nicht nur ein Großteil der iranischen Führung ausgeschaltet, sondern auch die iranische Luftabwehrfähigkeit sowie die militärische Führungsfähigkeit zumindest im West-, Süd- und Zentraliran merklich reduziert. Gleichzeitig wurden die Lagerbestände des Iran an ballistischen Raketen sowie deren mobile Abschusseinrichtungen massiv dezimiert, was in einer eingeschränkten Wirkfähigkeit des Iran resultiert. Auch Anlagen, die dem iranischen Nuklearprogramm zugerechnet werden, standen im Fokus der Bekämpfung.
Dennoch gelingt es dem Iran weiterhin, mit Raketen und Drohnen sowohl Israel als auch insbesondere die Golfstaaten empfindlich zu treffen (etwa 40 Prozent des Mitteleinsatzes richteten sich bisher alleine gegen die VAE). Es sind auch nicht mehr schwergewichtsmäßig US-Einrichtungen in der Golfregion, die der Iran inzwischen angreift, sondern Einrichtungen des Öl- und Gassektors. So wurden am 11. März Treibstofflager in Bahrain und im Oman mutmaßlich durch iranische Drohnen angegriffen, ebenso mehrere Tanker und Containerschiffe im Persischen Golf.
Der Iran schafft es trotz andauernder Operationsführung der Koalitionskräfte weiterhin, durch die Wahl eines neuen geistlichen Oberhaupts politisch und durch eine – offensichtlich an die gegnerische Einsatzführung angepasste – Handlungsweise militärisch zumindest eingeschränkt handlungsfähig zu bleiben. Eine derzeit erkennbare Reduktion der Dichte der iranischen Drohnen- und Raketenangriffe könnte ein Indikator für eine nur mehr geringe verfügbare Anzahl an Wirkmitteln und Abschussvorrichtungen sein, aber auch ein möglicher Hinweis darauf, die Bedrohung Israels und der Golfstaaten noch möglichst lange aufrechterhalten zu können.
Für Israel hat sich mit dem Eintritt der mit dem Iran verbündeten libanesischen Hisbollah inzwischen eine weitere Front aufgetan. Nach dem 2024 durch die USA vermittelten Waffenstillstand, welchen Israel seither oftmals gebrochen hat, begann die Hisbollah erstmalig seit 2024 wieder, Israel mit Raketen und Drohnen zu beschießen. Die israelische Antwort darauf sind inzwischen mindestens 800 Luftangriffe auf Ziele der Hisbollah sowie die Inbesitznahme wichtiger Geländeteile im südlichen Libanon.
Welche besondere Rolle spielt die Straße von Hormuz?
Die Straße von Hormuz liegt zwischen dem Iran und einer omanischen Exklave auf der in ein spitzes Horn zulaufenden Halbinsel Musandam. Sie ist eine an der schmalsten Stelle etwa 30 km breite Meerenge, die den Golf von Oman mit dem Persischen Golf verbindet. Die Schifffahrtsrinne in diesem ohnehin schon engen Nadelöhr beträgt überhaupt nur wenige Kilometer.
Etwa ein Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs und ein Viertel des Flüssiggasverbrauchs werden täglich über sie transportiert. Hauptsächlich gehen diese Produkte nach Asien.
Allein durch die Androhung, diese Straße zu sperren, ist der maritime Gütertransport nahezu zum Erliegen gekommen. In den letzten Tagen hat der Iran die Tonart in Bezug auf die Sperrung der Straße verschärft, um damit noch mehr Druck auf die Golfanrainerstaaten und somit indirekt auf die USA auszuüben, den Krieg zu beenden. (Vgl. dazu unseren Bericht vom 24.6.2025)
Es wird angenommen, dass bereits einige Seeminen verlegt wurden oder dies zumindest in Vorbereitung ist. Insgesamt haben sich die iranische Marine und insbesondere die Marinekräfte der iranischen Revolutionsgarden zunehmend auf die asymmetrische Seekriegsführung gegen überlegene Seestreitkräfte spezialisiert. Sie bedienen sich dazu einer flexiblen Struktur, bestehend aus kleinen, schnellen, mit Raketen ausgerüsteten Küstenschiffen, landbasierten Stellungen mit Schiffsabwehrraketen, Minenlegern, leichten Flugzeugen und Drohnen sowie Seedrohnen.
Logisch ist daher der Fokus, den die USA auf die Vernichtung der iranischen Marine legen – beispielsweise mit der gezielten Aufspürung und Versenkung von bisher 16 Minenlegebooten der iranischen Marine. Insgesamt wurden schon über 40 iranische Schiffe versenkt, unter anderem durch die erstmalige Versenkung eines Schiffes (der iranischen Fregatte IRIS Dana) mit einem U-Boot-Torpedo seit dem Falklandkrieg.
Auch wenn bereits große Teile der iranischen Marine, insbesondere größere Schiffe, versenkt wurden und die iranische Küstenartillerie großteils zerstört wurde, geht von den verbliebenen, schwerer zu lokalisierenden und bekämpfbaren Teilen der iranischen Seestreitkräfte immer noch ein Gefahrenpotenzial aus.
Die Kombination aus (angedrohten) eskalatorischen Maßnahmen in der Straße von Hormuz, dem Wissen um die Gefahr, die von Seeminen ausgehen kann, sowie der offensichtlich gezielten Bewirkung von Handelsschiffen im Persischen Golf hat jedenfalls dazu geführt, dass der zwischenzeitlich leicht gesunkene Ölpreis erneut gestiegen ist – mit spürbaren Auswirkungen nicht nur an den Tankstellen, sondern für die gesamte Weltwirtschaft.
Welche Perspektiven gibt es?
Während von US-Präsident Trump Aussagen zu hören waren, die auf eine nahe Beendigung der Kampfhandlungen („… nothing left to target“) hindeuten könnten, ist von israelischer Seite eher das Gegenteil zu erwarten. Weder sieht man das Ziel, im Iran eine Regierung zu haben, die die Auslöschung Israels nicht mehr als Staatsziel verfolgt, erreicht, noch das iranische Offensivpotenzial (ballistische Raketen) sowie die militärindustrielle Basis ausreichend geschwächt.
Auf iranischer Seite ist auch nach der Ernennung Modschtaba Chameneis kein Abgehen von der bisherigen Linie erkennbar. Bisher ist es der iranischen Führung gelungen, auch durch die schnelle Nachbesetzung getöteter Schlüsselpersonen politisch handlungsfähig zu bleiben. Die iranische Strategie, durch Bekämpfung wirtschaftlicher Einrichtungen der Golfstaaten und durch massive Reduktion des Gütertransports auf dem Seeweg Druck auf diese und die Weltöffentlichkeit auszuüben, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit weiterverfolgt werden.
Ein Schlüsselfaktor dabei ist, wie lange die Mittel der Golfstaaten für die Aufrechterhaltung einer entsprechend effizienten Luftabwehr noch reichen – die bisher im Rahmen dieses Konflikts eingesetzten Patriot-Luftabwehrraketen haben vermutlich bereits die aktuelle Produktionsrate eines Jahres überschritten. Neben den Golfstaaten benötigen aber auch Israel und insbesondere die Ukraine diese Mittel dringend.
Neben der weiteren Entwicklung in der Straße von Hormuz könnte ein Eintritt der ebenfalls mit dem Iran verbündeten jemenitischen Houthis in den Krieg weitere entscheidende Auswirkungen zeigen. Möglich wäre eine Beeinträchtigung der Schifffahrt im Roten Meer und damit massive Einschränkungen für die Nutzbarkeit einer weiteren ganz wesentlichen maritimen Transportachse (Rotes Meer – Suezkanal – Mittelmeer) oder auch ein Einsatz von Drohnen und Raketen gegen die Golfstaaten und damit eine Überlastung der dortigen Abwehrfähigkeiten.