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Geschichte


Frühgeschichte bis zum 19. Jahrhundert

Vor fast drei Jahrtausenden gehörte das Staatsgebiet des heutigen Bosnien und Herzegowina zu Illyrien, das im 1.Jahrhundert v.Chr. als Provinz Illyricum Teil des Römischen Reiches wurde. Nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches eroberten die Goten das Gebiet, im 6. Jahrhundert siedelten sich die Slawen in dem Territorium an und beherrschten es bis ins 12. Jahrhundert. In der Folgezeit geriet die Region unter die Vorherrschaft Ungarns. Die Ungarn machten Bosnien später zu einem Banat (Provinz) unter der Herrschaft eines Ban (Vizekönig). Ban Stephen Krotomanic dehnte den ungarischen Einfluss bis zum Fürstentum Hum (auch Zahumlje) aus, die spätere Herzegowina. Krotomanics Neffe und Nachfolger Stephen Tvtko schoben die Grenzen weiter hinaus und erklärte sich 1376 zum König von Serbien und Bosnien. Nach Tvtkos Tod zerfiel das Königreich. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts übernahm ein bosnischer Rebell die Region Hum und nannte sie Herzegowina ("unabhängiges Herzogtum"). Bis 1463 hatten die Türken den größten Teil Bosniens erobert, bis 1483 auch die Herzegowina. Die beiden Gebiete blieben 400 Jahre lang Teil des Osmanischen Reiches, obwohl es während des 19. Jahrhunderts immer wieder zu Aufständen gegen die Türkenherrschaft kam, die jedoch erfolglos blieben.

20. Jahrhundert

Ende des 19.Jahrhunderts lebten in dem Gebiet Kroaten (Katholiken), Serben (Orthodoxe) und Muslime (Nachkommen der Türken und Slawen, die unter osmanischer Herrschaft zum Islam konvertiert waren). Während des Berliner Kongresses 1878 verhandelte die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn und andere europäische Mächte über die Verwaltung dieses Gebiets. 1908 wurde es von Österreich-Ungarn annektiert. Die Herrschaft Österreich-Ungarns trug nicht viel zur Lösung der ethnischen Spannungen bei. Stattdessen entwickelte sich die Region zu einem Zentrum des Kampfes für nationale Unabhängigkeit und kulturelle Autonomie. Europa begann, in dem Konflikt Partei zu ergreifen: Österreich-Ungarn und Deutschland widersetzten sich den wachsenden serbischen Autonomiebestrebungen, während Russland und Großbritannien sie partiell unterstützten.

1. Weltkrieg

Am 28. Juni 1914 verübte ein nationalistischer Serbe aus Bosnien ein Attentat auf den habsburgischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und dessen Frau. Diese Tat löste den 1.Weltkrieg (1914-1918) aus. An diesem Krieg beteiligten sich die Serben in der Hoffnung, ein Königreich zu schaffen, das alle südslawischen Völker vereinen sollte. Am 1.Dezember 1918, im Anschluss an den Untergang der Habsburger Doppelmonarchie am Ende des Krieges, wurden Bosnien und Herzegowina vereinigt. Unter der serbischen Monarchie König Alexanders wurde das Land von 1921 bis 1934 Teil des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen. Als Konflikte zwischen Kroaten und Serben zu nationalen Spannungen führten, verstärkte Alexander die Kontrolle über das Land. 1929 wurde das Königreich in Jugoslawien (Land der Südslawen) umbenannt.

2. Weltkrieg

Während des 2. Weltkrieges (1939-1945) marschierten die Achsenmächte in Jugoslawien ein und teilten es unter sich auf. Italien schuf einen faschistischen Vasallenstaat, der einen Großteil Kroatiens und Bosniens umfasste. Bis zum Ende des Krieges kämpften Serben und Kroaten gegeneinander. Die Partisanenverbände des kroatischen Kommunisten Josip Broz Tito bekämpften die Armee des faschistischen Kroatien. Nach Ende des Krieges vereinigte Tito die verschiedenen Teile Jugoslawiens und schuf eine jugoslawische Föderation mit Bosnien und Herzegowina als einer der Teilrepubliken. Durch die Gleichstellung von Muslimen, Serben und Kroaten in Bosnien und Herzegowina sicherte Tito diesen in den sechziger Jahren den Status eigener Volksgruppen zu. Die Spannungen zwischen den einzelnen ethnischen Gruppen hielten jedoch an und verstärkten sich nach dem Tod Titos im Jahr 1980.

Zusammenbruch der Jugoslawischen Föderation und Bürgerkrieg

1990 verzichtete die Kommunistische Partei schließlich auf ihre Vormachtstellung in Jugoslawien. Schnell bildete sich eine große Vielfalt an politischen Parteien, die unterschiedliche Ziele anstrebten und die verschiedenen Volksgruppen vertraten. Bei den Wahlen zum bosnischen Parlament, die im November und Dezember 1990 stattfanden, erlangte die muslimische Partei des Demokratischen Handelns (PDH) 86 Sitze. Die Serbische Demokratische Partei (SDP) erreichte 72 Sitze, die Kroatische Demokratische Union Bosnien und Herzegowina (KDU-BH) war mit 44 Sitzen vertreten. Abgeordnete dieser drei Parteien nahmen die sieben Sitze im Präsidium ein. Alija Izetbegovic wurde Vorsitzender der Koalitionsregierung.

Konflikte und Unabhängigkeitserklärung

Im Lauf des Jahres 1991 trugen Spannungen zwischen den Volksgruppen in ganz Jugoslawien zur Schwächung des bosnischen Präsidiums bei. Als im Juni 1991 sowohl Kroatien als auch Slowenien ihre Unabhängigkeit erklärten, forderten viele Serben in den übrigen Republiken den Zusammenhalt des serbisch dominierten jugoslawischen Staates. Sowohl in Bosnien und Herzegowina als auch in Kroatien bildeten sie Unabhängige Serbische Regionen (USRs). Die Ablehnung der USRs durch die bosnische Regierung führte zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Serben und Nichtserben. Diese Konflikte eskalierten, als auch Makedonien im September 1991 seine Unabhängigkeit von Jugoslawien erklärte. Die Jugoslawische Volksarmee wurde eingesetzt, um die Abspaltung der drei Teilrepubliken zu verhindern. Die jugoslawischen Truppen besetzten Mostar im Nordwesten von Bosnien und Herzegowina und die alte Adriastadt Dubrovnik. Die Serbische Demokratische Partei lehnte Vorschläge zur Erklärung der Unabhängigkeit ab, die vom Präsidium der Republik und der PDH vorgebracht worden waren. Verhandlungen zwischen den verschiedenen Parteien verliefen ergebnislos. Bei einem Referendum der bosnischen Serben votierte die überwältigende Mehrheit gegen die Unabhängigkeit. Bei einer ähnlichen Volksabstimmung im Februar und März 1992, bei der alle drei Volksgruppen aufgerufen waren, stimmten die meisten für die Unabhängigkeit (die Abstimmung wurde allerdings von den meisten Serben boykottiert). Noch im gleichen Monat erklärte Bosnien und Herzegowina seine Unabhängigkeit von Jugoslawien.

Der Krieg weitet such aus

Obwohl die Unabhängigkeit von Bosnien und Herzegowina 1992 international anerkannt wurde, zuerst durch die USA, später durch die Vereinten Nationen (UN), dauerte der Konflikt an. Bis zum Mai 1992, als zwischen Serbien und Montenegro beschlossen wurde, die Föderative Republik Jugoslawien zu gründen, hatten serbische Truppen die Kontrolle über mehr als zwei Drittel von Bosnien und Herzegowina erlangt und belagerten auch Sarajevo. Frühe Vermittlungsversuche durch die Europäische Union (EU) und die UN scheiterten, und am 30. Mai 1992 verhängten die UN Wirtschaftssanktionen über das neugegründete Jugoslawien, das bis zur Mitte des Jahres 1994 nicht international anerkannt wurde. Der Krieg nahm im Juli eine Wendung, als Truppen der bosnischen Kroaten unter der Führung von Mate Boban fast ein Drittel des Staatsgebiets einnahmen, um die "Kroatische Union Herceg-Bosna" zu bilden, die von der Republik Kroatien unterstützt wurde. Dieser Schritt führte zur Auflösung des Bündnisses zwischen Kroaten und Muslimen. Die Vermittler von EU und UN kamen zu der Überzeugung, dass nur eine Aufteilung des Landes in autonome Einheiten den Krieg beenden könnte. Dieser Vorschlag wurde jedoch von den Kriegsparteien abgelehnt. Die bosnische Regierung bat weiterhin um das Eingreifen von UN-Truppen in den sich ausweitenden Krieg. Außerdem verlangte sie die Aufhebung des Waffenembargos. Während der zweiten Hälfte des Jahres 1992 wurden schwere Menschenrechtsverletzungen bekannt. Alle internationalen Vermittlungsversuche (z. B. der Vance-Owens-Friedensplan) waren bis Mitte 1993 gescheitert. Im Juni 1993 verabschiedete der UN-Sicherheitsrat eine Resolution zur Bildung von sechs "Schutzzonen" für die bosnischen Muslime: Bihac, Tuzla, Srebrenica, Zepa, Gorazde und Sarajevo. Die Resolution beinhaltete die Entsendung von 25.000 UN-Soldaten. Während diese Gebiete für viele Vertriebene eine Zuflucht darstellten, musste die Völkergemeinschaft die Wirkungslosigkeit der Resolution anerkennen. Einige der Schutzzonen wurden von Truppen der bosnischen Serben angegriffen: Sarajevo war ab April 1992 ständig belagert, und Gorazde wurde von den Serben ab April 1994 heftig unter Beschuss genommen. Im September 1993 hatte das bosnische Parlament einen Vorschlag abgelehnt, nach dem Bosnien und Herzegowina in drei Regionen für die unterschiedlichen Volksgruppen geteilt werden sollte. Der Grund für die Ablehnung war, dass nach diesem Plan 51 Prozent der Landesfläche serbisch werden sollte, 31 Prozent sollten die Muslime und 18 Prozent die Kroaten erhalten.

Die Bosnisch-Kroatische Föderation

Im März 1994 endeten die Kämpfe zwischen bosnischen Muslimen und Kroaten, als die beiden Gruppen sich darauf einigten, eine Föderation zu bilden und diese mit der Republik Kroatien zu verbünden. Die Föderation gründete auf einem Gebiet, das 58 Prozent der Fläche von Bosnien und Herzegowina ausmachte, und war abhängig von der Wiedererlangung serbisch besetzter Gebiete (die Serben kontrollierten immer noch etwa 72 Prozent des Staatsgebiets von Bosnien und Herzegowina). Die Föderation sollte aus acht Bezirken bestehen, von denen vier eine überwiegend muslimische, zwei eine überwiegend kroatische und die übrigen eine gemischte Bevölkerung aus unterschiedlichen Volksgruppen haben sollten. Bis Anfang Juni hatte die Föderation einen Präsidenten und einen Vizepräsidenten gewählt; die allgemeinen Wahlen waren für Ende des Jahres 1994 geplant. Die neue Föderation existierte neben der bestehenden Regierung der Republik Bosnien und Herzegowina, die weiterhin unter der Führung von Präsident Alija Izetbegovic stand. Die Bildung der Allianz brachte die Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden in Bosnien und Herzegowina mit sich. Die Allianz sah sich jedoch nicht nur dem Widerstand der bosnischen Serben ausgesetzt, sondern auch dem einer Separatistengruppe von bosnischen Muslimen in Bihac im Nordwesten Bosniens. Im Juni 1994 wurde ein Waffenstillstand vereinbart, aber es fanden weiterhin vereinzelt Kämpfe statt. Ende Juli wurde ein weiterer internationaler Friedensplan vorgelegt, der wiederum von den bosnischen Serben abgelehnt wurde. Die Völkergemeinschaft antwortete darauf mit der Ankündigung weiterer Wirtschaftssanktionen gegen Serbien und Montenegro.

Friedensabkommen von Dayton

Am 4. August 1994 brach die Föderative Republik Jugoslawien die Beziehungen zu den bosnischen Serben ab. Im Juli 1995 eroberten die Serben die UN-Schutzzonen Srebrenica und Zepa. Die Kroaten annektierten Anfang August die traditionell von Serben bewohnte Krajina-Region und vertrieben die ansässige Bevölkerung. Am 28. August beschossen die bosnischen Serben wiederum Sarajevo, 38 Menschen wurden getötet. Die NATO reagierte am 30. August mit Luftangriffen. Die Kämpfe waren damit noch nicht beendet. Wegen der Schwächung der serbischen Stellungen erzielten die kroatischen und muslimischen Truppen in der Folgezeit Gebietsgewinne, so dass die ursprünglich angestrebte Landesverteilung von 51 zu 49 Prozent erreicht wurde; die Gebietsverluste der Serben waren sogar noch größer. Nach diesen Eroberungen durch die kroatischen und muslimischen Streitkräfte kam es zu Vertreibungen serbischer Zivilisten; damit war die Aufteilung Bosniens besiegelt. Die Trennung der verfeindeten Volksgruppen bildete auch die Basis für den Friedensvertrag, der in den folgenden Wochen ausgehandelt wurde. Nach dem Waffenstillstandsabkommen vom 5. Oktober und nach dreiwöchigen Verhandlungen in Dayton (Ohio) wurde am 21. November 1995 nach Vermittlung des amerikanischen Präsidenten Bill Clinton von den Präsidenten Bosniens, Kroatiens und Serbiens ein Friedensvertrag paraphiert, der am 14. Dezember in Paris unterzeichnet wurde. Einige der wesentlichsten Punkte des Abkommens von Dayton lauten:

  1. Bosnien und Herzegowina bleibt in seinen bisherigen Grenzen als einheitlicher Staat erhalten. Das neue Staatengebilde wird sowohl von der internationalen Staatengemeinschaft als auch von der Föderativen Republik Jugoslawien anerkannt; diplomatische Beziehungen zwischen der Föderativen Republik Jugoslawien mit Bosnien und Herzegowina werden aufgenommen.
  2. Der neue Staat besteht aus zwei Teilen: der muslimisch-kroatischen Föderation und der Serbischen Republik in Bosnien. Muslime und Kroaten erhalten 51 Prozent des Gebiets, die Serben 49 Prozent. Bestandteile des serbischen Gebiets sind die Städte Pale, Srebrenica und Zepa.
  3. Sarajevo bleibt die vereinte Hauptstadt des Landes.
  4. Eine Zentralregierung, ein Zweikammerparlament und eine Präsidentschaft werden eingerichtet. 1996 sollen freie und demokratische Wahlen unter internationaler Aufsicht abgehalten werden.
  5. Ein 8 bis 15 Kilometer breiter Korridor wird Gorazde mit Sarajevo verbinden.
  6. Die Heimkehr von Flüchtlingen in ihre Heimat wird gewährleistet. Die Einhaltung der Menschenrechte wird von einer unabhängigen Kommission und einer internationalen Polizeieinheit überwacht.
  7. Personen, die wegen Kriegsverbrechen angeklagt sind, dürfen keine politischen Ämter und öffentliche Aufgaben übernehmen.
  8. Ein humanitäres Hilfsprogramm zum Wiederaufbau des Landes und zur Abhaltung freier Wahlen wird von der internationalen Staatengemeinschaft organisiert.
  9. Die UNO-Sanktionen (Wirtschaftssanktionen gegen Serbien und Waffenembargo gegen Bosnien) werden schrittweise aufgehoben.
  10. Unter der Führung eines US-Generals wird eine internationale Friedenstruppe (IFOR) unter NATO-Kommando stationiert.
  11. Die IFOR überwacht die Einhaltung des Waffenstillstands, und es wird zwischen den Waffenstillstandslinien etwa eine zwei Kilometer breite Schutzzone eingerichtet.
  12. Innerhalb von vier Monaten werden die schweren Waffen abgezogen, und die Soldaten kehren in die Kasernen zurück.
  13. Alle Kriegsgefangenen werden sofort freigelassen. Entsprechend dem Friedensabkommen von Dayton fanden am 14. September 1996 in der Republik Bosnien und Herzegowina Präsidiums- und Parlamentswahlen statt. Etwa 80 Prozent der 2,9 Millionen wahlberechtigten Bürger bestimmten die Mitglieder des Staatspräsidiums - einen Muslim, einen Serben und einen Kroaten - sowie deren Vertreter im Bundesparlament. Aus den Wahlen ging Alija Izetbegovic als Sieger hervor. Damit bleibt Izetbegovic bis 1998 Staatspräsident des Landes. Auf Platz zwei folgte der Serbe Momcilo Krajisnik; als Dritter zog der Kroate Kresimir Zubak in das Präsidium ein.
    Im Dezember 1996 erteilte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen das Mandat für die neue internationale Friedenstruppe SFOR, der Nachfolgetruppe der IFOR. Die SFOR übernahm die Truppen der IFOR und ist für einen Zeitraum von 18 Monaten in Bosnien und Herzegowina stationiert. Mit Ausnahme von Island beteiligen sich alle Mitgliedsstaaten der NATO an der Friedenstruppe. Neben den NATO-Staaten sind auch Soldaten vieler weiterer Länder in der internationalen Friedenstruppe. So stellen Russland, die Tschechische Republik, Schweden, Polen, Ungarn, Finnland, Österreich und Ägypten Kontingente von jeweils mehr als 100 Soldaten.

Mit der Annahme der Resolution 1575 durch den UN-Sicherheitsrat am 22. November 2004 wurde die seit 1996 bestehende und bisher von der NATO geführte Friedensmission SFOR zu EUFOR und ging unter dem Namen "ALTHEA" in die Verantwortung der Europäischen Union über.

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